Rimbaud und die Dinge des Herzens

von Samuel Benchetrit 
3,9 Sterne bei62 Bewertungen
Rimbaud und die Dinge des Herzens
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Beusts avatar

Tragikomische Einwanderungsgeschichte mit der glaubwürdigen Stimme eines tapferen Kerlchens

Kelo24s avatar

Die Gemeinsamkeiten mit den kleinen Prinzen konnte ich nicht entdecken und dieses Buch konnte mich nicht wirklich berühren, daher 2,5 Sterne

Alle 62 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Rimbaud und die Dinge des Herzens"

Der 'kleine Prinz' der Pariser Vorstadt

'Weißt du, Charly, im Leben muss man lieben, und zwar sehr. Man darf niemals Angst haben, zu sehr zu lieben. Diejenigen, die den Schmerz fürchten, glauben nicht an das Leben. Verstehst du, Charly: Was auch geschieht, sieh zu, dass dein Herz immer voll ist.'

Ein kleiner Junge sucht in der feindlichen Umgebung der Pariser Banlieue einen Tag lang nach seiner Mutter - und nimmt uns dabei mit auf eine Reise in eine überraschende Welt voller Hoffnung und Poesie. Eine moderne Fabel, die glücklich macht.

Der zehnjährige Charly ist gewohnt, dass die Polizei seine Mutter ab und zu aus ihrer Wohnung in dem heruntergekommenen Hochhaus holt - immer geht es um seinen Bruder Henry und dessen Drogenprobleme. Doch heute hat sie ihn zum ersten Mal in seinem Leben nicht angelächelt: Was ist Schlimmes passiert? Er muss sie einfach finden, auch wenn er dafür die Schule schwänzen und die Hilfe all seiner Freunde beanspruchen wird.
Mit klopfendem Herzen läuft er durch das Viertel, erzählt von seinen Sorgen, von seinen Träumen und von den zwei Frauen, die er liebt - seine Mutter und seinen heimlichen Schwarm Mélanie. Und wenn er gar keine Antworten mehr findet, sucht er Zuflucht bei den Versen seines Lieblingsdichters Rimbaud. Jeder Leser wird den lebensmutigen, weisen Charly in sein Herz schließen und nicht mehr daraus entlassen. Rimbaud und die Dinge des Herzens sind der seltene Glücksfall eines warmherzigen, anrührenden und menschlichen Buches, das Poesie schafft, ohne je in Kitsch abzugleiten.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746628288
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:25.06.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 18.08.2011 bei steinbach sprechende bücher erschienen.

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    Ulenfluchts avatar
    Ulenfluchtvor 5 Jahren
    Tragikomödie über die Banlieue

    Ein Tag, ein zehnjähriger Junge und ein Plattenbauvorort von Paris. Alles drei für sich sind schon eine schriftstellerische Herausforderung, aber hier traut sich Benchetrit an alles drei auf einmal. Und er besteht nicht nur, sondern macht aus seinem Roman ein echtes Leseerlebnis. Bei mir bekommt ein Buch normalerweise 50 Seiten, dann muss man sich eingelesen haben und es gut finden. Aber hier reichte eine einzige Seite. Der Protagonist Charly philosophiert mit seinem Kumpel Yéyé über den Namen des hässlichen Hochhauses, in dem sie leben. Rimbaud-Turm, welch Euphemismus. Yéyé erklärt, dass Rimbaud ein toter Dichter ist. "Ich habe natürlich gleich gefragt, ob er gestorben ist, nachdem er unseren Wohnturm gesehen hat." Ich hatte lange kein lustig geschriebenes Buch über ein ernstes Thema gelesen, aber hier kündigte es sich schon nach einer Seite an.

    Was folgt, ist sowas wie das kürzeste Roadmovie der Welt, bewegt sich Charly doch nur in seinem Viertel, in dem Paris unerreichbar fern ist. Man spürt die Tristesse und die Tragik der pariser Vorstadt mit voller Wucht vor allem dadurch, dass es ein Kind ist, das sie in seinen Worten schildert, denn es ist seine Umgebung und sein Zuhause. Dabei kann es hier wie auch sonst dahingestellt bleiben, ob so ein Zehnjähriger redet. Ich empfinde dieses kleine bisschen Mehr nicht altersgerechter Weisheit, die der Autor Charly verleiht, als gekonntes Stilmittel. Vor dem Hintergrund, dass man alles durch die Augen eines Kindes sieht, sind auch die anderen Charaktere gut getroffen; die Mutter, Charlys Schwarm Mélanie und sein drogensüchtiger Bruder Henry, zu dem er eine schwierige Beziehung hat, den er entgegen seiner eigenen Schilderung aber auch sehr liebt. Diese Verbindung ist besonders gelungen und berührend dargestellt.

