Mängelexemplar

von Sarah Kuttner 
3,9 Sterne bei1,114 Bewertungen
Mängelexemplar
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (748):
4Mephistopheless avatar

Mitunter zu aufgedreht, aber doch ein abwechslungsreiches außergewöhnliches Portrait einer Depression.

Kritisch (104):
Y

Aufpassen, sonst kriegt man selbst eine Depression

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Inhaltsangabe zu "Mängelexemplar"

'Die Psyche ist so viel komplizierter als eine schöne glatte Fraktur des Schädels.'

Karo lebt schnell und flexibel. Sie ist das Musterexemplar unserer Zeit: intelligent, selbstironisch und liebenswert. Als sie ihren Job verliert, ein paar falsche Freunde aussortiert und mutig ihre feige Beziehung beendet, verliert sie auf einmal den Boden unter den Füßen. Plötzlich ist die Angst da. Als auch die cleversten Selbsttäuschungen nicht mehr helfen, tritt sie verzweifelt und mit wütendem Humor ihrer Depression entgegen.

Dem Wahnwitz unserer Gegenwart gibt Sarah Kuttner eine Stimme. Lustig und tieftraurig, radikal und leidenschaftlich erzählt sie von dem der Verlorenheit, die manches Leben heute aushalten muss.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596511891
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:19.01.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 08.10.2012 bei Random House Audio Editionen erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    DrunkenCherrys avatar
    DrunkenCherryvor einem Monat
    Kurzmeinung: Ich mag Sarah Kuttners Art zu schreiben.
    Ein Fest an Metaphern

    Von der ersten Seite an merkt man, dass Sarah Kuttner eine Wortakrobatin sondergleichen ist. Ihre Art zu schreiben kann man wohl nur lieben oder hassen, aber auf jeden Fall sollte man sie eindrucksvoll finden. Die Frau wirft mit Metaphern um sich, dass einem schwindelig wird und ist dabei geistreich, witzig und erfindungsreich.
    Leider gerät bei all diesen bildgewaltigen Umschreibungen oftmals die eigentliche Geschichte etwas in den Hintergrund. Dabei ist die Geschichte über das Mackenmädchen Karo, das eines Tages eine Panikattacke bekommt und sich daraufhin in Therapie begibt, ziemlich ernst und wichtig.
    Kuttners Art, zu beschreiben, wie es ist, wenn etwas im Kopf nicht ganz rund läuft, hat mir sehr gut gefallen und ich konnte mich oftmals in die Protagonistin einfühlen und mich mit ihr identifizieren. Zugleich ist das Buch oft auch zum Augenrollen - aber so sind Menschen nun mal. Und das Buch zeigt viele Facetten des Menschen.
    Letzten Endes ist das Buch storytechnisch nicht ganz so stark, wie ich es mir gewünscht hätte, sprachlich aber eine Wucht.

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    F
    Frenx51vor 7 Monaten
    nichts ist perfekt

    Karo lebt wie viele in der Gesellschaft-schnell und flexibel. Doch als sie ihren Job verliert und sich dann auch noch freiwillig von ihrem eigenen Partner trennt, fällt sie in ein Loch. Plötzlich ist sie nicht mehr so fröhlich und selbstironisch, sondern zerbrechlich und hat mit Angstzuständen und Panikattacken zu kämpfen. Zuerst versucht sie sich auf ihre eigene Art und Weise durchs Leben zu boxen, doch schnell wird ihr bewusst, dass sie auf medikamentöse und psychologische Hilfe angewiesen ist. Doch lernt sie auch mit der Depression umzugehen?

    Depression ist ein mittlerweile häufig auftretendes Thema-immer wieder hört oder liest man etwas darüber, jedoch gibt es oft auch die Ansicht, dass die Personen, die an Depressionen leiden sich doch nicht so anstellen sollen. Das Buch spricht das Thema Depression auf seine eigene Art und Weise und vor allem als Roman und nicht als Sachbuch/Ratgeber an. Die Autorin beschreibt anhand ihrer Protagonistin Karo, wie diese mit der Depression umgeht, hinfällt, aber auch wieder aufsteht und anfängt das Leben weiter zu genießen und mit der Depression zu leben.

