Saphia Azzedine Mein Vater ist Putzfrau

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Inhaltsangabe zu „Mein Vater ist Putzfrau“ von Saphia Azzedine

Eigentlich gibt es nichts zu lachen in der Pariser Banlieue. Paul, genannt Polo, ist ziemlich klein, hässlich, weiß und arm. Seine Mutter klebt krank und bewegungslos vor dem Fernseher, die ältere Schwester sorgt sich um ihre Fingernägel und träumt davon, einen Schönheitswettbewerb zu gewinnen. In der Schule sind alle cooler als Paul und wenn schon nicht reich, dann wenigstens arabisch, jüdisch oder schwarz. Mit dem Vater, der sich nie beklagt und alle Demütigungen mit geradem Rücken wegsteckt, kann Paul gut reden und schweigen. Von Priscilla erzählt er lieber nichts und auch nicht von Sylvie, die seinen Kopf und seine Hände beschäftigen ... Auch dass er sich längst nicht mehr um den Staub auf den Büchern kümmert, sondern begonnen hat, sie zu lesen, behält Paul vorerst für sich. Saphia Azzeddines erzählt leichthändig und schnell eine liebevolle Vater-Sohn- Geschichte voller Situationskomik und Galgenhumor. Ein unterhaltsamer, ironischer Bildungsroman über das bittere Leben am gesellschaftlichen Rand, der fest daran glaubt, dass nichts verloren ist, solange man Bücher hat.

Traurige, trieste, an manchen Stellen tragisch-komische Jungengeschichte - sicher kein Buch zum Totlachen, eher zum Nachdenken...

— Sookie70

Von den Wegen, die einem Sprache eröffnen kann und dem Glück, das Wörter spenden können!

— LibriHolly

Sehr viel Frische und Humor - Eine meisterhafte Arbeit. Lesenswert.

— JulesBarrois

Paul erzählt in assoziativen Gedankensprüngen von seinem Leben im Pariser Banlieue: Schonungslos, zynisch, vulgär.

— leselea

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    Mein Vater ist Putzfrau

    leselea

    Ich hatte große Lust, ihm meine Diagnose ins Gesicht zu spucken: unnütze Existenz, vergebliches Dasein. Und vieles mehr. Es war mir ein Bedürfnis, ihm die ganze Last aufzubürden wie einem Richtung Süden rollender Peugeot voller Einwanderer, ich wollte, dass er in Tränen ausbricht, weil er versagt hat, und dass er mich um Verzeihung bittet. Um Verzeihung, dass wir hier sind, wo wir doch woanders sein müssten. (S. 45) Saphia Azzeddine lässt in ihrem Roman Mein Vater ist Putzfrau ihren Protagonisten Paul, von seinem Vater nur Polo genannt, vom Leben in Banlieue erzählen. Und Polo erzählt: Von den muslimischen Nachbarn, in dessen Wohnung es immer nach Essen riecht; von der Schule, in der die Anzahl schwarzer Mitschüler von Klassenstufe zu Klassenstufe sinkt; von seinem Vater, der als Putzfrau seinen Leben fristet und dafür von seinem Chef mit einem Gutschein für ein Restaurant belohnt wird. Polo erzählt von sich: dass er hässlich ist und sein Penis zu klein, dass er unbedingt Sex haben will (oder das, was pubertierende Jugendliche dafür halten), dass er als Kind missbraucht wurde, was aber niemand wissen darf und dass er leidenschaftlich in Priscilla verliebt ist. All das zusammen schafft eine verdichte Geschichte über das Aufwachsen in der Unterschicht, über das multikulturelle Leben im Vorort und dem Bedürfnis, es ganz nach oben zu schaffen. Inhaltlich hat mich der Roman sehr angesprochen: Azzedine spricht eine Fülle von interessanten und heiklen Themen (Unterschicht, Rassismus, Missbrauch) und zwar ohne sie politisch zu diskutieren, sondern indem sie diese mit der Lebenswelt ihres Protagonisten verwebt. Trotzdem kann ich nicht wirklich sagen, dass der Roman mir gefallen hat. Das liegt zunächst einmal an der Sprache: Diese wechselt im Roman ständig zwischen poetischen Sätzen und derben Formulierungen. Vulgarismen und zynische Kommentare sind an der Tagesordnung in der tristen Vorstadtwelt. Polo bemüht sich, sich immer wieder davon abzusetzen und schmückt seine Sätze mit „angstmachenden Wörtern“ – Wörter, die hochgestochen und gebildet klingen. An diesen ständigen Stilbruch (den ich allerdings nicht nur negativ bewerte) muss man sich gewöhnen, was mir persönlich erst ab dem letzten Drittel wirklich gelungen ist. Darüber hinaus fand ich die sprachlichen Formulierungen bisweilen problematisch, was ich aber eher auf die Übersetzung des Romans schiebe: Einige Wendungen erschienen mir ungelenk und besonders am Anfang der Geschichte – in die der Leser ahnungslos reingeschmissen wird – waren Bezüge für mich nicht immer ganz eindeutig, was den Zugang zur Erzählung erschwert hat. Viele werden Azzeddine sicherlich für ihre ungeschminkte und derbe Darstellung feiern – mich konnte diese Darstellung allerdings nicht immer überzeugen: Einige Szenen waren mir dafür einfach zu plump und in ihren Grundzügen auch nichts Neues. Des Weiteren war mir die Geschichte einfach zu unstrukturiert: Besonders am Anfang besteht der Roman fast nur aus assoziativ aneinandergereihten Gedanken, zeitliche Bezüge werden nicht immer deutlich. Erst im letzten Drittel entwickelt sich ein linearer Erzählungsstrang. Hier hätte ich mir eine eindeutige Entscheidung gewünscht: Entweder ein konsequentes assoziatives oder lineares Erzählen. Letztendlich hat der Klappentext bei mir auch falsche Erwartungen erweckt: Die Vater-Sohn-Beziehung wird zwar gekonnt umgesetzt, die Bedeutung von Büchern spielt aber eine weit weniger wichtige Rolle, als die Ankündigung es erwarten lässt. Ein Buch mit vielen Brüchen, derber Sprache und ungeschönten Wahrheiten. Einige werden es lieben, andere nicht. Ich gehöre eher zur zweiten Gruppe.

