Saphia Azzeddine Mein Vater ist Putzfrau

(5)

Lovelybooks Bewertung

  • 5 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 3 Rezensionen
(2)
(2)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Mein Vater ist Putzfrau“ von Saphia Azzeddine

Eigentlich gibt es nichts zu lachen in der Pariser Banlieue. Paul, genannt Polo, ist ziemlich klein, hässlich, weiß und arm. Seine Mutter klebt krank und bewegungslos vor dem Fernseher, die ältere Schwester sorgt sich um ihre Fingernägel und träumt davon, einen Schönheitswettbewerb zu gewinnen. In der Schule sind alle cooler als Paul, und wenn schon nicht reich, dann wenigstens arabisch, jüdisch oder schwarz. Mit dem Vater, der sich nie beklagt und alle Demütigungen mit geradem Rücken wegsteckt, kann Paul gut reden – und schweigen. Von Priscilla erzählt er lieber nichts und ebenso wenig von Sylvie, der Mutter eines Kumpels, die seinen Kopf und seine Hände beschäftigen… Auch dass er sich längst nicht mehr um den Staub auf den Büchern kümmert, sondern begonnen hat, sie zu lesen, behält Paul vorerst für sich. Saphia Azzeddine erzählt leichthändig und schnell eine liebevolle Vater-Sohn-Geschichte voller Situationskomik und Galgenhumor. Ein unterhaltsamer Roman über das Leben am gesellschaftlichen Rand, der fest daran glaubt, dass nichts verloren ist, solange man Bücher hat. Eine charmante, ungezogene Komödie, die einmal mehr beweist, dass das Lesen noch keinem geschadet hat.

Ein humorvolles und nachdenklich stimmendes Kleinod voller Lebensweisheiten wie „Der kleine Prinz“ oder „Monsieur Ibrahim“ – großartig!

— Thorsten_Falke
Thorsten_Falke

Eine tragisch-komische Coming-of-Age Geschichte.

— SamiraBubble
SamiraBubble

liebevolle Vater-Sohn-Geschichte voller Situationskomik, Galgenhumor und viel Stoff zum Nachdenken

— himbeerbel
himbeerbel

Ein Blick in das Innenleben eines einsamen und chancenlosen Jungen, der es dennoch schafft, glücklich zu sein.

— miss_mesmerized
miss_mesmerized

Traurige, trieste, an manchen Stellen tragisch-komische Jungengeschichte - sicher kein Buch zum Totlachen, eher zum Nachdenken...

— Sookie70
Sookie70

Stöbern in Romane

Denunziation

Sehen eindringliche Kurzgeschichten über das Leben in Nordkorea. Für mich als Europäerin kaum vorstellbar, so zu leben. Sehr empfehlenswert!

Anne42

Die Tänzerin von Paris

Ein steter Bilder- und Gefühlsrausch!

Monika58097

Underground Railroad

Eine fesselnde Geschichte, welche die Railroad leider nur fiktiv beschreibt. Wer historischen Background erwartet, ist vielleicht enttäuscht

jewi

Sonntags in Trondheim

Ein ungewöhnliches Buch, der Schreibstil, die Familie, einfach alles ist seltsam, interessant, faszienierend und einfach ungewöhnlich.

Lesezeichenfee

Heimkehren

Sklaverei, Identität, Heimat und Rassismus verpackt in einen großartigen Familienroman

krimielse

Kukolka

Ergreifend und mit einer sympathischen Hauptfigur!

Daniel_Allertseder

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Die Coming-of-Age Geschichte eines Jungen in den Pariser Banlieus

    Mein Vater ist Putzfrau
    SamiraBubble

    SamiraBubble

    05. June 2017 um 12:58

    Paul verbringt gerne Zeit in Bibliotheken, vorzugsweise nachts, wenn das Gebäude leer steht, dann befreit er die Bücher vom Staub und blättert dabei auch ein wenig in denen rum, auf der Suche nach neuen abstrakten Wörtern, deren Bedeutung er zuhause nachschlagen kann, während sein Vater sich am Boden ranmacht, um ihn zu polieren. In dieser Position, am Boden und gebückt hat der heranwachsende Protagonist seinen Vater, in dem er verzweifelt seinen Helden sehen will, würde er sich nur nicht so sehr für ihn schämen, oft gesehen, zu oft, weshalb er der festen Überzeugung ist, es einmal weiter zu bringen, als seine Familie, die etwas tölpelhaft und einfach ist. Azzeddine zeichnet in ihrem zweiten Werk ein tristes Bild der Pariser Banlieus, von den unterschiedlichen Kulturen, die hier aufeinander treffen, aber miteinander zu leben wissen, von ihren Nöten, wie auch ihren Sehnsüchten und Träumen einem Leben im gesellschaftlichen Abseits zu entfliehen.LIEBLINGSSATZ: - Du bist kein Trottel. Du willst nicht enden wie ich, also bau gefälligst keinen Mist...- Was heißt enden wie du?- Das heißt öfter den Boden als den Himmel im Blick zu haben, was dich nicht daran hindert, trotzdem in die Scheiße zu treten.EMPFEHLUNG: Ja.

