Sarah Samuel

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Autorenbild von Sarah Samuel (©)

Lebenslauf

Sarah Samuel ist das Pseudonym eines österreichischen Autorenpaares, er Wissenschaftler, sie internationale Beamtin, das in vielen Ländern der Welt gelebt und gearbeitet hat: USA, Jamaika, Frankreich, Singapur, Saudi-Arabien,…. Diese vielfältige Lebenserfahrung fließt nun in das literarische Werk von Sarah Samuel ein. „Das Lazarettkind“, erschienen im Juni 2017, ist ihr erster Roman. Ihr zweiter Roman „Schwarzer Halbmond“, ein politischer Thriller über den islamistischen Terrorismus in Frankreich, ist im Oktober 2017 bei Novum herausgekommen. Im März 2020 erschien ihr neuestes Buch "Der Katzenfänger" - ein packender Band mit 9. Kurzgeschichten!

Neue Bücher

Cover des Buches Frauen können alles und noch mehr (ISBN: 9783711613325)

Frauen können alles und noch mehr

Neu erschienen am 08.01.2026 als Taschenbuch bei novum Verlag.

Alle Bücher von Sarah Samuel

Cover des Buches Der Katzenfänger und andere Grenzgänger (ISBN: 9783990649039)

Der Katzenfänger und andere Grenzgänger

(15)
Erschienen am 09.03.2020
Cover des Buches Schwarzer Halbmond (ISBN: 9783903155640)

Schwarzer Halbmond

(11)
Erschienen am 10.10.2017
Cover des Buches Das Lazarettkind (ISBN: 9783903155404)

Das Lazarettkind

(11)
Erschienen am 29.06.2017
Cover des Buches Die Kür des Überlebens (ISBN: 9783837229523)

Die Kür des Überlebens

(0)
Erschienen am 09.10.2025
Cover des Buches Frauen können alles und noch mehr (ISBN: 9783711613325)

Frauen können alles und noch mehr

(0)
Erschienen am 08.01.2026
Cover des Buches Herzbube und Herzkönig (ISBN: 9783837228915)

Herzbube und Herzkönig

(0)
Erschienen am 25.04.2025

Neue Rezensionen zu Sarah Samuel

Cover des Buches Das Lazarettkind (ISBN: 9783903155404)
Reenchenzs avatar

Rezension zu "Das Lazarettkind" von Sarah Samuel

Reenchenz
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

„Wir leben so, wie wir träumen – alleine.“

Ach ja! Die Wiener Intellektuelle Gertrude Hellwig hat es nicht leicht. Aufgezogen von ihrer männerhassenden Mutter im Nachkriegsösterreich und ohne Vater muss sie sich in der patriarchalischen Welt der Geisteswissenschaften durchschlagen. Sexbesessen stürzt sie sich nach einer Vergewaltigungserfahrung in Affären mit Frauen und findet schließlich in der jüdischen Musikerin Ruth eine dauerhafte Gefährtin. Nachdem sich Gertrude mit Ruths Hilfe an ihrem Peiniger gerächt hat, begeben sich die beiden Frauen auf die Suche nach Gertrudes Vater, der ihre Mutter mitten in Kriegszeiten in einem Wiener Lazarett schwängerte und dann für immer verschwand.

„Mutig voran und auf ins Grenzenlose, …“

Der französische Jude, und Verführer vieler Frauen, Salomon Meir überlebt mit viel List, Skrupellosigkeit und Glück den Zweiten Weltkrieg.

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Im ersten und umfangreicheren Teil erfährt der Leser, von den Autoren (laut Verlag handelt es sich bei Sarah Samuel um das Pseudonym eines österreichischen Autorenpaares) in der Ich-Perspektive verfasst, von Gertrudes Leben, ihren Gedanken und Gefühlen. Der zweite Teil des Buches, ebenfalls in der Ich-Perspektive geschrieben, folgt dem Überleben des Salomon Meir im Zweiten Weltkrieg.

Anfänglich tat ich mich mit dem Stil des Romans schwer, da er mir durch das teilweise aufgesetzt wirkende intellektuelle Geschwurbel und die häufige Verwendung französischer Vokabeln unnötig den Lesefluss erschwerte. Es brauchte einige Seiten, bis mich auch die Handlung packen konnte und ich in der anfänglich komplizierten Erzählweise ein Stilmittel zur Charakterisierung der Protagonistin zu erkennen glaubte.

