Der Mensch erzählt Geschichten und das eigentlich schon immer. Das zumindest ist eine der Grundannahmen von Samira El Quassils und Friedemann Karigs Sachbuch „Erzählende Affen“ – der Mensch ist ein erzählender Affe. Und die beiden Autor*innen legen sehr eindrucksvoll und nachvollziehbar dar, warum das so ist und vor allem, worin die Macht von Narrativen und Erzählungen von der Antike bis in unsere heutige Zeit besteht. Sie arbeiten dabei mit zahlreichen Beispielen von den ersten Höhlenmalereien über die Bibel und den Dramen von Shakespeare bis hin zu modernen Bestsellern wie „Der Herr der Ringe“ und Blockbustern wie „Star Wars“.
El Quassil und Karig schauen aber natürlich nicht nur auf Literatur und Popkultur, sondern auch auf die Narrative, mit denen bis heute in der Politik und vor allem in totalitären Regimen und in der Propaganda gearbeitet wird – Erzählungen und Legenden, mit denen Menschen gegen andere aufgewiegelt werden. Sie untersuchen aber auch, welche Art von Erzählungen es benötigen würde, um die Menschen gegen reale Bedrohungen wie etwa den Klimawandel zu vereinen. Ich fand ihre Betrachtungen durchgehend faszinierend und interessant, einiges war mir als Literaturwissenschaftlerin bekannt, vieles aber auch nicht. Einziger Wermutstropfen waren für mich die Lesung von Sebastian Dunkelberg, die mich nicht so richtig überzeugt hat, und die Audioproduktion selbst, die immer wieder ziemlich starke Qualitätsschwankungen hat. Ansonsten aber kann ich „Erzählende Affen“ auf jeden Fall weiterempfehlen, weil es die Welt anhand von Geschichten erklärt und das ist ziemlich spannend.












