Samantha Harvey Tage der Verwilderung

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Inhaltsangabe zu „Tage der Verwilderung“ von Samantha Harvey

Vom Verlust der Erinnerung: mutig und mitfühlend Ein Haus, ganz aus Glas, inmitten der Moorlandschaft von Lincolnshire, das war Jakes lebenslanger Traum. Doch es kam anders: Einzig für das örtliche Gefängnisgebäude ist der Architekt bekannt – und dort sitzt nun sein Sohn Henry ein. Doch Jake weiß nicht mehr, warum Henry verurteilt wurde, noch kann er sich erinnern, was mit seiner Tochter oder seiner Frau passiert ist. Bilder aus der Kindheit und den ersten glücklichen Ehejahren tauchen auf, aber sie werden zunehmend widersprüchlich. Ein Effekt, so faszinierend und verwirrend wie der Blick durch ein Kaleidoskop. Mit großer Sprachmacht zeichnet Samantha Harvey das bewegende Porträt eines Mannes, der darum kämpft, seine Vergangenheit und sein Ich zu bewahren, gekleidet in eindringliche Bilder voller Poesie.

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  • Rezension zu "Tage der Verwilderung" von Samantha Harvey

    Tage der Verwilderung

    tedesca

    30. July 2012 um 15:26

    Samantha Harvey schreibt aus der Sicht von Jake, einem Mann knapp über 60, der an Alzheimer leidet. Immer weiter verfällt sein Erinnerungsvermögen, schon bald kann er die einfachsten Dinge nicht mehr benennen, wundert sich, was diese fremde Frau in seinem Haus tut. In einem letzten Aufwallen kommen die Erinnerungen an sein Leben hoch, eine nach der anderen blitzt auf, um letztendlich für immer zu verschwinden. So erfahren wir viel über Jakes Kindheit, seine Beziehungen zu Frauen, zu seinen Kindern, zu seiner Arbeit als Architekt, manches bleibt ungesagt, lässt sich zwischen den Zeilen erahnen. Sehr sensibel beschreibt die Autorin Jakes Welt, die immer kleiner wird, immer düsterer, und trotz der geradlienigen Sprache, die irgendwie zu Jakes Beruf als Architekt so gut passt, kommen einem immer wieder fast die Tränen, wenn man miterlebt, wie ein geselliger liebenswerter Mensch immer mehr vereinsamt. Ein grandioses Buch, das ich wirklich nur weiterempfehlen kann!

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  • Rezension zu "Tage der Verwilderung" von Samantha Harvey

    Tage der Verwilderung

    WinfriedStanzick

    02. February 2012 um 16:02

    Dieses Romandebüt der 1975 geborenen englischen Schriftstellerin Samantha Harvey wagt sich mit seiner Thematik in einen Bereich, der von vielen Menschen nach wie vor fast so verdrängt wird wie der Tod und das Sterben. Die Rede ist von Krankheiten wie Demenz oder Alzheimer, die in den nächsten Jahrzehnten, nicht nur weil die Menschen immer älter werden, dramatisch zunehmen werden. Während DVA fast zeitgleich mit diesem Roman ein Sachbuch von Annette Bruhns und anderen veröffentlicht unter dem Titel „Demenz: Was wir darüber wissen, wie wir damit leben“, beschäftigt sich Samantha Harvey auf eine literarische, stellenweise poetische Weise mit dem Phänomen und kommt damit der menschlichen Seite des stillen Vergessens sehr nah. Sie erzählt die Geschichte des ehemaligen Architekten Jake aus der Grafschaft Lincolnshire, der sein Leben lang davon träumte, ein Haus ganz aus Glas zu bauen und damit den heutigen Energiesparhäusern, ohne es zu wissen, ziemlich nahe war. Stattdessen hat er ein Gefängnis gebaut, in dem sein Sohn Henry nun einsitzt. Das weiß Henry noch, aber er kann sich nicht mehr erinnern, wie es dazu kam. Er hat vergessen, warum Henry im Gefängnis sitzt, er hat vergessen, was aus seiner Tochter und seiner Frau geworden ist. Henrys Gedächtnisverlust ist fortlaufend, er verliert immer mehr die Orientierung in seinem Leben. Mit einer beeindruckenden Sprache gelingt es Samantha Harvey, die sich ständig weiter auflösende Gedankenwelt eines Mannes zu beschreiben, der sein Gedächtnis verliert und es in einzelnen lichten Momenten sogar weiß. Verzweifelt versucht Jake, aus einzelnen Erinnerungsstücken seine Vergangenheit und seine Lebensgeschichte zusammen zu puzzlen. Er erinnert sich an seine jüdische Mutter, seine eigenen politischen Aktivitäten zur Unterstützung des bedrohten Staates Israel und an die Organisation LIPAC, die er gegründet hatte (Lincolnshire Israel Public Affairs Committee). In England wurde dieses bislang bei uns leider kaum beachtete Buch mit Preisen ausgezeichnet und begeistert besprochen. Vielleicht würde ein ähnliches Buch mit einem Hintergrund in Deutschland besser aufgenommen. Dennoch: der Preisrede zur Verleihung des Ami Awards an Samantha Harvey kann ich mich uneingeschränkt anschließen: „Bilder von verblüffender Tiefe und Klarheit verwandeln das, was eine klinische Fallstudie hätte werden können, in ein bewegendes Tribut an die Würde des menschlichen Geistes.“ Angesicht der Dramatik dieser sich ausbreitenden Krankheit wünscht man sich mehr Bücher dieser Thematik, allerdings bitte auch in dieser literarischen Qualität. „Tage der Verwilderung“ ist ein gelungenes Debüt und lässt von dieser Autorin noch weitere sensible, feinsinnige und sprachmächtige Romane erwarten.

