Sarah Diehl

 4.2 Sterne bei 26 Bewertungen
Autorin von Die Uhr, die nicht tickt, Eskimo Limon 9 und weiteren Büchern.
Autorenbild von Sarah Diehl (©)

Lebenslauf von Sarah Diehl

Sarah Diehl , geboren 1978, studierte Museologie, Afrikawissenschaften und Gender Studies. Sie arbeitet zum Thema »Reproduktive Rechte im internationalen Kontext«, hat zwei Anthologien veröffentlicht und einen preisgekrönten Dokumentarfilm gedreht: Abortion Democracy: Poland/South Africa. 2012 erschien ihr erster Roman Eskimo Limon 9. Sarah Diehl lebt als Autorin, Publizistin und Filmemacherin in Berlin.

Alle Bücher von Sarah Diehl

Cover des Buches Die Uhr, die nicht tickt9783716040133

Die Uhr, die nicht tickt

 (20)
Erschienen am 31.08.2018
Cover des Buches Eskimo Limon 99783855350711

Eskimo Limon 9

 (5)
Erschienen am 01.09.2012
Cover des Buches Brüste kriegen9783935843423

Brüste kriegen

 (1)
Erschienen am 01.09.2004
Cover des Buches Deproduktion9783865690166

Deproduktion

 (0)
Erschienen am 01.01.2007

Neue Rezensionen zu Sarah Diehl

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Rezension zu "Die Uhr, die nicht tickt" von Sarah Diehl

Die Uhr, die nicht tickt
lenihvor 2 Monaten

In „Die Uhr, die nicht tickt“ befasst sich die Autorin Sarah Diehl mit dem Thema gewollte Kinderlosigkeit und damit, wie Frauen, die sich für diesen Lebensweg entschieden haben, noch immer von vielen Seiten für diesen Entschluss getadelt und verurteilt werden. Welche Vorurteile und teilweise sogar Abfälligkeiten eine Frau sich anhören muss, die sich bewusst gegen Kinder entschieden hat, habe ich selbst schon oft genug erlebt. Von „egoistisch“ über „gedankenlos“, „verantwortungslos“ und  „gefühlskalt“  bis hin zu dem Satz „Dann bist du ja gar keine richtige Frau“ war wirklich alles dabei. Und besonders oft bekam ich diese Dinge ausgerechnet von anderen Frauen zu hören (meistens von Müttern). Wie oft ich mir selbst schon die Frage gestellt habe, warum mich kein Kinderwunsch überkommt und ob mich das verunsichert, spielt dabei natürlich keine Rolle. Vielleicht wäre ich ja auch gar keine gute Mutter?  „Erst mal machen, das kommt dann schon“, lautet dann gern die Antwort, als wäre klar, dass nur die Mutterrolle natürlich und befriedigend für eine Frau sein kann. Darum war das Lesen dieses Buches für mich auch eine echte Wohltat. Denn Frau Diehl argumentiert hier nicht nur selbst dafür, dass Menschen sich durchaus gegen eigenen Nachwuchs entscheiden dürfen, sie lässt auch viele Frauen zu Wort kommen, die diesen Lebensweg ebenfalls eingeschlagen haben. Und meistens sind diese Frauen eben genau das Gegenteil von dem, was auch mir an Vorurteilen entgegengeschlagen ist. Viele von ihnen lieben Kinder, engagieren sich sogar in ihrem Umfeld, um Familien oder auch älteren Menschen zu helfen. Und nicht nur Frauen entscheiden sich gegen Kinder, es gibt wesentlich mehr kinderlose Männer als Frauen. Doch noch immer wird die Frau als die Bewahrerin der Familie, ja sogar als die Verantwortliche für den Weiterbestand unserer Gesellschaft angesehen. Männern wird ihre Kinderlosigkeit selten bis nie vorgeworfen, selbst wenn diese auf egoistischen Gründen fußt. Na klar, der Körper der Frau kann nun einmal Kinder gebären, der des Mannes nicht. Aber ich bezweifle stark, dass die Zahlen andere wären, wäre die Gebärmutter bei der Verteilung an das andere Geschlecht gegangen.