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  • "Ungallische Asterixe und bekiffte Obelixe"

    Mein Vater ist Putzfrau

    Ginevra

    08. April 2015 um 18:52

    Paul, genannt Polo, geht in die 8. Klasse - zum wiederholten Mal. Er ist arm, weiß und wäre gerne schwarz, Araber - und cool. In seinem Pariser Stadtviertel stehen die Mädchen nämlich nur auf coole Typen, und seine Angebetete Priscilla ist nur eine platonische Freundin, mit der er sich über Bücher unterhält. Bücher zu lesen ist Polos geheimes Hobby, sogar eine Art Geheimwaffe, um mit den Widrigkeiten seines Lebens umzugehen. Da ist der Onkel, der ihn mißbraucht und mißhandelt. Die Schwester, die so gerne eine Miss-Wahl gewinnen würde. Die Mutter, die gelähmt ist und sich nur für seichte Fernsehkost interessiert. Der Vater, der in einer Putzkolonne arbeitet, am untersten Ende der Hierarchie. Polo mag seinen Vater und hilft ihm oft abends - aber er kann keinen Respekt vor einer männlichen Putzfrau empfinden - oder doch? Und dann gibt es noch die geheimnisvolle Welt der Frauen, die dem pubertierenden Polo so manche heiße Fantasie und feuchte Träume bereiten... Saphia Azzedine, geb. 1979 in Marokko, lebt seit 1988 in Frankreich. Nach ihrem Studium der Soziologie Arbeitete sie als Drehbuchautorin, Journalistin und Schriftstellerin. Mir kam es beim Lesen stellenweise so vor, als ob die Autorin versucht, eine soziologische Milieustudie in eine einzige Familiengeschichte zu pressen. Die Tristesse des Vororts wird sehr anschaulich beschrieben, die pubertären Fantasien und die Jugendsprache vermixt Azzedine mit Zitaten aus der französischen Literatur, was mir sehr gut gefiel. Auf diesen 120 Seiten findet der Leser ein breites Spektrum an schrecklichen Erlebnissen - für den jungen Polo bittere Realität. Ich will hier nicht alles verraten, aber auf mich wirkte der Roman streckenweise etwas überfrachtet und konstruiert. Manche Stellen waren dann wieder sehr poetisch und berührend, besonders am Ende. So richtig hat mich dieser Roman leider nicht berührt, obwohl das Thema und einige Stellen mich sehr beeindruckt haben. 3 von 5 Sternen!

