Sarah Quigley

 4.3 Sterne bei 18 Bewertungen
Autor von Der Dirigent, Robert, danach und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Sarah Quigley

Der Dirigent

Der Dirigent

 (17)
Erschienen am 20.06.2014
The Conductor

The Conductor

 (0)
Erschienen am 01.01.2013

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Rezension zu "Der Dirigent" von Sarah Quigley

Die Macht der Musik ...
Herbstrosevor 23 Tagen

Leningrad, Sommer 1941: Die Vorboten des Krieges sind zu spüren, alle Anzeichen deuten auf einen Angriff der Deutschen und ihrer Verbündeten hin. Namhafte Künstler, das Philharmonie-Orchester, das Ensemble des Kirow-Balletts und die Elite der Stadt werden auf Anweisung Stalins evakuiert. Sehr zum Leidwesen seiner Frau Nina nutzt der Komponist Dmitri Schostakowitsch dieses Privileg nicht, sondern schreibt an seiner 7. Sinfonie weiter und beteiligt sich an der Aushebung von Schützengräben zur Verteidigung der Stadt. Ebenfalls in Leningrad bleiben Karl Eliasberg, Dirigent und Leiter des Rundfunkorchesters, der sich für seine betagte, im Rollstuhl sitzende Mutter, verantwortlich fühlt, und ein Großteil seiner Musiker sowie Stargeiger Nikolai, der seine 10jährige Tochter Sonja zuvor mit einem Kindertransport in Sicherheit gebracht hatte. Dann greifen die Deutschen an, Leningrad soll dem Erdboden gleichgemacht und ausgehungert werden, ein unvorstellbares Inferno beginnt …

Wie die neuseeländische Autorin Sarah Quigley, die seit dem Jahr 2000 in Berlin lebt, in einem Interview im Nachwort des Buches erklärt, ist die Geschichte von Schostakowitsch und dem Dirigenten Eliasberg eine Mischung aus Fakten und Fiktion und beruht auf sorgfältigen Recherchen und ihren eigenen Vorstellungen über den Krieg in Russland und die Belagerung Leningrads. Eingehend wird hier die Entstehung der 7. Sinfonie Schostakowitschs (Leningrader Sinfonie) geschildert, deren Aufführung am 9. August 1942 mit einem stark reduzierten und völlig erschöpften Orchester in Leningrad erfolgte und per Lautsprecher über die feindlichen Linien hinaus übertragen wurde. Dadurch sollte die Moral der Eingeschlossenen gestärkt und gleichzeitig der deutschen Wehrmacht mitgeteilt werden: wir sind noch lange nicht am Ende. Tatsächlich dauerte die Blockade beinahe 900 Tage und forderte ca. 1,1 Millionen Opfer, von denen die meisten verhungert sind.

Der Schreibstil ist dem Thema entsprechend leicht anspruchsvoll und erfordert eine gewisse Konzentration beim lesen. Es gelingt der Autorin großartig, den Figuren Leben einzuhauchen und ihre immer existenzieller werdenden Lebensumstände zu beschreiben. Die Kraft, die Musik entwickeln kann, steht dabei im Vordergrund. Musikalische Kenntnisse jedoch sind für den Leser nicht erforderlich, da die Sinfonie selbst nicht ausführlich erörtert wird. Es geht letztendlich um den Dirigenten Eliasberg, ein anfangs eher unsympathischer Mann, der aber im Laufe der Geschichte über sich selbst hinaus wächst.

Fazit: Ein eindringlicher Roman über unmenschliches Leid, über standhaftes Durchhaltevermögen und beharrliches Hoffen auf eine bessere Zukunft – aber auch ein Werk über den Mut, die Musik in diesen grausamen Zeiten beim Kampf ums Überleben einzusetzen.     

