Sara Nović

 4.4 Sterne bei 8 Bewertungen

Lebenslauf von Sara Nović

Erinnerungen an Jugoslawien: Die 1987 in den USA geborene, kroatischstämmige Autorin Sara Nović schrieb mit ihrem Romandebüt „Das Echo der Bäume“ auf Anhieb einen in zahlreiche Sprachen übersetzten Bestseller. An der Columbia University studierte Sara Nović, eine Mitherausgeberin des „Blunderbuss“-Magazins, Übersetzung und Literatur. Die nahezu taube Autorin engagiert sich für die Rechte schwerhöriger und tauber Mitmenschen und zählt zu den Mitbegründern des Blogs „Redeafined“. Zusätzlich ist sie an der Stockton University als assistierende Professorin für kreatives Schreiben tätig und übersetzt die Werke des bosnischen Schriftstellers Izet Sarajlić in die englische Sprache. Im Jahr 2015 veröffentlichte Sara Nović ihr Erstlingswerk „Girl at War“, in dem sie die Geschichte der 10-jährigen Ana Jurić erzählt, die mit ihrer Familie in Zagreb lebt, als 1991 der jugoslawische Bürgerkrieg ausbricht und ihrer Kindheit ein jähes Ende bereitet. Zwanzig Jahre später blickt die mittlerweile in New York lebende Ana auf diese Zeit zurück und begibt sich auf eine Reise nach Kroatien, um sich den Geistern ihrer Vergangenheit zu stellen. Für ihren in 14 Sprachen übersetzten Roman „Girl at War“ erhielt die Autorin den Alex Award. Die deutsche Übersetzung erschien im März 2018 unter dem Titel „Das Echo der Bäume“.

Alle Bücher von Sara Nović

Das Echo der Bäume

Das Echo der Bäume

 (7)
Erschienen am 19.03.2018
Girl at War

Girl at War

 (1)
Erschienen am 21.05.2015

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Rezension zu "Das Echo der Bäume" von Sara Nović

Ein Buch, das berührt
Gwhynwhyfarvor 2 Monaten

Der erste Satz: »In Zagreb begann der Krieg wegen einer Schachtel Zigaretten.«

Die zehnjährige Ana Jurić wird von ihrem Patenonkel gebeten Zigaretten am Kiosk zu holen, wie jedes Mal, wenn er zu Besuch in Zagreb ist. Es ist ein Spiel: Wenn sie schneller ist, als das letzte Mal, darf sie das Wechselgeld behalten. Die Zeit läuft, Ana rennt los. Doch an diesem Tag wird sie gefragt, ob sie kroatische oder serbische Zigaretten kaufen wolle. Was ist denn das für eine Frage? Na die, die sie immer kaufe, die mit der goldenen Hülle. Kroatische oder Serbische wird sie wieder gefragt. Sie geht ohne Zigaretten nach Hause. Es ist das erste Erlebnis nach der Frage der Ethnie für Ana, das ab diesem Tag ihr Leben verändern wird.

Der Bürgerkrieg rückt immer näher auf Zagreb, die ersten Bomben fallen, immer wieder erschallt die Sirene, die Kinder müssen vom Klassenzimmer in den Luftschutzbunker wechseln. Anas bester Freund heißt Luka, den wird sie heiraten, wenn sie erwachsen ist, glaubt sie. Fußball und Fahrradfahren, etwas was beide verbindet, ein Leben in Kriegszeiten, Lebensmittel und Wasser sind rationiert, abends muss man die Fenster verdunkeln, man erfreut sich an Kleinigkeiten, die Kinder nehmen es, wie es ist. Die kleine Schwester von Ana ist krank, ein Kleinkind, im Krankenhaus kann man nicht weiterhelfen. Die Eltern fahren sie über die Grenze nach Ljubljana zu einer amerikanischen Ärztin der Medi-Mission, Dr. Carlson. Sie kann mit Medikamenten überbrücken, aber Rahela bräuchte eine Spezialbehandlung. Und irgendwann kommt der Tag, an dem es Rahela so schlecht geht, dass man entscheiden muss, sie sterben zu lassen oder das Risiko aufnimmt, nach Zagreb zu fahren. Alles geht gut. Dr. Carlson stellt aber die Bedingung, Rahela nach Amerika zu transportieren, sie würde in einer Pflegefamilie wohnen, die mit ihr die täglichen Arztbesuche durchführe, bis das Mädchen gesund sei. Das könne ein wenig dauern. Die Familie stimmt zu, ungern, aber es gibt keine andere Möglichkeit. Auf dem Rückweg passiert die Katastrophe. Das Auto wird von bärtigen, betrunkenen Soldaten aufgehalten, sie müssen aussteigen, den Soldaten in den Wald folgen, die Hände mit Stacheldraht gefesselt. Ana überlebt durch einen Trick ihres Vaters.

