Samira El Ouassil

 4,4 Sterne bei 22 Bewertungen
Autor von Erzählende Affen, Erzählende Affen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Samira El Ouassil

Samira El Ouassil, geboren 1984 in München, ist eine deutsche Autorin, Schauspielerin, Musikerin und Politikerin (Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative). Seit September 2018 schreibt sie für das Onlineportal "Übermedien" die Kolumne "Wochenschau".Seit 2019 moderiert sie zusammen mit Christiane Stenger den philosophischen Audible-Podcast "Sag niemals Nietzsche". Seit 2020 schreibt sie eine Online-Kolumne beim "Spiegel". Zusammen mit Friedemann Karig moderiert sie seit 2020 den Podcast "Piratensender Powerplay". El Ouassil ist Sängerin der Band Kummer und Mitglied im Verein Mensa

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Erzählende Affen (ISBN: 9783548067339)

Erzählende Affen

Erscheint am 29.12.2022 als Taschenbuch bei Ullstein Taschenbuch Verlag.

Alle Bücher von Samira El Ouassil

Cover des Buches Erzählende Affen (ISBN: 9783550201677)

Erzählende Affen

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Erschienen am 18.10.2021
Cover des Buches Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg (ISBN: 9783492304580)

Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg

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Erschienen am 12.05.2014
Cover des Buches Die 100 wichtigsten Dinge (ISBN: 9783775741149)

Die 100 wichtigsten Dinge

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Erschienen am 07.01.2016
Cover des Buches Erzählende Affen (ISBN: 9783548067339)

Erzählende Affen

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Erscheint am 29.12.2022
Cover des Buches Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg (ISBN: 9783492966788)

Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg

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Erschienen am 12.05.2014
Cover des Buches Erzählende Affen (ISBN: 9783863525156)

Erzählende Affen

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Erschienen am 15.12.2021

Neue Rezensionen zu Samira El Ouassil

Cover des Buches Erzählende Affen (ISBN: 9783863525156)
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Erzählende Affen" von Samira El Ouassil

Lagerfeuergeschichten, Stammesgeschichten, Mythen und Märchen bis hin zur Ilias, Odyssee, über Herr der Ringe und Harry Potter, über die PR bis zu Film zum Gaming.
Gwhynwhyfarvor 10 Tagen


«Wir entdecken überall Geschichten, weil wir überall welche finden wollen, beziehungsweise finden müssen, selbst wenn es sich um abstrakte Formen handelt. Unser Gehirn sucht nicht nur nach Geschichten – es ist regelrecht süchtig nach ihnen.»


In diesem Sachbuch werden, banal gesagt, die Erkenntnisse der Erzähltheorie erörtert. Angefangen mit Lagerfeuergeschichten, Stammesgeschichten, Mythen und Märchen bis hin zur Ilias, Odyssee, über Herr der Ringe und Harry Potter, über die PR bis zum Gaming. Es geht auch um Selbstdarstellung auf Instagram usw. Wir alle wachsen mit Heldengeschichten und Märchen auf. Die Elemente der Heldenreise von Joseph Campbell «The Hero with a Thousand Faces» von 1945 sind der Grundstock. Jede Menge Bücher, Filme und TV-Serien werden nun als Beispiel benannt. Um die Heldenreise kurz zusammenzufassen: Ein Mensch wie du und ich (meistes; hin und wieder wird gleich der Held gerufen) wird in eine Situation gebracht, in der er sich finsteren Mächten (den Antagonisten) entgegenstellen muss – und er wird am Ende siegen. Meistens hat er sich die Rolle nicht selbst gewählt, sondern will lediglich in Ruhe sein Leben verbringen. James Bond oder Supermann sind Helden, deren Lebensziel es ist für das Recht zu kämpfen, als solche zu Beginn gleich als Held identifizierbar. El Ouassil und Friedemann Karig erklären anhand der Heldenreise unsere Erzählstruktur von Anbeginn, die «Geschichte der Menschheit … auch als Summe unserer geteilten Geschichten» als tiefverwurzelte Narrative. Durch Anstrengung und Furchtlosigkeit kann ein Held alles erreichen, die Welt retten, Denkstrukturen durchbrechen, Menschen, Kulturen zusammenführen. Wir alle kennen die kollektiven Geschichten, die die Menschheit fasziniert, die weitererzählt werden, die uns glauben lassen, alles wird am Ende gut ausgehen, die Trost in dunklen Zeiten spenden, die uns helfen, uns zu orientieren, die Welt zu verstehen, uns helfen, das Gute vom Schlechten zu identifizieren, die Moral schärfen, uns in fantastische Welten katapultieren. 


