Sandro Veronesi Fluchtwege

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Inhaltsangabe zu „Fluchtwege“ von Sandro Veronesi

Innerhalb von vierundzwanzig Stunden ist für Pietro Paladini nichts mehr so, wie es war. Vorher noch ein fürsorglicher Vater, engagierter Lebensgefährte und solider Geschäftsmann, wird er unverhofft zum Gesuchten. Ganz auf sich gestellt beginnt er eine tragikomische Flucht, die dort endet, wo das Chaos begann. Eigentlich läuft bei Pietro Paladini alles in ruhigen Bahnen, gäbe es da nicht die Probleme mit seiner verschlossenen Tochter, seinem polizeilich gesuchten Bruder, dem drogensüchtigen Exmann seiner Lebensgefährtin und vor allem seinem Geschäftspartner. Der hat ihm jahrelang die kriminellen Hintergründe ihres Autohandels verschwiegen, um plötzlich zu verschwinden und ihn mit dem Finanzamt und rumänischen Hehlern alleine zurückzulassen. Wenn es also eine Konstante in Pietro Paladinis Leben gibt, dann ist es das Chaos. Und wenn es eine Möglichkeit gibt, dieses Chaos wieder zu ordnen, dann nur mit der Wahrheit. Und die hat bekanntlich viele Gesichter.

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    Fluchtwege
    Gwhynwhyfar

    Gwhynwhyfar

    24. November 2016 um 12:56

    »Ich habe die falschen Fehler gemacht«Der Tag hatte gut begonnen, das Leben im Allgemeinen lief gut, erzählt uns der Icherzähler. Der Witwer Pietro Paladini ist zufrieden, er wohnt in Rom, sein Autohandel »Super Car« bringt ihm ein gutes Einkommen, seine Tochter geht auf das Gymnasium und Pietro hat eine reizende Geliebte. Sie und ihre Kinder muss er zwar unterstützen, denn ihr drogensüchtiger Exmann macht häufig Ärger, aber das ist für ihn kein Prob-lem. Doch ganz schnell bricht die Welt an einem Tag zusammen. Die Kundin, bei der er ein Auto beschlagnahmen muss, flieht mit dem Audi Q3. Pietro verdient sein Geld unter anderem damit, Autos per Gerichtsbeschluss einzuziehen, deren Leasingraten unbezahlt bleiben und er kann die Wagen für die Bank verkaufen. Er verliert dabei sein Handy, auf dem er alle Nummern, Kontakte und wichtige Passworte gespeichert hat, wie das für den Safe, sein Führerschein wird bei der Verfolgungsjagd eingezogen, das Finanzamt beschlagnahmt alle Akten und die PC’s im Büro, seine Tochter läuft von zu Hause weg, die Freundin wird wieder vom Ex bedroht und flüchtet. Der Geschäftspartner liegt nicht im Krankenhaus, wie er behauptet hatte. Er hinterlässt Pietro eine Nachricht, dass ihm alles leidtue, Pietro habe unwissentlich geklaute Autos verkauft und er solle sich auch lieber aus dem Staub machen.»Wer soll mich schon finden, wo ich doch beschlossen habe, nicht da zu sein? Wer wird mich verurteilen können für das, was ich bin, wenn niemand weiß, was ich bin?«Pietro überlegt, was er machen soll. Soll er sich der Polizei stellen? Er wusste doch von nichts. Doch der Justiz vertraut er nicht, wir befinden uns in Italien. Wer kann helfen? Pietro muss sich der Vergangenheit stellen. Wir begleiten ihn nach Mailand, seinem alten Zuhause. Dort wohnt die Schwester, bei der die Tochter nun wohnt. Wir begegnen in Luzern der Witwe seines Vaters, seinem Bruder, der auch auf der Flucht ist, wie einst der Vater. Die ganze Familie scheint auf der Flucht zu sein, aus verschiedensten Gründen. »Sei ehrlich zu dir selbst«, etwas, das Pietro schwerfällt. Auf der Suche nach sich selbst löst er Stück für Stück seine Probleme.Sprachlich dicht mit viel Humor, nah an der italienischen Seele, ein wundervolles Buch, eigentlich. Am Ende läuft mir die Geschichte zu glatt, zu einfach. Es wirkt, als wenn Sanoro Veronesi am Ende selbst nicht wusste, wohin das Chaos führt, was er damit bezwecken wollte. Aber vielleicht ist gerade dieser banale Schluss italienisch. Lügner, Langfinger, Halunken, falsche Freunde, Menschen die unschuldig mitgerissen werden, Moral gibt es schon lange nicht mehr. Das alles ist Italien. Abducken, fliehen, sehen was passiert, was man aushandeln kann, auch Kriminelle können Freunde sein, wirkliche Freunde und letztendlich ist die Familie alles. »Ich bin niedergeschmettert. Ich habe noch nie jemandem so aufmerksam zugehört und bemerke, dass zuhören viel anstrengender ist als reden. Doch wie ich mich jetzt fühle, zählt nicht. Zählt nicht mehr.«Wer Bandwurmsätze mit abweichenden Nebensätzen nicht mag, der sollte die Finger von dem Buch lassen. Die Sätze kommen zielstrebig immer zum Punkt zurück, brin-gen dem Leser in Gedankensprüngen die Protagonisten näher, Bruchstücke, Erinnerungen, Beschreibungen. Mit viel Humor berichtet Pietro aus seinem Leben. Sprach-lich ist dies Buch für mich bemerkenswert. Stück für Stück erfährt man von Pietro, dass gar nicht alles in Ordnung ist in seinem Leben, nur kuschlig zugedeckt, gut ver-packt. Der Leser fühlt sich wie ein Beichtvater, geduldig zuhören, nicht verurteilen und auch keinen Rat erteilen, denn wer sind wir schon, ein Urteil fällen zu dürfen. 