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  • Rezension zu "Tage der Verwilderung" von Samantha Harvey

    Tage der Verwilderung

    Ati

    04. March 2011 um 17:05

    Zur Autorin: Die studierte Philosophin und Mitbegründerin einer 2005 aus der Taufe gehobenen, karitativen Umweltorganisation wurde 1975 in Kent geboren. Samantha Harvey reist sehr gerne und lebte in Irland, Japan und Neuseeland, bevor sie sich in Bath niederließ. Mit der Originalausgabe von „Tage der Verwilderung“ (The Wilderness) stellt Samantha Harvey ihren Debütroman vor. Von Harper’s Bazar wurde sie zur „Women to Watch in 2009“ gekürt. Zum Buch / Meine Meinung: Zitat Buchrücken: Ein Haus, ganz aus Glas, inmitten der Moorlandschaft von Lincolnshire, das war Jakes lebenslanger Traum. Doch es kam anders: Einzig für das örtliche Gefängnisgebäude ist der Architekt bekannt – und dort sitzt nun sein Sohn ein. Das bewegende Porträt eines Mannes, der darum kämpft seine Erinnerungen zu bewahren, gekleidet in wunderschöne, eindringliche Bilder voller Poesie. 2005 habe ich einen Film gesehen, der sich – wie es nur wenige Filme schaffen – sofort in mein Unterbewusstsein einklinkte und mich bis heute nicht vergessen ließ. James Garner, Gena Rowlands und Nick Casavattes Umsetzung von „Wie ein einziger Tag“, schafften etwas aus einem Sparks-Roman zu schaffen, was mich berührte. Es ging um das Thema Demenz und dem hoffnungslos anmutenden, aber anhaltenden Versuch eines Mannes, seine Frau in ihrer Welt zu erreichen. Durch Zufall stolperte ich kürzlich über die Inhaltsangabe von Samantha Harveys „Tage der Verwilderung“ und abgesehen davon, dass sofort die Erinnerung an diesen leisen, aber sehr eindrücklichen Film da war, wollte ich unbedingt dieses Buch lesen. In dem geht es ebenfalls um die Thematik Alzheimer und Demenz. In Harveys Fall jedoch aus der Sicht des daran erkrankten Patienten selbst. Samantha Harvey Tage der Verwilderung – ihr Debütroman, in dem sie sich sofort an ein überaus schwieriges Thema heranwagte – heimste bereits kurz nach der Veröffentlichung Auszeichnungen ein. So etwa den Betty Trask Award 2009 oder den AMI-Literatur-Award 2009. Darüber hinaus wurde er unter anderem für den bedeutendsten Literaturpreis der englischsprachigen Welt, den „Booker-Preis“ nominiert. Er ist zwischenzeitlich in 12 Sprachen übersetzt worden und setzt seinen Siegeszug fort. Bei uns ist er traurigerweise trotz allem noch eher unbekannt. Warum? Nun, Harveys Schreibstil hat aus etwas, das schwer in Worte zu fassen ist, einen sehr bildhaften Tribut geschaffen. Mit klaren und ergreifenden Worten lässt sich die Autorin über die Verletzlichkeit dessen aus, was uns Menschen ausmacht – unseres Geistes. Mit ihrem Buch hat man eines von denen in Händen, die sich schwer beiseitelegen lassen, wenn man sich erst herangewagt hat. Und eins von denen, die man nicht so schnell vergisst. Unsentimental und doch tief berührend, schön und gleichzeitig erschreckend, schafft es die Autorin, zu fesseln. Vielleicht weil