Sara Collins

 2.5 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf von Sara Collins

Vom Anwalt zum Autor: Sara Collins, geboren in Grand Cayman, ist eine Jamaikanische Schriftstellerin. Sie studierte Rechtwissenschaften an der London School of Economics und war nach ihrem Abschluss 17 Jahre lang als Anwältin tätig, bevor sie einen Master in Kreativem Schreiben an der Universität Cambridge absolvierte. Dort erhielt sie sogar dann Michael-Holroyd-Preis für kreatives Schreiben.

Alle Bücher von Sara Collins

Das Geständnis der Frannie Langton

Das Geständnis der Frannie Langton

 (4)
Erschienen am 02.05.2019

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Sara Collins

Neu

Rezension zu "Das Geständnis der Frannie Langton" von Sara Collins

Ein düsteres Zeugnis über die Unterschiede zwischen Dienern und ihren Herren
TamiraSvor 2 Tagen

Frannie Langton ist eine Außenseiterin. Als Mulattin auf einer Zuckerrohrfarm wird sie weder wirklich von den Schwarzen, noch von den Weißen akzeptiert und als ihr Besitzer Langton sie ins Haus der Weißen holt und sie das Schreiben und Lesen lehrt, verliert sie immer mehr das Zugehörigkeitsgefühl. Immer weiter drängt ihr „Massa“ sie, Dinge zu lernen, Dinge zu tun, die sie nicht tun möchte – bis ein schlimmer Schlag den Engländer dazu treibt, zurück nach London zu kehren – und Frannie als seine Sklavin mitnimmt.

In London glaubt Frannie, endlich der mittlerweile verbotenen Sklaverei entkommen zu können. Doch kaum angekommen verschenkt Langton sie an seinen Kollegen Benham, nur um dort als Hausmagd zu dienen, was sich kaum von der Sklaverei unterscheidet. Doch Frannie freundet sich mit der Hausherrin an, doch die Freundschaft zwischen der reichen Weißen und der mittellosen Mulattin kann nicht gut ausgehen. Als dann plötzlich sowohl Hausherrin als auch Hausherr tot aufgefunden und Frannie über und über blutbesudelt entdeckt wird, scheint es keine Zweifel mehr daran zu geben, dass sie die Schuld am Tod der beiden Menschen trägt.

Und so beginnt der Prozess für die mörderische Mulattin.

 

Wir folgen in der Geschichte Frannie Langton aus der Ichperspektive. Die Protagonistin erzählt uns von den Zuständen der Sklaverei in Amerika und zeigt zudem mit dem Finger auf die wenigen Unterschieden zwischen dieser und der englischen Diener- und Herrschaft. Gleichzeitig jedoch stellt sich Frannie selbst – gebildet und intelligent – als etwas Besseres dar, als eine „gemeine Dienerin“, wodurch sie zeitgleich diese herabsetzt. Das machte mir Frannie regelrecht unsympathisch. Ihre Überheblichkeit gegenüber der Menschen, die mit ihrem Dasein als Diener – egal, ob Butler, Hausdame oder Dienstmädchen – zufrieden waren, war ein sehr schlechter Charakterzug von Frannie.

 

Doch die Geschichte erzeugte einen richtigen Sog: das Grauen der Sklaverei, das Frannie zwar aufzeigt, aber häufig nicht genau beim Wort nennt, die Experimente an Schwarzen und die Unterdrückung der Dienerschaft im allgemeinen und der Frauen im Speziellen erzeugten eine traurige und deprimierende Stimmung. Frannies Prozess ist zudem weniger von Beweisen als Vorhaltungen geprägt und das Hauptargument des schlechten Blutes der Schwarzen scheint fast schon als Beweis auszureichen.

Dadurch jedoch, dass ich mit Frannie selbst wenig Mitleid haben konnte, nahm das der Geschichte ein wenig an Brisanz – was, wie ich denke, gut war, denn andernfalls hätte mich die Lektüre stark mitgenommen.

 

Was bleibt ist ein großartiges Buch über eine abgründige Liebesgeschichte und dem darauffolgenden Prozess zu Beginn des 19. Jahrhunderts – erschreckend und sehr realitätsnah.


