Sarah Kirsch Märzveilchen

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Inhaltsangabe zu „Märzveilchen“ von Sarah Kirsch

Neues von der Grande Dame der Poesie, nonkonformistisch und unverwechselbar Plappernder silberner Wind, Hagelschlangen, grüne Kraken im Januargarten – Sarah Kirsch gehört ohne Zweifel zu den Großen der deutschsprachigen Lyrik. Ihre Tagebuchaufzeichnungen sind immer ein Eintauchen in die Welt der Poesie und zeugen von einer tiefen Verbundenheit mit der Natur. Das Leben im Wechsel der Jahreszeiten verbindet sie mit eigenen Assoziationen, die oft mit Witz und Ironie gefärbt sind. Ein idyllischer Kosmos, in den allerdings die Außenwelt einbricht: Die Auswirkungen von 9/11 oder auch Überschwemmungen in Ostdeutschland finden Eingang in die Notate von Dezember 2001 bis Herbst 2002. So werden Sarah Kirschs Tagebücher zu einem schillernden, persönlich kommentierten Zeitdokument, und sie bezeugen das unvermindert hochkarätige Schaffen der großen Lyrikerin.

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  • Rezension zu "Märzveilchen" von Sarah Kirsch

    Märzveilchen
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    03. April 2012 um 13:26

    Ein literarisch gefärbtes Tagebuch Εs ist schon eine besondere Form der Literatur, auf die der Leser sich bei Sarah Kirsch in diesem Werk einlassen muss. Gedankenfetzen, Assoziationen, Verbindungen, wie sie gerade in den Sinn kommen, stellt Sarah Kirsch in kurzen, knappen Tagebuchtexten her. „Neuerliche Schneeüberschüttungen“ in der Gegend von Karlsruhe werden hier in Verbindung gebracht mit einem Hahn und sechs Hennen im Garten (mit Vogelfutter gespeist durch die Autorin) und genauso, im gleichen Atemzug, geht der Blick auf die Nachrichten, „ein Teil der historischen Altstadt von Lima ist abgebrannt“, 500 Tote durch ein Raketenunglück. Oder die Erinnerung an einen isländischen Film die sich umgehend durchmischt mit dem israelischen Vorgehen in Djenin. Schwere Kost mutete Sarah Kirsch hier dem Leser weitgehend zu. Nicht in den assoziativen Inhalten, den „Tagesstichworten“, die sie, teils auch einfach umgangssprachlich, niederschreibt. Sondern in dieser mäandernden, ständigen Auflistung von Eindrücken, die Nebensächlichkeiten genauso wertig in den Raum setzen wie das „große Weltgeschehen“ und weitestgehend auf Deutungen oder eine weitergehende Erläuterung verzichten. Als ein roter Faden kann festgehalten werden, dass Sarah Kirsch der Natur zutiefst verbunden ist. Hier fließen beständig Beobachtungen, Randbemerkungen hinein, Flora und Fauna, selbst das Wetter ist ständiger Begleiter, wird festgehalten, kommentiert, assoziiert und, in starken Brüchen, die Probleme der Welt, politisches Versagen, Unglück einfach neben diese persönlichen Eindrücke gestellt. So wie eben der „plappernde Wind, die singenden Vögel“ urplötzlich übergeleitet werden in ein afghanisches Dorf, das aufgrund von Freudenschüssen ob einer Hochzeit einfach weggebombt wurde. Zudem noch „71 Todesopfer, Kinder und Jugendliche“ durch einen Flugzeugzusammenstoß über dem Bodensee. Je mehr man sich aber auf diese Assoziationen, diese poetisch, bildreiche, knappe Sprache einlässt, desto stärker tritt die Diskrepanz zwischen möglichem Leben in der Natur und menschlichen Eingriffen zu Tage, desto deutlicher wird, ein wie gewaltsamer Ort diese Welt durch menschliches Eingreifen auch geworden ist. Die Natur selber wäre auch nicht sonderlich friedlich, zumindest aber ist in dieser eine solche „gewollte Gewalt“, wie Kirsch sie nebenbei Seite für Seite schildert, nicht vorgesehen. In der Form ganz anderes, assoziative Gedanken nebeneinander stellend, ist der Zugang zum Buch alles andere als einfach. Im Lauf der Lektüre allerdings schält sich zumindest mehr und mehr deutlich heraus, wie Sarah Kirsch „tickt“, wie ihr Blick auf die Welt, das, was sie umgibt, gefärbt ist. Wie sie einfach darstellt, was an Natur, Jahreszeiten, Wetter, „kleiner“ Welt da ist und oft „gut“ da ist und wie sich das Geschehen der Menschen untereinander und die überbordende Technik immer mehr dramatisch „einmischen und untermischen“. Erkennbar nicht zum Gefallen der Autorin. Gedanken, welche hier und da auch den Leser innehalten lassen und den „alltäglichen Wahnsinn“ vor Augen führen.

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