Sarah Adolfo Kaminsky Ein Fälscherleben

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Inhaltsangabe zu „Ein Fälscherleben“ von Sarah Adolfo Kaminsky

»Wach bleiben, so lange wie möglich. Die Müdigkeit niederringen. Die Rechnung ist einfach: In einer Stunde kann ich 30 falsche Ausweise herstellen. Wenn ich eine Stunde schlafe, sterben 30 Menschen …« 1943 beginnt Adolfo Kaminsky, für die französische Résistance gefälschte Papiere herzustellen – Ausweise, die Tausende von Juden vor Deportation und sicherem Tod bewahrten. Der siebzehnjährige Färberlehrling und geniale Autodidakt, der selbst aus einer russischstämmigen jüdischen Familie kommt, weiß damals noch nicht, dass er eine Lebensentscheidung getroffen hat. Denn auch nach dem Krieg wird Kaminsky 30 Jahre seines Lebens im Untergrund verbringen und die großen Widerstandsbewegungen des 20. Jahrhunderts mit falschen Papieren und Identitäten versorgen, immer auf der Flucht vor der Entdeckung, gehetzt von seinem Gewissen – und ohne je Geld für seine Arbeit zu nehmen. Vom Algerienkrieg und den südamerikanischen Befreiungsbewegungen bis zu den Aufständen gegen Diktatoren wie Salazar, Franco, die griechischen Obristen und der südafrikanischen Anti-Apartheidsbewegung: Kaminsky hat sie, aus Überzeugung und mit technisch immer ausgefeilteren Methoden, alle mit falschen Papieren unterstützt.

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  • Sarah Kaminsky "Adolfo Kaminsky Ein Fälscherleben"

