Die Taugenichtse

von Samuel Selvon 
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Die Taugenichtse
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Eine authentisch erzählte Geschichte über die Einwanderung in England.

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Inhaltsangabe zu "Die Taugenichtse"

Ein Roman wie ein Lieblingssong

Moses, Big City, Fünf-nach-zwölf und die anderen setzen große Hoffnungen in ihr neues Leben im »Zentrum der Welt«, so nennen sie das London der Nachkriegszeit. Sie sind aus der Karibik hierhergekommen, jetzt staunen sie über die Dampfwolken vor ihren Mündern. Und wenn der Wochenlohn wieder nicht reicht, jagen sie eben die Tauben auf dem Dach. Kapitulation? Niemals! Stattdessen beginnen die Überlebenskünstler, sich neu zu erfinden – und ihre neue Heimat gleich mit.

Samuel Selvons Ton zwischen kreolischem Straßenslang und balladesker Suada setzt sich sofort ins Ohr. Bedingungslos aufrichtig erzählt Selvon von den ersten Einwanderern Englands, die das Land für immer verändert haben – sein Denken, seine Sprache, sein Selbstverständnis.

Mit einem Nachwort von Sigrid Löffler

Die literarische Entdeckung!

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423281171
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:176 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:05.05.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Leseratte87s avatar
    Leseratte87vor 8 Monaten
    Ein wiederentdeckter Klassiker

    Ab 1948 holt die britische Regierung billige Arbeitskräfte aus den karibischen Kolonien nach Großbritannien. Einer von ihnen ist Moses, der auch der Erzähler dieser Geschichte ist. Moses ist es gelungen, in London einigermaßen Fuß zu fassen und nun fühlt er sich verpflichtet, den vielen Neuankömmlingen sein Wissen weiterzugeben, obgleich er sich oft lieber um seine eigenen Angelegenheiten kümmern möchte, um endlich auf einen grünen Zweig zu kommen. Denn vom anfänglichen Optimismus bei seiner Ankunft in London ist mit den Jahren nicht besonders viel übrig geblieben. Trotzdem hilf er, wo er kann. Außerdem lernen wir einige weitere Zuwanderer kennen. Jeder von ihnen träumt von etwas anderem,  von der Rückkehr in die Heimat oder der Hochzeit mit einem weißen Mädchen, und sie alle eint, dass sie jeden Tag auf Neue um alles kämpfen müssen. Dem Autor gelingt es hervorragend, eine authentische Atmosphäre in diesem Buch zu schaffen, was vor allem an der Sprache liegt: Einer Pidginsprache, die sich aus der Muttersprache und dem Englischen zusammensetzt.
    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, es ist großartig geschrieben und zeitlos und ich habe vor allem Moses ins Herz geschlossen, der immer da ist, um zu helfen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Gerade jetzt sehr aktuell..
    Einwanderung, sehr authentisch erzählt

    Meine Meinung: Es ist ein Buch, welches zeigt, das man trotz der großen weite der Stadt ziemlich einsam sein kann. Dem Leser werden durch einen ziemlich interessant gestalteten Protagonisten ziemlich viele spannende Geschichten präsentiert, die sich alle eines zum Ziel genommen haben: Ein besseres Leben in London! Jeder, dessen Geschichte wir lesen dürfen, kommt mit einem Traum, wenig Geld und sehr viel Mut. Allein das bewundere ich zutiefst. So habe ich in jeder Geschichte etwas gefunden, das mich zu Tränen gerührt hat. Ich habe mit jedem gelacht und geweint und habe so gesehen auch eine ganze Menge erlebt, weswegen ich sehr dankbar bin, dieses Buch lesen zu dürfen. Wäre es nicht als Überraschung bei mir eingeflattert, ich hätte es vermutlich nicht einmal entdeckt. Ziemlich schade eigentlich, denn es ist ein Buch, das man unbedingt gelesen haben sollte. Vor allem jetzt, da durch die vielen Menschen, die ihr Zuhause verloren haben und sich hier gerne ein neues errichten möchten, das Hauptthema auch sehr aktuell gehalten ist. Gut, in die Sprache des Autors habe ich zu Anfang nur mit sehr viel Mühe hineingefunden, aber ein dranbleiben lohnt sich. Denn kurz darauf ist man bereits traurig, das man es beendet hat. Daher möchte ich hierfür ganze 7 Rosenblätter fallen lassen.