    Auch zwei kleine Kritikpunkte können den Gesamteindruck nicht schmälern: Die lineare Struktur wirkt an sich immer schon bleiern, weil man natürlich weiß, dass nach 8 Uhr 9 Uhr kommt usw, sodass jedes Kapitel vor der schweren Aufgabe steht, diese negative Erwartung wieder rauszureißen, was jedoch meist gelingt. Zweitens ist die Sache mit dem Dichter Rimbaud, der allem einen irgendwie anspruchsvollen und poetischen Rahmen geben soll, übertrieben und überflüssig. Das Buch hat das gar nicht nötig und verwässert das ansonsten realistisch erscheinende Bild der Vorstadt.

    Das hier ist ein Roman, den ich immer wieder lesen werde und dessen Witz und Tragik mich wohl erneut faszinieren wird. Wie einen ein kurzer Nebensatz auflachen lässt und man im nächsten schon wieder weinen sollte, da es in unseren Städten tausende von Rimbaud-Türmen gibt. Aber hoffentlich auch den einen oder anderen klugen, aufgeweckten Charly.

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    Chrischans avatar
    Chrischanvor 6 Jahren
    Rezension zu "Rimbaud und die Dinge des Herzens" von Samuel Benchetrit

    »Weißt du, Charly, im Leben muss man lieben, und zwar sehr. Man darf niemals Angst haben, zu sehr zu lieben. Diejenigen, die den Schmerz fürchten, glauben nicht an das Leben ... Verstehst du, Charly: Was auch geschieht, sieh zu, dass dein Herz immer voll ist.«
    Samuel Benchetrit - Rimbaud und die Dinge des Herzens
    *
    Der zehnjährige Charly ist gewohnt, dass die Polizei seine Mutter ab und zu aus ihrer Wohnung in dem heruntergekommenen Hochhaus holt – immer geht es um seinen Bruder Henry und dessen Drogenprobleme. Doch heute hat sie ihn zum ersten Mal in seinem Leben nicht angelächelt: Was ist Schlimmes passiert?
    Also macht sich Charly auf den Weg, um seine Mutter zu suchen. Oder vielleicht doch erst einmal Henry finden und ihm von dem schrecklichen Ereignis erzählen? Denn genau das ist es für Charly.
    Und während Charly dem Leser während seiner Suche das Viertel mit all seinen Licht- und Schattenseiten zeigt, erzählt er von Sorgen und Träumen, Problemen und kleinen Hoffnungen und von seiner Liebe zu zwei Frauen - seine Mutter und Melanie, für die er so schwärmt.
    Und wenn alles aussichtslos erscheint, dann ist da immer noch der Gedichtband von Rimbaud, den er in einem Anflug von Schwäche für seine Mutter gestohlen hatte.
    *
    Samuel Benchetrit ist - wie nahezu alle französischen Schriftsteller - von einer unbändigen Leidenschaft für sein Metier durchdrungen. Seine Sprache ist fließend, mitreißend, auch oder gerade weil er durch den Mund eines zehnjährigen Jungen spricht. Vielleicht steckt etwas vom Leben des Autoren im Buch, denn man hat nie das Gefühl nur stiller Beobachter zu sein, man wird von Charly mitgerissen, ein kleines Bisschen durchlebt man den Tag des kleinen "Entdeckers".
    So nimmt es nicht wunder, dass man den Debutroman von Benchetrit gerne mit Saint-Exuperys Klassiker "Der kleine Prinz" vergleicht. Warmherzig, anrührend und poetisch sind sie beide und beide lassen einen als Leser mit einem kleinen Hoffnungsschimmer angesichts der Gegenwart zurück.
    *
    ©Christian Hesse, Januar 2013