    Ein Fälscherleben

    glasperlenspiel13

    08. September 2013 um 21:07

    "Wie wird man Fälscher?" "Ich würde sagen ... per Zufall. Naja nicht ganz. Ohne es zu wissen, habe ich in den Jahren, bevor ich mich der Réstistance anschloss, alle Kenntnisse angesammelt, die ich afür brauche. Ich musste sie dann nur noch anwenden." Das ist die Antwort, die Adolfo Kaminsky seiner Tochter Sarah auf oben gestellte Frage gibt. Ganz so knapp und einfach kann man diese sicher nicht beantworten. Sarah Kaminsky hat dazu ein ganzes Buch geschrieben. Es ist eine Biografie über ihren Vater, über einen Menschen, der sein eigenes Leben mehr als fünf Jahrzehnte für andere geopfert ja sogar viele Male selbst gefährdet hat: "Wach bleiben. So lange wie möglich. Gegen den Schlaf kämpfen. Die Rechnung ist einfach. In einer Stunde kriege ich dreißig Blankopapiere fertig. Wenn ich eine Stunde schlafe, werden dreißig Personen sterben... Den Atem anhalten, die Hand darf niemals zittern. Das Fälschen von Papieren ist Tüftelarbeit. Regelrechtes Filigranwerk. Mehr als alles andere fürchte ich technische Fehler, winzige Details, die mir entgehen könnten. Ein Sekundenbruchteil Unaufmerksamkeit kann sich als verhängnisvoll erweisen, von jedem Papier hängt Leben und Tod eines Menschen ab. Ich kontrolliere jeden Papierbogen wieder und wieder. Sie sind perfekt. Aber ich habe noch Zweifel. Ich kontrolliere sie noch einmal. Ich spüre keinerlei Spannkraft mehr. Schlimmer noch ich nicke ein." Adolfo Kaminsky wurde als Sohn von russischen Juden in Buenos Aires geboren und kehrte als argentinischer Staatsbürger mit vier Jahren nach Frankreich in die Wahlheimat seiner Eltern zurück. Die Jahre des Zwangsexils, als die Familie nach einer vierwöchigen Schiffsreise von Buenos Aires nach Marseille von Frankreich ausgewiesen wurde und in der Türkei Zuflucht fand, prägten ihn sehr. Zwei Jahre lebten sie in furchtbarer Armut mit der Hoffnung, dass sie die gewünschten Passierscheine bekämen. Damals schon wurde Kaminsky die Bedeutung von Papieren bewusst und dass man ohne diese zur Immobilität verurteilt ist. Selbstporträt Adolfo KaminskysSeine Tätigkeit als Fälscher begann er während des Zweiten Weltkrieges für die Réstistance aber noch im Sommer 1945 als viele seiner Mitkämpfer ihr altes Leben wieder aufgenommen hatten, blieb er Fälscher und produzierte deutsche Papiere für den Geheimdienst der französischen Armee. Als er aber nach Kriegsende Kartenmaterial von Indochina vervielfältigen sollte, verweigerte er den Auftrag, da er Antikolonialist aus Überzeugung war und ist. Er blieb jedoch nicht allzu lange untätig denn schon bald kontaktierten ihn alte Bekannte und so erhielt er einen neuen Auftraggeber: Alja Bet - die illegale Einwanderung von KZ-Überlebenden nach Palästina organisierte. Er erstellte in ihrem Auftrag falsche Kollektivvisa für die Flüchtlinge. Nach der Gründung des Staates Israel zog er für sich Bilanz: "Ich war stolz darauf, dass ich die illegale Einwanderung von Zehntausenden Überlebenden unterstützt und zur Entstehung des Staates Israel beigetragen hatte. Aber nun rief ich Monsieur Pol an und sagte ihm, dass ich nicht dorthin wollte. Ich bliebe lieber in dem Land, dass sich für die Trennung von Staat und Religion entschieden und die Menschenrechte verkündete hatte, auch wenn sie noch immer nicht respektiert würden, auch wenn ich immer noch illegal sei. ... Mit dreiundzwanzig Jahren war ich also allein, hatte keine Papiere, kein festes Einkommen und keine offizielle Vergangenheit." Für einige Jahre fand er eine feste Stelle in einer Fotofirma bis sich die Ereignisse in Algerien überschlugen und er sich einem Netzwerk anschloss, dass sich für die Unabhängigkeit Algeriens engagierte. Zum Glück besaß er noch all seine seine Chemikalien und Farbstoffe, so dass er nach kurzer Zeit wieder als Fälscher einsteigen konnte. Doch auch nach diesem Konflikt gab es für ihn keine Ruhepause. Wiederum über Dritte wurde er Anfang der 60er gebeten sein Talent für weitere Aktionen einzusetzen. "Überall in der Welt kämpften Völker um ihre Freiheit. Nach den Dominikanern und Haitianern fielen 1964 die Brasilianer unter das Joch einer Militärdiktatur. Während der Trikont-Konferenz in Havanna 1966 wurde die Solidaritätsorganisation der Völker Lateinamerikas, Afrikas und Asiens gegründet, und Mattéi organisierte von Frankreich aus ein Unterstützernetz für die Revolutionäre Argentiniens, Venezuelas, Salvadors, Nicaraguas, Kolumbiens, Perus, Uruguays und Chiles, die gegen die Moskauer Linie vereint für die Revolution in Lateinamerikas kämpften. Nach und nach kamen all diese Länder auf meine Liste, aber das war noch nicht alles, denn über das Netz von Curiel half Mattéi auch der Anti-Apartheid-Bewegung Südafrikas. Hinzu kamen noch die portugiesischen Kolonien Guinea, Guinea-Bissau und Angola." Was für ein Spektrum! Beeindruckend für mich war vor allem, dass er nicht nur Ausweise fälschte, sondern diese auch komplett neu herstellte. Das heißt er musste zunächst immer genau die Papierstruktur untersuchen, um diese danach exakt herstellen zu können. Mit den Jahren änderten sich natürlich auch die technischen Möglichkeiten, denen er sich immer wieder anpassen musste. Ja sogar die fälschungssicheren Schweizer Pässe konnte er nach langwierigen Experimenten produzieren. Neben Ausweisen und Pässen stellte er aber auch ganz alltägliche Dokumente (Führerscheine, Eintrittskarten, Beglaubigungen und vieles mehr) her, um die Identität von Flüchtlingen zu legitimieren. Auch vor Geld machte er nicht halt. Er fälschte französisches Papiergeld, um die Wirtschaft des Landes während des Algerienkrieges zu destabilisieren. Erst Anfang der 70er Jahre legte er nach einem Vorfall sein Amt nieder und begann mit 50 Jahren ein neues Leben in Algerien: Sarah und Adolfo Kaminsky Birgit Holzer"... plötzlich hatte ich den heftigen Wunsch, noch einmal ganz von vorn anzufangen. Ich hatte ein unerhörtes Glück gehabt, dass ich Gefängnis und Tod entgangen war, das war mir klar. Nun zog ich Bilanz. Hatte ich alles in allem nicht genug Jahre im Schatten, im Untergrund damit verbracht, Leben und Freiheit zu schenken, ohne mich je um mein eigenes Leben, meine eigene Freiheit zu kümmern. Wir heirateten. Dein Bruder Atahualpa wurde geboren dann José, dann du, und es war, als hätte ich mit fünfzig Jahren eine zweite Chance bekommen." Ein sehr interessantes Buch über einen Mensch, der nie an seinem Engagement gezweifelt hat und durch seine Taten unzähligen Menschen das Leben rettete. Uneigennützig, loyal gegenüber anderen und respektvoll gegenüber dem Leben steht Adolfo Kaminsky mit seiner Biografie für ein Ideal, das man sich in zumindest in der westlichen Welt kaum noch vorstellen kann. Sarah Kaminsky hat das Wesen ihres Vaters auf spannende und zugleich sehr liebevolle Art und Weise eingefangen. Mit eingeworfenen Fragen animiert sie ihn immer wieder zum Erzählen und schafft damit ein persönliches Portrait des Meisterfälschers des 20. Jahrhunderts. Eine kleine Perle unter den Biografien!

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