Gertrude ist egoistisch und manipulativ. Zudem verfügt sie über ein Moralverständnis, über das man durchaus streiten kann oder sogar muss. Diese Eigenschaften teilt sie, ohne es zu ahnen, mit ihrem Vater. Der Roman ist psychologisch spannend, insbesondere wenn man betrachtet, wie die Sicht der Protagonisten auf sich selbst ist und was sie vor allem von einander halten würden.

Den Aufbau der Erzählung hätte ich mir jedoch etwas abwechslungsreicher gewünscht. Hier wurden mehr oder weniger zwei Biografien nacheinander erzählt. Dies machte den ersten Teil für mich etwas zäh, während ich im zweiten Teil gebannt nur so durch die Zeilen flog.

Die in anderen Besprechungen des Buches viel gescholtenen Sexszenen sind auch mir teilweise unangenehm aufgestoßen, was überraschenderweise aber nicht an ihrer bloßen Existenz und Häufigkeit lag, denn erotische Literatur ist eigentlich so gar nicht meins, sondern an solchen Worten wie „Lustgrotte“ oder Formulierungen wie „bis sie vor Wohlbehagen wie ein Kätzchen schnurrt.“ Dies hätte ich mir etwas eleganter gewünscht, da es irgendwie nicht zum sonstigen hohen Niveau der Sprache passte. Für die Charakterisierung der Protagonisten waren diese Szenen meiner Ansicht nach wichtig, so dass mich die Existenz und Häufigkeit nicht gestört hat.

Empfehlen möchte ich diesen Roman insbesondere frankophilen Leserinnen und Lesern und natürlich allen, die sich für die Überlebensgeschichten europäischer Juden im Zweiten Weltkrieg interessieren. Die vorliegende Geschichte mag fiktiv sein, steht den vielen bekannten Tatsachenberichten aus dieser Zeit aber an Glaubwürdigkeit in nichts nach.

 

Cover des Buches Der Katzenfänger und andere Grenzgänger (ISBN: 9783990649039)
Michael_Blums avatar

Rezension zu "Der Katzenfänger und andere Grenzgänger" von Sarah Samuel

Michael_Blum
Neunfacher literarischer Genuss...

Neun Geschichten eines sprachgewandten Autorenpaares. Habe mich bei jeder einzelnen Geschichte gefragt, wer von den beiden wohl die Idee gehabt und auch 'Regie' geführt hat. Eines aber haben alle Geschichten gemein - die wunderbare Sprache, der ausgewählte Wortschatz und die bildhaften und bisweilen zynisch-humorvollen Beschreibungen. Nicht alle Geschichten haben einen Spannungsbogen oder auch eine überraschende Wendung am Ende; das braucht es auch nicht, ist doch die zu genießende Sprache für sich genommen schon Lesevergnügen genug! Obwohl die allermeisten Protagonist*innen wohlsituierten Akademikerkreisen entstammen, meint es das Leben nicht immer gut mit ihnen; so ist das Leben klein und vergänglich, gemessen an einer totbringenden Welle; ich weiß jetzt, warum man in einem arabischen Land besser auf Alkohol verzichten sollte und bin vertraut mit dem Lebensgefühl akademisch gebildeter Westler in eben diesen Ländern.

... wenn ein klassisch-konservatives Konzert-Event aus den 'Fugen' gerät und die Aufhebung sicherheitsspendender Regeln dem Volksgeist einen Triebdurchbruch ermöglichen...

... über die Spaltung des Landes, erläutert anhand des Geschäfts der Literatur und festgemacht am 'Stadt-Land-Gefälle': Bösartig und doch irgendwie wahr - und großartig niedergeschrieben!

Die Selbstironie: Scheinbar ach so weltgewandte Akademiker unter anderen Akademikern in der Karibik auf der Suche nach dem 'wahren Leben', wo es für die einheimische Bevölkerung eher um das Überleben geht...

