Sarah Hall

 3.7 Sterne bei 27 Bewertungen
Autor von Bei den Wölfen, The Carhullan Army und weiteren Büchern.

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Bei den Wölfen

Bei den Wölfen

 (19)
Erschienen am 26.09.2016
Der Elektrische Michelangelo

Der Elektrische Michelangelo

 (3)
Erschienen am 01.08.2005
The Carhullan Army

The Carhullan Army

 (3)
Erschienen am 02.04.2015
The Electric Michelangelo

The Electric Michelangelo

 (2)
Erschienen am 01.10.2005
Daughters of the North

Daughters of the North

 (0)
Erschienen am 01.04.2008
Haweswater

Haweswater

 (0)
Erschienen am 01.10.2006
How to Paint a Dead Man

How to Paint a Dead Man

 (0)
Erschienen am 01.06.2009
The Beautiful Indifference

The Beautiful Indifference

 (0)
Erschienen am 01.01.2013

Neue Rezensionen zu Sarah Hall

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Tintensports avatar

Rezension zu "Bei den Wölfen" von Sarah Hall

Zwischen intellektuellem Kitzel und emotionalem Unbehagen
Tintensportvor einem Jahr

Widersprüchlichste Empfindungen - zwischen intellektuellem Kitzel und emotionalem Unbehagen - beutelten mich bei diesem Roman.

Ich bin immer wieder baff, welche Werke, Romanfiguren, Autoren - es schaffen von der Kritik "bejubelt" und mit Preisen und gar Stipendien überhäuft zu werden?
Auch hier - wie so gern im angeblich gehobenen literarischen Roman (in bester Tradition seit Goethes Faust, Frischs Homo Faber und all den anderen Konsorten des Gruselkabinetts) - findet man eine Hauptfigur vor, die man nur als gestört bezeichnen kann.
Sie balanciert auf haarfeiner Schwelle zwischen Alexythymie und Soziopathie - ist also so gefühlstaub gegenüber ihrer Mitwelt wie ein Alien - und manövriert auf eine Art in ihrem sozialen Umfeld herum, dass es einen nur so graust.
Ob es da jetzt von Vorteil ist, dass die Protagonistin endlich mal eine Frau ist ...?

Im Klappentext wird man nicht vor der Verrückten gewarnt! Oder aber Klappentexter, Verlag und Co. nehmen diese kleine nebensächliche Besonderheit gar nicht erst wahr? Wie geht denn das, ein Jahrhundert nach Freud? Doch nein, da ist ausschließlich von der dollen Kombi gänzlich anderer Versatzstücke die Rede!
- Neben der besonderen Themenwahl (na gut) wird vorrangig
- die feministische Thematik (Häh?)
- und die Landschaftsbeschreibung benannt.

Das letztere ist korrekt; die Natur wird von der Autorin sehr eloquent, in einem überaschend neuen Stil beschrieben. Und das Thema - Wiederansiedelungsprojekt Wolf - macht sowieso gespannt auf mehr. Und so könnten die Naturbeschreibungen begeistern ... wenn einen nicht alle paar Sätze die Beklemmung überkommen würde. Denn eigentlich ging es bis gerade eben, noch im letzten Halbsat, um etwas vollkommen Anderes und zwar etwas Wesentliches?!?! Doch willkürlich findet sich der Leser in einem Moor oder beim Betrachten des austernfarbenen Himmel wieder, also im gefühlsneutralen Irgendwo - total allein gelassen! - anstatt bei den Menschen, den Gefühlen, der nächsten folgerichtigen Handlung.
Beklemmend ist es auch der Protagonistin bei ihrer Schwangerschaft zuzulesen! Diese dämmert ihr nur sehr Allmählich, in einer Art des Vorbewussten, das an eine Amöbe gemahnt!
Letztlich rätsele ich bis heute: war das nun alles hohes schreiberisches Können, also bewusst gewählte literarische Methode oder schrieb hier womöglich eine Autistin?

"Feminstisch" als Deskriptor fand ich dann endgültig irreführend. Genauso wie eine angebliche `Selbständigkeit' der Heldin; die sich allenfalls aus ihrer Störung heraus generiert, nicht aus etwaiger Emanzipiertheit. Denn von einem aufgeklärten Menschen, würde man sich Klarheit und Begreifen erwarten. Doch gerade jegliches Begreifen scheint sich der Figur immer wieder zu entziehen.
Immerhin, die Heldin - hochstudiert und eigentlich als Natur- und Verhaltensforschende erfahren (interessante Personalwahl der Autorin!) - scheint eine vage Ahnung zu beschleichen (quälendst langsam und in solch homöopathischen Dosen, dass ich ganz kribbelig wurde), dass sich da bei ihr von Generation zu Generation i-r-g-e-n-d-e-t-w-a-s nicht ganz fehlerfrei fortschreibt?