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  • Die Wurzeln, die uns halten

    Mein Vater ist Putzfrau

    Pocci

    05. April 2015 um 18:35

    Paul lebt mit seiner Familie in einer Vorstadt von Paris - in einem Problemstadtteil. Sein Vater verdient den Lebensunterhalt für die Familie als Angestellter einer Putzfirma, während seine Mutter gelähmt an die Wohnung gefesselt ist und seine ältere Schwester nur Schönheitswettbewerbe im Kopf hat. Paul hilft seinem Vater häufig nach der Schule und dabei lernt er in der Bibliothek die Welt der Bücher kennen. Er erkennt, dass diese ihm die Tür zu einem anderen, besseren Leben öffnen können. Saphia Azzeddine beschreibt aus Pauls Sicht eine berührende Vater-Sohn-Geschichte, in das Verhältnis vom Sohn manches Mal hinterfragt wird, und zugleich eine Geschichte über das Erwachsenwerden, mit all den üblichen emotionalen Achterbahnfahrten. Der Erzählstil ist dabei eingängig und der Herkunft Pauls angemessen. Durch die Ich-Perspektive erlebt der Leser alle Emotionen von Paul hautnah, seine Scham genauso wie seine Wut. Pauls Wunsch aus seinen aktuellen Lebensumständen auszubrechen steigert sich manchmal zu einem regelrechten Hass auf seine Familie, gleichzeitig fühlt er immer wieder besonders mit seinem Vater eine tiefe Verbundenheit. Als Leser kann man seine Zerrissenheit sehr gut nachfühlen. Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, denn man merkt als Leser, dass Aufgeben und sich in die Umstände fügen keine Option für Paul ist. Das Buch ist zwar manches Mal traurig, weil man Paul mehr Glück im Leben wünscht, zugleich macht es aber auch Mut, dass man mit genug Arbeit dem scheinbar vorgegebenen Leben entwachsen kann. Und das auch ohne mit seiner Vergangenheit zu brechen.

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  • Sprache als Hoffnungsschimmer