»In Amerika hatte ich schnell gelernt, worüber man reden durfte und was man besser für sich behielt.«

Schnitt- zehn Jahre später – die Studentin Ana redet vor den Vereinten Nationen als Überlebende des jugoslawischen Bürgerkriegs. Eine Wunde bricht auf, die Erinnerungen kommen mit Macht zurück, sie erinnert sich, wie es ihr in Amerika ergangen ist. Die Familie, bei der Rahela aufgenommen wurde, wird auch ihre neue Familie, sehr liebevolle neue Eltern, für die kleine Rahela kein Problem, sie ist zu klein, um sich an die Zeit in Europa zu erinnern. Ana muss sich an das neue Zuhause gewöhnen, sie schläft schlecht, denn Schlafen bedeutet träumen, bei einem Feuerwerk verkriecht sie sich unter die Treppe. Traumatisiert wird sie zwar mit Liebe aufgenommen, aber nie hat sie die Gelegenheit, über das Erlebte zu sprechen. Hier beschreibt Sara Nović sehr genau die amerikanische Gesellschaft, how nice, how wonderfull. Beschreibung von Gräuel ist ein großes Tabu. Soweit man überhaupt davon berichten darf, benennt man Erlebnisse nicht ernsthaft, sondern verpackt sie in einfache Vokabeln, bezeichnet sie als Belanglosigkeiten, die am Rande geschehen sind. Ihre Pflegemutter Laura berichtete anfänglich von »Schwierigkeiten«, die Ana hatte, von »Unruhen« und »unglückseligen Vorfällen«, wenn sie den Bürgerkrieg ansprach. Später wird darüber kein Wort mehr gesprochen. Die Pflegeeltern selbst müssen Tricks anwenden, um Ana zu legalisieren, denn sie war illegal eingereist. Hier wird die Geschichte humorvoll, wenn sich der Pflegevater mit italienischen Wurzeln an seine Cousins wendet, mit denen er eigentlich nichts zu tun haben will. Durch die Rede vor den Vereinten Nationen ist Ana klar, die Geschehnisse lodern in ihr, es muss heraus, sie muss sich ihrer Vergangenheit stellen. Sie muss ihrem Freund die Wahrheit sagen, der glaubt, sie sei in den USA geboren, und sie muss nach Kroatien reisen, Orte aufsuchen, sich erinnern.

»›Im Verdrängen sind wir doch alle Weltmeister‹, sagte ich. Eigentlich sollte das witzig klingen, doch irgendwie kam es schief raus, und Luka lachte auch nicht. ›Komm, wir schauen uns das Wasser an‹, sagte ich. ›Es muss doch einen Grund haben, warum die Deutschen so gern auf diesem traurigen kleinen Schlachtfeld herumwandern.«

Beim Lesen musste ich mehrfach Luft holen, Zagreb, Dubrovnik, Ljubljana, Plitvicer Seen, alles Orte, meiner Kindheit, jedes Jahr haben wir die Sommerferien in Jugoslawien verbracht. Mit Mitte zwanzig war ich noch einmal dort, habe Freunden die Plitvicer Seen gezeigt, wir haben in den Kalkbecken gebadet (heute ist alles abgesperrt), sind mit dem Boot durch Schluchten gefahren, dort wo die Karl May Filme gedreht wurden. - Vor dem Krieg. – Ein bewaffneter Zwischenfall 1991 bei den Plitvicer Seen (kroatisch „Krvavi Uskrs na Plitvicama“ oder „Plitvički krvavi Uskrs“; übersetzt: „Blutige Ostern an den Plitvicer Seen“), ethnische Spannungen zwischen Krajina-Serben und Kroaten, lösten letztlich den Krieg zwischen Kroaten und Serben aus. Heute sind die Seen wieder ein Touristenparadies.