Kommentieren0
0
Teilen

Rezension zu "Das Geständnis der Frannie Langton" von Sara Collins

Erst zum Ende hatte ich das Gefühl in der Geschichte anzukommen
tinstampvor 7 Tagen

Bewertung: 2 1/2 Sterne

Als ich die Anfrage vom Droemer Knaur Verlag bekam, ob ich diesen Roman lesen und rezensieren möchte, sagte ich sofort zu. Der Klappentext sprach mich sehr an und ich erwartete mir eine ähnliche Geschichte wie Hannah Kents "Das Seelenhaus", das eine ähnliche Thematik hat: Eine wegen Mordes angeklagte junge Frau. Mir hat damals die wahre Geschichte der Isländerin Agnes Magnúsdóttir, die nur zwei Jahre später, nämlich 1828 spielt, sehr gut gefallen, auch wenn der Roman nicht bei allen Lesern so positiv angekommen ist. Dies haben wohl beide Geschichten gemeinsam...genauso wie das historische Flair, die dazu passende Sprache und den Rückblick einer wegen Mordes verurteilten Frau.

Der Schreibstil ist teilweise sehr poetisch, aber auch irgendwie kühl und anstrengend zu lesen. Ich tat mir uneheimlich schwer in die Geschichte zu finden und las dazwischen andere Romane. Ich musste mich teilweise zwingen weiterzulesen, da es ein Rezensionsexemplar war. Meine Schwierigkeiten mit dem Roman blieben leider bis zum letzten Drittel bestehen. Erst danach bekam ich mehr Zugang zu Frannie und ihrer Geschichte, die oftmals unglaublich, aber auch erschütternd zu lesen ist.

Die junge Frau ist angeklagt ihre Herrschaft George und Marguerite Benham ermordet zu haben. Das Problem ist, dass sie sich nicht an die Mordnacht erinnern kann und nicht glauben kann, dass sie Mrs. Benham, die sie von Herzen liebte und verehrte, erstochen haben soll. Deswegen spricht sie auch nicht darüber und glaubt an Gerechtigkeit. Doch als Frau und zusätzlich als Schwarze ist sie bereits vor dem Gerichtsspruch verurteilt, denn die Welt gehört den weißen Männern.

Während sie auf ihren Prozess wartet schreibt sie ihre Lebensgeschichte nieder. Sie erzählt in Rückblenden aus ihrem Leben in Tagebuchform. Aufgewachsen auf der Planatage Paradise auf Jamaika ist sie als Mulattin unter den schwarzen Sklaven eine Außenseiterin. Sie gehört dem Plantagenbesitzer John Langton, der an ihr ein Exemple statuiert und sie lesen und schreiben lehrt. Langton widmet sich der Forschung bzw. experimentiert mit Schwarzen. Er vermisst ihre Gehirne und erforscht gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Schriftsteller George Benham, ob sie Schmerzen fühlen können oder nur wie wilde Tiere sind. Ihr Ziel ist es ein Buch darüber zu schreiben und Frannie soll ihnen dabei helfen. Sie erlebt dabei Unglaubliches, das ihr weiteres Leben bestimmen wird.
Das Mädchen flüchtet sich in die Welt der Bücher bis sie Langton mit nach England nimmt und Benham schenkt. Dort wird sie als Hausmädchen eingestellt, wird aber von den anderen Dienstmädchen wegen ihres Wissensdurstes und ihrem arroganten Auftreten nicht wirklich gemocht. In der Hausherrin findet sie eine verwandte Seele, denn auch Marguerite Benham ist ein Frau, die sich nicht in ihrer Rolle als unwissendes Anhängsel zufrieden geben möchte. Beide Frauen lieben die Literatur und streben nach Höherem, was zu dieser Zeit absolut undenkbar ist. Marguerite Benham flüchtet sich mit Laudanum in die Selbstzerstörung und Frannie folgt ihr nach....bis zu diesem verhängnisvollen Abend....

Der Wunsch anerkannt und selbstbestimmend zu sein klingt besonders aus diesen Zeilen heraus:

"Es war eine Möglichkeit zu erkennen, dass es ein anderes Leben gab, ein Leben voller Abenteuer. Manchmal habe ich mir vorgestellt, ich wäre selbst die Lady in einem Roman oder einer Liebesgeschichte. Das mag töricht klingen, aber dadurch hatte ich das Gefühl, einer Welt anzugehören, die für mich ansonsten unerreichbar war" - Seite 158

Der Prozessrahmen im letzten Abschnitt wirkt dann etwas zusammengedrängt, ist aber spannend geschrieben und man hat endlich das Gefühl nicht mehr auf der Stelle zu treten. Für mich leider zu spät!

