Cover des Buches Nenn mich nicht Hasi! (ISBN: 9783764505134)Cappuccino-Mamas avatar
Rezension zu Nenn mich nicht Hasi! von Sandra Girod

Zwischen Hasen, Männern und dem ganz alltäglichen Wahnsinn...

von Cappuccino-Mama vor 7 Jahren

Review

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Cappuccino-Mamavor 7 Jahren

So manch eine Frau hat ihn daheim, nicht jede gibt es zu. Die Rede ist von einem Jan-Rudi. Wenn der Rudi-Anteil des Mannes höher ist als der Jan-Anteil, dann gilt es zu handeln. Und das will Angela auf ihre ganz eigene Art und Weise tun, denn Angela Winter hat das Gefühl, etwas in ihrem Leben verpasst zu haben. Ihr Mann Jan-Rudi zeigt leider mehr seine Rudi-Seite, als seine Jan-Seite. Und Angela fühlt sich völlig unverstanden und vernachlässigt.


Das Cover:

Ein neonpinker , langohriger Hase ziert das Cover. Man sieht den Mümmelmann von hinten, das flauschige Schwänzchen, das an einen fluffigen Wattebausch erinnert, sticht dem Betrachter geradezu ins Auge, so wie auch Hasi selbst. Das Häschen, der Farbe nach zu urteilen ganz offensichtlich ein weibliches Exemplar, ist schwer bewaffnet. Quer über die Schulter trägt Hasi einen Patronengurt, in den Pfoten hält er ein Gewehr, aus dem es sogar noch raucht.


Die Handlung:

Angela Winter (deren Namen man keinesfalls wie den Namen der Regentin Angela „Angäla“ M. aussprechen darf!) lebt mit ihrer Familie in einer Doppelhaushälfte. Sie führt ein recht langweiliges Leben in einer Hamburger Vorstadt und viel ereignet sich nicht gerade im Leben der Hausfrau. Doch eines Tages stellen die Nachbarn einen Luxus-Hasenstall in ihrem Garten auf und bringen damit das Fass für Angela zum Überlaufen, denn diese stellt fest, was für ein stinklangweiliges Leben sie doch führt, und das will sie schnellstens ändern. Da käme ihr, nach Anraten ihrer Freundin Paula, eine heiße Affäre gerade gelegen, um endlich wieder Abwechslung in ihr tristes Leben zu bringen.

Doch erst nimmt alles weiterhin seinen gewohnten Gang. Ein Lichtblick ist der Einkauf beim attraktiven Metzger Arwid auf dem Wochenmarkt. Scheinbar hat der ein Auge auf seine verheiratete Kundin Angela geworfen, denn eines Tages findet sie seine Visitenkarte in ihrer Wursttüte, mit der handschriftlichen Bitte, ihn doch mal anzurufen. Die gefrustete Angela beschließt, ihren Mann zu betrügen. Doch dies stellt sich als äußerst schwieriges Unterfangen heraus...


Meine Meinung:

Ja, auch ich habe ihn daheim – meinen persönlichen Jan-Rudi! Der mich manchmal auf die Palme bringt, gerne alles besser weiß, und der mitunter im Haushalt mehr Schaden anrichtet, als dass er nützliche Arbeit vollbringt. Angela ist in der Phase ihres Lebens angekommen, wo das Kribbeln im Bauch nicht von flatternden Schmetterlingen herrührt, so wie sie sich dies wünschen würde, sondern eher vom Hunger oder Magengeschwüren. Einmal wieder verliebt sein, einen Mann erobern, Abenteuer erleben und Schwung in den tristen Alltag bringen – all das wünscht die frustrierte Angela sich.

Angela „Anjela“ - die keinesfalls mit Angäla angesprochen werden will, wie dies bei „unserer Mutti“ die Fall ist, fühlt sich in ihrer „Funktion als zweifache Mutter und Hausfrau weder ausgelastet, noch ausreichend unterstützt. Vielmehr fehlt ihr der frische Wind in ihrer langjährigen Beziehung mit ihrem Mann Jan-Rudi. Der Einzug der neuen, langohrigen Nachbarn bringt das Fass zum Überlaufen – der Blick auf die Kaninchen Uschi und Alfred ist ihr einfach zuviel, zumal Angela unter einer regelrechten Hasenphobie zu leiden scheint.Und offensichtlich glaubt Angela immer öfter, etwas in ihrem Leben versäumt zu haben, das sie nun nachholen möchte. Sie wünscht sich mehr Abwechslung in ihrem Leben, das ereignislos vor sich hinplätschert wie ein Bächlein – Angela bevorzugt da doch eher den reißenden Strom der Leidenschaft.