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    Bris avatar
    Brivor einem Jahr
    Einsame Londoner

    Schon immer sind wir Menschen auf der Suche nach einem Ort, an dem wir frei, friedvoll und gut leben können. Werden die äußeren Lebensumstände zu schlecht, ziehen wir weiter, denn unsere Kinder sollen es gut haben oder sogar besser als wir. Gibt es keine Freiheit, sei es im Denken oder Tun, dann wird es eng. Unterschiedliche Menschen reagieren darauf natürlich mit unterschiedlichen Strategien. Innere Emigration nennt man es, bleibt man trotz widrigster äußerer Umstände, die in Meinungsfreiheit, Repression, Gewalt und ähnlichem bis schlimmeren enden, dort wo man geboren wurde. Von Glück kann man sprechen, haben wir ein Dach über dem Kopf und eine gewisse Sicherheit, dass es uns bleiben wird ; dass wir auch morgen vor die Tür treten zu können, ohne Angst haben zu müssen, nicht zu wissen, woher wir sauberes Trinkwasser, gesundes Essen oder einfach ein wenig Geld dafür bekommen, um uns über Wasser halten zu können. Wir wissen nicht genau, was uns antreiben würde, unsere Heimat, so wir etwas haben, was wir so nennen, zu verlassen. Auf der Suche nach einem besseren Sein. Dass sich viele Menschen so etwas wünschen, ein besseres Leben, ist nur legitim. Dazu hat prinzipiell jeder das Recht, der Mangel leidet. Der Ort, an den man sich in der Hoffnung auf ein gutes Leben begibt, ist manchmal weit entfernt und oft unbekannt.

    [Weiterlesen ...]

    Dass Flucht, Auswanderung, Emigration das Leben der Betroffenen nicht nur zeitweise prägen, davon weiß Ilija Trojanow klug und eindrücklich in seinem kürzlich bei S. Fischer erschienen Buch Nach der Flucht zu berichten. Ein fundierter und äußerst lesenswerter Beitrag dazu ist bei Kaffeehaussitzer erschienen. Er macht klar, weshalb sich Menschen entscheiden, ihre Heimat zu verlassen und was das für sie heißt - ein Leben lang. Dass das keine neue Erscheinung ist, wird ebenso deutlich.

    In den Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts kamen viele, vor allem männliche, Einwanderer aus der Karibik nach London, das sie "das Zentrum der Welt" nannten, um dort Arbeit und ein besseres Leben zu finden. Ihre Heimatländer waren Teil des Britischen Empire, und so sind sie noch nicht einmal als Fremde zu bezeichnen. Englisch sprachen sie alle, wenn auch nicht akzentfrei oder perfekt. Und dennoch wurden sie wegen ihres andersartigen Aussehens als "Mokkas" bezeichnet. Aus der karibischen Sonne kommend erfuhren sie vor allem eines: Kälte, Sommers wie Winters, und Einsamkeit. Und das, obwohl man sie eigentlich gerufen hatte. Sie waren die ersten Einwanderer Englands, so etwas wie die in der BRD der Nachkriegszeit als "Gastarbeiter" bezeichneten Menschen aus südeuropäischen Ländern, die halfen, das Land in das später viel gelobte "Wirtschaftswunderland" zu verwandeln.

    Samuel Selvon, selbst 1923 in Trinidad geboren, war einer von ihnen. Er jedoch gab ihnen mit seinem wunderbaren Roman "Die Taugenichtse" (Originaltitel "The Lonely Londoners") eine unverkennbare Stimme. Zwar ist der Roman schon 1956 erschienen, doch nun liegt er erstmals in einer hervorragenden Übertragung von Miriam Mandelkow auch auf Deutsch vor. Seine Figuren erscheinen unglaublich plastisch, frisch von den Londoner Straßen weg in den Roman transferiert. Natürlich sind sie anders, verhalten sich anders als die "eingeborenen" Briten. Schon das Klima, in dem sie aufwuchsen - Sonne, Wärme, umgeben vom Meer - ist ja ein ganz anderes und lässt vermuten, dass unter solchen Umständen ein etwas anderes Weltbild in den Köpfen der Menschen entsteht, als im kühlen Nebel der Großstadt.

