Sandra Weihs

 4.6 Sterne bei 23 Bewertungen

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Das grenzenlose Und

Das grenzenlose Und

 (23)
Erschienen am 31.08.2015

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Rezension zu "Das grenzenlose Und" von Sandra Weihs

Es war mir nicht genug
CocuriRubyvor einem Jahr

Gut geschrieben – lässt sich leicht lesen, aber zwischendurch trifft man immer mal wieder auf schönen Formulierungen.


Im Fokus steht natürlich die Protagonistin: Sie ist pessimistisch und zynisch, gilt als Selbstmordgefährdet mit einer Borderline-Störung und ritzt sich.

Dummerweise driftet sie schnell ins Klischee und jammerhafte ab, sobald es um die Schilderungen aus ihrer Kindheit geht oder warum sie sich ritzt, denn an all ihrem Übel und schlechten Benehmen ist ausschließlich die Mutter schuld – wirklich thematisch aufgegriffen wird das nicht. Ihre Krankheit selbst wird sogar praktisch gar nicht aufgegriffen.

Alles was mit ihrer Krankheit, ihrer Vergangenheit, ihren Selbstmordwillen zu tun hat, ist sprachlich leider nicht so beschrieben, dass es mich teilhaben lässt, dass es mich in die Geschichte, in die Psyche der Protagonistin zieht – sondern es hat manchmal sogar etwas theatralisches, leicht oberflächliches und jammerndes.

Allerdings hat sie auch einen dunklen, zynischen Humor und das rettet es wieder etwas raus und verleiht ihr die nötigen Sympathiepunkte.


Gut eingefangen fand ich die Arroganz und dieses von oben herabsehen gerade von (angehenden) Ärzten: „Machtlos zu sein, davon halten die Götter in Weiß gar nichts“ (S. 72).

Aber auch die Gleichsame Fürsorge der Sozialarbeiter und dessen Grenzen wurden kurz, aber eindringlich geschildert.


Flüchtig werfen wir natürlich auch einen Blick auf zwischenmenschliche Beziehungen.

Die Beziehung zu ihrem Therapeuten, ist schon recht sonderbar. Diese (sagen wir mal) ungewöhnlichen Therapiepraktiken mochte ich als Theorie: das verlassen des klinischen, Schema-F. Die Umsetzung fand ich hier „too much“. Bei Marie funktioniert es wohl, ich fand es extrem unsensibel und unprofessionell.


Die zu ihrer Zimmergenossin Amina. Das kurze aufblitzen von Freundschaft und füreinander da sein – war schon wirklich sehr kurz, aber schön und gut dargestellt.


Die Beziehung zu Emanuel fand ich schon etwas sehr dick aufgetragen – der Gutaussehende, Anfang 20, Eltern gestorben, Mutter wie Großmutter waren Prostituierte, der einen Hirntumor hat und lernen will, wie man sich umbringen kann und dafür die Hilfe einer Selbstmordgefährdeten braucht. Ach bitte.


Vor allem eine Person kam mir in dem Buch deutlich zu kurz und das war die Protagonistin selbst. Das Buch ist sehr kurz, es ist nur eine Momentaufnahme, es befasst sich nur mit dem Jetzt – das finde ich als Idee gut, in der Praxis ist mir das zu wenig.

Ihre Gedanken nehmen viel Platz ein und diese waren auch durchaus interessant. In der Destruktivität liegt eine gewisse Schönheit. Es gab sogar ein paar kurze philosophisch angehauchte Gedanken, andere regten einen zum nachdenken an, andere waren einfach nur schön formuliert – wieder andere waren lediglich so da.


Letztlich ist mir das aber nicht genug – ihr ganzes Handeln wirkte auf mich nicht glaubwürdig. Es gab von der Seitenzahl her nicht genug Platz das zu fundamentieren, aufzubauen, glaubhaft zu machen – oder es fehlte schlicht der Wille dazu.

Woher ihr Todeswille stammt, erleben wir nicht – ihre Vergangenheit wird verschwiegen.