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    Aygens avatar
    Aygenvor 6 Jahren
    Rezension zu "Rimbaud und die Dinge des Herzens" von Samuel Benchetrit

    Meine Mutter gehört zu den Menschen, die überzeugt davon sind, dass die Schule eine Chance fürs Leben ist und dass die blöden Lehrer immer recht haben. Wenn man ihr erklären würde, an meinen Problemen wären meine Beine schuld, dann würde sie mir die bestimmt abhacken.
    Zitat Seite 12

    Inhalt:
    Der 10jährige Charly ist ein kluger und aufgeweckter Junge. Er lebt mit seiner Mutter und seinem Bruder Henry in einem heruntergekommenen Hochhausblock in einer Pariser Vorstadt. Charly ist es inzwischen gewohnt, dass ab und an die Polizei vorbeikommt, doch meist ist es wegen seinem drogensüchtigen Bruder Henry. An einem Tag, frühmorgens als Charly sich auf den Weg zur Schule macht, sieht er wieder die Polizei das Gebäude betreten, er folgt ihnen und sieht wie seine Mutter mitgenommen wird.

    Ich mag lieber Mädchen, die nach vorn blicken. Die das gelesen haben, was man selbst nicht gelesen hat. Die Musik lieben, die man selbst nicht kennt. Die einen ein Land entdecken lassen, das sie bereits kennen. Meine Frau wird einmal älter sein als ich, das schwöre ich Ihnen!
    Zitat Seite 85

    Handlung & Charaktere:
    Der junge Protagonist Charles genannt Charly, ist trotz der Schicksalsschläge, die er in seinem jungen Leben schon erleben durfte, ein aufgeweckter, fröhlicher Junge. Der Autor Samuel Benchetrit verleiht Charly eine besondere Aura. Sein Schreibstil aus Sicht des Jungen ist sehr gut gelungen. Obgleich wir hier von einem 10jährigen Jungen durch die Geschichte geführt werden, hat die Geschichte eine besondere Tiefe und Ernsthaftigkeit. Charly beschreibt auf seine Art und Weise, die Drogensucht seines Bruders, das Verlassen werden vom Vater, die fürsorgliche Mutter sowie seine erste große Liebe zu seiner Mitschülerin Melanie Renoir.

    Der Protagonist Charly wirkt überlegen und klug. Er ist im Gegensatz zu den anderen Kindern, seinen Freunden im Viertel ein besonders veranlagter Junge. Seine Interessen gelten, nicht nur altersentsprechend, dem Spielen mit Freunden sondern auch der Poesie und dem Lesen. Besonders gern besucht Charly den Französischunterricht, um dort immer wieder neue Gedichte zu lernen oder lässt sogar ein Buch aus der Bücherei mitgehen, um es zu lesen und später zurückzubringen. Bis hierhin klingt es nach einer wunderschönen Geschichte, mit den kleinen Ecken und Kanten des Lebens. Charly ist es inzwischen gewohnt, dass häufig die Polizei vor der Tür steht, um nach dem Bruder Henry zu fragen, aber an diesem Tag, sieht Charly wie seine Mutter mit einer Tasche in der Hand abgeführt wird. Selbst als Charly seine Mutter, wie so oft, in so einem Moment anlächelt, reagiert diese nicht wie gewohnt, sondern lässt Charly einfach unbeachtet.
    Während Charly verwirrt durch die verschmutzten Straßen irrt und Antworten auf seine Fragen sucht und auch wissen möchte, wohin seine Mutter gebracht wurde, kommt er der Wahrheit immer näher. Diese Wahrheit könnte Charly das Herz brechen. Samuel Benchetrit lässt uns auf eine komisch kindliche Art und dennoch tiefsinnig und sensibel das Leben von Charly erleben.