    Was die Einwanderer Selvons in London erleben, ist nicht alltäglich, obwohl sie sich doch einfach nur bemühen, den Takt der Großstadt mitzugehen. Die Stimme, die Selvon seinen Protagonisten, die solch klingende Namen tragen wie Moses, Big City oder Fünf-nach-zwölf, verleiht, ist kreolisch. Das gibt dem Roman eine ganz eigene Atmosphäre, die scharfe Bilder im Kopf entstehen lässt. Auch wenn die einsamen Londoner allesamt etwas schelmenhaftes an sich haben, so wirken sie doch nie ganz verschlagen oder gar hinterhältig. Eben eher wie Menschen, die den Ernst ihrer Lage nicht wahrnehmen können. Wollen vielleicht schon, doch können eben nicht. Eine gewisse Unschuld haftet ihnen an, auch wenn man ihre Handlungsweisen - gerade als Frau - nicht durchgängig nachvollziehen kann. Immerhin zeigt Selvon seine Landsleute ungemein ehrlich und aus ihrer eigenen Perspektive, das alleine ist überraschend frisch und zeigt, wie modern der Roman bei seiner Entstehung war. Glücklicherweise ist er jetzt auch für uns Leser im deutschsprachigen Raum verfügbar.


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    Federfees avatar
    Federfeevor einem Jahr
    Einwanderergeschichten in fürchterlicher Sprache

    Ein Büchlein von 159 Seiten über eine Problematik, die immer noch aktuell ist, vielleicht aktueller denn je. Ich muss ehrlich sagen, ich habe es nach dem ersten Anlesen empört zur Seite gelegt. Warum? Wegen der Sprache.

    Der Autor Selvon sagt selbst, dass er ein literarisches Kunstprodukt geschaffen hat. Ich weiß ja nicht, wie er 'literarisch' definiert, aber für mich ist ein Fettstuhl keine Kunst und ein Buch mit fast nur Dialogen in grammatisch falscher Sprache nicht literarisch.

    "Selvons innovatorische Leistung besteht darin, einer mündlichen und bisher schriftlich nicht standardisierten Redeweise erstmals eine literarische Form gegeben zu haben." (Nachwort 172)

    Meine Meinung: Es ist schwierig, rein mündliche Sprachen in Romane einzubetten, erst recht, sie ganz in einer solchen Sprache zu schreiben und wenn sie dann noch übersetzt werden, muss das einfach schief gehen. Nachdem ich mich aber abgeregt hatte, nahm ich es doch noch einmal zur Hand und kann nun ein wenig verstehen, warum andere das Buch gut finden.

    ***

    Ab 1948 ließ Großbritannien billige Arbeitskräfte ins Land kommen, aus 'Westindien', der Karibik, von all' diesen Inseln, wo wir so gerne Urlaub machen (Trinidad, Jamaika, Grenada, Barbados). Es sind britische Commonwealth-Bürger, aber 2. Klasse. Arbeiten sollten sie und zwar die Drecksarbeit, die sonst keiner machen will und das zu einem Hungerlohn. Wohnen mussten sie und müssen sie wahrscheinlich noch immer in 'miesen Löchern' in heruntergekommenen Gegenden. Und es versteht sich (leider) von selbst, dass sie nicht besonders gut angesehen sind.

    "Die Engländer mögen es nicht, wenn Mokkas nach England kommen zum Arbeiten und zum Leben." - "… die mögen einfach keine schwarzen Menschen …" (28)

    Moses, selbst desillusioniert, wird wegen seines guten Herzens immer wieder gebeten, sich um Neuankömmlinge aus der Karibik zu kümmern. Diesmal ist es einer, den er 'Galahad' nennt, der erst ein wenig großspurig ins winterlich kalte London kommt, ohne Gepäck, nur mit einer Zahnbürste und zu dünn angezogen. Moses ist pessimistisch und es geht ihm selbst nicht besonders gut, weil sich seine Träume nicht erfüllt haben. Er arbeitet Nachtschicht und wohnt in einer miserablen Wohnung. Aber der Neue, optimistisch und lebensfroh, rührt ihn, denn einst war auch er so in London angekommen, orientierungslos, hilflos, aber voller Hoffnung. Dabei schwingt 'Galahad' zuerst große Reden, ist aber dann schnell auf die Hilfe und Unterstützung von Moses angewiesen.