sie Tage der Verwilderung nach eigenen Angaben mit ihrem Herzen geschrieben hat. Klingt sentimental? Möglich, doch wer sich in ihren Roman vertieft, wird schnell merken, dass diese Worte nicht einfach nur so dahergesagt sind. Absolut unsentimental, dafür aber eindringlich und überaus emphatisch führt Harvey an ihre Figur Jake heran. Wer ist er, wer war er? Jemand der verzweifelt versucht, zu begreifen und zu verarbeiten, was mit ihm geschieht. Jemand, dessen Gegenwart bröckelt. Jemand dessen Leben im Nichts verschwindet. Jemand, der versucht, aus alten Erinnerungsfetzen, sein Leben zu rekonstruieren. Erinnerungsfetzen, die viel länger halten, als das, was beispielsweise gestern der Erinnerung hinzugefügt wurde. Und doch etwas, das auf Dauer keinen Bestand mehr hat. Ein Mann mit schwieriger Kindheit. Mit einer Mutter, die vom Holocaust traumatisiert wurde. Mit einer Frau, die in ihrem Glauben ruht und deren Tod unsinnig scheint. Mit einem Sohn, der im Gefängnis landet – warum, daran kann Jake sich nicht mehr erinnern. In poetischer Bildhaftigkeit lässt die Autorin die Leser an seiner Welt teilhaben. Lässt seinen Schmerz, seine Verwirrung mitfühlen. Etwa in den Geschichten über Liebesbriefe an seine verstorbene Frau, die er nicht zuordnen kann. Über das fehlende E, die nicht greifbare Tochter oder den Kirschbaum, die Flucht. Sie fragen sich, was darin geschieht? Dann geht es Ihnen genauso wie Jake. Sein Leben wirkt ihm fremd, sein Er-Leben qualvoll. Ausgerechnet der Mann, dessen Name nicht mit der Realisierung großer Träume, sondern nur mit einem Gefängnisgebäude in Verbindung gebracht wird, ausgerechnet dieser Mann wird zu einem Gefangenen der Krankheit. Ausgerechnet der Mann, der zur Erschaffung von Neuem Altes demontieren ließ, erlebt die unaufhaltsame Demontage seines Selbst. Zunächst bewusst, dann zunehmend unbewusster. Immer dann, wenn sich Gegenwart und Vergangenheit überlappen. Realität oder Wahnvorstellung? Die Grenzen sind fließend. Seine Einsamkeit, die Trostlosigkeit seiner Zukunft - all das wird durch die plakative Darstellung von Jakes Situation wie auch seiner Umgebung verdeutlicht. Wie kann man sich mit jemandem unterhalten, Fragen stellen, wenn die Worte dazu fehlen? Wie kann man neue Eindrücke verarbeiten, wenn man hoffnungslos von ihnen überrollt wird. Hilflos, wie ein kleines Kind – das wird Jake; das ist Jake. Fazit: Kein Buch für zwischendurch, keine leichte Kost. Kein beruhigendes, aber auch kein Angst machendes Buch. Ein wundervoller, menschlicher Roman. Gleichermaßen schockierend wie faszinierend. Souverän meistert die Autorin die schwierige, oft ignorierte Thematik. Die Ernsthaftigkeit, mit der sie ihre Figur aufbaut und begleitet, den Zerfall beschreibt, ohne die Würde zu vernachlässigen, zog mich durch die Geschichte. Man kann dafür nur die volle Punktzahl geben und hoffen, dass noch weitere Romane von dieser Autorin folgen. Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

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