    [Rimbaud…] Früher, ich weiß es noch genau, da war mein Leben ein Fest, wo alle Herzen aufgingen und der Wein in Strömen floss. Eines Abends setzte ich mir die Schönheit auf den Schoß. – Und fand sie bitter. – Da verfluchte ich sie. Ich wappnete mich gegen die Gerechtigkeit. Ich floh, O Zauberinnern, Leiden, Hass, ausgerechnet euch wurde mein Schatz anvertraut!
    Zitat Seite 254

    Mein persönliches Fazit:
    Charly hat mich durch seine Straßen geführt. Mit Kinderaugen und Kindermund habe ich die Wahrheit der Geschichte erlebt. Seine Sichtweise, seine reines Herz, seine Gutgläubigkeit, seine Neugier. All das vermittelt Charly. Er wirkt zeitweise Erwachsen und dennoch schafft er es im Gleichgewicht zu bleiben. Seine Ausdrucksweise ist ungewollt komisch und er beschreibt seine Liebe zu Melanie Renoir, seiner Mitschülerin, so kindlich rein und dennoch voller Leidenschaft. Aus Kindersicht eine Pariser Vorstadt, mit all ihren dunklen Ecken. Dem drogensüchtigen Bruder, der lieber weg ist, als seiner Familie größeren Schmerz hinzuzufügen und dem Schicksal des erneuten Verlustes den Charly erlebt.

    © Rezension: Aygen

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    Jimmyvor 6 Jahren
    Rezension zu "Rimbaud und die Dinge des Herzens" von Samuel Benchetrit

    Erster Satz:
    Anfangs dachte ich,
    Rimbaud wäre ein Wohnturm.

    Inhalt:
    Normalerweise begegnet Charly den Polizisten in seinem Wohnblock nur, wenn es um seinen großen Bruder Henry geht. Aber heute nehmen sie seine Mutter mit. Gerade noch beobachtet er die Gestalten aus dem Fenster, schon sind sie verschwunden. So begibt sich Charly mit klopfendem Herzen auf die Suche nach seiner Mutter. Dabei erzählt er von seinen Ängsten und Ideen, von Freundschaft und Mut, von Fragen und von den Antworten des Lebens.

    Meine Meinung:
    Als unscheinbares Taschenbuch kommt Charlys Geschichte daher. Er möchte uns erzählen, was so aufregendes am heutigen Morgen geschehen ist. Dabei driftet er in seine Gedankenwelt ab. Er erzählt uns von einem Mädchen, das so süß wie Marmelade ist.. von seinen Freunden, die immer zusammenhalten.. von den Nachbarn, die sich an Karneval immer als Strandgäste verkleiden.. von seiner Lehrerin, die ihm sicher kein Blumen-Buch schenkte.. und von Rimbaud, der schöne Gedichte schrieb. Sie alle haben etwas gemeinsam, und das ist Charly. Er hält die ganzen einzelnen Geschichten zusammen, vereint sie und zaubert daraus ein großes Bild, das es wert ist, betrachtet zu werden.

    Seite 115

    >> Es wird mucksmäuschenstill sein,
    bis auf das Geräusch des Windes - der Wind ist immer der letzte Bewohner. <<

    Charly ist ein toller Junge. Er heißt in Wirklichkeit Charles, ist zehn Jahre alt und hat schwarze Haut. Doch das ist alles nur nebensächlich. Viel wichtiger ist, dass er den Kopf voll mit Phantasie hat. Er ist ein gewitzter und schlauer Junge, der sich ständig über alles Mögliche sowie Unmögliche Gedanken macht. Für jedes Problem gibt es eine Lösung, das hat er schon früh gelernt, man muss sie nur finden.
    Aber als plötzlich seine Mutter ohne ersichtlichen Grund von der Polizei abgeführt wird, schlägt ihm das Herz bis zum Halse. Da geht irgendetwas nicht mit rechten Dingen zu und dafür scheint es nicht die geringste Lösung zu geben. Auf der Suche nach seinem großen Bruder, der ihm eine unschöne Erklärung liefern kann, begegnet Charly einer Reihe kurioser Figuren. Jede Person, die von Benchetrit in den Hanldungsstrang mit eingeflochten wurde, ersetzt einen wichtigen Baustein im großen Gefüge der Geschichte. Der kleine, schwarze Junge kann sich anscheinend an jedes Ereignis seines kurzen Lebens erinnern. So kommt es einem vor, wenn man von den skurillen Momenten liest, die Charly bereits erlebt hat. Viele davon sind zum Schreien komisch, aber es gibt auch sinnliche und herzergreifende Szenerien, genauso wie traurige und hilflose Augenblicke. Es sind die Kleinigkeiten, die das Schöne ausmachen - und das ist auch hier der Fall. Durch die herrliche Detailverliebtheit bei den perfekt ausgearbeiteten Nebencharakteren und den prächtig anschaulichen Handlungsorten bekommt man das Gefühl, als säße man mitten drin .. mitten drin in einem der schmutzigen Viertel von Frankreich nahe von Paris. Menschen mit bunt schillernden Persönlichkeiten an Straßenecken mit witzigen Namen. Irgendwo da drin sehen wir Charly. Er kommt gut zurecht, fragt sich einfach durch die Welt. Denn Trauer macht mutig .. und Glück macht stark. Bei ihm trifft beides zu.
    Hach, die Franzosen haben so eine Art zu schreiben. Leicht und unbeschwert werden die größten Schicksalsschläge zu Papier gebracht. Die Protagonisten schweben schlau und bedacht einen Meter über dem Boden und betrachten das Spektakel von weiter oben. Sie sehen alles mit Abstand, haben die nötige Distanz, um das Leben objektiv zu beurteilen. Dabei wird auch die persönliche Meinung über Gut und Böse nicht zurück gehalten. Bei den Franzosen ist einfach etwas von allem dabei.. und sie sind so unheimlich verschroben auf ihre Weise. Das alles kann man auch durch die Arbeit der Übersetzer hindurchspüren.

