"Manche finden Reiter das Allerschönste,
hier auf Erden, andere Fußsoldaten
oder Schiffe - ich aber das, was einer
liebt über alles."
Direkt vorweg muss ich sagen, dass ich schon einige Sappho Ausgaben gelesen habe (z.B. Strophen und Verse oder Die schönsten Gedichte von Sappho ) und mit der dortigen Aufbereitung der Gedichte und Fragmente nie so ganz etwas anfangen konnte - zu knapp, auch manchmal "zu" lyrisch und daher auch oft nicht ganz erschließbar.
Zwar besitzt natürlich der neuste Übersetzer immer die Freiheit, die Fehler seiner Vorgänger auszubügeln und auf die aktuellsten Erkenntnisse der Forschung zur Übersetzung zurückzugreifen, aber da Sappho zu übersetzen immer eine Frage der Rekonstruktion ist und stark von der Art der Auswahl und Herangehensweise abhängig ist, bleibt immer viel Raum für neue Fehler und ein erneut durch Unsicherheit getrübtes Leseerlebnis. (Schließlich ist Altgriechisch auch eine Sprache, deren Stimmungsverhältnis uns nicht mehr vollständig bekannt ist, weswegen auch der Ton der Übersetzung noch verstärkt eine Wahl des Übersetzers ist).
Dieser Band der textura, mit Übersetzungen von Albert von Schirnding, könnte da endlich Abhilfe schaffen. Denn er setzt mehr auf Qualität, denn auf Quantität, weniger auf Spekulation und dafür auf Anschaulichkeit. Daher gibt es zu jedem/r Gedicht/-gruppe eine Einzelerläuterung, in der ausgeführt wird, wie das Gedicht gedeutet werden kann, was sprachlich und übersetzungstechnisch wichtig ist und wie man sich den Kontext des Gedicht (im Leben Sapphos, in der Mythologie & Historie, in der Umgebung des Vortrags) vorstellen muss.
Ein allgemeiner Eindruck ist, dass die Übersetzungen vor allem die Stimmung und die einfache Bedeutung der Gedichte und Fragmente widergeben wollen. Nur zwei Gedichte von Sappho sind komplett erhalten und es ist daher wichtig, dass die restlichen Fragmente von einem Begleitwort unterstützt werden, damit ihre Knappheit dennoch ein gewisses Maß der Schönheit erreichen kann, die ein verständiger Leser des Altgriechischen in ihr findet.
"Immer wenn das volle Gestirn Selannas
silbern über Fluren und Meer sein Licht wirft
schwindet gleich das leuchtende Antlitz aller
anderen Sterne."
Sapphos Leben war, wie das Leben vieler Menschen (vor allem vieler Frauen): Bekenntnis. Das Besondere ist, dass Sappho als die erste Dichterin Europas gelten darf und dass es ihre Bekenntnisse eine der frühesten Aufzeichnungen zur Liebe, als dem bestimmenden Gefühl des Menschen, ist. Die Liebe also, die das Ich gegenüber allem anderen stellt. Ich und Selbst, unverzichtbare Komponenten beinahe jeder Lyrik, finden bis heute in diesem Gefühl besonders starke Entsprechungen ihrer Wirklichkeit.
Doch darf man in diesem Buch keine klassische Liebeslyrik erwarten. Das Wenige, das von Sapphos Dichtungen erhalten ist, hat meist einen sehr tiefen Sinn, aber wenig virtuose Schönheit. Die wirkliche Kraft ihrer Poesie liegt, auch wegen ihrer Zerstückelung, in ihrem überlieferten Rest an komprimierter Einfachheit, in ihren ganz unverstellten Aussagen (Siehe Zitat oben: "Immer wenn"). Diese Bekenntnisse haben etwas Grundehrliches, etwas unverzweigt Schönes.
Darüber hinaus spielen Hochzeit, Alter und andere persönliche Dinge in den ausgewählten Versen eine Rolle; die meisten dieser Gedichte sind vor allem interessant wenn man eine Idee von Sappho als Person, der Art ihres Schreibens und Einblicke in die Bedingungen auf Lesbos und in ihrer Mädchenschule erhalten will. Von Schirnding bietet eine recht dünne Auswahl, dafür ist aber jedes noch so kleine Gedicht in eine unnachahmliche Wahrhaftigkeit gekleidet und man kann Sapphos Lyrik hier unverstellt begegnen. Wer eine wirklich gut betreute und erfahrbare Sapphoausgabe haben will, dem würde ich (der zugegebenermaßen kein bisschen vom Altgriechischen verstehe, aber ein vielfacher Leser von Gedichten bin) persönlich zu dieser Ausgabe raten.
"Eros hat meine Sinne erschüttert,
wie ein Sturm bergabwärts in Eichen fällt."
Sappho
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Sappho
Strophen und Verse
Liebesgedichte
Liebeslieder
Und ich schlafe allein
Come Close
Gedichte
Neue Rezensionen zu Sappho
Ich habe mir das Buch gekauft, weil ich Gedichte der griechischen Lyrikerin Sappho von Lesbos in meinen Roman "Heraklit von Ephesos" einbauen wollte. Was meiner Meinung nach auch super reingepasst hat. Ansonsten muss man sich für die Dichtung aus der frühen griechischen Antike sehr viel Zeit geben, mehr noch, als für zeitgenössische Lyrik. Denn vieles ist uns heute sowohl inhaltlich als auch sprachlich fremd. Doch wenn man den Einstieg geschafft hat und durch die ausführlichen Erklärungen im Buch schlauer geworden ist, kann man die Gedichte wirklich genießen!
Fünf Sterne für das Buch und den Übersetzer Albert von Schirnding, der auch ein super Erklärer ist!
Sappho war eine antike griechische Dichterin. Sie lebte um 600 v.Chr. auf der Insel Lesbos in der Nordägäis, dem kulturellen Zentrum des 7. vorchristlichen Jahrhunderts. Sie gilt als die wichtigste Lyrikerin des klassischen Altertums.
Von Sapphos Liedern und Gedichten sind meist nur Fragmente erhalten geblieben. Viele dieser Fragmente wurden in diesem Buch übersetzt, aber es sind, wie gesagt, nur Fragmente und deshalb waren sie für mich nicht besonders aussagekräftig. Eines der vollständigen Gedichte ist die "Ode an Aphrodite" und hier wird die hohe Kunst Sapphos sichtbar. Schade, dass nicht mehr von dieser großen Dichterin überliefert ist.
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