    Karo ist eine junge Frau, die immer sehr klug, liebenswert und selbstironisch wirkt. Doch auch wenn sie nach außen hin fröhlich wirkt und diesen Ausdruck und die Selbsttäuschung lange Zeit aufrecht erhalten will, ist sie innerlich zerbrochen und verzweifelt. Doch statt den Mut aufzugeben, versucht sie auf ihre eigene Art und Weise und mit ihrem Humor ihre Schwierigkeiten anzugehen, jedoch will sie es anfangs noch nicht so richtig verstehen und tritt mit Leichtigkeit auf, doch diese bringt sie auch schnell wieder zum Fall. Aber auch wenn Karo den Boden verliert und erst wieder lernen muss sich selbst zu lieben, versteht sie irgendwann, dass sie auch mit einer Depression, die zuvor niemand erahnt hat, liebenswert bleibt. Karo spiegelt damit einen Teil der Gesellschaft wieder. Nach außen hin wirkt sie stark und fröhlich, nach innen jedoch zerbrechlich und wenige ahnen wie sehr es brodelt.

    Die Autorin nutzt einen ehrlichen, nachdenklichen und schonungslosen Schreibstil. Sie schreibt in sehr authentischer Weise aus der Sicht von Karo, ihren Gedanken, Gefühlen, aber auch wie sie versucht sich selbst zu täuschen und ihre Schwäche nicht eingestehen will. Die Sätze sind oft sehr kurz aber prägnant, doch das Seelenleben wird gut deutlich. Das Buch hat mich aber auch zum Nachdenken angeregt: „Wie fühle ich mich selbst?“, „Will ich etwas ändern?“ und „Was brauche ich, damit es mir in manchen Situationen besser geht“. Fragen über die man sich in der sehr schnelllebigen Zeit eher weniger Gedanken macht, manchmal auch um keine Schwäche zu zeigen. Doch genau solches Wissen über sich selbst, braucht es um sich selbst zu kennen und zu lieben. Aber man hinterfragt auch die Beziehungen und ob man überhaupt total glücklich sein kann, oder es einfach Schwierigkeiten geben muss, die auch in noch so glücklichen Beziehungen auftreten, und man nicht trotzdem einfach glücklich sein sollte.


    Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und das Thema Depression auf eine eigene Art und Weise beleuchtet, nämlich auch mit etwas Witz und Selbstironie. Jedoch bleibt es trotzdem auch ernst, persönlich und nachdenklich.

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    Fortis avatar
    Fortivor 8 Monaten
    Interessante Auseinandersetzung mit dem Thema Depression

    Titel und Cover machten mich neugierig, die Beschreibung schreckte mich eher ab - ich wollte eigentlich nichts über Depressionen lesen, hab dem Buch dann aber doch eine Chance gegeben. Es war ok. Das Buch liest sich sehr locker und flüssig, es wird nie schwermütig. Meiner Einschätzung nach trifft Sarah Kuttner genau den optimalen Grad zwischen Leichtigkeit und ernsthafter Auseinandersetzung mit dem Thema Depression. Dafür dass es garnicht mein bevorzugtes Thema war, habe ich das Buch recht schnell und ohne mich zu 'quälen' gelesen. So ganz rund fand ich die Geschichte insgesamt nicht, aber für Leute, die direkt oder indirekt von Depressionen betroffen sind, ist das 'Mängelexemplar' sicher lesenswert.

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    MellisBuchlebens avatar
    MellisBuchlebenvor einem Jahr
    Frecher Schreibstil

    Das Buch hat mir sehr gut gefallen, da ich mit Karo mitfühlen und sie bei ihrem Weg in die Depression und aus ihr wieder heraus begleiten konnte. Karo gibt nie auf und versucht, sich immer wieder aufzurappeln. Damit ist sie mir von Anfang an sympathisch gewesen. Sie nimmt sich selbst nicht ganz so ernst und grübelt viel. Der Leser nimmt an dieser Grübelei Anteil und das fand ich gut. Der freche Schreibstil hat mich fasziniert und ich hatte das Buch innerhalb von nicht ganz zwei Tagen durch. Ich wollte einfach immer weiterlesen und erfahren, wie es Karo weiter ergeht und wie sie mit den einzelnen Situationen umgeht.Das Cover ist sehr schön gestaltet - eben genau wie ein Mängelexemplar. Es weist Knicke und Risse auf, die nur durch eine Sicherheitsnadel zusammengehalten werden. Insgesamt eine runde Geschichte über eine sich nicht ganz ernst nehmende Protagonistin mit ernster Krankheit. Das Buch hat gar keine Mängel, deshalb bekommt es von mir fünf Herzen.

