Sandro Veronesi

 3,5 Sterne bei 223 Bewertungen
Autor von Der Kolibri, Schwarzer September und weiteren Büchern.
Autorenbild von Sandro Veronesi (© Mark Tambara)

Lebenslauf

Sandro Veronesi wurde im Jahre 19959 in Florenz, Italien geboren und arbeitet als freier Autor und Architekt. In Italien wird er zu den bedeutendsten Autoren seiner Generation gezählt und bekam den wichtigsten Literaturpreis Italiens, den Premio Campiello verliehen. Für seinen Roman »Sein anderes Leben« erhielt er den Premio Viareggio Preis. Für seinen Roman »Caos calmo« erhielt er u.a. den Premio Strega und dem Prix Femina Étranger Preis.

Alle Bücher von Sandro Veronesi

Cover des Buches Der Kolibri (ISBN: 9783552072527)

Der Kolibri

(85)
Erschienen am 23.08.2021
Cover des Buches Schwarzer September (ISBN: 9783552075757)

Schwarzer September

(67)
Erschienen am 17.02.2026
Cover des Buches XY (ISBN: 9783608939606)

XY

(43)
Erschienen am 11.08.2011
Cover des Buches Stilles Chaos (ISBN: 9783442739417)

Stilles Chaos

(11)
Erschienen am 09.03.2009
Cover des Buches Comandante (ISBN: 9783552073890)

Comandante

(4)
Erschienen am 29.01.2024
Cover des Buches Fluchtwege (ISBN: 9783608980356)

Fluchtwege

(2)
Erschienen am 14.03.2016
Cover des Buches Die Berührten (ISBN: 9783608939934)

Die Berührten

(3)
Erschienen am 11.04.2014

Neue Rezensionen zu Sandro Veronesi

Cover des Buches Schwarzer September (ISBN: 9783552075757)
bluemoon248s avatar

Rezension zu "Schwarzer September" von Sandro Veronesi

bluemoon248
Erste Liebe an der Versiliaküste

Gigio ist ein schmächtiger, schüchterner Junge, der mit seinen Eltern und seiner Schwester ein recht behütetes Leben in der Toskana führt. Der Roman erzählt von den Geschehnissen des Sommers, in dem er zwölf Jahre alt ist, dem Sommer 1972. Dieser Sommer wird für Gigio geprägt durch die reifende Erkenntnis, dass er nun kein richtiges Kind mehr, aber natürlich auch längst noch kein Erwachsener ist: Er entwickelt neue Perspektiven, entdeckt neue Interessen und verliebt sich zum ersten Mal. Erzählt wird der Roman vom heutigen erwachsenen Gigio, der als Erzähler stark kommentierend eingreift.


Der erwachsene Gigio als Erzähler greift aber nicht nur ein, sondern auch häufig und ausgiebig vor. Dabei schafft er, was die Handlung betrifft, eine Erwartungshaltung, die der Roman für mich nicht halten kann: Immer wieder betont der Erzähler, wie furchtbar, bedeutsam und einschneidend die Erlebnisse des Sommers für den jungen Gigio seien und mit welcher Wucht sie ihn träfen. Letztlich empfinde ich aber das, was Gigio dann passiert, als gar nicht so furchtbar. Selbst der erwachsene Gigio resümiert, dass ihn die Erlebnisse nicht sonderlich traumatisiert haben und er sie gut verarbeitet hat. Warum dann eine so hohe Erwartungshaltung aufbauen? Traut der Autor seiner eigenen Geschichte nicht ausreichend? Ich hätte gern darauf verzichtet, dass meine Erwartungen an die Geschichte zu hoch waren und entsprechend etwas enttäuscht wurden. Denn die Geschichte an sich ist schön und gut erzählt. 

Die Figuren sind interessant und glaubwürdig gestaltet. Die Beziehung zwischen Astel und Gigio ist schön geschrieben, man kann die Perspektive Gigios sehr gut nachvollziehen. Der erwachsene Gigio hat viel Einfühlungsvermögen sowohl für sein junges Ich als auch die anderen Personen, deren Geschichte er erzählt. Die Einbettung in den realen Sommer 1972 ist mir teils zu detailliert, vor allem, weil der junge Gigio sich sehr für Sport interessiert und seitenlang davon erzählt. Vermisst habe ich hingegen die Relevanz des Attentats auf die israelische Olympiamannschaft, die im Klappentext zwar genannt wird, aber keine wirkliche Rolle spielt für die Entwicklung der Handlung. Gefreut habe ich mich vor allem über die Musik, die eine Rolle spielt sowie die Orte, die ich wiedererkannt habe, an denen der Roman spielt: Vinci, Forte dei Marmi oder die Versiliaküste.