    Mit poetischen Worten und klugen Gedanken entführt der mutige Charly uns in seine Welt.

    Viele Sätze und Passagen hätte ich anstreichen können, weil sie mir so gut gefielen. Und auch weil sie mir aus der Seele sprachen. Ich fühlte mich manches Mal ertappt, bei einer der zahlreichen lakonischen Bemerkungen. Zeitgleich fühlte ich mich aber auch einfach nur verstanden. Es ging nicht nur einem Buben aus einer fiktiven Geschichte so wie mir. Sondern auch dem Autor, der seine Ideen an den kleinen Helden weitergegeben hatte. Vom Schriftsteller stammten die Einfälle, die mir den lieben Charly so sympathisch machen und somit das gesamte Buch.
    Gut gefallen haben mir auch die Anspielungen auf bekannte Philosophen, Dichter und Politiker. Mag sein, dass ein zehnjähriger Junge das alles noch nicht so recht verstehen kann. Aber das Interesse darf da sein und dadurch haben wir die Möglichkeit, die Zeit zurückzudrehen und die Lächerlichkiet, die wir Zivilisation nennen, noch einmal aus Kinderaugen zu betrachten. Mein großer Dank gilt an dieser Stelle dem Autor!

    Seite 35

    >> Mein späteres Leben stelle ich mir so vor ...
    Es ist in eine Spritze eingeschlossen, innen drin bin ich und möchte heraus, ich klopfe gegen das Glas, ich schreie, aber niemand hört mich. Ein Mann hält die Spritze. Manchmal spritzt er ein bisschen was von mir in seine Venen, und da löse ich mich sanft auf. Im Innern der Spritze ist immer weniger Platz. und ich weiß, dass das wenige, was noch übrig ist, bald aufgebraucht sein wird ... <<

    Es ist eine Geschichte über Sorgen, Scham und Unrecht, genauso über Mut, Freundschaft und Lösungen für arge Probleme.

    Mein Fazit:
    Ein Buch voller Wärme aus unschuldigen Kinderaugen erzählt, die schon viel mit ansehen mussten .. dafür vergebe ich herzlich gerne ~ 5 Sterne ~

    papierkruemel.blogspot.com

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    angelinagoesculturalvor 6 Jahren
    Rezension zu "Rimbaud und die Dinge des Herzens" von Samuel Benchetrit

    charly traoré ist ein patenter zehnjähriger, der im pariser banlieue aufwächst. seine mutter arbeitet als zugehfrau bei dem senioren-ehepaar roland, sein bruder henry hängt an der nadel.

    er liebt seine mutter über alle maßen und als diese eines tages vor seinen augen verhaftet wird, beginnt einer kleine odyssee durch die verschiedenen viertel, in denen er seinen bruder vermutet – er muß ihn schließlich auf dem laufenden halten über die momentanen geschehnisse. im laufe dieses einen tages gewährt charly dem leser einen einblick in sein leben, macht keinen hehl daraus, ziemlich dicht am wasser gebaut zu sein, läßt ihn teilhaben an seiner begeisterung für poesie, stellt ihm seine freunde vor und seine erste liebe, offenbart ihm seine ängste und seine tapfere stärke. und dies alles in seiner kindlich-erwachsenen und in keinster weise weinerlichen, ja in herzerwärmender art.