Ein emanzipativer Unterton findet sich allenfalls - dies aber gekonnt - in der historischen und politischen Beleuchtung des Themas, mit klugen kritischen Auseinandersetzungen zum englischen Herrschafts- und Gesellschaftssystem.

Hoch faszinierend sind auch die Biotope beschrieben, in denen die Protagonistin agiert: die Wildnis Amerikas im Vergleich zur überkultivierten Landschaft der alten Welt Europas (Nordengland, Grenzgebiet zu Schottland).
Sowohl diese, als auch die denkbaren politisch-sozialen Folgen, (bezogen auf die Wolfs-Wiederansiedelungsprogramme) sind so umsichtig und glaubwürdig erfunden , dass man die Wölfe bereits durch England streifen sieht (und sehen möchte). Da kommen einem die Demonstranten so ungelegen, dass man sie nicht leiden mag. Sie fangen einem aber an leid zu tun, so soziopathisch wie die Heldin mit ihnen umspringt, (bzw eben gar NICHT umgeht).

FAZIT: zumindest intellektuell muss der Leser bei der Lektüre nicht darben. Auch wird bei diesem Roman nicht in Nichtssagendem herum gedümpelt. Hier hat's ein hehres Anliegen! Da beweihräuchert sich niemand inmitten von Konsum und Bequemlichkeit in seiner moderner Langeweile und Ziellosigkeit, wie in so gähnend vielen Schreiborgien auf dem Büchermarkt.
Doch das Unbehagen ... an unserer schwerst unterkühlten Soziopathin bleibt ... die auch nach monatelangem Verdrängen ihrem (mal eben so zack-zack) in Amerika zurückgelassenen besten Freund das als Ausrutscher gezeugte Kind verschweigt ... und sie verdrängt ... und sie verdrängt .... und sie denkt wieder nicht nach .. nie ... aber auch über gar nix ... und wieder nicht ... und sie verdrängt schon wieder ... und die Füße werden einem immer kälter, in diesen substanzlosen Innenwelten einer Hauptfigur, die einen nie richtig mitnimmt ...

Meine Empfehlung: sich gut in eine warme Decke einwickeln, einen heißen Kakao dazu machen, dann kann man es ohne seelische Kollateralschäden überstehen!

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Aurorias avatar

Rezension zu "Bei den Wölfen" von Sarah Hall

Zu wenig Wolf in den englischen Wäldern
Auroriavor 2 Jahren

Wölfe in England – das ist der Traum von Thomas Pennington. Als wohlhabender Lord mit den entsprechenden Ressourcen möchte er sich diesen Wünsch erfüllen. Niemand geringeres als Rachel Caine hat er dafür auserkoren. Eine Expertin auf dem Gebiet der Wölfe, deren Lebensinhalt die Wiederansiedlung dieser Tiere in einem Indianerreservat ist. Eigentlich sieht sie keinen Vorteil in Penningtons Anliegen und möchte dessen großzügiges Angebot ablehnen. Doch unvorhergesehene Änderungen ihrer Lebensumstände führen dazu, dass sie sich schließlich auf den Weg in ihre alte Heimat macht, in der so vieles sie an Zeiten erinnert, die längst vergangen sind und die dann so plötzlich wieder so nah erscheinen. Können alte Wunden heilen?

Ein interessantes Thema hat Sarah Hall für ihr Buch „Bei den Wölfen“ erwählt. Kontrovers diskutiert scheinen Wölfe die Meinungen stets in zwei Lager zu spalten. Fasziniert scheint der Mensch seit jeher von ihnen. Wölfe werden geliebt oder gehasst. Rachel Caine jedenfalls, eine angesehene Wolfsexpertin, liebt sie. Wölfe sind ihr Lebensinhalt. Sie liebt es, tage- und nächtelang ihren Routen zu folgen, sie aufzuspüren und in versteckter Stille zu beobachten. Die Begeisterung, die Rachel für diese Tiere empfindet, wird während des gesamten Buches sehr gut transportiert. Die kleinen Exkurse in die Welt der Wölfe habe ich sehr genossen. Sie waren durchweg interessant. Beschreibungen von der Natur dieser Tiere wirkten nie langweilig. Gern hätten diese einen noch viel größeren Teil im Buch einnehmen können. So, wie es der Titel eigentlich erwarten ließ. Leider wurden die Wölfe eher zur Nebensache in Anbetracht der Ausführungen zu Rachels Vergangenheit und ihren Eigenarten.

