Samu Weis

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Rekruten des Terrors

Rekruten des Terrors

 (2)
Erschienen am 11.05.2015

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Rezension zu "Rekruten des Terrors" von Samu Weis

Rekruten für die "größte religiöse Säuberung in der Geschichte der Menschheit"
R_Mantheyvor 3 Jahren

In diesem Buch geht es um die sogenannten IS-Rückkehrer, also um Leute, die in Syrien oder im Irak für den Islamischen Staat gemordet haben und nun ins normale Leben nach Deutschland zurückwollen. Unter ihnen gibt es - so behauptet der Autor - ein paar Desillusionierte. Die Mehrzahl dieser Leute haben jedoch keineswegs mit der totalitären Ideologie des Salafismus gebrochen. Sie seien "kampferprobt". Das ist so eine erstaunlich neutrale, ja fast positive Formulierung, von der man viele in diesem Buch findet und sich verwundert an den Kopf greift. Auf Seite 129 beklagt der Autor sogar, dass es für diese Leute kein Reintegrationsprogramm gibt, sondern nur die Mittel des Rechtsstaates. Angesichts der Verbrechen, die diese Terrororganisation verübt, verwundert diese unglaubliche Naivität schon. Aber sie passt in den Zeitgeist der Selbstaufgabe europäischer Traditionen und Werte.



Mir ist bis zum Ende des Buches nicht deutlich geworden, was der Autor seinen Lesern eigentlich mitteilen wollte. Zu Beginn des Textes lernt man, dass der Salafismus eine sunnitische Bewegung ist, die den ursprünglichen Islam wieder herstellen möchte, sich also wörtlich am Koran orientiert und dem Propheten in seinen Taten folgt. Der Koran wurde dem Propheten von Allah übermittelt und ist folglich durch Menschen nicht veränderbar. Anders als andere Religionen enthält der Koran auch klare Anweisungen über die Umsetzung des göttlichen Willens, und dabei insbesondere ein islamisches Rechtssystem. Der Islam duldet keine anderen Religionen neben sich, wenn er über die Mittel verfügt, diesen Anspruch durchzusetzen. Obwohl das völlig unzweifelhaft ist und in islamischen Staaten praktiziert wird, verdrängt man diese Tatsache in Europa gerne.



Will man also wissen, was der ursprüngliche Islam tatsächlich ist, dann sollte man sich die Vorgänge im IS-Kalifat sehr genau ansehen. Auch der Autor kann davor nicht die Augen völlig verschließen. Die meisten Rückkehrer aus dem IS-Kalifat lösen sich nicht von Salafismus, sondern halten sich nun erst recht für die Vollstrecker des göttlichen Willens. Und dieser Wille ist nach Ansicht der Salafisten die Errichtung eines weltweiten Kalifats. Terroranschläge sind dabei nur der Anfang des Kampfes. Obwohl das alles offen liegt, wird der Autor nicht müde, die Dinge zu verharmlosen.



Er betont, dass - bezogen auf die Gesamtzahl der Muslime in Deutschland - nur 0,008 Prozent Salafisten wären. Das hält er offenbar für völlig ungefährlich, unterstreicht das auch noch, indem er diese Zahl buchstabiert. Er offenbart damit nur seine Geschichtsblindheit und ein dramatisches Unverständnis. In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts haben sich in Deutschland und Russland kleine, aber straff organisierte und Gruppen von Anhängern totalitärer Ideologien an die Macht gebracht. Die fürchterlichen Folgen sind bekannt. Auch in den Gebieten Syriens und des Irak war und ist der IS eine unbedeutene Minderheit.



Es wundert nicht, dass sich diese naive Grundhaltung des Autors durch das gesamte Buch zieht. Auf Seite 81 gibt er nicht etwa der totalitären islamischen Ideologie, sondern der deutschen Gesellschaft die Schuld daran, dass über 500 junge Leute aus Deutschland in den IS-Krieg gezogen sind. Sie wären durchs Raster gefallen und nicht genügend integriert worden. Wenig später findet man dann folgende Formulierung: "Überspitzt formuliert könnte man also sagen, dass aus dem angeworbenen 'Gastarbeiter' erst der Arbeitsplätze stehlende Ausländer, dann der undurchsichtige Muslim und schließlich der radikale Islamist geworden ist." Solche Behauptungen sind nicht nur absurd, sie stellen auch die Tatsachen völlig auf den Kopf.



Immerhin enthält dieses Buch auch einige lehrreiche Informationen, etwa zu den Anwerbungsversuchen, der Salafistenszene in Deutschland, zum Salafismus selbst und zu den Zielen des IS. Der Autor zitiert Todenhöfer, der (klarsichtig) behauptet, dass das IS-Kalifat nur der Anfang sei. Die Organisation plane die größte religiöse Säuberung in der Geschichte der Menschheit: "Die Terrorgruppe wolle mit Ausnahmen der Buchreligionen - der Islam nach IS-Auslegung, Judentum und Christentum - alle Nichtgläubigen und Abtrünnigen töten und ihre Frauen und Kinder versklaven. Alle Schiiten, Jesiden, Hindus, Atheisten und Polytheisten sollen sterben. Hunderte Millionen Menschen sollen im Zuge dieser religiösen Reinigung eliminiert werden. Auch wolle der IS alle gemäßigten Muslime, die die Demokratie unterstützen, umbringen. "



Damit liegen die Karten klar auf dem Tisch. Bereits jetzt sehen sich die deutschen Verfassungsorgane nicht mehr imstande die zahlreichen Gefährder auf deutschem Boden wirklich so zu überwachen, wie das nötig wäre. Im Zuge der gegenwärtigen Ströme illegaler Einwanderer aus dem Nahen Osten wird das nicht leichter werden. Die einzige Antwort auf diese gravierenden Probleme sieht der Autor in der Verhinderung einer Radikalisierung von Muslimen. Das erscheint angesichts der Dimension des wirklichen Problems und der oben genannten Ziele der IS-Leute mehr als naiv.



Dieses Buch ist in der Summe eine Demonstration von Verharmlosung, falschen Schuldzuweisungen und naiven Lösungsversuchen. Allerdings enthält es auch zahlreiche wirkliche Informationen, deren tatsächlichen Gehalt der Autor aber irgendwie nicht wahrgenommen oder verstanden hat.

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