    Mehr
  • Situationskomik, Galgenhumor und Nachdenkliches

    Mein Vater ist Putzfrau
    himbeerbel

    himbeerbel

    14. February 2017 um 13:30

    In „Mein Vater ist Putzfrau“ von Saphia Azzeddine geht es um Paul, genannt Polo, der laut eigener Aussage ziemlich klein, hässlich, weiß und arm ist. In der Schule sind alle cooler als er und wenn schon nicht reich, dann wenigstens arabisch, jüdisch oder schwarz. In seiner Freizeit hilft er seinem Vater beim putzen, doch er kümmert sich in einer Bibliothek nicht nur um den Staub auf den Büchern, sondern hat auch begonnen sie zu lesen und sich zu bilden. „Zwischen den Taschenbüchern und den gebundenen Büchern, den bebilderten und den schlichten Buchdeckeln gab es Milliarden von Wörtern. Manche davon waren längst gescheitert, andere hatten viele erschüttert. Ich hatte Lust, sie auszuprobieren. Diese ganzen Bücher, wie sie da eines neben dem anderen militärisch, senkrecht und gerade aufgereiht standen, starrten mich an und forderten mich jedes Mal heraus, wenn ich an ihren vorüberging.“ (S. 8) Als Leser begleitet man den pubertierenden Ich-Erzähler Polo ab seiner 8. Schulklasse und wird Zeuge seiner Gedankenwelt, die von finsterstem Sarkasmus, tiefster Verachtung seiner Familie und seiner Umwelt gegenüber, Neid, bitteren Sehnsüchten, zerbrechlicher Liebe, von den Zweifeln und der Unsicherheit eines Heranwachsenden und der Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Themen geprägt ist. „Wäre Tamimount ein Land, wäre sie die USA: Sie verteidigt sich immer, nachdem sie dich als Erstes angegriffen hat, vorbeugend verpasst sie dir eine Kopfnuss und glättet sich anschließend seelenruhig den Pony, der eine Narbe auf der Stirn verdeckt, weil ihr Vater sie verdrischt. Auch vorbeugend.“ (S. 41) Nachdem ich zu lesen begonnen hatte, mochte ich nicht mehr aufhören. Es war interessant Polos Entwicklung anhand seiner Denkweise und Gefühlswelt zu folgen, die eine bunte Mischung aus tatsächlichem Erleben und Phantasie ist. Die Sprache ist bildhaft und eindringlich, rutscht aber auch schon mal in derbe und derbere Ausdrucksweisen ab, was den Charakter allerdings authentisch wirken lässt. „-Was heißt enden wie du, Papa? -Das heißt öfter den Boden als den Himmel im Blick zu haben, was dich nicht daran hindert, trotzdem in die Scheiße zu treten…Insgeheim musste ich ihm beipflichten. Mein Vater ist intelligent. Nur dass die Wörter in dem Schlamassel zu nichts taugen. Der Boden, der Himmel und die Scheiße, das fügte sich hier perfekt zusammen.“ (S. 66) „Mein Vater ist Putzfrau“ ist eine liebevolle Vater-Sohn-Geschichte voller Situationskomik und Galgenhumor, die viel Stoff zum Nachdenken, schmunzeln und mitfühlen zu bieten hat. Ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und deshalb wärmstens empfehlen kann.

    Mehr
  • Saphia Azzeddine - Mein Vater ist Putzfrau

    Mein Vater ist Putzfrau
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    03. August 2016 um 16:49

    Paul, genannt Polo, wird nichts geschenkt im Leben. In der Pariser Cité gelingt das Überleben mehr schlecht als recht, die Mutter liegt krankheitsbedingt nur im Bett, die Schwester träumt davon eine Misswahl zu gewinnen und sein Vater arbeitet nachts als Putzfrau. Paul hilft ihm dabei und erwirbt so ein unheimliches Wissen über die Welt, denn sie kommen ebenso in Bibliotheken wie Großraumbüros und Diskotheken der besseren Gesellschaft. Auch in der Schule ist er – zu klein, zu hässlich, zu seltsam – ein Außenseiter, nur die von ihm angehimmelte Priscilla schenkt ihm Aufmerksamkeit. Langsam wird er erwachsen und stellt sich den wesentlichen Fragen des Lebens: will er Muslim werden oder doch lieber Jude? Ist sein Penis zu klein? Wie kann er aus dem, was ihm gegeben ist, etwas machen?Saphia Azzeddine gelingt der Spagat zwischen unterhaltsam und doch den Ernst der Lage erfassen und vermitteln. Zwar bleibt ihr Ton durch eine gewisse Naivität des zu Beginn noch jungen Erzählers leichtfüßig und unterhaltsam, aber seine Not in prekären Verhältnissen, umgeben von der bekannten Gewalt der Pariser Vorstädte und ausgegrenzt von der französischen Mittelschicht, wird deutlich und auch von der Erzählweise nicht komplett überlagert. Man gewinnt Einblick in das Innenleben eines einsamen, seine Umwelt aufmerksam beobachtenden Jungen, dessen Chancen immer überschaubar bleiben werden – was ihn aber nicht daran hindert, glücklich zu sein. 

    Mehr