Natürlich ist es wichtig, Einblicke in allerlei Details aus Rachels Leben zu erhalten. Nur so kann eine Person angemessen gezeichnet werden. Eindeutig ist diese auch als eine Art einsame Wölfin zu bezeichnen, die in ihrer Arbeit aufgeht, deren Arbeit ihre Berufung ist. Professionell und sicher bewegt sie sich in diesem Terrain. Doch so klar, wie ich sie als Wolfsexpertin vor mir sah, so wenig greifbar war sie mir als Privatperson. Ich könnte sie als eigen bezeichnen, als wenig geschickt im sozialen Umgang, sowohl in Bezug auf Familie als auch in Bezug auf Dritte. Eine starke Frau mit Ecken und Kanten ist sie zweifelsohne. Trotzdem war ihr Charakter mir zu oberflächlich gezeichnet. Ich wurde nicht „warm“ mit ihr und vermisste die Wärme in ihr, die Verbindung, die ich zu ihr finden wollte. Distanziert und größtenteils emotionslos beobachtete ich ihren Weg. Ich fühlte mich von der Autorin leider nicht ausreichend mitgenommen.

Zudem fiel es mir schwer, mich auf Sarah Halls Schreibstil einzulassen. Mehr als 100 Seiten lang hatte ich oft das Gefühl, eine Aneinanderreihung von Beobachtungen, Umgebungsbeschreibungen, Erinnerungen und Gedanken zu lesen. Gemischt wurde das ganze mit politischen Ansichten verschiedener Protagonisten, politischen Entwicklungen und Rachels Einstellung zu körperlichen Bindungen und Bedürfnissen. Lange vermisste ich den richtigen Lesefluss. Die Erzählweise war mir schlicht zu kühl, zu distanziert.  Ich haderte lange mit diesem Buch. Es wurde zwar besser mit der Zeit, doch das Buch entpuppte sich leider trotzdem nicht als schöner Schmetterling. Auch die Handlung kam nur langsam voran, ein Lesesog blieb aus. Viele Andeutungen um die frühere Beziehung zu ihrem Bruder, deren Nachwirkungen die Gegenwart nachhaltig beeinflussten, verliefen sich im Sande. Es wurde wenig Konkretes eingebracht. Klar war nur, dass sich beide erst wieder aneinander annähern mussten, dass wohl jeder in der Vergangenheit andere Erwartungen an den jeweils anderen hatte, die keiner von beiden erfüllen konnte. Und das die Mutter, die beide gemeinsam hatten, alles andere als der Kitt in ihrer Beziehung war. Die ein oder andere Turbulenz brachte etwas mehr Würze in die gesamte Handlung, allerdings nicht genug, als dass sie mich hätte fesseln können.

Zu Gute halten muss man Sarah Hall allerdings, dass sie ein ausgesprochenes Talent dafür besitz, Landschaften und Stimmungen der Natur egal in welcher Wetterlage ausgesprochen bildhaft zu beschreiben. Es gelingt ihr, diese so perfekt zu schildern, dass ich genau wusste, wie sich ein bestimmter Morgen anfühlen würde, ich glaubte mich selbst in diesem einen Fleckchen Erde zu sehen und alles wahrnehmen zu können, was vorging.

Erst auf den ungefähr letzten 80 Seiten entwickelte sich eine Art Spannung, die jedoch den gesamten vorangegangenen Teil leider nicht aufwiegen kann. Die unrunde Erzählweise, die fehldenden Übergänge und die kühle Distanziertheit der Hauptprotagonistin übertrug sich leider zu stark auf mich. Ich fühlte mich nicht betroffen oder involviert. Die interessanten Aspekte der Arbeit mit und für Wölfe kamen zu kurz. Das Vergnügen beim Lesen blieb leider aus.

Ich danke Randomhouse und dem Knausverlag für dieses Rezensionsexemplar.

