Sandra Hoffmann Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist

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Inhaltsangabe zu „Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist“ von Sandra Hoffmann

Ein Kind noch, 16 Jahre alt, wird Janek Bilinski von deutschen Soldaten aufgegriffen und als Zwangsarbeiter verschleppt. Er ist stark, er hat Glück, und nach Kriegsende kann er sein Leben noch einmal neu beginnen. Wie schwer es war, ins Leben zurückzufinden, daran erinnert sich Bilinski jetzt, als alter Mann, da er dem Tod entgegengeht. Um die Angst und den Schmerz zu bannen, beginnt er seine Geschichte zu erzählen. Von seiner Liebe zu Paula, die ihn am Leben hielt und die nicht sein durfte, von Agota und schließlich von Hannah, die seine Augen hat und die nichts von ihm weiß. In einer klaren, fast nüchternen Sprache erzählt Sandra Hoffmann eine zutiefst berührende Geschichte.

Im Sterben denkt Janek Bilinski ueber alle nach, die ihm wichtig waren. Fieberhafter Stil, und doch friedvoll.

— Jujulu
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  • Im Fieberwahn, und doch klar

    Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist
    Jujulu

    Jujulu

    08. October 2014 um 09:49

    Janek Bilinski liegt im Sterben. Nachts quaelen ihn Albtraeume und Panikattacken, deshalb erzaehlt er der Nachtschwester aus seinem Leben, von seiner Familie, seiner ersten Geliebten, seiner Tochter, die er nie kennenlernen konnte. Seine Albtraueme, die Erlebnisse im Krieg - seine Familie wurde getoetet, er als Zwangsarbeiter mitgenommen - , dann in Deutschland Zwangsarbeit auf einem Bauernhof, auf dem er sich wohlfuehlt und doch nicht bleiben kann, alles geht ineinander ueber. Die ihm wichtigsten Menschen tauchen wieder in seinen Gedanken auf, was haette sein koennen und sollen quaelt ihn wieder. Die Zusammenfassung mag wirr klingen, so fieberhaft ist das Buch geschrieben, eben so, wie Bilinskis Gedanken kommen und springen. Es erstreckt sich ueber nur wenige Tage, an denen aber Zeit ist, sein ganzes Leben (d.h. die bedeutenden Personen und Ereignisse) erneut durchzugehen. So kommt die nachtraegliche Bedeutung der Ereignisse  zum Vorschein, wie er z.B. durch die Kriegserfahrungen noch lange Panikattacken hat, die er mit Zaehlen und Blumennamen beiseiteschieben kann, das Misstrauen, als er von seinem Onkel mitgenommen wird und der ihn an den paedokriminellen Franken erinnert, von dem er abgefuehrt wurde. Weil sich nicht alle Zusammenhaenge gleich abzeichnen, muss man dranbleiben und dem Buch vertrauen, ich finde es aber sehr glaubwuerdig, nicht zu dick aufgetragen, zu gewollt o.Ae., ich kann mir die letzten Tage dieses Menschen genau so vorstellen. Und trotz der schweren Themen ist es fuer mich ein leichtes, friedliches Buch, schliesslich ist alles geschehen.

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  • Rezension zu "Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist" von Sandra Hoffmann

    Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    17. October 2012 um 14:08

    Er heißt Janek Bilinski. Er ist alt und krank, wird bald sterben. Er liegt, ohne verbliebene Verwandtschaft, die ihn besuchen könnte, in einem Hospiz und wartet auf den Tod. Neben seinem Bett sitzt jede Nacht als Sitzwache eine junge Frau. Er nennt sie „die kleine Schwester“ und sie hört ihm zu. Denn er hat viel zu erzählen aus seinem Leben. Voller Schmerzen, die auch von den starken Schmerzmitteln kaum noch im Zaum gehalten werden können, erinnert er sich. Sandra Hoffmann lässt dabei wache Phasen des Nachts, wenn die kleine Schwester mit dem wippenden Pferdeschwanz ihm zuhört und ihm manchmal auch Fragen stellt, sich abwechseln mit Träumen und Wachträumen Janeks. Beides zusammen formt sich zusammen zu einem Leben, das in Polen begann. Als 16- jähriger Junge wird er von den Nazis nach Deutschland verschleppt und muss dort Zwangsarbeit leisten. Er hat Glück, denn der Bauer, dem er zugeteilt wird ist ein guter Mensch und lässt ihn an seinem Tisch essen. Mit dessen Tochter Paula hat er die ersten schönen sexuellen Erfahrungen, mit Folgen, wie sich viele Jahre später herausstellt. Als Janeks Onkel Stani ihn nach dem Krieg auf dem Bauernhof in der Nähe des Bodensees findet, will Janek, dass Paula mit ihm kommt. Doch sie weigert sich. Obwohl Janek später mit Agota, die ihm schon in den Tod vorausgegangen ist, ein schönes Leben führt, kann er Paula nicht vergessen. Immer wieder erzählt er der kleinen Schwester von ihr und auch von seinem Hund Izy, den die Nazis damals erschlagen haben und von dem ihm nur ein Halsband geblieben ist. Die kleine Schwester, die Janek jede Nacht aufmerksam zuhört – das einzige, was sie noch für ihn tun kann – erinnert Janek an eine damals ebenfalls noch junge Frau, die seine Augen hat und nichts von ihm weiß. Hannah heißt die Frau, nach der er sich sehnt, weil sie wohl die Frucht der gemeinsamen Nächte mit Paula ist. Eine sehr einfühlsame Geschichte erzählt Sandra Hoffmann in diesem kleinen Roman, eine Geschichte einer Lebensbilanz und einer große Liebe. Die Geschichte eines Lebens voller Bewahrung und voller schmerzhafter Verluste. Und es ist eine stille Hommage an die unzähligen unbekannten Menschen, die in den Hospizen und Heimen dieses Landes sterbende Frauen und Männer begleiten, indem sie ihnen zuhören, ihre Hand halten und es aushalten, sonst nichts mehr tun zu können. Jedes Leben ist wertvoll, und es ist wert erzählt zu werden, das ist die leise Botschaft dieses zärtlichen Buches.

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