Santo Piazzese

 4,5 Sterne bei 11 Bewertungen

Lebenslauf

Geboren in Palermo, aufgewachsen in Palermo, lebt in Palermo – ohne das er nicht sein kann und es doch öfters gern könnte.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Santo Piazzese

Cover des Buches Blues im Mittherbst (ISBN: 9783949558344)
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Rezension zu "Blues im Mittherbst" von Santo Piazzese

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Rhythmusgefühl für die leisen Töne

Ein Wiedersehen mit Folgen, die immer noch spürbar sind. La Marca – ja, genau der La Marca, der Schnüffler mit der Nase für das Besondere – sucht das Besondere, die Ruhe in Erice. Nicht weit von Palermo, seiner Stadt, entfernt. Mit den Besitzern der Bar, in der er jeden Tag verbringt, ist er schon lang befreundet. Man redet über Dies und Das, philosophiert mal mehr, mal weniger intensiv. Für Lorenzo La Marca ist dies das Besondere, das er sucht … und das er gefunden hat.

„Marlowe“, erschallt es hinter ihm. So hat man ihn wegen seiner Schnüffelnase damals im Biologiestudium genannt. Das ist lange her. Eigentlich hat ihn niemand mehr so genannt seit … seit wann eigentlich?!

Es ist Rizzitano, der mit einem Ruck, mit sieben Buchstaben, La Marca aus der Gegenwart reißt und ihn in die Vergangenheit katapultiert. Rizzitano. Du hier? Das übliche Geplänkel nach so langer Zeit ist nicht gerade von Freude gezeichnet. Dennoch – La Marcas besonderer Moment ist erst einmal dahin.

Der Marsala schmeckt mit einem Mal anders. Er denkt zurück an die Zeit seines Studiums. Biologie. Thunfische hatten es ihm angetan. Dottore wurde er genannt obwohl er sich den Titel noch erarbeiten musste. Alle um ihn herum waren sich aber einig, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde bis er das „angehender“ aus seinen Erwiderungen streichen kann. Und dann waren da noch Wanda, Lombardi und die Fischer auf dem Boot, mit er eine gefühlte Ewigkeit auf dem Meer verbrachte. Und dieser unselige Zwist. Der endete – und für ihn ist es wie gestern – abrupt, unschön, nachhaltig.

Santo Piazzese hat in seiner Palermo-Trilogie La Marca Struktur gegeben. Nun erlaubt er dem Leser Einblicke in La Marcas Vergangenheit. Ausgelassene Ausflüge, tiefgründige Analysen, schlagfertige Dialoge – man kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Die geschliffene Sprache ist eine Wohltat im dichten Dschungel der Krimiwelt. Ohne Pathos ist man schon nach wenigen Zeiten in einer Welt, die nur auf dem Papier längst vergangen scheint. Für La Marca ist die Vergangenheit wieder in sein Leben getreten.

Dieser Ausflug in La Marcas Studienzeit fasziniert wegen der ausgewogenen, fast schon kontemplativen Art und Weise mit einem dramatischen Erlebnis auch umgegangen werden kann. Es ist ein Leichtes sich den Frust und die Verzweiflung von der Seele zu schreien und mit Schuldzuweisungen um sich zu werfen. Santo Piazzese wählt den besonnen Pfad ohne dabei in die „Der Klügere gibt nach“-Falle zu tappen.

Komplettierung der Palermo-Trilogie

Nun ist es also da, das Ende. Das Ende der Palermo-Trilogie. Man will es gar nicht wahrhaben, dass die Geschichten um Lorenzo La Marca und seinen Bullenfreund Vittorio Spotorno ein Ende haben sollen. Ein letztes Abendessen eröffnet den ereignisreichen Abschluss der Reihe. Es ist Ende Oktober in Palermo. Draußen wütet der Himmel – auch er scheint das drohende Ende nicht annehmen zu wollen. Vittorio und seine Frau haben reichlich aufgetischt. Die Gespräche sind die Gespräche unter Freunden. Lorenzo kommt dieses Mal seinem Freund zuvor als er das Thema Frauen anschneidet. Ja, es hätten so viele schöne Abende, Picknicks oder Stunden sein können, in denen die beiden Männer mit ihren Frauen zusammen eine schöne Zeit hätten verbringen können. Doch Lorenzo, der Biologieprofessor, hat sich für seinen Alleingang entschieden. Noch.

Denn Michelle, die Gerichtsmedizinerin, ist wieder in sein Leben getreten. Nicht zum ersten Mal. Doch dieses Mal sind die Karten neu gemischt. Irgendwie hat irgendwer König und Dame beieinander gelegt.