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    Yogamamavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Aufpassen, sonst kriegt man selbst eine Depression
    Mängelexemplar

    Aus dem Ex-Libris, fand ich eigentlich ganz glaubwürdig geschrieben. Als ich es jetzt noch einmal angeschaut habe, fiel mir nix mehr dazu ein. Kann ja so bewegend nicht gewesen sein. 261 Seiten, 2 Stunden

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    Thrillerkistes avatar
    Thrillerkistevor einem Jahr
    Mängelexemplar

    Ich hatte wirklich hohe Erwartungen an das Buch und leider wurde ich eher enttäusscht... In Mängelexemplar soll es um eine Frau gehen, welche stark und clever ist und dann aber plötzlich von Panikattacken überwältigt wird. Ich mochte den Schreibstil zwar sehr und auch die humorvolle Art mit so einem schwierigen Thema umzugehen ist toll. Leider waren immer wieder Stellen im Buch, an denen ich weder Lust noch Spaß hatte weiterzulesen. Teilweile war Mängelexemplar eher langweilig und zusätzlich hat mich die Protagonistin nur noch genervt. Ich dachte, dass mich das Buch richtig mitnimmt und ich lange danach noch darüber nachdenken muss.. leider war ich einfach froh, dass es vorbei war. Deshalb bekommt das Buch Mängelexemplar nur 3 von 5 Punkten von mir. 

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    Steffinitivs avatar
    Steffinitivvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein witziger Roman über Depressionen, jedoch leider nicht allzu ausgefallen
    Mängelexemplar (Sarah Kuttner)

    Das Buch



    Taschenbuch: 272 Seiten
    Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 11 (1. Oktober 2010)
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 978-3596184941
    Genre: Komödie, Roman, Gegenwartsliteratur


    Kurze Meinung:

    Ein leicht ironischer Roman über die Traurigkeit des Lebens.


    Klappentext:
    »Die Psyche ist so viel komplizierter als eine schöne glatte Fraktur des Schädels.«
    Karo lebt schnell und flexibel. Sie ist das Musterexemplar unserer Zeit: intelligent, selbstironisch und liebenswert. Als sie ihren Job verliert, ein paar falsche Freunde aussortiert und mutig ihre feige Beziehung beendet, verliert sie auf einmal den Boden unter den Füßen. Plötzlich ist die Angst da. Als auch die cleversten Selbsttäuschungen nicht mehr helfen, tritt sie verzweifelt und mit wütendem Humor ihrer Depression entgegen.
    Dem Wahnwitz unserer Gegenwart gibt Sarah Kuttner eine Stimme. Lustig und tieftraurig, radikal und leidenschaftlich erzählt sie von der Verlorenheit, die manches Leben heute aushalten muss.

    Mein Fazit

    Was ist mir besonders positiv aufgefallen:

    Karo verhält sich genauso unvorhergesehen, wie man es von jemandem mit einer Depression erwarten würde. Mal hü - mal hott. Und doch zieht sich immer irgendwie ein roter Faden durch ihr Leben.

    Was ist mir negativ aufgefallen:

    Man kennt nach “Tobi Katze” eigentlich schon mit das beste Depressionsbuch. Sie ähneln einander, wie neuerdings leider alle Erotikromane irgendwie aussehen, wie Shades of Grey. Vermutlich hätte ich erst Sarahs Roman und dann Tobis lesen sollen, aber so war die Geschichte vorhersehbar und auch das Ende wenig überraschend.

    Der Schreibstil war zudem phasenweise sehr anstrengend, was ich mir bei einem teils lustigen Roman jedoch nicht wünsche.

    Zu den Charakteren:

    Karo: Ihre Depression beherrscht ihr Leben, andauernd denkt sie daran und ist somit mehr oder weniger in ihr gefangen. Sie sollte sich meiner Meinung nach lieber auf das Leben konzentrieren und weniger darauf, dass sie eine Depression hat. Auch ihre anfängliche Beziehung deutet mehr auf ein Desaster hin als auf eine wirkliche Liebesbeziehung. Ihr Umfeld ist etwas gegensätzlich: die einen unterstützen sie sinnvoll, bei den anderen fragt man sich dann doch, ob sie vorher über ihre Aussagen und Handlungen nachgedacht haben, aber das spielt alles sehr in Karos Hände, dass sie sich vom Schicksal und von ihrem Leben vernachlässigt fühlt.

    Zusammengefasst:
    Das Buch war nette Unterhaltung für Zwischendurch, jedoch nichts, was ich unbedingt empfehlen würde. Die Thematik mit der Depression ist zwar nachwievor aktuell, jedoch fehlte mir so ein bisschen was neues. Schade.


    Bewertung

    Handlung * * * / 5
    Romantik/Spannung * * / 5
    Charaktere * * * / 5
    Schreibstil * * * / 5
    Gestaltung * * * / 5

    Gesamt * * * / 5





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    linasues avatar
    linasuevor 2 Jahren
    Depression ist ein Arschloch!