... und schlussendlich die mörderisch-kulinarische Kompensation einer narzisstischen Kränkung im Kreise der honorigen Professorenschaft... das Beste kommt zum Schluss!!!

Ein bisschen viel die - wenn auch internationale - Welt der Universitäten und der Hochstudierten; gleichwohl ein fabelhafter Band mit Kurzgeschichten!!!

Unbedingte Leseempfehlung!

Cover des Buches Der Katzenfänger und andere Grenzgänger (ISBN: 9783990649039)
Wohnzimmers avatar

Rezension zu "Der Katzenfänger und andere Grenzgänger" von Sarah Samuel

Wohnzimmer
unterhaltsam

Das Buch beinhaltet neun Kurzgeschichten. Diese spielen   alle in unterschiedlichen Ländern.  Dabei erfährt man auch immer einige Hintergründe des jeweiligen Landes.  Der Schreibstil gefällt mir, obwohl die Geschichten eher einen ernsten oder traurigen Hintergrund haben. Insgesamt regt das Buch zum Nachdenken an.

Gespräche aus der Community

Sehr gerne dürfen wir heute eine Leserunde erstellen bei der wir 15 Stück von der Katzenfänger zur Verfügung stellen und uns auf eure Rezensionen sehr freuen. 

Der Katzenfänger ist ein Erzählband mit neun packenden Kurzgeschichten, in gewohnter pointierter Ausdrucksweise von Sarah Samuel. Sehr fesselnd und unterhaltsam. 

59 BeiträgeVerlosung beendet
Michael_Blums avatar
Letzter Beitrag von  Michael_Blum

Neun Geschichten eines sprachgewandten Autorenpaares. Habe mich bei jeder einzelnen Geschichte gefragt, wer von den beiden wohl die Idee gehabt und auch 'Regie' geführt hat. Eines aber haben alle Geschichten gemein - die wunderbare Sprache, der ausgewählte Wortschatz und die bildhaften und bisweilen zynisch-humorvollen Beschreibungen. Nicht alle Geschichten haben einen Spannungsbogen oder auch eine überraschende Wendung am Ende; das braucht es auch nicht, ist doch die zu genießende Sprache für sich genommen schon Lesevergnügen genug! Obwohl die allermeisten Protagonist*innen wohlsituierten Akademikerkreisen entstammen, meint es das Leben nicht immer gut mit ihnen; so ist das Leben klein und vergänglich, gemessen an einer totbringenden Welle; ich weiß jetzt, warum man in einem arabischen Land besser auf Alkohol verzichten sollte und bin vertraut mit dem Lebensgefühl akademisch gebildeter Westler in eben diesen Ländern.

... wenn ein klassisch-konservatives Konzert-Event aus den 'Fugen' gerät und die Aufhebung sicherheitsspendender Regeln dem Volksgeist einen Triebdurchbruch ermöglichen...

... über die Spaltung des Landes, erläutert anhand des Geschäfts der Literatur und festgemacht am 'Stadt-Land-Gefälle': Bösartig und doch irgendwie wahr - und großartig niedergeschrieben!

Die Selbstironie: Scheinbar ach so weltgewandte Akademiker unter anderen Akademikern in der Karibik auf der Suche nach dem 'wahren Leben', wo es für die einheimische Bevölkerung eher um das Überleben geht...

... und schlussendlich die mörderisch-kulinarische Kompensation einer narzisstischen Kränkung im Kreise der honorigen Professorenschaft... das Beste kommt zum Schluss!!!

Ein bisschen viel die - wenn auch internationale - Welt der Universitäten und der Hochstudierten; gleichwohl ein fabelhafter Band mit Kurzgeschichten!!!

Unbedingte Leseempfehlung!