In diesem Zusammenhang fand ich es auch besonders spannend  zu lesen, dass die heute hochstilisierte Kleinfamilie (Vater-Mutter-Kind) eine „Erfindung“ der Neuzeit ist. In früheren Zeiten war es ganz normal, dass sich ganze Familienverbünde um den Nachwuchs und auch die alten Familienmitglieder kümmerten. Heute wird in vielen Fällen vorausgesetzt, dass die Frau und Mutter diese Aufgaben allein tragen muss. Und dabei kann sie es noch nicht einmal jedem recht machen. Bleibt sie bei den Kindern und lebt einen Hausfrauenalltag ist sie eine Glucke, die sich auch noch wirtschaftlich vom Ehemann abhängig macht. Geht sie nach der Geburt schnell wieder arbeiten und lässt ihr Kind in der Kita betreuen, ist sie karrieregeil und eine Rabenmutter. Ein Zwischenweg ist dann natürlich auch nichts Halbes und nichts Ganzes und von Alleinerziehenden fange ich gar nicht erst an. Allein dies sind Gründe, warum manche Frauen sich bewusst gegen eigene Kinder entscheiden. Aber (und das finde ich besonders wichtig und dieser Aspekt hätte gern noch viel deutlicher im Buch hervortreten dürfen) einige Frauen spüren diese ominöse biologische Uhr, die ich eher als von außen ausgeübten und nach innen übernommenen Druck beschreiben würde, einfach nicht ticken. Sie entscheiden sich also noch nicht einmal gegen Kinder, sie bekommen einfach keine, weil sie den Wunsch nicht verspüren. Ich bin fest davon überzeugt, dass einfach nicht jede Frau einen natürlichen Kinderwunsch hat. Und das ist in Ordnung. Es bedarf keiner Rechtfertigung, solange man mit sich selbst im Reinen ist. Und auch die „späte Reue“, die häufig das letzte Argument ist, halte ich, genau wie die Autorin, für ein Druckmittel von außen oder manchmal sogar für das Einreden von Schuldgefühlen von jenen, die mit ihrer eigenen Entscheidung, Kinder zu bekommen, hadern (was übrigens auch ein absolutes Tabuthema ist). Ich bin mir sicher, wenn ich nie den Wunsch nach etwas bestimmten hatte, bereue ich es auch später nicht, das nicht gehabt zu haben. Von dem Mythos, dass Kinder später einmal ihre alten Eltern pflegen, brauchen wir in der heutigen Zeit auch gar nicht mehr reden. Was für uns Menschen wichtig ist, sind gesunde Beziehungen. Darum können, meiner Meinung nach, Freunde und andere soziale Kontakte einer eigenen Familie gegenüber absolut gleichwertig sein.

Sehr gut fand ich, dass die Autorin auch das Thema „Alternative Familienmodelle“ angesprochen hat, wie etwa Regenbogenfamilien, Patchworkfamilien, Familienverbünde aus Freunden usw. Wer sich für Kinder entscheidet, sollte ihnen ein liebevolles Umfeld bieten können. Das funktioniert eben nicht nur in der typisch deutschen Kleinfamilie. Andere Familienmodelle verdienen noch viel mehr Beachtung.

Ich ziehe, trotz meiner Begeisterung für das Buch, in meiner Bewertung einen Punkt ab, weil ich finde, Frau Diehl betont ein paarmal zu oft, dass auch Frauen ohne Kinder keine unsozialen Wesen sind, sich engagieren und trotzdem kinderliebend sein können.  Das ist eine Rechtfertigung des Entschlusses, keine Kinder zu bekommen, die es eigentlich gar nicht geben muss. Ich bin eine Frau, es ist mein Körper, mein Leben - niemand außer mir hat zu bestimmen, was damit geschieht. Fertig!

Kinder bekommen - das ist wirklich ein sehr persönliches und oft auch emotionsgeladenes Thema und das darf es auch sein. Kinder verlangen einem viel ab. Aber diese kleinen Menschen sind auch wirklich ganz besonders in ihrer Art, ihrer Auffassungsgabe und in ihrer Fähigkeit, uns Erwachsene ständig zu überraschen. Natürlich kann ein Kind das Leben bereichern, es muss aber nicht unbedingt das eigene sein. Ich kann Tante, Patentante, Freundin, „große Schwester“ und damit ebenfalls eine Bereicherung im Leben eines Kindes sein. Und es in meinem. Ich würde mich freuen, wenn die Gesellschaft in Zukunft wertfreier über dieses Thema diskutieren könnte und verschiedene Lebenswege besser akzeptieren könnte. Wer weiß, wie sich dann die Geburtenrate entwickeln würde… Dieses Buch ist jedenfalls eine sehr gute Diskussionsgrundlage dafür.

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Rezension zu "Die Uhr, die nicht tickt" von Sarah Diehl

Verstehen
dominonavor 5 Jahren

Wer das ewige Nachgefrage leid ist und Argumente für einen anderen Lebensstil braucht, hat hier ein offenes, informatives Buch, das am Rande auch so manch ungewöhnliches Thema anschneidet und treffend kommentiert. Ich habe selten zuvor so viel genickt beim Lesen. Das Buch ist ein Schritt für mehr Verständnis und ein besseres Miteinander.