Fazit:
Ein Buch mit starken Charakteren und einem sehr interessanten Thema. Leider war es mir zu ausschweifend und zu ruhig. Ich fand nur sehr schwer in die Geschichte und hatte erst im lezten Abschnitt das Gefühl nun endlich angekommen zu sein.

Kommentieren0
32
Teilen

Rezension zu "Das Geständnis der Frannie Langton" von Sara Collins

Wenn auch kein leichter Einstieg...
HibiscusFlowervor 9 Tagen

- 3,5 Sterne -
Klappentext des Verlages:
London, 1826: Das Dienstmädchen Frannie Langton ist eine ungewöhnliche junge Frau, außerordentlich gebildet – und eines brutalen Doppel-Mordes angeklagt. Londons brave Bürger sind in Aufruhr: Wer ist diese ehemalige Sklavin, die aus den Kolonien nach England kam, um ihre Arbeitgeber in den eigenen Betten zu meucheln? Die Zeugenaussagen belasten Frannie schwer. Eine Verführerin sei sie, eine Hexe, eine meisterhafte Manipulatorin. Doch Frannie erzählt eine andere Version der Geschichte, ihrer Geschichte ...

"...wenn ich jetzt zurückschaue, erkenne ich, dass das eigene Leben eine Geschichte sein kann, die du dir selbst erzählst, dass du beides sein kannst, Lesende und das, was gelesen wird." (S. 70)

Reduziert darauf, eine Mörderin zu sein, ist Frannie Langton schon verurteilt bevor es überhaupt zu einer Verhandlung kommt. Sie muss sich erinnern oder noch besser sollte sie gestehen. Doch wie kann sie etwas gestehen, an das sie sich nicht erinnern kann? Wer würde ihr zuhören, wenn sie die Wahrheit erzählt? Für sich und somit für die LeserInnen blickt Frannie Langton zurück; zurück auf ein Leben, welches alles andere als selbstbestimmt verlief.

Noch auf Jamaika gehört Frannie seit ihrer Geburt zum Besitz des Plantagenbesitzers John Langton. Von dessen anderen Sklaven gemieden und dem Hass seiner Ehefrau ausgesetzt, ist es die Welt der Bücher, die ihr einen Rückzugsort bietet, an dem sie in ein anderes - wenn auch für sie unerreichbares - Leben eintauchen kann, bis sie von Langton an George Benham in London verschenkt wird.

"Ich weiß schon mein Leben lang, dass schwarze Körper keinen Wert haben, aber einen Preis..." (S. 143)

Obwohl immer wieder signifikante Punkte zum Thema Sklaverei aufgegriffen werden, die sowohl authentische wie entsetzliche Bilder zur Geschichte der Sklaven hervorrufen, steht hier vielmehr eine Frau im Mittelpunkt, deren Emotionen und Gedanken sich wie ein Teppich vor dem Leser ausrollen, den man mit zurückhaltender Vorsicht betritt, weil man spürt, dass da eine Gefahr lauert, auch wenn man sie noch nicht sehen kann. Frannie Langton trägt den Wunsch auf mehr und ganz besonders sich selbst zu gehören in sich, der einerseits mit Mut aber auch mit einer gewissen Selbstzerstörung einhergeht. Konfrontiert mit Zurückweisungen und Enttäuschungen schildert sie detailreich von ihrer empfundenen Wut und so manchem Schmerz, findet jedoch dazwischen Raum für Momente des Glücks und der Liebe.

Mit `Das Geständnis von Frannie Langton´ versetzt Sara Collins ihre LeserInnen in eine andere Zeit; eine Zeit, in der nicht nur Schwarzen sondern auch Frauen Rollen mit einem sehr begrenzten Spielraum zugewiesen wurden. Der fast schon nüchterne Blick in die Vergangenheit lässt keinerlei Funke an Leichtigkeit aber auch nicht das Gefühl von Verzweiflung aufkommen, wodurch eine Atmosphäre entsteht, die anfänglich noch schwerfällig doch im Gesamten passend erscheint.
Auch wenn ich gestehen muss, dass das Buch und ich ein wenig mehr Zeit miteinander verbracht haben, vermochten der Schreibstil, das Aufdecken so mancher Geheimnisse und die Ausarbeitung der recht unterschiedlichen Figuren - wenn auch erst mit dem späteren Verlauf - für ein interessiertes Lesen zu sorgen. 3,5 Sterne dafür.

Kommentare: 1
61
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Sara Collins im Netz:

Community-Statistik

in 15 Bibliotheken

auf 7 Wunschlisten

von 2 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks