Sanam Mahloudji

 3,5 Sterne bei 43 Bewertungen
Autor*in von Die Perserinnen, Die Perserinnen und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Sanam Mahloudji ist amerikanische Schriftstellerin, wurde in Teheran geboren und lebt in London.  Für ihre literarischen Arbeiten wurde sie mit dem Pushcart Prize ausgezeichnet und für den PEN/Robert J. Dau Short Story Prize for Emerging Writers nominiert. Sie hat u.a. in McSweeney's, Idaho Review und Kenyon Review veröffentlicht. Ihr Debütroman „Die Perserinnen“ stand auf der Shortlist des Women’s Prize for Fiction.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Sanam Mahloudji

Cover des Buches Die Perserinnen (ISBN: 9783492322508)

Die Perserinnen

(40)
Erschienen am 29.08.2025
Cover des Buches Die Perserinnen (ISBN: 9783844938296)

Die Perserinnen

(2)
Erschienen am 31.05.2024

Neue Rezensionen zu Sanam Mahloudji

Cover des Buches Die Perserinnen (ISBN: 9783492322508)
EmmaWinters avatar

Rezension zu "Die Perserinnen" von Sanam Mahloudji

EmmaWinter
Exzentrisch

Die persische Familie Valiat ist seit der Revolution von 1979 getrennt. Während ein Großteil in den USA im Exil lebt, sind Großmutter und eine Enkelin im Iran geblieben. Auf ungemein exzentrische und eigentümliche Weise gehen die Frauen der Familie durchs Leben. Zu Beginn des Romans werden wir geradezu in die Handlung geworfen und müssen zunächst die vielen Protagonistinnen sortieren. (Ein Stammbaum wäre wahnsinnig hilfreich gewesen.) Mitten im Trubel des noblen Skiortes Aspen setzen die Valiats durch ihr Verhalten noch einen drauf, da werden nicht nur wie selbstverständlich Drogen konsumiert, da wird mit Luxusarmbanduhren im Schnee rumgeworfen und Tante Shirin, die gerade auf Kaution aus der Arrestzelle geholt wurde, droht wegen versuchter Prostitution ein Prozeß.


Durch die Ich-Perspektive von Frauen aus drei Generationen blättert sich die Familiengeschichte einer einstmals einflussreichen Sippe auf, der nichts geblieben ist, als ihr Geld. Während ein Teil der Vergangenheit und dem Verlorenen nachtrauert, versuchen andere, den Blick endlich nach vorne zu richten.


Ich bin schwer in die Handlung mit ihren übersprudelnden Figuren hineingekommen, auch weil die Perspektive so häufig wechselt, es war teilweise wie im Schleudergang. Dann erfährt man aber doch einiges über das Land Iran, die Revolution und die Auswirkungen; allerdings wird auch vieles nur angerissen, was man gerne hätte vertiefen können. Der Fokus liegt jedoch auf der Familie und der Aussicht auf eine Versöhnung aller.

Cover des Buches Die Perserinnen (ISBN: 9783492072267)
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Rezension zu "Die Perserinnen" von Sanam Mahloudji

leselea
Jenseits von Teheran

Wir sind nicht für ein besseres Leben hierhergekommen. Das bessere Leben haben wir zurückgelassen. (S. 116)

In Teheran waren die Valitats noch wer. Jeder kannte ihren Namen, wusste um ihren Reichtum, bewunderte oder fürchtete sie für ihren Vorfahren, den großen Krieger. Doch mit der islamischen Revolution wurde all der Ruhm und Glanz weggefegt. Geblieben ist nur noch das Geld, das den Validats zwar half, ein angenehmes Leben im amerikanischen Exil aufzubauen, nicht jedoch, sich wirklich zu integrieren, geschweige denn die Tür zur feinen amerikanischen Gesellschaft zu öffnen. Und so führen sie ein Leben, das vielen Amerikanern sauer aufstößt, vor allem, wenn es ihnen so demonstrativ vorgelebt wird wie von Shirin: Lautstark und wortreich gibt sie sich dem Alkohol, gutem Essen, wilden Partys und der ein oder anderen Droge hin – bis sie dieser Lebensstil vor ein amerikanisches Gericht bringt. Die Anklage: Versuchte Prostitution. Die ganze Familie schlägt Alarm, allen voran Shirins Nichte Bita, die Tochter ihrer verstorbenen Schwester Sima. Doch auch die im Iran gebliebene Verwandtschaft ist besorgt –  so sehr, dass sich Matriarchin Elizabeth tatsächlich mit ihrer Enkelin Niaz (Shirins Tochter) ins Flugzeug nach Amerika begibt. Doch es ist nicht nur die Sorge um Shirin, die Elizabeth nach Amerika treibt, sondern auch die Tatsache, dass ihre Jugendliebe Ali Luft seit kurzem verwitwet ist. Auf amerikanischem Boden wird schließlich so manches Geheimnis gelüftet, das in Teheran seinen Anfang nahm.