Und dann reicht auch ein Blick auf eine Leiche und auf Kranke und schon denkt sie in allem anders und der Lebenswille keimt – das ist doch Blödsinn und viel zu sehr „von jetzt auf gleich“.

Das lässt doch sehr an der Geschichte zweifeln, denn letztlich muss man auch sagen, geht es in keinem Bereich so wirklich in die Tiefe, weshalb es schrecklich vorhersehbar war, in fast allen Einzelheiten.

Auch wenn es durchaus Momente gibt, die einen berühren – keine Frage.


Fazit

Das Buch hatte schöne Ansätze. Immer wieder blitzte etwas auf, ein Gedanke, eine Formulierung, ein Gefühl, ein Moment.

Letztlich war es aber nicht wirklich genug – es fehlt die Zeit, den Platz, die diese Geschichte gebraucht hätte.

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Rezension zu "Das grenzenlose Und" von Sandra Weihs

Leben mit dem Tod vor Augen
seschatvor 2 Jahren


Wenn eine 18-jährige Borderline-Patientin ihren Selbstmord plant und sie ausgerechnet von einem todkranken Krebspatienten zum Leben verführt wird, dann ist die Rede von Sandra Weihs Romandebüt "Das grenzenlose Und". 

Diese Geschichte ist ungewöhnlich und wird zudem schonungslos offen dargeboten. Borderlinerin Maries Sicht auf die Dinge und besonders das Leben ist nüchtern, abgeklärt. Von ihren Eltern hat sie nie Liebe, sondern nur Gewalt erfahren. Infolge begann sie sich zu ritzen und wohnt nun in einer sozialpädagogisch betreuten WG mit anderen Patienten zusammen. In sich selbst spürt Marie nichts als "grenzenlose Leere" (vgl. Buchtitel) und findet in Emanuel, 23 und Hirntumor, einen Verbündeten. Gemeinsam will man dem Leben ein Ende setzen, doch Marie hat Emanuels Kampf, sie vom Gegenteil zu überzeugen, unterschätzt...

Weihs' Roman geht an die Nieren und stimmt nachdenklich. Er enthält trotz der saloppen Sprache einige lebensphilosophische Passagen. Aber das Beste an der Geschichte ist, dass die Autorin auf Gefühlsduselei a la Hollywood verzichtet und stattdessen ihren Blick auf die ungeschönte Realität richtet, die nicht immer leicht zu ertragen, aber dafür authentisch ist. Das Tabuthema Tod, im Speziellen der Freitod, wird eingehend beleuchtet. Hierbei imponiert mir ihre z.T. humorvolle Sicht aufs Sterben. Heiterkeit und düstere Momente wechseln sich ab und das Buchende stimmt versöhnlich.

FAZIT
Ein zurecht preisgekrönter Roman, der sich nicht nur an die Jugend richtet und etwas wagt. Weiter so!

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Rezension zu "Das grenzenlose Und" von Sandra Weihs

Und...
Bibliomaniavor 3 Jahren

Ein heftiges Debüt, was mich stellenweise sehr betroffen gemacht hat. Eine gerade 18-Jährige steht laut ihrer Meinung vor den Scherben ihres Lebens. Sie wohnt in einer Wohngemeinschaft für psychisch kranke Jugendliche und will ihrem Leben einfach ein Ende setzen. Sie hat einen sehr guten Therapeuten, der ihr das Versprechen abgenommen hat, für mindestens ein Jahr keinen Suizidversuch zu unternehmen. Es fällt ihr schwer, immer wieder ritzt sie sich selbst. Dann lernt sie Emanuel kennen, auch er will sie umbringen, aber aus einem anderen Grund. Beide schließen einen Pakt...

Schnörkellose Sprache, Sachlichkeit und Eindringlichkeit machen dieses Buch zu einem starken Debüt mit einem ernsten Thema. Auch traurig, aber ein sehr guter Start für die Autorin, die direkt den Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2015 erhalten hat.

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