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  • Temporeich

    Fluchtwege
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    15. April 2016 um 12:28

    Temporeich Einfach hat es Pietro Paladini nun wirklich nicht. Bei alldem, was ihn just im Moment aus der eigentlich ruhig geplanten Bahn wirft.Eigentlich scheint doch alles einigermaßen geregelt. Und mehr will der Mann doch gar nicht. Teilhaber eines Autohauses, das sich darauf spezialisiert hat, Leasing-Fahrzeuge zu „entziehen“, wenn die Gläubiger mit den Raten in Rückstand geraten und diese dann gewinnbringend zu verkaufen.Ein wenig matt am Leben, gut, dass ist er schon, der ehemalige TV-Direktor. Aber seine Tochter Claudia ist ihm wichtig, seine Freundin „D.“ (der wirkliche Name hat eine gewisse Bedeutung, deswegen kürzt Pietro diesen lieber ab), das entwickelt sich doch ganz gut (auch wenn Claudia D. nicht mag, auch wenn der drogensüchtige Ex-Mann seiner neuen Lebensgefährtin einfach keine Ruhe geben will und wird).51 gelebte Jahre, Witwer (was hart war), das Gedächtnis lässt leicht nach (aber zum Glück hat Pietro ja alles, von den Telefonnummern seiner wichtigsten Menschen bis hin zum Passwort für das Erbe seines Vaters sicher im Handy verwahrt, oder), der Bruder ins Ausland geflohen nach einem Betrug, er selbst eben gerade auf dem Weg, ein Auto wieder zu beschaffen, dessen Spur sein Partner Lello aufgetan hat (der gerade ob eines vermeintlichen medizinischen Eingriffs verhindert ist).Und da nimmt das Unglück seinen Lauf (zumindest die Seite, die Pietro aktiv miterlebt, denn einiges an „Unglück“ hat sich bereits hinter seinem Rücken angesammelt und wird nun erst langsam ans Tageslicht kommen).Zunächst aber hat jene junge Frau, die aktuell den wunderbaren Q3 benutzt, noch eine ganze Menge anderer Reize für Pietro, wie dieser feststellt. Leidvoll feststellen wird.Dass er sich auf dem Weg sich in einer Notaufnahme des Krankenhauses wiederfindet, ob der Verletzung eines ihm fremden Kindes, dass dies vielleicht gar nicht wirklich stattgefunden hat (die Verletzung), dass sein Handy verloren geht (und damit alle seine Daten und zudem der Q3), dass sein Partner vielleicht doch nicht nur von „entzogenen“ Automobilen lebte, dass seine Tochter anscheinend (ihm unbekannterweise) einen erbitterten Streit mit ihm hat (und Rom verlässt). Dass zudem das Finanzamt alle Unterlagen und Computer in seiner Abwesenheit beschlagnahmt hat, all das kann einen Mann schon ins Wanken bringen.Geheimnisvolle Nachrichten auf spionageartigen Wegen hat ihm sein Partner hinterlassen und, ganz allgemein gesagt, der Boden wird nun doch sehr, sehr heiß unter Paladinis Füßen.Gut, dass da jemand ist (ein Hüne von Mann), der scheinbar einen ersten Ausweg anzubieten hat, denn Flucht scheint das Gebot der Stunde, obwohl Paladini nur rechtschaffen versucht hat, seinen Weg in Ruhe zu gehen. Übergreifend und ganz allgemein gesehen.Aber es gilt eben: „Alles was wir tun, beschwört einen Dämon“, auch wenn das gar nicht beabsichtigt war. Und der Preis ist: „Beiß rein und bereue“.Da mag Pietro noch so sehr davon ausgehen, dass alles, was ihm passieren kann, nicht einen „wohlüberlegten Lebensplan“ beeinträchtigen kann.In hohem Tempo, dicht gedrängt, in die Tiefen seiner Hauptpersonen hinabsteigend, führt Veronesi emotional dicht und intensiv dem Leser (und seiner Hauptfigur) vor Augen, wie sich alles mit allem verkettet und der Boden unter den Füßen wegzurutschen droht.Ohne eigenes Zutun.Und führt ebenso sprachlich dicht und flüssig vor Augen, dass ein Kämpfer nicht aufgibt, sondern sich, nach erster Verwirrung, beginnt, auf die eigenen Stärken zu besinnen. Selbst wenn einem eine dubiose rumänische Gruppe von Kriminellen im Nacken sitzt.Jener resignierende Rat des alten Freundes Enoch wird, zum Glück, von Paladini nicht befolgt werden: „Sobald Du spürst, dass Du es nicht schaffst, gib auf. Wehre dich niemals“.Genau das aber wird Paladini tun. Sich wehren. Und damit ein Fanal setzen für den Leser, dass in einer komplexen Welt, in der nicht alles unter Kontrolle gehalten werden kann, noch lange nicht die Waffen gestreckt werden, wenn man in Bedrängung gerät.Eine intelligente, in den Bann ziehende Geschichte, die sprachlich dicht und intensiv von Veronesi umgesetzt flüssig zu lesen ist.

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