    Mein Vater ist Putzfrau

    LibriHolly

    04. March 2015 um 12:26

    Die 1979 in Marokko geborene Autorin Saphia Azzedine lässt uns in ihrem Roman, mit dem ungewöhnlichen Titel „Mein Vater ist Putzfrau“, teilhaben an dem Schicksal des 14-jährigen Paul genannt Polo. Polo erzählt seine Geschichte aus seiner ganz eigenen Perspektive. Stellenweise noch recht kindlich, manchmal aber auch überraschend erwachsen. „Normalerweise gehöre ich zu den von Geburt an Benachteiligten, die keinerlei Zukunft haben…“ Polo lebt in den Pariser Banlieues, sein Vater ist Putzfrau. Hin und wieder hilft Polo seinem Vater, doch insgeheim schämt sich Polo für ihn, er sieht in ihm kein Vorbild, keinen Helden und er will alles nur nicht auch als Putzfrau enden. So kämpft er tagtäglich dafür, aus diesem Milieu auszubrechen, kämpft gegen seine eigenen Minderwertigkeitskomplexe und während er seinem Vater hilft die Stadtbibliothek zu reinigen, schlägt er auch das ein oder andere Buch auf. Erschmökert sich sozusagen seinen Weg aus der Vorstadt. „Warum liefert die Literatur in ihren Werken keine Gebrauchsanweisung?“ Nur eine der unzähligen Fragen, die sich Polo auf seinem schweren und langen Weg, seinem größten Wunsche entgegen, stellt. Einem Weg, auf dem er unter anderem begleitet wird von so namhaften Gefährten wie Balzac und Flaubert. Letzterer führt ihn zu der Erkenntnis: „Ich brauche Stil und böse Absichten. Eine vornehme und dreiste Leidenschaft.“ Welch Erkenntnis für einen 14-jährigen! Zugegeben etwas irritiert ist man als Leser zu Beginn der Lektüre schon, von diesem ständigen und doch sehr abrupten Wechsel zwischen harter, nahezu proletenhafter Pariser Vorstadtsprache und der wunderschönen poetischen Sprache, die Polo aus seinen Büchern lernt. Doch hat man sich als Leser erst einmal darauf eingelassen, eröffnet einem dieses dünne Büchlein ein witziges, manchmal auch tieftrauriges, aber absolut intelligentes Lesevergnügen. Und es ist eben diese wunderschöne Poesie der Bücher, auf der Polos ganze Hoffnung ruht, sein Weg raus aus der Vorstadt: „…, die Wörter aus der Bibliothek werden mich meinem Proletenschicksal entreißen.“ Traurig wird die Geschichte immer dann, wenn es um die Beziehung zwischen Polo und seinem Vater geht. Einem wundervollen Vater, der nun einmal aber leider kein Vorbild für Polo ist, kein Held, wie es der Vater für einen Jungen sein sollte: „Es ist beschämend, wenn man sich wegen seinem Vater schämt. Einem Vater, der im Rathaus alle Hebel angesetzt hatte, damit ich auf ein anständiges Collège gehen konnte.“ Schon in diesen wenigen Sätzen werden Polos Minderwertigkeitskomplexe spürbar. Er hasst die Tätigkeit seines Vaters, seine Art sich auszudrücken, alles für was diese Sprache steht, auch wenn er seinen Vater liebt. „Das ist genau das, was ich an den Menschen im Allgemeinen und bei meinem Vater im Besonderen hasse. Diese obszöne Angewohnheit, alles ins Schweinische zu ziehen, um ein Witzchen zu reißen…“ Aber auch Polo selbst ist nicht frei von dieser Obszönität, insbesondere, wenn er über Mädchen spricht, dann wird auch Polos Sprache anzüglicher, degradiert das weibliche Geschlecht beinahe schon zum reinen Objekt, auch wenn er in Wahrheit die große Liebe sucht. Es ist genau dieses dauernde hin und her der Gefühle, dieses vielschichtige, zwiespältige in Polos Charakter, das den besonderen Reiz dieses kleinen Büchleins ausmacht, es zu einem aufregenden Leseerlebnis werden lässt und den Leser von Seite zu Seite zieht, mit der immer gleichen Frage im Kopf: Wird Polo seinen Kampf gewinnen? In Frankreich ist das Buch bereits 2009 erschienen und wurde mittlerweile unter Regie der Autorin verfilmt.

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  • Vom Erwachsenwerden in einer Umwelt, die geprägt ist von Armut, Arbeitslosigkeit und Rassismus