Knöpfchen ist gerade mal zwei Jahre alt, weiblichen Geschlechts, und sehr einfallsreich, was ihre kreativen Ideen betrifft (Kinder in diesem Alter sollte man tunlichst nicht einmal für eine Minute aus den Augen lassen). Das (im Buch) namenlose Mädchen hält seine Mutter gehörig auf Trab, Bruder Luca ist Schüler und daher pflegeleichter als seine aufgeweckte Schwester. Man sieht auch hier wieder, wie weit der Forscherdrang wissbegieriger Kinder gehen kann, da werden auch schon mal Geräte,... vom technikinteressierten Nachwuchs zerlegt.

Sohn Luca mit seinen neun Jahren tritt relativ selten in Erscheinung, was aber auch daran liegen könnte, dass er die Schule besucht, und seine Freizeit sicherlich auch oft bei Freunden verbringt.

Jan-Rudi – dieser bunt zusammengewürfelte Doppelname ist ja schon grauenhaft, weitaus grauenhafter als der Träger des Bindestrich-Namens selbst. Ich fand Angelas Mann jetzt gar nicht so unausstehlich, als dass man ihn hätte ersetzen müssen, aber manchmal etwas „anstrengend“. Doch mitunter machte er sich so manche Sache viel zu einfach, hielt sich aus Bequemlichkeit aus manchen Angelegenheiten heraus, während er ein anderes Mal mitmischen will, wo es unerwünscht ist. Oder sollte ich es lieber „ins Handwerk pfuschen“ nennen? Die Kinderbetreuung entpuppt sich für den Herrn des Hauses, seines Zeichens übrigens Mathematiker, als große Herausforderung. Soviel zu: Das bisschen Haushalt. Und während man(n) meint, alles unter Kontrolle zu haben – sprich Haushalt und Töchterlein – räumt dieses hinter seinem Rücken auch schon munter den Biomüll aus. Manche Dinge sind eben auch für Mathematiker unberechenbar.

Nachbar Michi war mir sehr unsympathisch – was für ein arroganter Kotzbrocken! Er hält sich für die Krone der Schöpfung und ist mit einem sehr „dummen Umfeld“ gestraft, wie er immer wieder betont. Wie gut, dass er der Retter in der Not ist. Wer jetzt meint, Michi würde gut aussehen, der irrt sich gewaltig. Aber als der selbstverliebte Michi seitens Angela einen Dämpfer erhielt, habe ich diesem eingebildeten Kerl dies aus vollstem Herzen gegönnt. Seine Frau Dagmar, die es an seiner Seite aushalten musste, war jedenfalls ganz schön gestraft mit ihrem (Alp-)Traummann.

Paula zeigt ihrer Freundin Angela, wie frau ihren Mann betrügt, ohne dass er etwas bemerkt. Auf mich wirkt Paula richtig abgebrüht. Sie scheint keine Hemmungen zu haben, ihren Mann zu betrügen und plant ihren Betrug auch noch bis ins kleinste Detail. So kam es, dass ich Paula alles andere als sympathisch fand – keine Freundin, wie ich sie mir wünschen würde.

Der Metzger Arwid Storm scheint einer Affäre mit Angela nicht abgeneigt zu sein, obwohl auch er verheiratet ist und ein Kind hat. Doch weshalb sonst sollte er seiner Kundin Angela schöne Augen und tolle Komplimente machen und seine Visitenkarte mit der Handynummer in die Wursttüte packen? Angela ist ganz hingerissen von diesem gutaussehenden hanseatischen Brad Pitt.

Betrügen will gelernt sein! Und die Hürden, die Angela bis zu einem möglichen Seitensprung überwinden muss, sind nicht zu unterschätzen! Ganz schön dreist, wenn man seinen Mann zum Babysitten verdonnert, während man selbst auf Männerfang geht – bzw. dies plant. Denn unverhofft kommt oft, und manchmal hatte ich den Eindruck, dass Gelegenheit zwar Liebe macht, aber eben nicht bei Angela, denn nur zu gerne machte ihr das Schicksal gehörig einen Strich durch die Rechnung.

Und dann tauchen in Angelas Umgebung die verschiedensten Männer auf, sei es der Metzger Arwid, oder eine alte Liebschaft namens Viktor – und plötzlich fühlt Angela wieder das, was ihr fast schon abhanden gekommen zu sein scheint: Sie fühlt sich endlich wieder beachtet und vor allem auch begehrt, was ihrem Selbstbewusstsein gut tut. Und die Bekannten in ihrer Umgebung sind da ein sehr schlechtes Vorbild: Die Freundin, die hemmungslos ihren Mann betrügt, nachdem sie selbst betrogen wurde, das Freundespaar, das sich trennt und selbst ein unscheinbares Hausmütterchen in Angelas Umgebung hat irgendwann die Schnauze gestrichen voll.