«Wer bestimmt, wer wann und wo mehr Recht auf die Validität seiner Geschichte hat? Konflikte vermeintlich kultureller Art sind oftmals narrative Konflikte, da Kultur selbst eine Erzählung ist von dem, was gut und wahr und schön ist – oder eben nicht.»


Diese Strukturen kann man natürlich auch mit gefährlichen Narrativen füllen, politisch, rassistisch, religiös usw. Was erzählt wird, wird zunächst geglaubt, wenn es gut verpackt ist durch Sprachpolitik und Framing. «Und je mehr Menschen sich auf bestimmte Erzählungen einigen, desto mehr verfestigen sich auch die darin eingebetteten Narrative.» Und so landen wir bei Lügen, Fakenews, Propaganda, Kriminalität. PR, Werbung, Politik – alles funktioniert nach dem Storytelling – eine gute Geschichte erzählen, um bei Zuhörern anzukommen. Einer macht sich selbst zum angeblichen Volkshelden, erklärt eine andere Gruppe zum Antagonisten, zum Feind, zum «Untermenschen», zur Gefahr usw. – die Geschichte zeigt genügend Beispiele, wie es funktioniert. Die anderen sind an allem Schuld, wenn es bei einem selbst nicht funktioniert. Ein gutes Storytelling kann ganze Völker aufhetzen.


«Man benötigt weiterhin einen Journalismus, der das Problem verständlich macht und dessen Tragweite vermittelt, aber man braucht ebenso eine konstruktive, lösungsorientierte Berichterstattung, um Verhaltensänderung zu inspirieren.»


Unsere Zivilisation und Kultur basiert auf unseren Geschichten. Es gibt ziemlich viele Erzählungen, Mythen und Märchen, die auf der ganzen Welt sind, egal welche Kultur sie erzählt, die im Prinzip die gleiche Grundgeschichte erzählen. Ein Held wird erst gerufen oder muss sich stellen, wenn die Gesellschaft bedroht wird, wenn sowieso alles verloren scheint. Dann muss einer es wagen, sich für alle ins Zeug zu scheißen. Wir bezeichnen gefallene Soldaten als Helden und mancher wird heute als Held bezeichnet, weil er früh ins Gras biss, und nicht mehr zeigen konnte, ob er wirklich einer geworden wäre. Laut Forschern spalteten sich die Menschen von den Tieren ab, als sie begannen, Lügengeschichten zu erzählen, was wahrscheinlich mit der Sprachentwicklung zur gleichen Zeit passierte. Unsere Stammesgeschichten zeigen selbstverständlich auch ein Macht- und Geschlechterverhältnis. Die Frau spielt eine untergebene Rolle. Wenn die Geschichten es erzählen, wird es so richtig sein. Es hat lange gebraucht, um eine Wendung zu erzwingen. Ebenso: «Macht euch die Erde untertan», alles Narrative, die wir durchbrechen müssen. Und der moderne Roman zeigt, dass eine Geschichte auch ohne Helden – Heldengeschichte – funktionieren kann.


«Um zu verstehen, inwiefern Geschichten ein wirkmächtiges Instrument der Menschheit waren, muss man begreifen, dass der Mensch Geschichten genutzt hat, nicht nur um sich zu unterhalten, um Affekte zu evozieren, sondern auch um Informationen zu verbreiten und früher – um das Lagerfeuer herum – wurden Geschichten genutzt, um überlebensnotwendige Informationen und Botschaften auf niedrigschwellige Art und Weise schnell zu multiplizieren.»