    Mein Vater ist Putzfrau

    WinfriedStanzick

    09. February 2015 um 08:49

    Saphia Azzendine, 1979 in Marokko geboren und nach einem Studium, einem Aufenthalt in den USA und einem Job als Diamantschleiferin nun als Journalistin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin in Genf arbeitend, ist eine der vielen aus Migrantenfamilien stammenden jungen Autorinnen, die in Frankreich und anderen Ländern mit ihren Büchern das Leben einer Bevölkerungsgruppe beschreiben, zu deren Lebens- und Erlebenswelt viele andere kaum einen Zugang haben, auch wenn sie sich redlich darum bemühen. Dabei stammt der jugendliche Ich-Erzähler und Protagonist ihres hier vorliegenden zweiten Romans (drei weitere sind noch nicht übersetzt) gar nicht aus einer Migrantenfamilie. Paul, auch Polo genannt, lebt mit seiner Familie in der Pariser Banlieue. Er ist klein, arm, fühlt sich hässlich und im Gegensatz zu den allermeisten der anderen Kindern und Jugendlichen in der Schule ist er weiß. Auch wenn sie, genau wie er, nicht reich sind – sie sind wenigstens arabisch, jüdisch oder schwarz. Haben also so etwas wie eine angeborene Identität. Pauls Mutter ist gelähmt, seine Schwester lebt in einer eingebildeten Modelwelt, und der sympathische Vater ernährt als Putzfrau mit Jobs Tag und Nacht leidlich seine Familie. Pauls Leben besteht aus der Schule, in der er bescheiden erfolgreich ist, der aus einer ganz anderen Schicht stammenden Priscilla, die er anbetet und den Stunden, in denen er seinen Vater beim Putzen begleitet. Eines Abends stößt Paul in der Bibliothek, in der sein Vater putzt, auf die Bücher, und sie lassen ihn nicht mehr los. Er merkt sich Wörter, benutzt sie auch und kommt von den Büchern nicht mehr weg. Dabei leitet ihn die Überzeugung, dass nur die Wörter und die Wissenschaft ihn aus seinem sozialen Dilemma der Armut in der Banlieu befreien können. In dieser leichthändig und humorvoll erzählten Vater-Sohn-Geschichte geht es um das Erwachsenwerden in einer Umwelt, die geprägt ist von Armut, Arbeitslosigkeit und Rassismus. Voller Situationskomik lässt Saphia Azzendine ihren Erzähler von den inneren Dramen und den Zukunftshoffnungen eines jungen Mannes erzählen, der eigentlich keine Chance hat.  Dabei ist sie mit ihrem Erzähler davon überzeugt, dass selbst in einem Leben am Rand der Gesellschaft niemals alles verloren ist, solange man die Bücher hat und aus ihnen Kraft, Hoffnung und Perspektiven gewinnen kann. Eine unterhaltsame und literarisch gelungene Komödie, die einen Einblick gibt in die komplexe Realität der französischen Gesellschaft an ihren immer breiter werdenden Rändern, die hier wie dort nur wahrgenommen werden zu scheint, wenn etwas Dramatisches passiert.

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  • Sehr viel Frische und Humor

    Mein Vater ist Putzfrau

    JulesBarrois

    08. February 2015 um 08:02

    Paul, genannt Polo, 14 Jahre alt, klein, hässlich, weiß, arm und von seinem Onkel missbraucht erzählt sein Leben. Er lebt mit seiner Familie in einem Vorort der eher düsteren Stadt. „… gesättigte Fettsäure auf dem Teller und Scheißfamilie drum herum.“ (Seite 16) Seine Mutter ist gelähmt, seine Schwester träumt von einer Modelkarriere, sein Vater ist Putzfrau, der irgendwie versucht seine arme Familie zu ernähren. Sein Leben dreht sich um Schule, ein paar Freunde, Priscilla (aus der Oberschicht) und die Stunden des Putzens, zu denen er seinen Vater begleitet. Während er eines Abends mit seinem Vater in einer Bibliothek putzt, entdeckt er Bücher und Wörter. „Ich lerne … ein Wort pro Woche … die Wörter, die Angst machen. Die arroganten, die hochgestochenen, die überheblichen, die transzendenten.“ (Seite 16) Das werden seine Waffen. Er sagt alles, was er in Bücher und Wörterbüchern gelernt hat. Er nimmt an, dass nur Wörter und Wissenschaft ihn aus seinem sozialen Schicksal retten werden. Es entsteht eine Sozialkomödie zu aktuellen Themen: Immigration, Klassenkampf, Jugend, Arbeitslosigkeit, Armut, Rassismus, Schulversagen. Saphia Azzedine verleiht den Entrechteten unserer Gesellschaft eine Stimme, und erzählt mit unwiderstehlichem Schwung die Dramen und Hoffnungen eines Teenagers. Saphia Azzedine schreibt kraftvoll, direkt und unkompliziert mit bissigem Humor, manchmal stark und roh. Ihr Ton ist mal sehr kritisch, mal weich oder ironisch. Der Charakter von Paul ist ansprechend, fesselnd und realistisch. Eine starke und schnelle Geschichte. Eine großartige kleine Komödie. Die Autorin hat ein ausgesprochenes Talent grundlegende Dinge mit Leichtigkeit und Humor auszudrücken. Ihre Reflexionen über Religion und Glaube sind sehr interessant und auch schockierend. Sie liefert ein herrlich prägnantes, ein aktuelles Bild von der Komplexität der muslimischen Realität in Frankreich Eine meisterhafte Arbeit. Lesenswert. Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbachverlages: http://www.wagenbach.de/buecher/soeben-erschienen/titel/980--mein-vater-ist-putzfrau.html

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