    ★★★★★ (5 von 5 Sterne)

    Inhalt:
    »Die Psyche ist so viel komplizierter als eine schöne glatte Fraktur des Schädels.«


    Karo 27 ist eine normale junge Erwachsene.
    Sie lebt ihr Leben und das in ihrem angemessenen Tempo.
    Doch eines Tages verliert sie ihren Job und ihr Freund Phillip ist keine Stütze für sie.
    Ein Egoist den Karo nicht gebrauchen kann. Diesbezüglich folgt die Trennung.
    Doch Karo kommt mit der ganzen Situation nicht mehr klar. Nicht nur das sie Liebeskummer hat, fällt sie in ein tiefes Loch und da warten Angst,Panik,Trauer und 
    Einsamkeit auf sie. Kurz gesagt, die Depression packt sie von hinten.
    Karo merkt das es so nicht weiter gehen kann und sucht sich psychologische Hilfe.
    Eine schlimme Vergangenheit. Freunde, die keine Freunde sind. Angst vor der Zukunft.
    Ob es Karo schafft die Krankheit los zu werden oder lernt wenigstens damit besser umgehen zu können ?


    Meinung:
    Ich habe das Hörbuch gehört und bin da schon etwas skeptisch herangegangen.
    Ich leide selbst schon seit Jahren an Depressionen und Panikattacken, genau deshalb war ich 
    mir nicht sicher, ob man das wirklich wiedergeben kann.
    Man muss sich auch wirklich im klaren sein,
    dass es sich hierbei um eine Geschichte handelt und man keine 
    großen psychologischen Tipps bekommt.

    zum Hörbuch: 
    Es geht zwar um eine Karo, aber durch die schöne Stimme von Sarah Kuttner habe ich mir nur immer sie vorstellen können, mit ihrem Witz und Charme.
    Mich hat das Hörbuch wirklich begeistert, denn die depressiven Aspekte sind super erklärt und man fühlt sich als Depressive nicht verarscht, sonder (zumindest ging es mir so),
    konnte mich super in Karos Lage hineinversetzen.
    Das besondere finde ich, dass es nicht eine total traurige Geschichte ist, sondern hat sehr viel Witz und Humor. 
    Sarah Kuttner liest es sehr gut vor, flüssig und nicht langweilig.
    Von mir daher 5 Sterne.

    Fazit:
    Ich denke jeder der selbst an Depressionen leidet oder Menschen mit Depressionen kennt, kann die meisten Stellen gut nachempfinden.
    Leider gibt es immer noch viele Menschen, die nicht verstehen wollen das Depression eine Krankheit ist und nicht nur eine Laune.
    Ich finde es toll das Sarah Kuttner das Thema aufgreift und damit zeigt das sie sich gut mit dem Thema auseinander gesetzt hat.
    (Ich habe keine Ahnung ob sie selbst an Depressionen leidet, Bekannte mit der Krankheit hat, oder einfach nur gut Recherchiert hat)
    Ich finde jedenfalls das Buch sehr gut beschrieben, man kann sich gut in Karo hineinversetzen und trotzdem hat sie super Humor, dadurch wird es nicht langweilig.
    Wenn man diese Krankheit versteht/verstehen will und nicht hofft, auf ein Ratgeber zu stoßen, dem kann ich das Buch nur empfehlen.

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    Buchstabenliebhaberins avatar
    Buchstabenliebhaberinvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: In Karos Kopf tobt der Krieg, ihre Schaltzentrale ist kaputt. Sie hat eine ungewollte, ausgewachsene Depression. Sie kämpft.
    Therapie-Casting und Popstarpsychiater

    Karo ist ein Kind unserer Zeit: loses Mundwerk, zum Umfallen lustig, beruflich erfolgreich, Medien-Beziehung. Nach außen hin super, aber tief drinnen, da findet sie sich anstrengend. Und ihren Freund eigentlich blöd. Dann verliert sie ihren Job, und plötzlich aus Versehen auch den ungeliebten, aber gewohnten Freund. 

    Und dann kommt die Angst und überwältigt sie. Komplett. Nichts geht mehr. Karo zurück auf Null, heim zur Mama, die sich depressionserfahren gekonnt um die Tochter kümmert - wie sie das in frühen Jahren nicht hinbekam. Karo, Zynikerin vor dem Herrn, kann nichts mehr wegwitzeln, sie ist "draußen". Mit ihrem selbstreinigenden Gesicht. Sie hat ihr Augenfass nicht mehr unter Kontrolle, das ständig nur noch überläuft.

