Samia Shariff

 4,3 Sterne bei 82 Bewertungen

Alle Bücher von Samia Shariff

Cover des Buches Der Schleier der Angst (ISBN: 9783404270781)

Der Schleier der Angst

 (81)
Erschienen am 08.03.2012
Cover des Buches Le voile de la peur (ISBN: 9782266177818)

Le voile de la peur

 (1)
Erschienen am 07.10.2010

Neue Rezensionen zu Samia Shariff

Cover des Buches Der Schleier der Angst (ISBN: 9783404270781)
V

Rezension zu "Der Schleier der Angst" von Samia Shariff

Nächstenliebe und Almosenpflicht gegen Unterdrückung
Vera-Seidlvor einem Jahr

"Mit der Niederschrift dieses Berichts macht sich Samia zum Sprachrohr von Tausenden von Frauen dieser Welt, die unter ihrem Schleier oder auf andere Weise eine schreckliche Geschichte verbergen. Aber 'Schleier der Angst' ist weit mehr als eine Schilderung von Leid und Unterdrückung. Es ist vor allem eine Geschichte außerordentlichen Mutes", schreibt Lynda Thalie, Schriftstellerin, Lektorin und Übersetzerin, im Vorwort.

 

Der Mut, von dem Thalie spricht, ist nicht von Anfang vorhanden. Er wächst mit der zunehmenden Bedrohung des Lebens der Autorin und ihrer Kinder.

 

Die siebenjährige Samia kann den Eltern noch nichts entgegensetzen, als diese beschließen, wieder in ihr Heimatland Algerien zurückzukehren. Als Sechzehnjährige wagt sie einen Widerspruch gegen die Zwangsverheiratung, kann ihr aber nicht entgehen.

Sie kann sich nicht gegen die Vergewaltigungen und Schläge ihres Ehemannes schützen und 

auch nicht verhindern, dass ihr ihr erster Sohn weggenommen wird.

 

Ihre Eltern, ihre Brüder und ihr Ehemann glauben sich im Recht. "Nach dem Credo der Fundamentalisten muss man rein sein, um ins Paradies aufgenommen zu werden. Man kann sich reinigen, indem man sich mit dem Blut des Menschen wäscht, der als beschmutzt gilt", schreibt Shariff auf Seite 97.

 

Aus gegenwärtiger, westlicher Sicht ein Irrglaube mit fatalen Folgen für die Frauen in der islamischen Welt. Aber ist die christliche Predigt von der Erbsünde, Sigmund Freuds Theorie vom Penisneid der Frauen oder die florierende Sexindustrie besser, habe ich mich gefragt.

 

Steckt nicht hinter und in den Bärten der Männer eine noch größere Angst, wenn sie Frauen seit Jahrtausenden unterdrücken?

Die Flucht nach Montréal gelingt Samia mit ihren fünf Kindern am Anfang der Jahrtausendwende mit gefälschten Pässen. Im jetzigen, digitalen Zeitalter mit hinterlegten Fingerabdrücken eine Unmöglichkeit, meine ich. Die Machthaber haben ihre Kontrollmechanismen verfeinert. Sie säen die Angst nicht mehr nur mit verbalen Drohungen.

 

In den neunziger Jahren in Algerien kann Samias älteste Tochter Norah ihren Vater noch zur Einwilligung in die Scheidung zwingen, indem sie damit droht, ihn wegen Kindesmissbrauchs anzuzeigen. Hätte sie damit fast dreißig Jahre später auch noch Erfolg?

 

Bei Netzfrauen fand ich folgende Aussage vom 10. Mai 2023: "Die Sahara in Algerien ist momentan Aufenthaltsort für etwa hunderttausend Geflohene, die dort in Flüchtlingslagern verharren. Obwohl das algerische Recht die Grundrechte von Kindern garantiert, sieht die Realität ganz anders aus: Der Missbrauch von Flüchtlingskindern ist ein Thema, das in Algerien angegangen werden müsste. Da aber auf Grund von Armut selbst die Kinder, die in Algerien geboren werden, von Menschenhändlern geraubt werden, fragt niemand, wenn auch Flüchtlingskinder plötzlich verschwinden, oder irgendwo nach einem Missbrauch tot aufgefunden werden."

 

Samia gehörte im Heimatland ihrer Eltern nicht zu den Armen. Im Gegenteil konnte sie ein großes Haus ihr Eigen nennen. Ein Haus, in dem sie und ihre Kinder aber um ihr Leben bangen mussten.

Ihr Wohlstand ist ihr noch anzusehen, als sie in Paris ankommt, die Bedrohung nicht. So muss sie sich von der Sozialarbeiterin anhören: "Diese schwierige Lage haben Sie sich selbst zuzuschreiben, Madame! ... Sie hätten es sich zweimal überlegen sollen, bevor Sie mit fünf Kindern und ohne Geld hierherkommen. Was haben Sie sich denn gedacht? Dass eine Wohnung für Sie bereitsteht, wenn Sie hier landen?"