Das Buch ist in die zwölf Kapitel einer Heldenreise gegliedert. Im letzten Teil geht es um die Richtung der Erzählung, die immer gleich bleibt. Die Autoren sagen, Journalisten berichten falsch zum Thema Klima, Klima-Aktivistinnen reden von Verboten, machen uns alle zu Antagonisten. Hier geht es aber um die Verantwortung des Einzelnen, etwas besser zu machen, sich zu verändern. Verhaltensänderung erreichen wir nur, wenn wir unser heutiges Verhalten als beschämend und ehrlos begriffen. Mit Verboten klappt es nicht. Die Klimakatastrophe kann nicht von einem Heldenteam aufgehalten werden – es gibt auch keinen einzelnen Antagonisten, eine Gruppe böser Buben, die Heldenreise funktioniert nicht zu diesem Thema. Ach ja  – wer sagt schon Katastrophe? Das Narrativ ist Klimawandel. Die Autoren raten: «Jedes abgeschaltete Kohlekraftwerk, jedes neu gebaute Windrad muss zu einem gefeierten Meilenstein auf der Heldenreise der Vernünftigen werden.» Gesellschaften verändern sich über die Geschichten, die man ihnen erzählt. Das kann man positiv nutzen, die Welt, die Gesellschaft zu verbessern, oder manipulativ, um Kriege zu führen, um Gesellschaftsschichten zu auszustoßen, um Regierungen zu stürzen. Wahrheit und Lüge zu unterscheiden, ein wichtiges Thema im Storytelling. Das Internet mit seinen vielschichtigen Möglichkeiten zeigt: «... wo laut diverser Untersuchungen die Wut das Gefühl ist, das am meisten geteilt wird.» Wut und Hass verbreiten, den Emotionen freien Lauf lassen. Zu erklären ist eine Möglichkeit, dies zu stoppen, die bei den Wutschnaubenden meist aber nicht ankommt – von anderer Seite wird das Feuer minütlich angeheizt. Hier funktionieren die Stammesgeschichten nicht mehr.


«Das Wort Klimawandel, so harmlos es klingt, ist eine Erfindung der US-amerikanischen Republikaner, die versucht haben, dass die Vorstellung, das Konzept wir unseren eigenen Lebensraum zerstören, dass wir unsere eigene Atmosphäre erhitzen, bis der Planet brennt, in ein Wort zu gießen, was weniger bedrohlich klingt, quasi: natürlich. Ein Klimawandel und nicht eine Klima-Erhitzung oder Welt-Zerstörung»


Soziologie und Kulturtheorie, Rhetorik von der Stammesgeschichte bis zum Storytelling im Marketing, im Selbstmarketing bis zu Instagram und TikTok, einschließlich populistischer Lügen und Verschwörungsmythen. Ein feines Buch das sich mit kollektiven Geschichten und deren Auswirkung auf die menschliche Psyche beschäftigt. Leider ist der Sprecher des Hörbuchs, Sebastian Dunkelberg, nicht der englischen Sprache mächtig. In diesem Sachbuch kommen eine Menge allgemeiner Anglizismen vor, die man eigentlich kennen sollte. Bei der falschen Aussprache dieser Worte klingelte es in meinen Ohren bis hin zum Zahnschmerz. Das ist wirklich ätzend. Und ganz ehrlich, ich finde, das Buch ist als Papierwerk sowieso wertvoller. Ich werde es mir holen. Es gibt kluge Gedanken, die ich gern nochmal nachschlagen mag, und es beinhaltet sehr viel Information, die gelesen besser verarbeitet werden kann. Ein Buch, in dem man auf Papier gut markieren kann und den Rand vollschreiben. 


«Wir müssen viel stärker in den Fokus rücken und eindrücklich davon erzählen, was wir als Menschen, als Gesellschaft, als Eltern von Kindern und Kindeskindern gewinnen können. Und zwar nicht nur eine gewisse Stabilität und das Überleben unserer Spezies, sondern auch so etwas wie Banales, wie bessere Luft, saubere Flüsse, gesünderes Essen. Momentan steht sehr stark im Fokus, was schlechter werden könnte oder schlechter wird. Wir könnten aber auch davon erzählen, in welcher Welt wir eigentlich leben wollen und worüber wir uns freuen würden. In 20 oder 30 Jahren.»


Samira El Ouassil, geboren 1984 in München, ist eine deutsche Autorin, Schauspielerin, Musikerin und Politikerin (Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative). Seit September 2018 schreibt sie für das Onlineportal «Übermedien» die Kolumne «Wochenschau».Seit 2019 moderiert sie zusammen mit Christiane Stenger den philosophischen Audible-Podcast «Sag niemals Nietzsche». Seit 2020 schreibt sie eine Online-Kolumne beim «Spiegel». Zusammen mit Friedemann Karig moderiert sie seit 2020 den Podcast «Piratensender Powerplay». El Ouassil ist Sängerin der Band Kummer und Mitglied im Verein Mensa.