    Am Ende des Episodenromans steht dann die Frage, warum sie alle im nebligen kalten London bleiben, wo sie mehr schlecht als recht leben. Ist es die nicht sterbende Hoffnung auf Verbesserung? Ich weiß es nicht.

    Bei aller Lebensfreude, bei aller Tragik und manchmal auch Tragikomik kann ich ein Buch in solch' verhunztem, grammatisch falschem Deutsch nicht lesen. Möglicherweise ist es im1956 erschienenen Original besser, aber der Autor sagt selbst, es sei eine erfundene kreolisch-englische Sprache. Wen das nicht stört, der könnte am Inhalt Gefallen finden, an den Typen, die sich nicht unterkriegen lassen.

    P.S. Vorsicht vor dem Nachwort: Da wird kräftig gespoilert.

    Und noch ein paar Beispiele, um zu verdeutlichen, was ich in Bezug auf die Sprache meine:

    "… was Zeitungen und Radio sagen in diesem Land, das ist dem Volk seine Bibel." (HC 8)

    "Trotzdem ist er dann mitgegangen, weil wie hilflos ist er denn schließlich selbst gewesen am Anfang in London …" 9

    "Waterloo steigt er aus …" (HC 10)

    "Aber Tolroy ist gerade Lewis und Agnes helfen, ihr Gepäck zu finden." (HC17)

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    Belladonnas avatar
    Belladonnavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine authentisch erzählte Geschichte über die Einwanderung in England.
    Meine Rezension zu "Die Taugenichtse" von Samuel Selvon

    Klappentext

    Moses, Big City, Fünf-nach-zwölf und die anderen setzen große Hoffnungen in ihr neues Leben im »Zentrum der Welt«, so nennen sie das London der Nachkriegszeit. Sie sind aus der Karibik hierhergekommen, jetzt staunen sie über die Dampfwolken vor ihren Mündern. Und wenn der Wochenlohn wieder nicht reicht, jagen sie eben die Tauben auf dem Dach. Kapitulation? Niemals! Stattdessen beginnen die Überlebenskünstler, sich neu zu erfinden – und ihre neue Heimat gleich mit.

    Samuel Selvons Ton zwischen kreolischem Straßenslang und balladesker Suada setzt sich sofort ins Ohr. Bedingungslos aufrichtig erzählt Selvon von den ersten Einwanderern Englands, die das Land für immer verändert haben – sein Denken, seine Sprache, sein Selbstverständnis.

    Meine Meinung

    Samuel Selvons Roman „Die Taugenichtse“ erschien bereits 1956 in englischer Sprache unter dem Titel „The Lonely Londoners“. Nun wurde der erfolgreiche Roman über die ersten Einwanderer Englands, der bereits den Status eines Klassikers inne hat, ins Deutsche übersetzt und von der dtv Verlagsgesellschaft veröffentlicht.

    "Aber das Leben ist so, es passiert einfach. Man legt sich was zurecht im Kopf, eine Art Muster, eine Art Reihenfolge, und auf einmal bam! passiert was, und alles ist aus der Spur." (Seite 50)

    Samuel Selvon vermittelt in seinem Roman unmissverständlich eine wichtige Botschaft über Migration und Klassenunterschiede, und zeigt beispielhaft auf wie nah Hoffnung und Verzweiflung beieinander liegen, und doch konnte mich das Buch einfach nicht berühren. Das Lesen strengte mich durch die Sprache im kreolischen Straßenslang, die der Autor für seine Geschichte gewählt hat, unglaublich an und verdarb mir somit schon mal den Lesegenuss. Natürlich kann man den Kritikern zustimmen, dass diese Sprache außergewöhnlich authentisch und sehr passend ist – mich hat der gebrochene Schreibstil, der einem Wortschwall ohne jegliche Ordnung gleicht, leider nicht angesprochen.

    "Manchmal denkt man, man ist auf dem richtigen Weg, aber dann muss man doch noch mal neu denken." (Seite 55)

    Der Plot, der sich vor allem um die Geschichten diverser männlicher Einwanderer in London dreht und wie unterschiedlich sie ihren Alltag meistern, versprüht jede Menge melancholisches Südsee-Flair. Im Mittelpunkt steht der Erzähler Moses, der unter den ersten Einwanderern aus den karibischen Kolonien Großbritanniens nach England war. Er fühlt sich für die neu eintreffenden Immigranten verantwortlich und greift einigen davon unter die Fittiche.