Einladung zur Leserunde:
Liebe Lovelybooks Community! Wir möchten euch herzlich zur Leserunde unseres Politthrillers Schwarzer Halbmond einladen, indem wir 15 Stück Bücher zur Verfügung stellen.
Wer sind wir!?
Hinter dem Synonym Sarah Samuel stehen Gerlinde  und Harald Niederreiter, wir sind ein Autorenpaar aus dem schönen Salzburg und haben bereits zwei Romane herausgebracht, am dritten wird gerade fleissig gearbeitet. Harald ist Mathematik Wissenschaftler, Gerlinde Mitarbeiterin der UNO. 
Um was geht es in "schwarzer Halbmond":
der schwarze Halbmond ist ein packender, brisanter politischer Thriller über das tödliche Dreieck des islamistischen Terrorismus - Mafia - Schleppergeschäft, vor dem realen Hintergrund der Terroranschläge in Frankreich im Jahre 2015
Auszug aus Kapitel 2/Leseprobe:
Hakim der Ägypter galt als einer der Intellektuellen des Schwarzen Halbmonds, als ein gleißender Geistesstern am nachtdunklen Firmament des Bösen. Nach dem Besuch der Madrasa hatte er eine Koranhochschule in Kairo absolviert, die ähnlich den Jesuitenschulen in christlichen Ländern auch eine exzellente Allgemeinbildung vermittelte. Er hatte besonders in den Fächern Geschichte und Weltpolitik und als brillanter Rhetoriker geglänzt. Während des Studiums hatte er als fanatischer Aktivist bei den Moslembrüdern gewirkt und dem revolutionären Flügel dieser Bewegung angehört. Dank seiner sprachlichen und organisatorischen Fähigkeiten war er rasch in der Hierarchie aufgestiegen. Nach dem Sturz von Präsident Mursi war ihm der Boden in seinem Heimatland zu heiß geworden. Mit dem Argument, dass er in Ägypten politisch verfolgt werde, und der Fürsprache einiger karitativer Damen des Secours Catholique war es ihm gelungen, in Frankreich Asyl zu erhalten. Er suchte hier ein seinen Talenten angemessenes Betätigungsfeld und fand es bald beim Schwarzen Halbmond.
Während er auf den Syrer wartete, reflektierte der Ägypter, dass Ibrahim für ihn ein typischer Repräsentant seines Volkes war, ein Volk, das nach Hakims Meinung keinerlei Beiträge zur Weltzivilisation und zur islamischen Glaubenslehre geleistet hat. Manche würden wohl die Tempel in Palmyra als kulturelle Errungenschaft in Syrien nennen, aber die bildeten Hakim zufolge nichts als heidnisch-römisches Blendwerk, das von den verbrüderten Gotteskämpfern nun zu Recht zerstört wurde.
Ibrahim war über die Lampedusa-Route nach Frankreich gekommen, und wie fast alle hier einreisenden Migranten wollte er eigentlich nach Calais. Wegen mangelnder Planung ging ihm aber schon in Südfrankreich das Geld aus, und so blieb er in Marseille hängen. In den unüberschaubaren Armenvierteln im Norden der Stadt, in denen Drogenbanden und islamistische Aufhetzer regieren und von wo sich die französischen Behörden schon vor Jahren ohnmächtig zurückgezogen haben, fand er Unterschlupf. Das Leben in Frankreich überforderte ihn komplett. Sein französischer Wortschatz war etwa so umfassend wie der eines der Sprache unkundigen Touristen nach zwei Wochen Urlaub im Land. Er kommunizierte hauptsächlich mit einem sehr syrisch geprägten Arabisch und ansonsten noch mit einem Pidginenglisch mit einer unverständlichen Aussprache und mehreren Fehlern in jedem Satz. Auf dem Arbeitsmarkt war er unbrauchbar, da er keinerlei Ausbildung besaß. In den Gaststätten, die ihn als sans papiers in ihren Küchen versuchten, behinderte er den Betrieb mit seiner Unbeholfenheit derart, dass man ihn bei jedem Job nach wenigen Tagen feuerte.
In seiner Ausweglosigkeit wurde er fromm, ließ sich einen schwarzen Vollbart wachsen und befolgte strikt alle Regeln des Korans, besonders die der Unterwerfung der Frau und des Hasses auf die Ungläubigen. Der Imam seines Gebetshauses indoktrinierte ihn dabei intensiv mit allen herkömmlichen Methoden der Gehirnwäsche. Schließlich wurde Ibrahim eine leichte Beute für die Rekrutierer des Schwarzen Halbmonds. Man gab ihm rudimentären Fahrunterricht auf dem Gelände der Organisation, an dem er wie ein Kind Spaß fand, und verschaffte ihm einen gefälschten Führerschein, sodass er zumindest in der Schlepperabteilung zu gebrauchen war.
Bei seiner Hundepromenade, bei der er sich außerordentlich vorsichtig verhielt, um sich ja nicht zu verletzen, überlegte Ibrahim fieberhaft, wie er sich beim kommenden Verhör verhalten sollte. Zugegebenermaßen war sein letzter Schleppereinsatz verkorkst worden, da die Übergabe des unbeschrifteten weißen Kastenwagens mit 45 Flüchtlingen an Bord an der italienisch-französischen Grenze zwischen Olivetta und Sospel ganz und gar nicht laut Plan verlaufen war. Die Mafiosi hatten zwar das Fahrzeug verabredungsgemäß auf einem Parkplatz nahe der Passhöhe des Col de Vescavo abgestellt, aber irgendetwas war bei der Kommunikation danebengegangen. Durch einen Glückstreffer, oder vielleicht sogar durch systematische Schleierfahndung, war die französische Polizei an Ort und Stelle erschienen und hatte die Flüchtlinge befreit, bevor Ibrahim und die beiden anderen Beauftragten des Schwarzen Halbmonds die Lieferung übernehmen konnten.