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Rezension zu "Eskimo Limon 9" von Sarah Diehl

Deutsch-Jüdische Begegnungen
Orishavor 5 Jahren

Wie lässt sich ein Buch rezensieren, dass einen ratlos zurück lässt? Ein Versuch.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Familie Allon zieht nach Deutschland, als Vater Chen einen Job in Frankfurt am Main annimmt. Ihm folgen Mutter Sigall alias „Ziggy“ und Eran, sein elfjähriger Sohn. Es verschlägt die jüdische Familie in ein kleines hessisches Dorf, welches schnell noch ein Hakenkreuz überpinselt, um die Neuen nicht gleich abzuschrecken. Eran lebt sich schnell in der Schule ein, Mutter Ziggy freundet sich mit dem alten Linken Koffel an, mit dem sie fortan ihre Nachmittage verbringt. Was Vater Chen eigentlich macht, bleibt unbekannt.

Mehr gibt es an Handlung nicht zu berichten. Gespickt mit Rückblenden versucht Diehl ein Bild einer modernen israelisch-jüdischen Familie zu zeichnen. Doch die Charaktere bleiben blass. Während Chen zur Nebenfigur avanciert, bleibt vor allem Ziggy farblos. Weder reflektiert sie kritisch ihre eigene Geschichte, noch weiß sie sich zu beschäftigen und die Geschichte avanciert zu einer endlosen Farce an Nachmittagen, die sie mit oder bei Koffel verbringt. Unklar für mich, blieb auch warum sie sich von dem alten Kauz angezogen fühlt und mit ihm das Gespräch sucht. 

Dabei versucht Diehl gerade über diese Gespräche, das „partikulare Wissen der Deutschen über das imaginierte Jüdische“ zu reflektieren, wie es im Anhang heißt. Doch das gelingt ihr nicht, ganz im Gegenteil: Sie lässt mich als Leserin ratlos zurück, da eine endlose Aneinanderreihung jüdische Popkultur, historischer Fakten und Alltagsgeschichten eben noch lange nicht reichen, um jüdische Kultur zu vermitteln. Und dann gibt es da noch die deutsche Seite. Der Versuch die jüdische Familie in ihr Land aufzunehmen, ist gespikt mit einer wiederum endlosen Tirade an schlechten Witzen über den humorlosen Deutschen, an betretenem Schweigen, weil man die eigene Geschichte nicht reflektieren will oder kann und ein Stück weit auch an Ignoranz. 

Kurzum: Das Buch versagt auf ganzer Länge. Blasse Charaktere, eine langweilige Geschichte, eine Aneinanderreihung von jüdischen Popkulturanekdoten – ohne weiterführende Erklärungen – und Gespräche, die von Peinlichkeit, mangelnder Reflexion und Unwissen nur so strotzen. Leider nicht zu empfehlen.

Kommentare: 2
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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches Die Uhr, die nicht ticktundefined
Ich lade euch zu einer Leserunde ein für meine Streitschrift "Die Uhr, die nicht tickt".
Immer mehr Frauen bleiben kinderlos, und unsere Gesellschaft hadert damit. Aber nicht jede Frau verspürt den Wunsch nach Kindern. Und das ist in Ordnung so.
Mein Buch ist ein Plädoyer für eine vorurteilsfreie und und zeitgemäße Einstellung zu Mutterschaft und weiblicher Identität.

Unverrückbar steht die Front zwischen Müttern und Nicht-Müttern: "Man muss wahnsinnig sein, heute noch Kinder zu kriegen", hieß es im Januar 2014 in der FAS. Kurz darauf kam die Antwort: "Ruhe, ihr Jammerfrauen! Eure Ausreden zum Kinderkriegen sind narzisstisch und absurd." Dabei kann eine Frau heute frei zwischen verschiedenen Lebensmodellen wählen. Dennoch dominiert in unserer Gesellschaft noch immer die Vorstellung, dass potentiell alle Frauen den Kinderwunsch in sich tragen. Kein Kind zu wollen gilt als unnatürlich, egoistisch oder feige.
Ich habe für dieses Buch Frauen interviewt, die freiwillig keine Mütter sind. Ich habe erfahren, dass die Gründe vielfältig sind, Egoismus und Narzissmus gehören nicht dazu.

Hier gehts zur Leseprobe.

Im Rahmen dieser Leserunde vergebe ich 20 Bücher. Bewerbt euch bis zum 4.11. und verratet mir in eurer Bewerbung, warum euch das Buch interessiert.
202 BeiträgeVerlosung beendet
Letzter Beitrag von  Sickvor 5 Jahren
Toll, freut mich sehr, dass es dir gefällt! =)

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von 3 Lesern aktuell gelesen

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