    ein unterhaltsames, schnelles lesevergnügen, bei dem man den jungen und tapferen protagonisten in sein herz schließt und ihn vergnügt ebenso wie leicht besorgt auf seinem weg begleitet, von dem man am ende nicht weiß, wohin er ihn wohl führen mag.

    prima für einen kurzweiligen und leicht melancholischen sonntag-nachmittag.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren
    Rezension zu "Rimbaud und die Dinge des Herzens" von Samuel Benchetrit

    Charly ist ein liebenswerter kleiner junger Mann, der die Welt noch mit einer gewissen kindlichen Naivität betrachtet. Das Buch liest sich sehr gut weg - es ist an keiner Stelle langweilig. Perfekt für einen Schmökerabend - nicht mehr, und nicht weniger. Kein Muss, aber dennoch empfehlenswert. Nur der Vergleich mit dem "kleinen Prinzen" ist für mich nachvollziehbar.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren
    Rezension zu "Rimbaud und die Dinge des Herzens" von Samuel Benchetrit

    Schönes, kurzweiliges Lesevergnügen. Allerdings sollte man nicht allzu hohe Ansprüche an das Buch stellen. Der Schreibstil hat mir sehr gefallen, auch wenn die Handlung etwas mau ist.

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    thursdaynexts avatar
    thursdaynextvor 7 Jahren
    Rezension zu "Rimbaud und die Dinge des Herzens" von Samuel Benchetrit

    Mittelschichtstaugliches Ghettoleben

    Dass ein Tag in der Banlieue derart bezaubernd geschildert werden kann, ohne jemals in
    Seichtigkeit, oder Kitsch abzudriften, hätte ich nicht erwartet.
    Charly hatte mich von Anfang an in der Tasche.
    Bruderliebe liest sich bei Charly so: "Würde ich jedesmal wenn er mir auf die Nerven geht, einen Euro bekommen, dann wäre ich bereits Milliardär. Ich kriege aber nichts und werde umsonst verrückt."
    Sicher, nicht jeder Junge in seinem Alter und dem Milieu in dem er aufwächst, denkt so klarsichtig, fast philosophisch.
    Doch Samuel Benchetrit nutzte seine "dichterische Freiheit" und schuf einen vielleicht nicht immer dem realen Leben entsprungenen wundervoll bezaubernden kleinen Roman.
    Das ist absolut legitim und ich meinerseits bin dankbar für diese hoffnungsvolle, humorige, kleine Kostbarkeit die ich lesen durfte.

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    rumble-bees avatar
    rumble-beevor 7 Jahren
    Rezension zu "Rimbaud und die Dinge des Herzens" von Samuel Benchetrit

    Ach, hat man es schwer als kritischer Leser! Da stehe ich nun wieder einmal zwischen denen, die das Buch hochjubeln und gar mit dem "Kleinen Prinzen" vergleichen, und denen, die es ein wenig "too much" und überzogen finden. Doch so muss ich mir wenigstens Gedanken machen, wie ich meine Rezension verfasse, und kann bei niemandem abschreiben...

    Nein, den Vergleich mit dem "Kleinen Prinzen" kann und will ich nicht unterschreiben. Ein solches Buch lässt sich einfach nicht wiederholen! Und leider finde ich eben, dass man dem Buch durchaus sein "Rezept" anmerkt. Der Autor hat, da bin ich mir fast sicher, durchaus auf einen solchen Vergleich gehofft.

    Es fängt schon damit an, dass man sich das Nacherzählen der Handlung eigentlich sparen kann, weil es darum - fast - gar nicht geht. Die Handlung bietet nur einen Rahmen für die wild daherpurzelnde Gedankenwelt des Protagonisten und Ich-Erzählers, des 10jährigen Charly, einem farbigen Jungen aus Mali, der unter rechtlich höchst fragwürdigen Bedingungen in einer Pariser Vorstadt lebt. Man könnte das ganze Buch problemlos mit dem Satz "Ein Tag in der Vorstadt" zusammenfassen, und hätte inhaltlich nichts verloren.