Nach Lesen des Klappentextes hatte ich mich auf eine Geschichte mit hochaktuellem Kern gefreut, die die Frauen des Irans in den Vordergrund stellt und anhand ihrer verschiedenen Lebenswege seit der iranischen Revolution 1979 die Frage nach Heimat und Identität verhandelt. Und tatsächlich schimmern all diese Themen – die politischen und kulturellen Umwälzungen im Iran, der Stolz auf die historische Nation Persien, die Diskrepanz zwischen östlichem und westlichem Lebensstil, das Aufwachsen in der Diaspora, die Trennung einer Familie – in Die Perserinnen immer wieder durch, gehen aber leider im Getöse der Hauptfigur Shirin erzähltechnisch unter.

Shirin ist – so wird es schon in der Zusammenfassung oben deutlich – eine herausfordernde Figur, an der zumindest ich gescheitert bin und die mir die Lust am Roman deutlich verleitet hat. Sie ist laut, vulgär, unbedacht, fordernd und stellt sich und ihr Schicksal immer wieder in dem Mittelpunkt. Dieses dreht sich zur Beginn des Romans (und auch zum Schluss) um eben die Anklage wegen versuchter Prostitution und bringt den Großteil der anderen Frauenfiguren (Elizabeth, Niaz und Binta) zum Handeln. Ihre eigenen Geschichten, die durchaus interessanter wären – vor allem Niaz‘ Leben als zurückgelassene Tochter im autoritären, frauenfeindlichen Regime bietet so viel Potential – werden dabei von der Autorin immer wieder zurückgestellt. Völlig ratlos bleibt man vor dem Erzählstrang um Sima zurück, die als Geist rückblickend ihr Leben erzählt und zwar so einige blinde Flecken der Familiengeschichte schließt, deren Perspektive sich aber nur schwer in das Gesamtkonstrukt einfügen lässt.

Selten habe ich erlebt, dass eine Figur so sehr einen Text dominiert. Da Shirin schrill und substanzlos daherkommt, man nicht wirklich versteht, wieso sie von der Autorin Sanam Mahloudji so angelegt wurde, kommt einem auch Die Perserinnen überzogen und inhaltsarm vor. Iran und Persertum verkommen zur bloßen Rahmenhandlung, die Familiengeschichte mit ihren Geheimnissen ist vorhersehbar und altbekannt. Auf knapp 440 Seiten verliert einen die Geschichte immer mehr, bis man sie schließlich erleichtert zur Seite legen kann. Was man jenseits von „Früher war alles besser“ und „Wir sind schließlich wer“ mitnehmen kann, ist mager. Ein Kennenlernen und Verständnis der iranischen Geschichte und Kultur wird lediglich im ersten Drittel des Romans ermöglicht, danach fokussiert sich die Geschichte auf die stereotype Darstellung neureicher Exiliraner. Für mich insgesamt eine Enttäuschung. 2 Sterne!

Cover des Buches Die Perserinnen (ISBN: 9783492072267)
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Rezension zu "Die Perserinnen" von Sanam Mahloudji

HarleyQ
Bereichernde Familiengeschichte

Sanam Mahloudji schreibt in ihrem Debütroman über die Frauen einer iranischen Familie, die zu Zeiten des Shahs von Bedeutung waren. Doch nach der islamische Revolution und der Flucht nach Amerika (von den meisten Frauen) bleibt ihnen nur noch ihr Geld.

Für den deutschsprachigen Raum ist dieser Roman besonders wichtig, da er eine neue Perspektive bietet, eine neue "Erfahrungswelt". Den Leser:innen wir eine neue Welt präsentiert, die den meisten vermutlich komplett unbekannt ist. Man kann die Welt der "Exil-Perserinnen" kennenlernen und die derer, die aus diversen Gründen im Iran zurückgeblieben sind und deren Leben sich durch die islamische Revolution komplett geändert hat.

Der Roman ist komplex und braucht stellenweiße doch große Aufmerksamkeit, denn viel kultureller Kontext wird nicht erklärt. Viel Wissen über die islamische Revolution und den Kulturwechsel im Iran wird vorausgesetzt, eine kurze Recherche vorab wird also empfohlen. Dann kann der Roman sehr bereichernd sein und einem die Augen öffnen.

Ab und zu wird es anstrengend, da sehr viele Namen (für deutschsprachige Leser:innen fremde Namen) vorkommen und man leicht den Überblick verlieren kann, wer mit wem wie verwandt ist. Eine kleine Übersicht am Anfang oder Ende hätte hier sehr geholfen.

Es hat zwar etwas gebraucht, bis mich das Buch überzeugen konnte, am Ende bin ich aber froh, es gelesen zu haben.

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