    "So redet Galahad mit der Farbe Schwarz, als wenn sie ein Mensch wäre, und erzählt ihr, dass nicht er hier die Ärgerung bringt, sondern Schwarz, ein wertloses Geschöpf, das überall Aufruhr macht." (Seite 91)

    Im Verlauf des Romans macht der Leser Bekanntschaft mit den unterschiedlichsten Charakteren und Schicksalen. Eines ist jedoch bei allen gleich, alle brauchen sie Geld und sind nach hübschen Frauen (egal welcher Nationalität) und einer besseren Zukunft aus. So gesehen gleichen sich die einzelnen Handlungsstränge dann doch wieder etwas.

    Der Roman enthält ein Nachwort von Sigrid Löffler das geradezu vor Begeisterung sprüht. Zu gerne hätte ich mich den Lobeshymnen angeschlossen da ich die Thematik von Samuel Selvons Roman sehr wichtig finde, und gerade heute in Zeiten der Flüchtlingskrise, ist es auch noch brand aktuell. Leider hat mir die Umsetzung und Sprache des Romans nicht zugesagt, deshalb vergebe ich 3 von 5 Grinsekatzen.

    Fazit

    Eine authentisch erzählte Geschichte über die Einwanderung in England.

    ---------------------------------------------------------

    © Bellas Wonderworld; Rezension vom 04.06.2017

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    Buchraettins avatar
    Buchraettinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein ganz eigener besonder Stil, es wirkt fast zeitlos auf mich, die Geschichte von Einwanderen hier in England, wie ein Klassiker
    Ein ganz eigener Erzählstil- für mich ein Klassiker

    Waterloo. Nicht nur ein Lied widmet sich diesem Ort. Es ist auch ein Bahnhof, indem die Einwanderer ankommen in den 1950 er Jahren in London. Der erste Satz führt einen Leser mitten hinein in das Leben von Moses. Er lebt in London und kümmert sich immer wieder um Einwanderer aus Trinidad. Auch er selbst kam als Einwanderer nach London. Diese neue Welt,  eine andere Kultur, eine neue Sprache. Er ist ein hilfsbereiter Mann, der manchmal ein zu großes Herz zu haben scheint. Er ist bemüht, hat Arbeit, versucht sich zu integrieren in diesem Land, das so anders ist, als die Heimat in der Karibik. Nebel- Dampfwolken vor dem Mund- Schornsteine- Fabriken- und auch Ablehnung begegnen ihm.
    Es ist für mich als Leser, als ob ich in die Haut von Moses schlüpfe. Ich erlebe seine Eindrücke von London, der Menschen vor Ort, der neuen Einwanderer. Seine Hilfsbereitschaft, aber auch sein Erstaunen, wie Menschen sich verhalten. Gut gefällt mir seine Beobachtungsgabe. Wie leben die Menschen in London. Wie werden er und seine Landsleute wahrgenommen, wie sehen sie sich selbst? Wie fühlt er sich in seiner neuen Heimat? Ich mochte besonders sein Philosophieren über das Leben.
    Es ist ein ganz eigener besonderer Stil dieser Geschichte, die mich als Leser mitnimmt in Moses Welt. Ich war erstaunt, dass die Geschichte in den 1950 er Jahren in England spielt. Für mich ist fast zeitlos. Einwanderer in einem neuen Land. Arbeitssuche, Konflikte, Vorurteile, aber auch die Kraft und die Bemühungen es schaffen zu wollen in der neuen Heimat. Das Gefühl angekommen zu sein, im Land, der Sprache, der Kultur, aber dennoch in Armut zu leben. Dann aber auch die anderen Einwanderer, die sich nicht so bemühen, die in den Tag zu leben scheinen. Er beschreibt das London der damaligen Zeit- das bunte Leben in den Straßen, das auch die Einwanderer aus der ganzen Welt prägen.
    Ich musste gerade bei den Szenen mit seiner Tante, die London auf ihre Weise entdeckt, schmunzeln. Das ist etwas Besonders, ein ganz eigener Charme, der in der Geschichte steckt.
    Für mich wurde das Buch perfekt abgerundet durch das Nachwort. Hier erfahre ich die historischen Fakten, wie das 1948 Arbeitskräfte von den westindischen Inseln von der Londoner Regierung angeworben wurden.
    Was für ein Gegensatz die Karibik- zu London, der Industriestadt. Es wird in der Geschichte deutlich, die Diskriminierung der Einwanderer, aber auch der Wandel, wie sie sich anpassen, wie es Dinge aus der Heimat zu kaufen gibt, wie sie die Großstadt nutzen.
    Das Buch hat für mich etwas von einem Klassiker, ich denke es ist auch zeitlos das Streben und Bemühen, aber auch die Schwierigkeiten der Einwanderer in diesem neuen Land.
    Ein ganz eigener Erzählstil- für mich ein Klassiker-