Wie und bis wann kann man sich für unsere Leserunde bewerben?

Schreibt uns warum ihr unser Buch gerne lesen würdet! Die Auslosung der Leserunde findet am Donnerstag den 29. März 2018 statt - wir versenden die Bücher dann so schnell wie möglich und freuen uns auf eure Rezensionen. 
55 BeiträgeVerlosung beendet
miau0815s avatar
Letzter Beitrag von  miau0815
Mit reichlich Verspätung (Sorry dafür) nun auch meine Rezension. Ich konnte mit diesem Buch wirklich wenig anfangen. Schade. http://www.lovelybooks.de/autor/Sarah-Samuel/Schwarzer-Halbmond-1495881107-w/rezension/1599098915/?selektiert=1599111436
Liebe Lovelybooks Community,

Wir möchten hiermit eine Einladung zur Leserunde unseres Romans "Das Lazarettkind" aussprechen. Wir verlosen insgesamt 15 Bücher.

Wer sind wir!?

Hinter dem Synonym Sarah Samuel stehen Gerlinde  und Harald Niederreiter, wir sind ein Autorenpaar aus dem schönen Salzburg und haben bereits zwei Romane herausgebracht, am dritten wird gerade fleissig gearbeitet. Harald ist Mathematik Wissenschaftler, Gerlinde Mitarbeiterin der UNO. 


Um was geht es in Das Lazarettkind?

Eine Wiener Intellektuelle begibt sich auf eine fast lebenslange Vatersuche. Dabei stößt sie auf die Geschichte des Juden Salomon Meir, der unter skurrilen Umständen in einem Lazarett mit der Krankenschwester Emilia ein Kind zeugte - das Lazarettkind Gertrude.