»So etwas wie Kindersoldaten gab es in Kroatien nicht. … Man suchte sich nicht aus zu kämpfen. Wir taten es, um zu leben.«

Sara Nović schafft es, mit viel Atmosphäre den Krieg aus der Sicht eines Kindes darzustellen. Unbedarftheit am Anfang und die volle Wucht, gleich einer Ohrfeige an den Leser: Das Ende der Kindheit endet vor dem Erschießungskommando. Es scheint fast, als wolle die Autorin den Leser beruhigen mit dem Schnitt zur erwachsenen Ana. Alles ist gut, die Geschwister kommen zusammen. Nach einem Drittel dachte ich, nett, wie es jetzt weitergeht, die amerikanische Gesellschaft im Spiegel, aber das bis zum Ende? Vor jedem Sturm gibt es eine Phase der Stille, so auch hier. Sara Nović erzählt ihre Geschichte nicht linear. Und das ist gut so, die dicken Brocken liegen am Ende. Denn was geschah weiter, nachdem Ana dem Tod von der Schippe gesprungen war? Sie ist ja nicht auf der Wiese ins Flugzeug gestiegen. Jedes Leben erzählt eine Geschichte. Und diese hier geht tief ins Herz. Hier gibt es keinen verklärten Kitsch, unglückselige Vorfälle, die mal passierten, die Autorin beschreibt unprätentiös Kriegsgeschehen, und was die Erlebnisse in einem Menschen verändern. Ana erlebt grauenvolle Dinge und obendrauf verliert sie ihre Heimat, darf nicht trauern, nicht darüber sprechen, was diese Kinderaugen sahen, was geschehen ist. Der Originaltitel des Romans lautet »Girl at War«. Ein passender Titel. Ich weiß nicht, was in den Köpfen der deutschen Titelschöpfer vorgeht, wenn sie alles neuerfinden müssen und dabei meist danebengreifen. Mädchen im Krieg, ein griffiger Titel, »Das Echo der Bäume«, weder Cover noch Titel hätten mich animiert zuzugreifen, des war der Klappentext, der mich neugierig machte.
Die erwachsene Ana ist sich nicht ganz sicher, wo sie zu Hause ist, USA oder Kroatien. Heimat hier oder dort? Heimat, ein verklärter Begriff, eigentlich das Gefühl, mit etwas verbunden zu sein, Erinnerungen, Bilder, Gerüche, Geschmack, Geräusche … und warum soll der Mensch nicht mehr als eine Heimat haben dürfen? Der Roman hinterlässt Spuren im Leser. Schade, dass diesem Buch in Deutschland so wenig Aufmerksamkeit gegeben wurde, vielleicht lag es an der Aufmachung.

Sara Nović schreibt neben Belletristik Essays und Sachbücher, arbeitet als Redakteurin beim Blunderbuss Magazin, unterrichtet in Columbia. Dieser Roman ist ein Debüt. Viel mehr findet man nicht über die Kroatin, die in den USA lebt. Gräbt man auf englischen Seiten, erfährt man nur wenig mehr: Der Roman wurde 2016 mit dem Alex Awards ausgezeichnet. Im Jahr 2014 erhielt Nović von der American Literary Translators Association den ALTA Travel Fellowship. Und sie ist Gründerin der Website Redeafined, denn die Autorin ist taub. Inwiefern hier persönliche Erlebnisse Einfluss auf die Geschichte nehmen, ist unklar. Eins ist gewiss, sie pendelt wie ihre Protagonistin zwischen Kroatien und den USA, sagte, wenn sie zu Hause anrufen soll, weiß sie nicht, welche Landesvorwahl sie wählen solle.