Der Abend wird abrupt beendet als das Telfon schrillt. Wieder ein Abend ohne natürliches Ende, denkt sich Amalia, Spotornos Frau, und schnaubt. Kaum wahrnehmbar, doch merklich resigniert. Lorenzo fährt durch die regennassen Straßen Palermos – mehr als nur eine Idee für den nächsten Trip in die Stadt, die sich gern als La Felicissima bezeichnen lässt. Am Tatort angekommen, wird Lorenzos stiller Wunsch erfüllt. Michelle ist anwesend. Und hier beginnen auch schon die Verwicklungen. Arbeit und Privates gehen mit einem Mal eine unheilige Allianz ein. Und um den Fall zu lösen, muss man Palermo verlassen. Und das Private genauer untersuchen. Und sich immer wieder die Frage stellen, ob Schwarz und Weiß nicht doch ab und zu im Grauen ihr wahres Gesicht zeigen.

Santo Piazzese hat mit den ersten beiden Bänden seine Trilogie unaufhörlich bewiesen, dass er seine Stadt lesen kann wie kaum ein anderer. Er beschreibt ihre Bewohner, ihre Denken und Handelns derart anschaulich, dass man sich nun – beim Lesen des dritten Bandes – fast schon als einer der ihren verstehen möchte. Ein Trugschluss! Selbst die Palermitani verstehen sich kaum. Vielleicht liegt darin das Geheimnis der Stadt. Das Unerforschte, das noch zu Entdeckende – auf alle Fälle ist man dank Santo Piazzese mehr Einheimischer als so mancher sich ängstlich umblickender Sandalen tragender Touri, der bei Anbruch der Dunkelheit das Hotelzimmer nicht mehr verlässt. Ja, es sind Kriminalfälle, die der Autor dem Leser mit ungeahnter Wortwucht präsentiert. Doch an der Hand dieser wuchtigen Präsenz der Worte führt er die Neugier auf eine der vielfältigsten Städte der Welt. Diese Neugier weckt in jedem, der sie für sich entdeckt, die Sehnsucht zwischen alten Palazzi und dunklen Straßenfluchten selbst auf Erkundungstour zu gehen.

Cover des Buches Schirokko und (andere) heiße Verbrechen (ISBN: 9783949558238)
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Rezension zu "Schirokko und (andere) heiße Verbrechen" von Santo Piazzese

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Achtung! Suchtmittel der allerfeinsten Sorte

La Marca – ein Name wie ihn vielleicht ein zwielichtiger Ganove trägt. Einer, dem man seine kleinen Teufeleien einfach nicht übel nehmen kann, weil er durch und durch charmant ist. Doch Lorenzo La Marca ist Biologie-Professor. Und der Erzähler dieser hinreißenden Geschichte.

Er findet einen Toten. Mitten im Ficus magnoloidis. In einem monströsen Ficus. Mitten in Palermo. Da hängt tatsächlich Montalbani. Das erkennt der Professor nicht auf Anhieb, doch letztendlich ist die Sache klar. Und Vittorio Spotorno, der Bullenfreund, ist auch bald da. Tja, was anfangen mit dem kriminellen Samstag? Mitten in der Schirokko-Saison. Wenn die Luft zum Schneiden ist.

La Marca seziert die Geschehnisse wie ein Mann der Wissenschaft. Er wandert durch seine Stadt, Palermo. Hier ist er das Urgestein, das Symbol dieser Stadt, die außerhalb der Stadtgrenzen einen so grausigen Ruf „genießt“. La Marca taucht in ihr nicht unter, er zieht den Leser in eine Welt, die der so noch nicht kannte. Es sei denn, man hat den Vorgänger „Blaue Blumen zu Allerseelen“ gelesen. „Schirokko und (andere) heiße Verbrechen“ ist der zweite Teil der Palermo-Trilogie von Santo Piazzese.

Zusammen mit dem Erzähler Lorenzo La Marca flaniert man über prächtige Boulevards, biegt in schummrige Gassen ein, schlendert durch Cafés und Bars, liebt die erholsamen Ruhepausen auf Bänken und in Restaurants, atmet die Stadt, fühlt ihren Puls.

Nur Vittorio Spotorno kann dieser Stimmung nichts abgewinnen. Er muss schließlich den Mord an Montalbani aufklären. Und er hat nur wenige Anhaltspunkte. La Marca hingegen – und das obwohl er den Mord ja eigentlich (!) gar nicht aufklären will – kann gute Freunde in der Gerichtsmedizin und die amerikanische Verlobte des Toten zurückgreifen. Und während der Schirokko die Stadt nur scheinbar zu lähmen scheint, geht das Leben zwischen den Gemäuern weiter…

Während ein Flug von Deutschland aus rund zwei, zweieinhalb Stunden dauert bis man sich endlich von Palermo in den Arm nehmen lassen kann, dauert es beim zweiten Teil der Palermo-Trilogie nur wenige Zeilen. Schon nach dem ersten Umblättern ist man Teil dieser Stadt, die grausam und liebevoll in Einem zu sein scheint. Die Magie ihrer Bewohner und das Flair der Gemäuer, Straßen, Parks und Aussichten lässt Santo Piazzese niemand außer Acht. Rundumbetreuung für den Palermo-Süchtigen inklusive eines Mordes, der dann doch nicht ganz dem Klischee Palermos entspricht.

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