Leseprobe/Kapitel 1

Kapitel 1
Wie schön es wäre, mein geliebtes Paris einfach nur als Besucherin zu genießen, wenn nicht das Grab am Ende des Weges wartete!
Paris, die Stadt der Leichtigkeit, die Stadt voller Träume. Anfang März und die Forsythien prangen bereits mit gleißendem Gold in den Gärten und Parkanlagen. Nur das schüchterne Azur des Himmels lässt ahnen, dass diese Blüten lediglich Vorboten sind, die einem farbentrunkenen Lenz freudig voraneilen. Eine tüchtige Brise treibt milde, herbsüße Luft aus den Fluren der Normandie mit sich her. Die Gesichter der Menschen beginnen, die grämliche Trübseligkeit des Winters wie zu lange getragene Trauerkleidung abzulegen. Junge Paare nehmen die neue Saison der Flirts und Liebschaften beflügelt in Besitz, Hand in Hand, flüchtige Küsse austauschend, die unfertig im Wind flattern.
Vor Kurzem noch Wien. Ein tristes, harsches, winterliches Wien. Schmutzige Schneereste befleckten die Gehsteige wie Wundmale. Dürres Geäst im Milchschaum des Nebels. Dumpfe, morose, eingefrorene Mienen. Über den Wolkenbauschen auf Schwingen dann, metallisch und glatt. Starr im eisblauen Himmel schweben und doch schwerelos im Äther vorwärts gleiten. Nach wenigen Stunden ein beseligter Wechsel der Jahreszeiten. Der Duft des aufkeimenden Frühlings im Jardin du Luxembourg. Sonnenstrahlen tanzen ausgelassen auf den Straßen. Scharen munterer Gäste auf den endlich, nach den Monaten der beharrlichen Kälte, der triefenden Nässe, der schwermütigen Düsternis, in fröhlichem Glanze wiedereröffneten Caféterrassen im Quartier Latin und auf der Ile de la Cité.
Welch einen heiteren Empfang hat Paris für meine Mission des Gedenkens vorbereitet! Eine Mission, die eher zu einem Allerseelentag passt als in eine Zeit der zu erneutem Wirken und Gestalten strebenden Natur. Eine Mission überdies, die mein Innerstes bewegen und aufwühlen wird wie keine andere meiner Unternehmungen zuvor.
Unser erster Rundgang nach der Ankunft führt unverzichtbar auch auf den Boul´ Mich´, meinen mythischen Ort, den Boulevard der Rebellion, wo noch immer die Aschenglut meiner verlorenen Ideologien glost. Die erregenden Tage der Mairevolution 1968. Und ich als Studentin in Wien, die mit brennendem Sinn den Aufruhr aus der Ferne verfolgte. Ich bewunderte die Pariser Studenten, die ihren Marx, Bakunin, Kropotkin, Trotzki und Marcuse gelesen hatten und sich auf diese Propheten beriefen, um endlich den faschistischen und autoritären Stumpfsinn der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hinwegzufegen. Sie trachteten, voller Beherztheit und voller Ideale, den Geist der Aufklärung, den Geist des klaren Lichtes, nach einer langen Epoche der Unterdrückung unter den neuen Flaggen des humanistischen Existentialismus und des solidarischen Trotzkismus in Europa wiederzuerwecken. Der Hauch der Freiheit wehte durch die Welt. So wie die Rebellen erschauderte ich in ohnmächtigem Zorn vor der gewalttätigen Reaktion der Reaktionäre, mit ihren geballten paramilitärischen Sondertruppen der Polizei und ihren bezahlten Schlägerbanden auf dem Boulevard Saint-Michel, dem Hitzepol des Aufstandes.
Wie so oft übernachten wir in einem jener anheimelnden, im klassizistischen Stil erbauten Hotels im fünften Arrondissement, die meist von Vietnamesen geführt werden und den Charme einer Pariser Herberge des 19. Jahrhunderts wie ein Kleinod behütet haben. Vielleicht sind schon Figuren aus Romanen Balzacs oder Erzählungen Maupassants in solchen Etablissements abgestiegen, als sie in die Hauptstadt kamen, um Erbschaftsangelegenheiten zu regeln oder la vie parisienne kennenzulernen.
Das Viertel um das Hotel besitzt Flair und Atmosphäre. Altmodische Buchläden, Antiquariate und Kunstgalerien. Coole Jazzlokale. Traditionsreiche Bäckereien und Kaffeehäuser. Chinesische, vietnamesische, indische und italienische Restaurants. Studentenvolk der nahen Universitäten belebt die schmalen Gassen. Es revitalisiert das historische quartier immer wieder aufs Neue mit jugendlichem Geist. Ruth und mich erfüllt es mit Erstaunen, wie das Viertel vergangene Zeitalter absorbiert und bewahrt hat und das Beste davon, mit Raffinesse und Geschmack ausgewählt, in die Zukunft projiziert.
Wir wohnen in der Mansardenetage des Hotels. Das stellt sich zwar als etwas beschwerlich heraus, aber von dort aus kann man gewissermaßen als Entschädigung zumindest die obersten Abschnitte der Türme von Notre Dame erblicken, die wie zwei immerwährende Eckpfeiler des Christentums in den blassblauen Himmel ragen. Beschwerlich deswegen, weil der Aufzug seltsamerweise nur bis zur vierten Etage fährt und dieser Umstand die unangenehme Konsequenz hat, dass die Koffer über die letzte Wendeltreppe zwischen den hohen Stockwerken mit der Kraft der Arme hinaufzuschleppen sind. Und die Gäste müssen es mit ihren eigenen Armen tun, denn hilfreiche Pagen hat diese Preisklasse von Hotels schon seit Jahren nicht mehr zu bieten.
Die Einrichtung des Zimmers kommt etwas zu sehr dem Geschmack der Touristen – oder was der Besitzer dafür hält – entgegen. Prunkstück ist das große, in hygienisch sauberem Weiß erstrahlende Badezimmer, das selbst den höchsten Ansprüchen gerecht wird. Die Ästhetik des Äußeren gilt eben in Frankreich immer noch als eine bestimmende Kategorie. Willkommen ist uns auch der kleine Tisch, Pseudo-Empire oder Pseudo-Louis-Seize, wer kann das schon wissen, den wir unter ein Dachfenster schieben, um von der durch die Frühlingssonne gespendeten Helligkeit zu profitieren. Wir haben immer etwas abzufassen, eilig hinzuwerfen oder schriftlich aufzuzeichnen und festzuhalten – Ansichtskarten, Briefe, Notizen, Gedankensplitter und Reisetagebücher. Il faut écrire comme tout le monde, so wie alle Welt muss man schreiben, wie es bei Voltaire heißt.
Das breite, Wohlgefühl ausstrahlende Doppelbett gewährt uns, nach den Mühen der Reise, eine erholsame Nestgeborgenheit in der ersten Nacht in Paris. Am nächsten Morgen gehen wir durch unsere übliche Routine, mit einem zärtlichen Kuss nach dem Aufstehen und der gemeinsamen Toilette im Badezimmer. Ruth pflegt sich gerne nackt und genießt meine Blicke auf den Perlenschmelz ihres Körpers. Jede Pore ihrer Haut, jede Faser und jede Ader ihres Leibes sind mir wohlvertraut und doch auch etwas Fremdem zugehörig, bei mir beheimatet und entrückt zugleich. Ruth ist ein Teil von mir und dennoch die unergründliche Andere. Die anderen müssen nicht immer die Hölle sein, aber unfassbar und ferne bleiben sie allemal. Gut möglich, dass Sartre seinen Aphorismus gleichfalls so meinte.
Auch die sinnende Philosophin des Seins mit ihren ontologischen Betrachtungen zum Tagesanbruch braucht Nahrung. 