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Rezension zu "Das Echo der Bäume" von Sara Nović

‚Die bringen sie um‘
sabatayn76vor 7 Monaten

>>‚Die bringen sie um‘, sagte der Mann.
‚Wen?‘, fragte mein Vater [...].
‚Jeden.‘<<
(Seite 68)

Kroatien im Jahre 1991: Die zehnjährige Ana verbringt zum ersten Mal den Sommer in Zagreb und nicht an der Küste, denn die Serben haben die Straßen zum Meer blockiert. Auch in Zagreb kommt es schließlich zu Kampfhandlungen, Luftangriffen, Lebensmittelknappheit - der Krieg hat die Hauptstadt erreicht.

Anas acht Monate alte Schwester Rahela ist schon länger krank, und nachdem die Eltern bereits Hilfe in Slowenien gesucht haben, machen sie sich nun zu viert auf den Weg nach Sarajevo, wo Rahela zurückgelassen wird, damit sie in den USA eine Chance auf Heilung und ein Leben ohne Krieg erhält.

Auf der Rückfahrt von Sarajevo nach Zagreb werden Ana und ihre Eltern von paramilitärischen Gruppen der Serben angehalten, aus dem Auto geholt und in einen nahegelegenen Wald gebracht. Dort werden Anas Eltern erschossen, doch Ana kann durch einen Trick ihres Vaters überleben.

Zehn Jahre später lebt und studiert Ana in New York. Als sie bei der UNO einen Vortrag über ihre Kriegserfahrungen in ihrer Kindheit hält, brechen alte Wunden wieder auf. Die von Albträumen geplagte Ana, die zehn Jahre lang ihre Herkunft verschwiegen hat, beschließt, dass sie erst Frieden finden kann, wenn sie zurück in ihre alte Heimat Kroatien reist.

‚Das Echo der Bäume‘ ist der Debütroman von Sara Nović und nimmt den Leser mit ins Kroatien der 1990er Jahre und des 21. Jahrhunderts. Nović zeigt darin, wie in einem Land, in dem jahrzehntelang ‚Brastvo i Jedinstvo‘ - Brüderlichkeit und Einheit - gepredigt wurden, wieder der Unterschied zwischen Ethnien betont und Hass gesät wurde, was schließlich in den Kriegen auf dem Balkan gipfelte.

‚Das Echo der Bäume‘ wird eindringlich erzählt und gibt den Verlauf der Ereignisse im Jahre 1991 zum Teil recht detailliert wieder, so dass man als Leser einen guten Einblick in die Geschichte Kroatiens und die Chronologie des Kroatienkrieges erhält.

Nović schreibt sehr anschaulich vom Leben in Zagreb und im Dorf, wo Ana nach dem Tod ihrer Eltern unterkommt. Sie hat in ihrem Roman den Geruch von verbranntem Holz, Kunststoff und Fleisch, die aufsteigenden Rauchsäulen, die Erschütterungen von den Bombardierungen, die Angst und Hilflosigkeit, die Veränderungen der Handlungsorte sehr lebendig eingefangen, doch bisweilen fand ich ihre Schilderungen etwas hölzern, distanziert und bemüht emotional, was gegebenenfalls daran liegt, dass die Autorin nicht von eigenen Erlebnissen schreibt, ihr deshalb möglicherweise eine authentische emotionale Färbung fehlt.

Gefallen haben mir die Ausführungen zur Suche nach sich selbst, nach verlorenen/vergessenen/verdrängten Teilen von Anas Leben, die sie nach und nach wieder zusammenfügt, sowie Novićs Beschreibungen von Anas Zerrissenheit zwischen den Kulturen.

Trotz meiner - kleineren - Kritikpunkte kann ich den Roman sehr empfehlen, vor allem denjenigen, die sich mehr mit der Geschichte Kroatiens und des Balkans beschäftigen wollen.