    Charly schwänzt die Schule, weil seine Mutter verhaftet wurde. Er sucht nun seinen großen Bruder, den Junkie Henry. Außerdem streift er durch sein Viertel, unterhält sich mit diesem und jenem, kurz, eigentlich stellt er uns seine Welt dar. Das alles spielt sich an einem einzigen Tag ab, der nur durch Ortswechsel und Charlys "innere Uhr" strukturiert wird. Der logische Faden, der die Rahmenhandlung zusammenhält, ist meiner Meinung nach allerdings schon recht dünn. Das sieht man schon daran, dass das Ende des Buches völlig offen ist, und weder die Verhaftung der Mutter, noch deren Ausgang letztgültig geklärt wird. Das hat mich, ehrlich gesagt, doch frustriert! Und dabei mag ich eigentlich offene Enden.

    Es war einfach so durchsichtig, was der Autor vorhatte! Sicher, Charly ist charmant, und seine Gedanken überraschen, belustigen, und rühren bisweilen auch an. Aber, ehrlich gesagt, brauche ich dafür nicht dieses ganze Buch, nicht diese ein wenig bemühte Rahmenhandlung, um mich in das Seelenleben eines jungen Einwanderers hineinzuversetzen. Das hat ja schon Renaud mit seinen Songtexten genauso gut drauf gehabt! Und die sind kürzer...

    Ich finde, der durchaus charmante Inhalt hätte sich besser als Kolumne gemacht. Ein Zehnjähriger Einwanderer berichtet aus seinem Leben, fabuliert über dies und das. Dafür hätte es keinen "Roman" gebraucht! Zumal ich sowieso nicht verstehe, wie die - scheinbar illegale - Mutter von Charly erst nach 10 Jahren den Behörden aufgefallen sein soll...Und der Junge geht doch zur Schule! Er hat gute Noten, will sogar aufs "Collège". Also muss er doch Papiere haben? Schon allein für die Anmeldung an der Schule?? Das war mir alles ein wenig zu hoch.

    Ein wenig geärgert hat mich auch die Behauptung in Titel und Klappentext, Rimbaud sei der Lieblingsdichter des jungen Charly. Das stimmt so einfach nicht! Sicher, er mag generell Poesie und Philosophie. Doch das Buch von Rimbaud stiehlt (!) er erst an diesem Tag aus der Bibliothek, und hat vorher noch nie darin gelesen. Klappentext und Werbung hatten bei mir den Eindruck erweckt, Charly würde nun das ganze Buch über Rimbaud zitieren, oder Vergleiche zu ihm ziehen. Doch weit gefehlt! Erst der allerletzte Absatz des Buches ist ein Gedicht von Rimbaud.

    Doch, wie gesagt, will ich das Buch nicht ganz verreissen. Viele Gedanken Charlys haben mich wirklich schmunzeln lassen, besonders diejenigen zu Freundschaft und erster Liebe. Und ich habe viel Verständnis empfunden für seine etwas sprunghafte Art, hinter der sich nur mühsam das allgegenwärtige Label "ADHS" verbirgt... Gerade als ich jedoch begann, ihm wirklich nahe zu kommen, war das Buch schon zu Ende, und ließ mich mit seinen vielen offenen Fäden doch ein wenig im Regen stehen. Nun ja. Wenn man sich kurzweilig unterhalten lassen möchte...dann kann man dieses Buch wohl lesen.

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    Binea_Literatwos avatar
    Binea_Literatwovor 7 Jahren
    Rezension zu "Rimbaud und die Dinge des Herzens" von Samuel Benchetrit

    Wer Charles Traore einmal begegnet ist, entschuldigt – ich meine Charly Traore, der möchte diese Begegnung nicht mehr missen. Wie eine Bombe schlägt er tief und gewaltig in mein Herz ein, berührt mich mit seiner Art, seinen Worten, seinem Verhalten. Wenn ich ihn in echt treffen sollte, ich würde ihn umarmen und ganz lange drücken.