Friedemann Karig, geboren 1982, studierte Medienwissenschaften, Politik, Soziologie und VWL und schreibt unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, das SZ-Magazin, Die Zeit und jetzt. Er moderierte das für den Grimme-Preis nominierte Format «Jäger&Sammler» von «funk», dem jungen Online-Angebot von ARD und ZDF. Mit Samira El Ouassil betreibt er den Podcast «Piratensender Powerplay». Dschungel war sein literarisches Debüt, zuvor erschien 2017 sein Buch «Wie wir lieben. Vom Ende der Monogamie». Das von ihm 2021 zusammen mit Samira El Ouassil verfasste Buch Erzählende Affen wurde zum Bestseller und für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert. Karig lebt in Berlin und in München. 


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Cover des Buches Erzählende Affen (ISBN: 9783550201677)
Kathrin_Schroeders avatar

Rezension zu "Erzählende Affen" von Samira El Ouassil

Homo narrans
Kathrin_Schroedervor 3 Monaten

Erzählende Affen Mythen, Lügen, Utopien - wie Geschichten unser Leben bestimmen | Narrative vom Patriarchat oder der Klimakrise

Von Samira El Ouassil; Friedemann Karig

Gelesen dank Netgalley

Geschichten als Antrieb des Erzählenden Affen sich weiterzuentwickeln, Geschichten als Antrieb die Welt zu gestalten, Geschichten als Stolperstein und Mittel der Propaganda, als Bauernfängerei und vielleicht als Brücke zur Erlösung.

Quer durch das Medium des Erzählens und der Geschichte hindurch verläuft der Spannungsbogen, regt zum Denken und Nachdenken an, gibt Anstöße zu stolpern und weiterzudenken.

Ein Buch süffig wie ein guter Wein – ob es auch als Sachbuch überzeugen kann, kann ich aus der Position des denkenden Laien nicht beurteilen.

Interessanterweise funktioniert dieses Sachbuch trotz reichlicher Fußnoten sogar als Hörbuch (kapitelweise über BookBeat gehört) – dort gibt es allerdings stellenweise ungewohnte Aussprache des Englischen.

Mein Buchhighlight im laufenden Jahr

#DSP22 #NetGalleyDE #ErzählendeAffen #SamiraElOuassil #FriedemannKarig #KathrinliebtLesen #Rezension #Bookstagram

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Cover des Buches Erzählende Affen (ISBN: 9783550201677)
thebookfairys avatar

Rezension zu "Erzählende Affen" von Samira El Ouassil

Faszinierend und erschreckend zugleich
thebookfairyvor 5 Monaten

Zuerst ein Geständnis: Dieses Buch erschien auf meinem Radar, da ich sowohl El Quassil als auch Karig auf Social Media folge und ihre Takes zu verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Themen immer on point fand. Daher war ich grundsätzlich daran interessiert an der gemeinsamen Arbeit der beiden. Hinzu kommt, dass "Erzählende Affen" ein faszinierendes und gleichzeitig erschreckendes Thema auffasst: Den Einfluss von gut erzählten Geschichten auf, nun, schlichtweg das gesamte menschliche Leben. Gerade im Zeitalter, in dem Querdenker und ultrarechte Strömungen mehr und mehr Anhänger*innen finden, ist ein Deep Dive in das Warum so wichtig wie nie.

"Erzählende Affen" schafft es, diese und andere Phänomene unserer Zeit fundiert und nachvollziehbar zu ergründen. Das tut es auf eine so spannende Art und Weise, dass es mir fast unmöglich war, das Buch aus der Hand zu legen. Das allein heißt schon was, denn obwohl ich Sachbücher sehr gerne lese, lese ich sie meist in kleinen Happen. Vielleicht lag es auch an den vielen popkulturellen Referenzen und handfesten Beispielen aus allen, alten wie neuen, Medien, die das eben Erklärte noch nachvollziehbarer machten. Nicht alles davon ist neu, aber so pointiert aufgearbeitet und mit etlichen Quellen belegt, dass selbst Bekanntes noch einmal in neuem Licht erscheint.

Alles in allem ein mehr als interessanter Einblick in die Macht von Narrativen, der dazu anregt, sich selbst und die eigenen Denkmuster zu hinterfragen und dabei hilft, zumindest so ein klein wenig zu verstehen, warum sich so viele Menschen weltweit in Strömungen und Verschwörungstheorien verstricken, die für die meisten für uns so eindeutig sinnbefreit und gefährlich sind.

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