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Rezension zu "Das Echo der Bäume" von Sara Nović

Der Widerhall einer zerstörten Kindheit
jenvo82vor 10 Monaten

„Ich hatte mir gewünscht, dass er ebenso empört sein würde wie ich, doch ich wusste auch, dass die Schuld der einen Seite am Ende nicht die Unschuld der anderen beweisen konnte.“


Inhalt


Mit 20 Jahren studiert die Kroatin Ana Jurić an einer Universität in Amerika, sie lebt mittlerweile seit 10 Jahren in den USA und versucht nun im jungen Erwachsenenalter ihre traumatische Kindheit zu verarbeiten. Durch ein Hilfsprogramm der UNO konnte sie damals mehr durch glückliche Zufälle und Bekanntschaften dem serbischen Bürgerkrieg entfliehen und gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Rahela dem Gemetzel in ihrer Heimat entkommen. Doch anders als Rahela, die damals noch ein Baby war, weiß Ana sehr genau, welche Hölle sie hinter sich gelassen hat. Verschanzt hinter Baracken, den Tod stets vor Augen, bewaffnet bis unter die Zähne und nur mit Cleverness, Schnelligkeit und Glück lies sich der Tag überleben. Nun möchte sie zurück, um die Menschen, die einst ihre Freunde und Ersatzfamilie waren, aufzusuchen und sie muss sich der bitteren Wahrheit stellen, dass ihre Eltern irgendwo verscharrt in einem Massengrab liegen, dem sie selbst nur durch einen gefährlichen Schachzug entkam …


Meinung


Die junge kroatischstämmige Autorin Sara Nović, setzt sich in ihrem Debütroman mit einem grausamen Kapitel des Nah-Ost-Konfliktes auseinander – mit dem jugoslawischen Bürgerkrieg zwischen Serben und Kroaten, der zu Beginn der 90-iger Jahre tobte und wie jede kriegerische Auseinandersetzung eine Vielzahl unschuldiger, ziviler Opfer forderte. Dabei geht sie ganz gezielt auf das Empfinden eines Kindes ein, welches einerseits abhängig von den Entscheidungen der Eltern ist, andererseits aber gezwungen wird, sich allein durchzuschlagen in der Gewissheit, dass es die eigene Familie nicht mehr gibt.


Die gewählte Ich-Perspektive der Erzählerin lässt das Geschehen umso dramatischer und vernichtender wirken. Sehr geschickt werden dabei die Vorfälle in verschiedenen Kapiteln verpackt. Der Leser lernt Ana deshalb auch in drei Lebensphasen kennen: als kleines Mädchen in Kroatien direkt im Krieg, als erwachsene Frau in der modernen amerikanischen Welt und letztlich als Suchende zurück in der zerstörten doch kriegsberuhigten Heimat. Die Vielfalt des Romans beruht auf einem emotionalen Erzählton, der mehr reflektiert und beschreibt, welche Belange das Individuum durchlebt und welche Schäden die Seele trägt, die der Willkür eines totalitären Staates ausgeliefert ist.


Immer durchlebt man die Gefühlswelt der Protagonistin aus einem Blickwinkel, der sehr tief reicht, selbst wenn das große Ganze ausgeblendet wird. Dadurch wirkt das Buch zunehmend bedrückend und schwermütig. Denn schnell wird klar, das eine ehrliche, unkomplizierte Gestaltung der Gegenwart unmöglich ist, solange die Schatten der Vergangenheit immer noch die Gedanken umklammern.


Fazit


Ich vergebe gute 4 Lesesterne für diesen intensiven, schonungslosen Roman, der gleichermaßen das Porträt einer verletzten Menschenseele ist, wie die historische Auseinandersetzung mit einem Staatenkonflikt und seinen weitreichenden Folgen. Die Thematik Hilflosigkeit, sinnloses Töten und Traumatisierung wird perfekt inszeniert, doch man muss sie als Leser auch aushalten können, muss innerlichen Abstand gewinnen, um nicht ebenso wie die Protagonistin die Schrecken an sich heranzulassen. Ein lesenswerter Debütroman, voller Emotionen, aus persönlichem Blickwinkel betrachtet, der eine Lücke in der belletristischen Landschaft schließt, weil er sich so aktuell und präsent zeigt.

 

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