Lesen verbindet
Man hört immer, dass Bücher Menschen ändern können, sogar ganze Existenzen, und dass sie voll mit Weisheiten sind. Aber so ganz glaube ich nicht daran. Für mich sind Bücher nicht nur Objekte, die ich gerne sammele, sondern auch ein Hobby, das ich mit Leidenschaft übe, denn das Lesen ist meine liebste Beschäftigung. Zu der Annahme, dass Bücher Menschen verändern können: Aus meiner Sicht sind Bücher eine gute Möglichkeit, neue Verbindungen mit anderen Lesern zu knüpfen. Allein das Bedürfnis, sich über das Gelesene zu unterhalten, sich zusammen mit anderen über eine grottenschlechte Handlung zu empören, oder die Begeisterung über ein besonderes Buch mit Menschen, die man mag, zu teilen, ist die beste Methode, Gemeinsamkeiten mit den anderen zu entdecken, oder einfach sie besser kennenzulernen oder was Neues über sie zu erfahren.
Ein Buch braucht keine Wesensveränderungen in einer Person zu verursachen. Sie zusammen mit anderen zu bringen, ist schon eine wunderbare Leistung, die Bücher erbringen können. Aber so etwas schaffen Bücher nicht allein, sie brauchen immer einen echten Menschen, der dabei hilft.
Ich habe gerade "The Reading List" von Sara Nisha Adams zu Ende gelesen. Und exakt darüber ging es in diesem Buch, über diese besondere Art der Kommunikation, in der der Austausch über Bücher eine wichtige Rolle spielt. Ein Buch über Bücher (wer mag keine Bücher über Bücher?), in dem jemand eine Bücherliste erstellt, als persönliche Empfehlung. Diese Liste, über unterschiedliche Wege weitergereicht, oder von einigen entdeckt, zufällig oder nicht, als Mittel für Inspiration dienend, ist der Anfang einer Bewegung, die in einem Londoner Stadtteil stattfindet. Zentrum der Geschehnisse ist eine kleine Bibliothek, die ums Überleben kämpft. Zentrale Figuren dieses Romans sind Mukesh, ein älterer Mann, der seine Frau vor nicht so langer Zeit verloren hat, und Aleisha, eine Schülerin, die einen Ferienjob in der Bibliothek hat. Diese Buchliste wird zur Verbindung zwischen den beiden und zur Ursache einiger Ereignisse, die ihren Höhepunkt gegen Ende des Romans haben, mit einigen guten und auch traurigen Überraschungen, und mit weitreichenden Auswirkungen für einige der Leser der Bücher dieser Liste.
Ein Buch über Bücher, die Bücher nicht glorifiziert, und ihnen keine magischen oder heilenden Wirkungen zuschreibt, aber das zeigt, dass menschliche Beziehungen mit einem einfachen Gespräch über einen Roman entstehen können. Man muss sich einfach nur darüber unterhalten. Ein Bedürfnis wird erfüllt, und das ist immer etwas sehr Positives. Man kann auch Parallelen zwischen Buch und eigenem Leben entdecken, vielleicht findet man ein paar Worte darin, die bei einer Entscheidung helfen oder animieren, endlich ein längst vergessenes Projekt wiederaufzunehmen.
Ich habe "The Reading List" sehr gerne gelesen, es hat mich berührt, überrascht und mich auch auf die Bücher auf der Liste neugierig gemacht. Es hat mich unterhalten, seine Charaktere habe ich lieben gelernt, aber das Schönste war, dass ich es zusammen mit anderen gelesen habe, weil wir der Meinung waren, dass dieses Buch so gelesen werden muss, in einer Gruppe, ganz im Sinne der Autorin. So stelle ich es mir vor.
Denn darum geht es, um über die schönen Erfahrungen zu sprechen, um nicht allein zu sein, wenn es traurig wird. Vor allem dann, wenn es traurig wird…











