Samuel Schirmbeck

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Gefährliche Toleranz

Gefährliche Toleranz

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Erschienen am 21.09.2018

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Rezension zu "Gefährliche Toleranz" von Samuel Schirmbeck

Gegen eine linke Tabuisierungskultur
WinfriedStanzickvor 3 Monaten


Samuel Schirmbeck, ehemaliger ARD-Korrespondent in Algerien, der der die islamischen Länder und den Islam von innen kennt wie kaum ein zweiter, hat schon im vergangene Jahr in seinem Buch „Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen“  in vielen Beispielen aus den letzten Jahren und mit einer beißenden Kritik an führenden Politikern der Linken und der Grünen in Deutschland, nachgewiesen, wie ratlos und verharmlosend diese die wahren Absichten der Islamisten verkennen.

 

Damals schon betonte er gegen seine Kritiker: „Islamkritik bedeutet mitnichten, Muslime anzugreifen, sondern Schutz vor seinen menschenverachtenden Auswüchsen, die sich gegen Frauen, Homosexuelle, gegen eigenständig Denkende und sogenannte Ungläubige richten – also auch gegen Millionen von Musliminnen und Muslimen.“

 

Nun legt er in einem weiteren Buch nach, das sich mit der seiner Meinung „gefährlichen Toleranz“ der Linken im Umgang mit dem Islam richtet. Zur Linken insbesondere in Deutschland zählt er nicht nur die Politiker und Anhänger der gleichnamigen Partei, sondern auch weite Teile der Grünen und SPD-Linken.

 

Wie kann  es möglich sein, fragt Schirmbeck noch drängender und anklagender als im letzten Jahr, dass diese Linken die  sich doch selbst als emanzipatorisch verstehen und alle möglichen Formen der Unterdrückung und Auswüchsen von Religionen kritisieren und verabscheuen - ausgerechnet die kritische Auseinandersetzung mit dem Islam einer Rechten überlässt, die eine offene und liberale Gesellschaft ohnehin ablehnt? Stattdessen ist an die Stelle linker Islamkritik vielerorts eine linke Tabuisierungskultur getreten.

 

Gleichzeitig werden von derselben Linken Menschen, die weite Teile des gegenwärtigen Islam als eine frauenfeindliche, doktrinäre und rassistische Ideologie mit tödlichen Folgen für Andersdenkende bezeichnen und anklagen, unter den Generalverdacht des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit gestellt.

Indem sie solcherart jede Menge Rede-und Denktabus aufstellen, bis hinein in die liberalen Medien, tragen sie, sicher ungewollt, aber wirksam zum Aufstieg rechter Grupperungen bei. Warum, so fragt Schirmbeck, stellt eine Linke, die sich doch in ihrer langen Tradition der Religionskritik verpflichtet fühlt, solche Tabus auf?

Eine linke Tabuisierungskultur, die nur dazu auffordert, den Islam als eine Bereicherung der „bunten Republik“ Deutschland anzusehen, belässt die zugewanderten Muslime in ihrem Identitätsgefängnis aus Religion, Tradition und antimodernen Reflexen.

„Insgesamt kann man sagen – und das erlebe ich nun seit meiner Rückkehr aus Nordafrika, nach diesen zehn Jahren, und ich reise ja auch immer wieder dorthin, gibt es überhaupt keine wirkliche Auseinandersetzung mit der Frage des Islam. Ich habe das erlebt seit 2001, seit 9/11, gibt es zwei Worte: Die Verbände sagen ‚islamophob‘, wenn man kritische Fragen stellt, und die Grünen und Linken sagen ‚Rassismus‘. Damit ist die Diskussion gekillt.“

 

Möge dieses Buch dazu beitragen, dass Tendenzen der Enttabuisierung, die Cem Özdemir bei den Grünen etwa schon gezeigt hat nach den Anschlägen von Paris, sich verstärken, und die Linke ihr kritisches Potential auch am Islam sich abarbeiten lässt.

 

 

 

 

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Rezension zu "Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen" von Samuel Schirmbeck

Eine radikale Islamkritik fordert er
WinfriedStanzickvor 2 Jahren



In diesem Buch legt der langjährige und erfahrene ARD-Journalist Samuel Schirmbeck, der die islamischen Länder und den Islam von innen kennt wie kaum ein zweiter, seine schon in seinen beiden FAZ- Artikeln „ Die Linke im Muff von tausend Jahren“ (Februar 2015) und „Sie hassen uns“ (Januar 2016) geäußerte Kritik am gegenwärtigen Islam und der Reaktion der westlichen Länder und seiner Öffentlichkeit in einer großen Ausführlichkeit dar.

In vielen Beispielen aus den letzten Jahren und mit einer beißenden Kritik an führenden Politikern der Linken und der Grünen in Deutschland, weist er nach, wie ratlos und verharmlosend diese die wahren Absichten der Islamisten verkennen.

Eine radikale Islamkritik fordert er und gibt mit seinem Buch dafür ein gutes Beispiel. Er diskutiert auch die Probleme einer solchen selbstbewussten Islamkritik,  weil sie besonders in Deutschland im Verdacht des Rassismus und Fremdenhasses steht. Die aktuellen Vorgänge und diplomatischen Konflikte im Vorfeld der Abstimmung über die neue türkische Verfassung zeigen, wie wichtig Schirmbecks Thesen sind.
Er betont gegen seine Kritiker: „Islamkritik bedeutet mitnichten, Muslime anzugreifen, sondern Schutz vor seinen menschenverachtenden Auswüchsen, die sich gegen Frauen, Homosexuelle, gegen eigenständig Denkende und sogenannte Ungläubige richten – also auch gegen Millionen von Musliminnen und Muslimen.“

Eine kritische Öffentlichkeit im Westen darf nicht sofort beim Vorwurf der Islamophobie (neben seiner Faschismus- und Nazikeule ist das der Lieblingsvorwurf von Erdogan) zurückweichen und sich ducken. Immer wieder deutlich machen, dass es nicht gegen den Islam als solchen geht, sondern um seine Auswüchse und seine Weigerung, ähnlich wie vor Jahrhunderten die Christen mit der Bibel, auch eine historisch-kritische Lektüre der eigenen Traditionen zuzulassen, dazu wird und kann dieses Buch helfen.






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Rezension zu "Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen" von Samuel Schirmbeck

"Alles fliegt in Stücke, nur der Islam bleibt heil"
R_Mantheyvor 2 Jahren

Diesen Satz findet man mehrmals in Schirmbecks Text. Was ist das für ein Mann, der diesen Ausspruch tiefer Verzweiflung prägt? Ein fast schon klassischer Linker, den seine Weltanschauung glücklicherweise die Wahrnehmungsfähigkeit nicht genommen hat. Schirmbeck, so erfährt man auf dem Buchumschlag, studierte bei Adorno und Horkheimer Soziologie und Philosophie, um danach eine beeindruckende Karriere als Journalist hinzulegen. Er baute das ARD-Fernsehstudio in Algerien auf und kennt sich in Nordafrika bestens aus. Besonders geprägt hat ihn der islamische Terror in Algerien ab 1992, eine Art von makaberem Vorspiel der jetzigen globalen Ereignisse.  

Und gerade weil Schirmbeck in dieser Zeit in Algerien war, kann er die heutige Reaktion der europäischen Linken auf den islamischen Terror nicht verstehen: "Wie sehr muss eine Linke ihre aufklärerische Tradition aufgegeben haben, wenn sie ihr anti-imperialistisches Heil bei faschistoiden Theokraten sucht?", fragt sich Schirmbeck. Diese Frage (S. 221) zeigt das ganze Dilemma, in dem Schirmbeck steckt. 

Auf der einen Seite gehört er zu den Intellektuellen, deren linke Weltanschauung sie dennoch im Gegensatz zu den meisten europäischen Linken nicht blind gegenüber der Realität gemacht hat. Auf der anderen Seite hindert ihn diese Weltanschauung aber auch daran, die Situation aus einem größeren Blickwinkel zu sehen. Denn er blendet eine völlig naheliegende Antwort auf seine oben zitierte Frage völlig aus: Es kann doch auch sein, dass die Linke niemals eine wirkliche aufklärerische Tradition hatte, sondern sie nur vorspielte. Oder sich selbst im eigenen Fortschrittswahn einbildete? 

Diese viel wahrscheinlichere Antwort zieht sich nämlich durch das ganze Buch. Im siebten Kapitel geht es um die Verschleierung von muslimischen Frauen. Schirmbeck zitiert dort einen tunesischen Islamologen, der die Sache auf den wirklichen Punkt bringt, den der Autor dann so zusammenfasst: "Es ist das Bekenntnis, ob freiwillig oder erzwungen, dass der weibliche Körper nicht der Frau, sondern den Männern ihrer Gemeinschaft gehört." Mit dem Islam als Religion hat das kaum etwas zu tun, denn im Koran findet man solche Vorschriften in der restriktiven Form nicht. Dennoch verteidigen ausgerechnet Linke die Verschleierung als angeblichen Bestandteil des Islam, der durch die Religionsfreiheit in Deutschland geschützt wäre. Diese Schizophrenie lässt auch den Schluss zu, dass Leute, die so etwas tun, niemals wirklich für die Gleichberechtigung der Frau eingetreten sind, sondern sie nur vorschieben, wenn es um das Erreichen ganz anderer Interessen geht. 

An diesem Beispiel sieht man, woran Schirmbeck verzweifelt. Er glaubt tatsächlich an die vorgeblichen linken Ideale und kann überhaupt nicht begreifen, wie sie von denen, die sich für besonders links halten, ohne Not verraten werden. "Wann endlich begreifen Linke ... , dass Kritik am Islam Schutz für Muslime bedeutet, nicht Angriff auf sie? ... Warum ist ihnen der Islam stets sakrosankter als das Leben eines vom Islam verfolgten Menschen?"  Auf diese ins Schwarze zielende Frage gab einst Henryk M. Broder eine sehr treffende Antwort: "Dass ein überzeugter Sozialist mit dem Islam liebäugelt, ist nur auf den ersten Blick inkohärent. Denn es geht nicht um Inhalte - Sozialismus und Islam sind inkompatibel wie die freie Liebe und der Katholizismus - es geht um die Attitüde. Salonrevoluzzer, Weltveränderer und Utopisten waren immer für autoritäre und totalitäre Versuchungen anfällig." 

Schirmbecks Verzweiflung ist auch deshalb so groß, weil er genau weiß, dass seine linken Freunde allen Reformversuchen muslimischer Intellektueller in den Rücken fallen. Das ist der eigentliche Inhalt dieses Buches. Der Autor zeigt nämlich kenntnisreich auf, welche Versuche es in dieser Richtung gibt und gegeben hat. All diese muslimischen Intellektuellen erkennen klar, dass es keinen sogenannten Islamismus außerhalb des Islam gibt. Die Krankheit steckt tief im Islam selbst und kann nur dort ausgerottet werden, wenn dies überhaupt möglich ist. 

"Die Islamisten haben die absolute Waffe gefunden: den Vorwurf der Islamophobie." Dieser Satz steht auf dem Cover des Buches und stammt von Boualem Sansal, einem algerischen Schriftsteller, der 2011 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt. Mit anderen Worten: Wer jedwede Islamkritik unterbindet, indem er mit solchen Begriffen aus der Psychiatrie hantiert, macht letztlich gemeinsame Sache mit den sogenannten Islamisten. 

Dieses Buch legt den Finger eine offene linke Wunde, denn es erklärt sehr detailliert, wo und wie die europäische Linke (und damit auch die ganze Einheitsfront der westeuropäischen Regierungsparteien) die Errungenschaften der europäischen Aufklärungen verraten.  "Auf welches Niveau soll sich das europäische Bewusstsein wieder absenken, um dem Islam gerecht zu werden, um ihn nicht durch 'Hochmut' zu beleidigen", fragt sich Schirmbeck. Nach jetzigen Erkenntnissen ist die Antwort ganz einfach: auf die Zeit des Mittelalters. Dass bei dieser Niveauabsenkung die Linke an vorderster Front marschiert, zeigt nur, dass sie niemals fortschrittlich war. 

Leider setzt der Autor seine eigene Ratlosigkeit mit der angeblichen Ratlosigkeit des Westens gleich. Das westliche Establishment ist nicht wirklich ratlos, sondern spielt  bewusst oder unbewusst ein Spiel mit dem Feuer, bei dem es offenbart, dass es niemals die Ideale der Aufklärung verinnerlicht hatte. 

Dieses Buch kann besonders für linke Zeitgenossen eine Offenbarung sein. Auf jeden Fall demonstriert es mit großer Eindringlichkeit, welche Prozesse tatsächlich in Europa ablaufen und was der Islam der Gegenwart in Wirklichkeit ist. 

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