    Kommentare: 3
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    Lilli33s avatar
    Lilli33vor einem Jahr
    Absolut lesenswert

    Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
    Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (5. Mai 2017)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-13: 978-3423281171
    Originaltitel: The Lonely Londoners
    Preis: 18,00€
    auch als E-Book erhältlich

    Absolut lesenswert

    Unter dem Titel „The Lonely Londoners“ veröffentlichte Samuel Selvon diesen Roman bereits 1956 in England. Nun ist er erstmals auch auf Deutsch erschienen. Auch wenn mittlerweile etwa sechzig Jahre vergangen sind, ist der Text auch heute noch von aktueller Bedeutung.

    Ab 1948 holt die britische Regierung billige Arbeitskräfte aus den karibischen Kolonien nach Großbritannien. Einer der Ersten, die in London Fuß fassen, ist Moses. Er fühlt sich verpflichtet, die Neuankömmlinge aus Trinidad, Jamaika, Barbados, Grenada oder Antigua unter seine Fittiche zu nehmen, ihnen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche zu helfen, sie auch mal bei sich in seinem schäbigen Zimmer wohnen zu lassen, wenn es anders nicht geht. Dabei fehlt es ihm selbst an allen Ecken und Enden. Obwohl er Nacht für Nacht in der Fabrik schuftet, kommt er auf keinen grünen Zweig. Längst hat er resigniert. Vom einstigen Optimismus bei seiner Ankunft in Waterloo Station ist nicht viel übrig geblieben. Doch Moses ist eine gute Seele, der Mittelpunkt der karibischen Gemeinschaft in Bayswater, London.

    Als Gegensatz zu Moses lernen wir in „Die Taugenichtse“ aber auch andere Zuwanderer kennen, Galahad, Big City, Five past Twelve und wie sie alle heißen. Sie haben noch Hoffnung, dass sie etwas erreichen, dass sie ein weißes Mädchen heiraten oder dass sie als reicher Mann in die Heimat zurückkehren können. Mit allen möglichen Tricks halten sie sich über Wasser, suchen Arbeit, leben in den Tag hinein, genießen das Leben, streiten und vertragen sich wieder. Und wenn es darauf ankommt, halten sie zusammen.

    Von den Weißen werden die sogenannten Mokkas abgelehnt, höchstens geduldet. Wie auch heute bei uns hat man Angst, dass die Fremden, die Dunkelhäutigen, den Einheimischen die Arbeitsplätze wegnehmen.

    Sehr speziell ist die Sprache, die Samuel Selvon verwendet. Es ist eine Art Pidgeon, Umgangssprache, gebrochen, so wie man es sich eben vorstellt, dass diese Protagonisten sprechen. Allerdings sind nicht nur die Dialoge in dieser Sprache, sondern der gesamte Text. Dies erzeugt eine sehr authentische Atmosphäre, die einen gewissen Sog ausübt.

    Der Roman gibt nicht nur Einblick in das Leben der „Neu-Londoner“ in den 1950er Jahren, sondern ein wenig auch in deren Kultur und Bräuche in der karibischen Heimat. Ich fand die Lektüre sehr interessant und habe einige der Protagonisten ins Herz geschlossen. Ich hätte mir lediglich noch mehr Tiefe und eine ausführlichere Erzählung gewünscht.

    ★★★★☆

    Herzlichen Dank an die dtv Verlagsgesellschaft, die mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zugeschickt hat.



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    Binea_Literatwos avatar
    Binea_Literatwovor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Porsche unter den Büchern - schnell geschrieben, optisch auffallend, sprachlich andersartig, außergewöhnlich gut, humorvoll und real.
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    Tamarus avatar
    Tamaruvor einem Jahr
    Alina97s avatar
    Alina97vor einem Jahr

    Gespräche aus der Community zum Buch

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