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Rezension zu "Der Dirigent" von Sarah Quigley

Literarische Perle über ein großartiges Stück Musik
Fornikavor 5 Jahren

1941: Deutschland bereitet sich auf die Belagerung von Leningrad vor und schneidet die Stadt systematisch von jeglicher Versorgung ab. Da treffen in der belagerten Stadt zwei völlig unterschiedliche Menschen aufeinander. Der eine ist der große Komponist Dmitri Schostakowitsch, Mitglied der musikalischen Elite Leningrads. Der andere, Karl Eliasberg, Dirigent des Radioorchesters, stand bisher immer außerhalb dieses elitären Zirkels. Doch während ein Großteil der wichtigen Künstler auf Befehl von oben nach Sibirien evakuiert wird, bleiben beide in der Stadt. Schostakowitsch schreibt in den Trümmern und unter ständiger Bombardierung seine berühmte siebente Sinfonie, genannt „Leningrader Sinfonie“.

 Sarah Quigley hat hier die Entstehungsgeschichte eines der berühmtesten Stücke seiner Zeit aufgezeichnet. Es ist wirklich eine bewegende und mutige Geschichte, inmitten des Chaos und der Verzweiflung, des Hunger und Tod. Schostakowitsch und Eliasberg könnten nicht unterschiedlicher sein, egal ob das Persönlichkeit oder Ansehen in der Gesellschaft betrifft. Quigley charakterisiert ihre Protagonisten sehr gut, man lebt und fühlt mit ihnen mit. Selbst der unmusikalische Leser kann den Schaffensprozess des Komponisten sehr gut nachvollziehen, auch wenn mancher Fachterminus vielleicht einer Erklärung bedürft hätte. Ich würde jedem empfehlen sich die Sinfonie einmal anzuhören, denn Musik lässt sich nun einmal nicht wirklich perfekt in Worte fassen, auch wenn Quigley ihren Job sehr gut gemacht hat.

 Für mich war „Der Dirigent“ eine wirklich außergewöhnliche Geschichte über die Menschen Leningrads, die knapp 900 Tage Belagerung mit eisernem Willen durchstehen mussten. Und über zwei Menschen, die die klassische Musik auch in diesen harten Zeiten am Leben gehalten haben und so vielleicht manchem etwas Hoffnung geben konnten.

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Rezension zu "Der Dirigent" von Sarah Quigley

Rezension zu "Der Dirigent" von Sarah Quigley
Golondrinavor 6 Jahren

Schostakowitsch 7. Sinfonie soll im besetzen Leningrad zur Stärkung des Durchhaltevermögens der ausgehungerten Bevölkerung und als Zeichen des Sieges gegenüber dem Gegner aufgeführt werden; die Partitur wird über die feindlichen Linien hinweg in die Stadt gebracht.

 Frau Quigley hat es mir schwer gemacht mit den Romanfiguren: Schostakowitsch, arrogant und anstrengend, setzt das Leben seiner Frau und das seiner Kinder auf Spiel, weil er im belagerten Leningrad bleiben möchte und gibt ansonsten das Genie.

Eliasberg - Namensgeber für den Romantitel - kann einem eigentlich leid tun bei seiner despotischen, quängelnden Mutter, gegen die er sich nicht auflehnen kann. Härte zeigt er dann jedoch gegenüber seinen Orchestermitgliedern, denen er grad mal die ohnehin karge Essensration streicht, wenn sie nicht pünktlich zur Probe erscheinen oder später kommen, weil sie zur Beerdigung der eigenen Frau gehen. Möglicherweise beugt er sich damit dem dahinter stehenden repressiven System, das bedingungslos der Diktatur Ergebenen Vergünstigungen anbietet und dem ansonsten das Leben Andersdenkender auch in dieser schweren Zeit egal ist.

Das hat mir einen ganz neuen Blick auf die Musik gebracht und ich vermute, nicht unbedingt den, welchen Frau Quigley im Sinn hatte.

Einzig einige der fiktiven Figuren zeigen noch etwas Menschlichkeit, das hat mich dann wieder mit dem Roman versöhnt.

 

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