Pleiten, Pech und Pannen – so könnte man die Versuche beschreiben, die Angela startet, um Schwung in ihr Liebesleben zu bringen, das wohlgemerkt ohne ihren Mann stattfinden soll. So witzig die Episoden auch sein mögen, und so viel ich auch gelacht habe, so finde ich Angelas Verhalten alles andere als gut. Aus „Jux und Dollerei“ seine Ehe und seine Familie aufs Spiel zu setzen, ist ja wohl sehr oberflächlich. Und so habe ich Angela ihre Reinfälle von ganzem Herzen gegönnt und war schadenfroh, wenn der ein oder andere Plan scheiterte.

Hätte Angela den üblichen Weg eingeschlagen, um wieder frischen Wind in ihre Ehe zu bringen, wäre das natürlich weitaus weniger amüsant gewesen – sie hätte ihren Mann ja auch verführen können, mit der Faust auf den Tisch hauen können, oder eben mit der Forderung die Pistole auf die Brust gesetzt, endlich etwas zu ändern.

Liebe Frauen, bitte nicht verzweifeln, wenn unter Eurem Dach auch ein Jan-Rudi sein Unwesen treibt. Denkt daran, dass nicht immer etwas Besseres nachkommt. Und vielleicht gelingt es Euch, dass der Jan-Anteil wieder über den Rudi-Anteil siegt. Zum Schluss erwartet den Leser eine fulminante Überraschung, mit der wohl keiner gerechnet hätte, über die ich mich aber köstlich amüsiert habe.

Mir gefiel der „freche“ Schreibstil sehr gut, ebenso wie der Wortwitz, z.B. trifft man auf das Wort Mutti in Zusammenhang mit einer „Funktionsbezeichnung“. So recht konnte und mochte ich Angela zwar nicht verstehen, was ihre innere Einstellung betrifft – wie kann man nur für ein sexuelles Abenteuer (und mehr soll es ja nicht sein) seine Ehe und die Familie aufs Spiel setzen? Aber Unterhaltungswert hatte die Handlung durch die Pläne der vernachlässigten und frustrierten Hausfrau natürlich.

Unterteilt ist das Buch mit seinen ca. 317 Seiten in ganze 39 Kapitel, was bedeutet, dass jedes Kapitel eine angenehme und überschaubare Länge hat, so dass man auch kurz mal zwischendurch ein oder mehrere Kapitel lesen kann. Beim Buch handelt es sich um eine Klappenbroschur, was ich immer sehr mag, da diese Ausführung hochwertig wirkt.

NENN MICH NICHT HASI! ist das erste Buch von Sandra Girod, die als Journalistin schon für Zeitungen, aber auch diverse Frauenzeitschriften schrieb und daher Erfahrungen damit hat, wie Frauen denken und fühlen. So wie ihre Protagonistin Angela lebt auch Sandra Girod mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Hamburg.

Was lernt man aus diesem Buch? - Schließlich hat auch jedes humorvolle Buch auch irgendwo eine ernsthafte Botschaft, auch wenn man diese oft erst suchen muss. Hier könnte es die sein, dass man sich auch als Elternpaar nicht gegenseitig aus den Augen verlieren sollte, die Zweisamkeit nicht vernachlässigen sollte, und vielleicht auch, dass manche Männer, die wie Traumprinzen erscheinen doch nicht diese Prinzen sind, sondern doch eher Kröten. Was besseres kommt selten nach und wo ein Jan ist, ist zumindest leider immer auch Rudi – mal mehr, mal weniger.

>> Was Du liebst, lass frei. Kommt es zu dir zurück, gehört es dir – für immer. << - Ein wunderschöner Satz, wie ich finde, und der auch zu Recht sein Plätzchen im Buch fand. Ob es noch eine Chance in Angelas und Jan-Rudis Beziehung gibt, oder ob Angela ein neues Liebesglück findet, das muss jedoch jeder der nun Lust auf das Buch bekam, selbst lesen...


Fazit:

Etwas SEX AND THE CITY, etwas DESPERATE HOUSEWIFES, jedoch nicht im fernen Amerika, sondern mit Hamburg als Handlungsort. Berichtet wird aus Sicht von Angela, die von ihrem langweiligen und scheinbar ereignislosen Leben berichtet, das sie durch ein sexuelles Abenteuer bereichern möchte. Der etwas freche, flotte und auch flüssige Schreibstil konnte mich überzeugen, so dass ich diesem Buch gerne 5 Sterne gebe – ein gelungenes Erstlingswerk.

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