Ich habe das Buch trotz seiner Schwächen gern gelesen. Die Geschichte zwischen Gigio und Astel ist durch die Innensicht Gigios schön und schmerzhaft zugleich beschrieben, so wie eine erste Liebe eben meistens ist.


Dieser Roman könnte besonders Leuten gefallen, die selbst 1972 in einem ähnlichen Alter waren, die sich allgemein für diese Zeit und ggfs. den Sport aus der Zeit interessieren. Ebenso interessant ist das Buch allgemein für italophile Menschen.

 

Cover des Buches Schwarzer September (ISBN: 9783552075757)
Katharina_Cizeks avatar

Rezension zu "Schwarzer September" von Sandro Veronesi

Katharina_Cizek
Über Kindheit, Erinnerung und den Verlust

Der Roman Schwarzer September wurde von Sandro Veronesi geschrieben und erschien 2026 im Zsolnay Verlag. Aus dem Italienischen wurde das Werk von Karin Krieger übersetzt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der zwölfjährige Gigio, der rückblickend vom Sommer 1972 erzählt – einem Sommer, der sein Leben nachhaltig verändert.

Gemeinsam mit seiner Familie verbringt Gigio wie jedes Jahr die Ferien in Fiumetto am Meer. Dort begegnet er der dreizehnjährigen Astel, für die er schnell Gefühle entwickelt. Die beiden verbindet vor allem die Musik, die ihnen Nähe und Leichtigkeit schenkt. Doch ein plötzlicher Todesfall durchbricht die sommerliche Unbeschwertheit und verändert die Atmosphäre grundlegend.

Besonders gelungen ist die dichte Darstellung des Italiens der 1970er Jahre. Veronesi schafft es, den Leser mit seinen detailreichen Beschreibungen direkt in diese Zeit zu versetzen. Sommer, Sonne, Meer und das Gefühl jugendlicher Freiheit ziehen sich durch den gesamten Roman und verleihen ihm eine melancholische Nostalgie.

Auch Gigios Familienleben wirkt authentisch und nachvollziehbar beschrieben. Seine Gedanken und seine Entwicklung erscheinen altersgerecht und realistisch. Ebenso wird die Beziehung zu Astel passend zu ihrem jungen Alter eher zaghaft und kindlich dargestellt, was die Geschichte glaubwürdig macht.

Auffällig ist zudem die starke Präsenz von Musik und Sport im Roman. Obwohl der Titel auf die sportliche Tragödie des „Schwarzen September“ verweist, bleibt dieses Ereignis jedoch eher im Hintergrund und wird nur am Rande thematisiert.

Im Zentrum steht letztlich vielmehr Gigios Familiengeschichte und seine persönliche Entwicklung. Gegen Ende baut der Roman zwar noch einmal Spannung auf, doch der große emotionale Höhepunkt bleibt aus. Statt eines überraschenden oder überwältigenden Finales endet die Geschichte eher leise und hinterlässt beim Leser ein Gefühl von Unglauben und Unvollständigkeit.

Schwarzer September ist ein atmosphärischer Roman über Kindheit, Erinnerung und den Verlust von Unbeschwertheit. Besonders die eindringliche Darstellung des Italiens der 1970er Jahre sowie die ruhige, nostalgische Erzählweise machen das Buch lesenswert. Wer eine spannende Handlung oder große Wendungen erwartet, könnte jedoch enttäuscht werden, da der Fokus klar auf Stimmungen, Beziehungen und inneren Entwicklungen liegt. Insgesamt ist es ein stiller, melancholischer Roman, der eher durch seine Atmosphäre als durch dramatische Ereignisse wirkt.

Cover des Buches Schwarzer September (ISBN: 9783552075757)
PrinzessinButterblumes avatar

Rezension zu "Schwarzer September" von Sandro Veronesi

PrinzessinButterblume
Hinter den Erwartungen geblieben

"Schwarzer September" spielt an der ligurischen Küste im Sommer 1972 und erzählt die Geschichte des zwölfjährigen Gigios, der das Mädchen Astel kennenlernt. Als Astels Vater ermordet wird, übernimmt Gigios Vater die Verteidigung von Astels Mutter, die in Verdacht geraten ist. Und dann gibt es da auch noch den Terroranschlag der Olympischen Spiele ...

Der Roman wird aus der Ich-Perspekte von Gigio erzählt. Gigios hat eine sehr ruhige Erzählstimme, die uns mit vielen Details in das Italien der 70er Jahre mitnimmt. Leider war es für meinen Geschmack dann doch etwas zu viel der Ruhe und der Details und bevor die Ereignisse rund um den Terroranschlag und die Gerichtsverhandlung beginnen, müssen wir uns durch lange Beschreibungen lesen. Das ist zwar atmosphärisch, hat sich für mich aber leider auch ziemlich gezogen.

Insgesamt ist "Schwarzer September" für mich leider hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben.

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