    Charly möchte Charly und nicht Charles genannt werden. Ihr müsst wissen, wenn man ihn nicht Charly nennt, haut er euch eine auf die Nase oder er hört euch gar nicht, weil er sich mit Charles nicht angesprochen fühlt. Er ist dunkelhäutig und lebt in Frankreich. Damit ihr es auch wisst, es ist ganz normal, dass die Polizei immer mal wieder in dem heruntergekommenen Hochhaus, in dem er lebt, zugegen ist, denn sein Bruder Henry ist ein Junkie. Seine Mutter muss ihn oft wieder aus dem Gefängnis holen. Charly ist das gewöhnt, er kennt seinen Bruder nun schon seit Jahren so. Er treibt sich gern auf der Straße rum, beschafft sich Drogen und seine Mutter muss oft für ihn gerade stehen. Achso, Charly ist erst zehn Jahre jung, aber für sein Alter ganz schön gefasst. Außerdem schweift er gern vom Thema ab, weil er beim Erzählen des einen Themas bereits schon ans nächste denkt, weil er es nicht vergessen und noch unbedingt loswerden will.

    Heute Morgen trifft Charly mal wieder die Polizei im Treppenhaus an und sie fragen ihn, wo Josephine und Henry Traore wohnen. Charly sagt es ihnen und flitzt, während die Polizei im Fahrstuhl fährt, schnell durchs Treppenhaus zur Wohnung. Seine Mutter wird mitgenommen und Charly bekommt Angst. Warum seine Mutter? Sie kommen doch immer nur wegen des Bruders und was Charly völlig aus der Bahn wirft, seine Mutter sieht ihn, aber lächelt ihn nicht an. Egal wann, egal in welcher Situation, auch wenn er böse war – seine Mutter lächelt ihn immer an, heute nicht. Charly schwänzt die Schule. Er muss etwas tun, er musst seinen Bruder Henry finden und das schnellstens, denn heute ist etwas anders. Henry wird wissen, was los ist und ihm sagen können, wann Mama wieder kommt. Die Uhr tickt, der Tag nimmt seinen Lauf und ihr müsst wissen, Charly weiß immer, wie spät es ist, er hat eine innere Uhr. In seiner größten Verzweiflung, falls ihr es nicht wissen solltet, liest er Rimbaud, nur er kann ihm helfen, wenn es Charly das Herz vor Liebe zerreißt. Neben seiner Mutter liebt er nämlich noch die schöne Melanie.

    „Maman…ich flehe dich an…“

    Die Buchperle unter den Buchperlen, ein Buch was berührt, ein Protagonist der sich in mein Herz gestohlen hat. Voller Wärme schreibt Samuel Benchetrit über einen wichtigen Tag in Charlys Leben, dem Leben seiner Mutter und seines Bruders. Ein kleiner Junge mit solchen wunderbaren Gedanken, einem Gespür und doch einer Naivität – Charly kann man nicht widerstehen. Ich liebe dieses Buch, es lockt eine Vielzahl von Gefühlen beim Lesen hervor, macht mich ergriffen, lässt mich Tränen vergießen und auch von einem Ohr zum anderen lächeln. Es sprüht Charlys Lebensenergie und wenn man könnte, würde man Charly besuchen fahren, ihm helfen, ihm erklären, ihm beistehen, einfach nur da sein.
    Ja – Charly erinnert an den kleinen Prinzen, Charly ist ein ganz eigener kleiner Prinz. Clever, schelmisch, liebevoll, stark und etwas gewitzt.

    Wundervoll, wunderschön, wunderbar!

    „Weißt du, Charly, im Leben muss man lieben, und zwar sehr. Man darf niemals Angst haben, zu sehr zu lieben. Diejenigen, die den Schmerz fürchten, glauben nicht an das Leben…Verstehst du, Charly: Was auch geschieht, sieh zu, dass dein Herz voll ist.“

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    L
    Charly erzählt uns als er an seinen Schulen vorbeiläuft von einer Geschichte, die er zu Beginn des Schuljahres lesen musste. Ein Junge fährt zu seinem Großcater aufs Land, zu Kühen und Hühnern. Als er zurück kommt, die Natur vermisst, erfährt er, das sein Großvater gestorben ist... Kennt jemand die Geschichte oder den Titel?
    Zum Thema
    L
    Wer von euch hat das Buch bereits gelesen und würde daraufhin gern weitere Titel des Autors lesen? Wenn ja, aus welchem konkreten Grund oder anders gefragt, was hat euch besonders gereizt das ihr in einem weiteren Buch ebenfalls gern finden wollen würdet?
    Zum Thema

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