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74 BeiträgeVerlosung beendet
C
Letzter Beitrag von  Corinnabl
Der Wechsel der Erzählperspektive ist sehr interessant und sprachlich gelungen. Der Schreibstil passt sich der neuen Figur an und skizziert so einen neuen, anderen Charakter. Gewisse Ähnlichkeiten mit Gertrude sind trotzdem erkennbar (bspw. die Berechenbarkeit). Die zum Teil eher schlichte Sprache unterstreicht die Trostlosigkeit und Grausamkeit des Zwangsarbeiterlagers. Die extreme Position Salomons,sein Hass sind greifbar und durch die Schilderungen nachvollziehbar. Es ist eine Lösung der Vaterschaftssuche, die ich nicht erwartet habe. Eine konventionelle Auflösung mittels Gespräch mit dem Sohn oder Finden eines Tagebuchs oder ähnliches hätten jedoch wahrscheinlich nicht gepasst. Das Ende des zweiten Teils (letzter Abschnitt) bzw. das Ende des Buches waren für mich dann doch fast zu abrupt. Der Übergang nicht so schön wie der erste von Gertrude zu Salomon. Insgesamt war es ein sehr interessantes, definitiv nicht alltägliches Buch. Die Hauptfiguren und Erzählungen regen zum Nachdenken und Diskutieren an. Besonders Gertrude ist rein erzählerisch und das Historische ausgeklammert (da sowieso einer Thematisierung wert) sehr kontrovers. Im Nachhinein wird deutlich, dass der Klappentext doch passt, aber wie bereits erwähnt, im Vorfeld andere Erwartungen weckte. Sprachlich sehr schön gestaltet, auch wenn mir der erste Teil zuweilen doch zu bemüht und hochgestochen war. Das ist jedoch ein subjektives Empfinden.

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