    Sarah Kuttners Schreibe ist ein Fest. Selbst so ein ernstes Thema umschreibt sie mit so viel Gefühl und einer Wortakrobatik, die mich tiefneidisch staunen lässt. Ich will auch so originell sein! 

    Ihre Heldin Karo ist kein sonderlich sympathischer Mensch. Sie scheint wirklich anstrengend zu sein, die fiese Zicke, die leider nicht viel spüren kann und alles gekonnt weggagt. Und dann spuckt und ohrfeigt sie das Leben, und Sarah Kuttner beschreibt das Gefühl der Panikattacken und Heulkrämpfe so lebensnah ... Karo geht zur Therapie, nimmt Antidepressiva, versucht wieder ganz die alte und eine neue, bessere Version zu werden. Sie dabei zu begleiten ist spannend und aufregend. Eine Depression ist nichts Schönes, nichts Schmückendes. Es ist ein hartes zähes Ringen und Kämpfen. Und Loslassen und Akzeptieren. Wunderbar beschrieben.

    Wobei ich glaube, Frau Kuttners Sprache muss man mögen. Ich liebe sie. Eins der Bücher, die ich mit Murren und Meckern mit Lesen der letzten Seite weglege: Menno, ich will aber mehr davon, geht doch gerade erst los, die Geschichte, ich will mehr von Karo lesen ...!

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    neenchens avatar
    neenchenvor 2 Jahren
    "Mängelexemplar"-Buchkritik

    Die 1979 in Ostdeutschland geborene Sarah Kuttner machte als Viva-Moderation auf sich aufmerksam. Viele Jahre lang war sie nebenbei als Kolumnistin für die Süddeutsche Zeitung und den Musikexpress tätig. Das Buch “Das oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens” (2006) stellt eine Sammlung dieser geschriebenenen Texte dar. Ihr erster Roman “Mängelexemplar” erschien drei Jahre später. Seitdem wurden noch zwei weitere Romane veröffentlicht: “Wachstumsschmerz” (2011) und “180° Meer” (2016).
     
    In ihrem Debütroman erzählt Kuttner von Karo. Diese ist Ende 20, hat gerade ihren Job verloren und führt eine unglückliche Beziehung. Um sich selbst zu helfen, begibt sie sich freiwillig in Therapie und versucht so schnell wie möglich wieder normal zu werden. Doch als die Angstzustände und Panikanfälle immer schlimmer werden, braucht sie die Hilfe von ihrem besten Freund Nelson, ihrer Mutter und Medikamenten. Mit dem Stigma Depression versucht Karo nun wieder ihr Leben aufzubauen.

    Kuttner gibt den Themen Depressionen und medikamentöser Behandlung eine aktuelle Stimme und kann diese so stückweise von ihrem negativen Stigma befreien. Durch Karos Augen kann man die Krankheit kennen- und fühlen lernen und wie sie einen Menschen verändert. Zudem zeigt das Buch gut, dass seelische Krankheiten immer noch Scham bei den Betroffenen auslösen, da sie es nicht schaffen, sich alleine aus ihrer Lage zu befreien. Auch die Behandlung mit Medikamenten wird nicht an den Pranger gestellt, sondern als Teil der Lösung präsentiert. Kuttner hebt die seelischen Qualen auf eine Stufe mit körperlichen Schmerzen und nimmt ihr so die negativen Assoziationen. So eignet sich das Buch als Einblick in ein komplexes Thema und sensibilisiert die Leser für eine schwierige Thematik, die jeden treffen kann. Die Autorin bedient sich dabei einer einfachen Umgangssprache, was vielleicht dem einen oder anderen Literaturgourmet aufstoßen könnte. Sie bleibt ihrer Sprache, die sie als Kolumnistin und Autorin gepflegt hat treu, und schafft es durch ihre popkulturelle Ausrichtung, das Thema einem jüngeren Zielpublikum nahezubringen. Da ist es hilfreich, dass die Sprache echt und wie aus dem Nähkästchen geplaudert klingt. Kuttner betont aber, dass das Thema nicht autobiographisch ist, sondern ihr durch Freunde und Bekannte vertraut ist.

    Fazit: Im Gesamten kann “Mängelexemplar” mit der Leidensgeschichte Karos und seinen Themen überzeugen. Die recht einfache und moderne Sprache macht das Lesen leicht. Das Buch schafft es seine Leser zu sensibilisieren und ein Stück weit die Stigmatisierung von seelischen Problemen zu nehmen. Sarah Kuttners Roman ist ein lesenswertes und gelungenes Debüt.

    Bewertung: 4/5

    geschrieben von Doreen Matthei / Testkammer.com

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