 

Samia und ihre Töchter waren in Frankreich geboren worden. Mit einer Wohnung hätten sie nach fünf Jahren die französische Staatsbürgerschaft erlangen können. War das der wahre Grund, dass sie mit ihren Kindern fast ein Jahr lang in Hotels und einer Obdachlosenunterkunft zubringen musste?

 

In der Präambel der französischen Verfassung vom 26. Oktober 1946 steht: "Jedermann, der wegen seines Einsatzes zugunsten der Freiheit verfolgt wird, hat in den Gebieten der Republik Asylrecht."  

Inzwischen äußerten unter anderen das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge und das Menschenrechts-Komitee der Vereinten Nation "Besorgnis" über Frankreichs Asylpolitik.  

 

Wie gut, dass es immer noch Menschen gibt, die zur christlichen Nächstenliebe fähig sind oder solche, die die Almosen-Pflicht im Islam beim Wort nehmen. 

 

Ich danke der Autoren herzlich, dass sie den Schleier der Angst gelüftet hat. Ich danke all jenen, die der Familie geholfen haben.

 

Vera Seidl

 

 

 

 

 

 

Cover des Buches Der Schleier der Angst (ISBN: 9783404270781)
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Rezension zu "Der Schleier der Angst" von Samia Shariff

Sehr schockierend aber fesselnt zugleich
Reddington_Blacksdragonvor 3 Jahren

Sehr schockierend  aber fesselnt zugleich was diese arme Frau ales durch stehen musste. Echt  empfehlendswert. Man leidet und fühlt mit der  Frau   auf jeder Seite mit  ,

Cover des Buches Der Schleier der Angst (ISBN: 9783404270781)
Nanc_ys avatar

Rezension zu "Der Schleier der Angst" von Samia Shariff

Erschütternd..
Nanc_yvor 4 Jahren

Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht wie ich dieses Buch rezensiere, ich bin immer noch sprachlos und fassungslos über Samia's Schicksal. Ich kann mich nur ansatzweise in Samia's Lage hineinversetzen, aber was ich gelesen habe, was sie beschrieben hat, hat mich einfach schockiert!  Angefangen damit, dass ich einfach nicht verstehen kann, wie Eltern ihr eigenes Fleisch und Blut als Fluch ansehen und es auch so behandeln. Als Mädchen in einer algerischen Familie hatte Samia nie eine Chance auf eine wohlbehütete, liebevolle und gewaltfreie Kindheit. Von klein an hat sie um jeden Funken Liebe und Respekt kämpfen müssen und hat diesen Kampf immer und immer wieder verloren. Es geht weiter mit ihrer Zwangsheirat mit einem gewaltvollen Ehemann. Wie sie ihre Misshandlungen und Vergewaltigungen beschreibt, lässt mein Herz mit jeder Zeile brechen. Samia hat so viel ertragen müssen, nicht nur die Ehe sondern auch die erste Geburt ihres Sohnes hinterließ einen bitteren Nachgeschmack, denn ihr kleiner Sohn wurde gegen ihren Willen zu ihren Eltern nach Algerien gebracht und mit den Jahren wurde er radikalisiert. Das Schicksal schlug dann wieder zu denn nachdem sie ihren Sohn abgeben musste bekam sie zwei Mädchen. Ihr Mann sah sie nie als eigenes an sondern immer nur als Bastarde. Ich werde wieder aggressiv wenn ich diese Worte schreibe. Was später raus kam, was ER mit seiner eigenen Tochter gemacht hat .. einfach grauenvoll.
Nachdem Samia wiederholt von ihrem Ehemann bewusstlos geprügelt wurde, entschied sie sich ihren Mann zu verlassen - was eine Schande in Algerien ist. Eine Frau darf sich nicht scheiden lassen. Unfassbar, eine Frau in Algerien hat einfach keine Rechte.. nichts. Ich bin schockiert. Es tut so weh. Nach einem langen, schmerzvollen, von Drohungen und Angriffen begleiteten Kampf willigte ER in die Scheidung ein. Samia fand ihr Glück in einem anderen Mann, der ihr zum ersten Mal in ihrem Leben mit Respekt und Liebe entgegen kam, er nahm ihre beiden Töchter in sein Herz auf und bekam schließlich mit ihm noch drei weitere Jungs. Nachdem ihre neue Familie dennoch weiter gedroht wurde und sie ihr neues Glück niemals in Algerien geniessen konnte, entschließt sie sich mit ihrem Kindern das Land zu verlassen. Ein schwerer Weg, den ich mit Spannung, Schmerz und Hoffnung begleitet habe. Es hat mein Herz berührt, wie viele fremde Menschen Samia und ihren Kindern geholfen haben. Samia hat letzten Endes ihr Glück erhalten und lebt mit ihren Kindern in Kanada.

Ich könnte noch so viel schreiben, es wäre dem Buch nicht würdig. Mir fehlen einfach die Worte.. das Schicksal ist mir einfach unter die Haut gegangen. Ich habe so oft geweint. Mein Herz tut weh, wenn ich an Samia denke. Ich bin dennoch aber auch beeindruckt, davon, dass sie sich trotz der Gewalt, den Misshandlungen und des Schmerzes nie aufgegeben hat. Sie ist eine so starke Frau und steht für so viel.

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