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missNaseweiss avatar

Rezension zu "Bei den Wölfen" von Sarah Hall

Familienkonflikte statt Wölfen
missNaseweisvor 2 Jahren

Dieses Buch wurde mir vom Knaus Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Zum Inhalt: Rachel ist Expertin für Wölfe und geht in Amerika erfolgreich ihrer Arbeit nach. Ein Jobangebot führt sie schließlich nach England, in ihre Heimat, wo auch ihre Mutter und ihr Bruder leben. Sie wird vor Ort nicht nur mit familiären Konflikten konfrontiert, sondern muss sich zudem mit Problemen herumschlagen, die die Wiederansiedlung von Wölfen betreffen.

Wölfe haben mich schon immer ziemlich fasziniert, deswegen ist der Titel des Buches sofort bei mir hängen geblieben, als ich ihn letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse entdeckte. Ich hatte mir inhaltlich allerdings etwas anderes vorgestellt, denn wie bereits einige andere Leser und Leserinnen angemerkt haben, spielen Wölfe im Buch zwar durchaus eine größere Rolle, rücken zeitweise aber stark in den Hintergrund. In erster Linie wird der Konflikt zwischen Rachel und ihrer Familie (der Mutter und dem Bruder) beleuchtet.

Dieser unerwartete Handlungsschwerpunkt allein ist aber gar nicht das, was mich an dem Buch gestört hat. Vielmehr habe ich mich mit der Protagonistin an sich recht schwer getan. Rachel ist eher kühl und hat, was sicherlich der Vernachlässigung durch ihre Mutter geschuldet ist, eine eher emotionslose Einstellung gegenüber dem Thema Familie beziehungsweise tut sich allgemein schwer, was zwischenmenschliche Beziehungen angeht. Ich denke, dass sie von der Autorin auch nicht unbedingt so angelegt wurde, dass sie eine besondere Sympathieträgerin ist, aber so sehr ich mich auch bemüht habe, das anzunehmen, ich empfand viele ihrer Reaktionen und Handlungen, vor allem in der ersten Hälfte des Buches, als rücksichtslos und unbarmherzig. Im Laufe der Handlung lernt man durchaus eine andere Seite an ihr kennen und sie entwickelt sich wirklich weiter, aber ich habe ihr die gesamte Zeit über nicht recht über den Weg getraut.

Zu den übrigen Charakteren hatte ich ebenfalls keinen wirklichen Draht. Dadurch, dass Rachel kaum jemanden richtig an sich herangelassen hat und ihren Mitmenschen nüchtern und misstrauisch gegenüber trat, konnte ich sie kaum unbefangen kennenlernen. Ihre positiven Eigenschaften wurden oft als Maske von Rachel abgetan, obwohl sie sich hin und wieder eingestehen musste, dass es manche Menschen tatsächlich einfach gut mit einem meinen.

Womit ich genauso wenig gerechnet habe, war die Schwermütigkeit des Buches insgesamt. Krankheit, Verlust, die Schwäche des Menschen – man wird mit sehr bedrückenden Themen konfrontiert, wobei einem die ein oder andere Illusion von einem guten Ausgang genommen wird. Mir fiel es darum umso schwerer, zu dem Buch zu greifen.  

Gut gefallen hat mir hingegen der Schreibstil der Autorin, der teilweise etwas Poetisches an sich hatte und besonders wundervolle Bilder der Natur vor dem inneren Auge heraufbeschworen hat. Ich habe sofort Lust bekommen, selbst in wilde Waldabschnitte aufzubrechen oder eine ausgedehnte Wanderung zu unternehmen. Außerdem war es, wenn ich wie gesagt auch gedacht hätte, dass der Schwerpunkt stärker darauf liegt, unheimlich interessant über Rachels Arbeit mit den Wölfen zu lesen. Die Wiederansiedlung von Wölfen ist ja bei uns ein ebenso aktuelles Thema, zu dem es ganz unterschiedliche Meinungen gibt. Das Buch greift sowohl pro als auch contra Argumente auf, und das meiner Meinung nach recht realistisch. Aber ich bin da ja kein Experte.

Insgesamt ist Bei den Wölfen kein schlechtes Buch, sondern entsprach einfach nicht meinen Vorstellungen. Der familiäre Rahmen hat mir lediglich zu viel Raum eingenommen und mich in seinem Umfang ein wenig erschlagen. Abgesehen von der bedrückenden Stimmung, die das Buch erzeugt, sind die gesellschaftlichen und politischen Darstellungen aber durchaus interessant und entsprechen in ihren Ausführungen sogar dem Buchtitel. Trotzdem hätte ich mir mehr vierbeinigen Wolfskontext gewünscht.

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