Das Lazarettkind

von Sarah Samuel 
4,0 Sterne bei8 Bewertungen
Das Lazarettkind
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Ein facettenreicher und eindringlicher Roman auf einem hohen sprachlichen Niveau.

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Gertrude und Ruth, zwei ungleiche Frauen verbinden ihre Lebenswege, als dies noch ein Tabu war. Gemeinsam suchen sie Gertrudes Vater.

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Inhaltsangabe zu "Das Lazarettkind"

Die Wiener Intellektuelle Gertrude Hellwig, eine schillernde Figur voller moralischer Ambiguitäten und sexueller Psychosen, gebrandmarkt vom Männerhass ihrer alleinerziehenden Mutter Emilia und von der Vergewaltigung durch ihren Dissertationsbetreuer, begibt sich auf eine beinahe lebenslange Vatersuche. Dabei stößt sie auf die packende Geschichte des französischen Juden Salomon Meir, der mit Geschick den Zweiten Weltkrieg überlebte …

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783903155404
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:250 Seiten
Verlag:novum premium ein Imprint von novum publishing
Erscheinungsdatum:29.06.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Tanjis avatar
    Tanjivor 4 Monaten
    ein ganz besonderer Schreibstil

     

    Das Buch beinhaltet zwei Teile, zum einen die Geschichte einer sehr intelligenten, aber nicht einfachen Frau, die zusammen mit ihrer Freundin ihren Vater sucht und zum anderen die Geschichte eines Juden, der während der NS-Zeit gelebt hat und einiges durchmachen musste.

    Ich hatte das Gefühl, dass in dem ersten Abschnitt, in dem es um Gertrude ging, sehr viel passiert ist und sich das Buch dadurch sehr schnell lesen ließ, vor allem weil ich die Mischung aus den Geschehnissen und der aktuellen Lage der damaligen Zeit sehr interessant fand.

    Auch der Teil rund um dem Vater und dessen Geschichte hat mir sehr gut gefallen und mich vor allem emotional sehr berührt. Er war dabei auch der Charakter, zu dem ich am meisten Nähe aufbauen konnte. Bei Gertrude spürte ich immer eine Distanz.

    Sehr positiv aufgefallen an dem Werk ist mehr der Sprachstil. Dieser ist zum einen sehr gebildet, zum anderen aber auch einfach schön und dennoch gut zu lesen.

    Der Grund, weswegen es „nur“ vier Sterne, und nicht fünf, gibt, ist  dann auch in „ihrem“ Abschnitt zu finden. Das Sexleben von Gertrude nimmt mir einen zu ausschweifende Platz ein. Ich verstehe zwar die Intention dahinter und dass sie wichtig sind, um den Charakter von Gertrude zu unterstreichen, aber die Sexszenen kommen mir einfach etwas zu häufig vor.

    Dennoch war dieses Buch für mich besonders, da ich es als sehr einzigartig empfinde. Viele Geschichten hat man schon häufiger gelesen und auch über die NS-Zeit wurde schon viel berichtet. Aber trotzdem wurde für mich mit diesem Buch etwas geschaffen, was ich so noch nicht gelesen hatte. Der Schreibstil wird seinen Beitrag dazu geleistet haben.

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    D
    doernivor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ein facettenreicher und eindringlicher Roman auf einem hohen sprachlichen Niveau.
    Literarischer und kultureller Hochgenuss

    Das Buch teilt sich in zwei Teile: Erstens, eine Liebesgeschichte zweier intellektueller Frauen aus der 68er-Generation. Zweitens, die originelle Geschichte eines jüdischen Einzelschicksals unter der Naziherrschaft während des zweiten Weltkriegs. Insbesondere der zweite Teil ist ein eindringlicher Appell, die Schrecken dieser Jahre nicht zu vergessen, ohne, und das ist wirklich bemerkenswert, dabei belehrend zu wirken. Die beiden Teile sind durch das Motiv der Vatersuche verknüpft. Sehr spannendes Setting!
    Durch die sprachliche Schönheit hat mich der Roman quasi ab Seite 1 in den Bann gezogen. Für meinen persönlichen Geschmack könnten die Sexszenen etwas kürzer kommen, allerdings muss ich auch zugeben, dass diese Beschreibungen einen wichtigen Teil dazu beitragen, dem Leser das Wesen der handelnden Personen, gerade im ersten Teil, näherzubringen. 
     
    Fazit: Klare Leseempfehlung! Ein Buch auf einem sprachlich hohen Niveau mit einer gut durchdachten Geschichte. Ich möchte auch das andere Buch der Autorin gerne lesen. 

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    H
    HermineLilyPottervor 5 Monaten
    Das Lazarettkind

    Ich hatte mir viel von dem Buch erwartet, wurde aber leider enttäuscht. In diesem Buch kamen sehr viele Sexszenen vor, die meiner Meinung nach nicht wichtig für die Handlung waren. Andere, wichtige Ereignisse kamen mir vergleichsweise zu kurz.Die Charaktere waren mir unsympathisch und ich konnte ihr Verhalten oft nicht nachvollziehen. Vorallem das Verhalten des Vaters hat mich massiv gestört. Der Sprachstil war sehr gut, die Handlung war etwas langatmig.

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    W
    Waschbaerinvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Gertrude und Ruth, zwei ungleiche Frauen verbinden ihre Lebenswege, als dies noch ein Tabu war. Gemeinsam suchen sie Gertrudes Vater.
    Die Künstlerin und die Intellektuelle

    Das Buch "Das Lazarettkind" von Sarah Samuel ist kein alltäglicher Roman. Man merkt schon nach wenigen Seiten an Ausdruck und Sprache, dass die Autorin geübt darin ist, wissenschaftliche Texte zu verfassen.

    Im Grunde ist bereits das Cover ein Vorgeschmack dessen, was den Leser in diesem Buch erwartet. Das Abbild einer Skulptur von zwei sich umarmenden Menschen aus glänzendem Stein wirkt auf den Betrachter genau so distanzierend und unterkühlt, wie das ganze Buch.

    Die beiden Protagonistinnen Gertrude und Ruth könnten unterschiedlicher nicht sein. Und doch - oder vielleicht gerade deshalb werden sie zu einer Zeit ein Paar, als man das Wort "Lesbe" kaum wagte in den Mund zu nehmen. Ruth, die künstlerisch Begabte studiert Musik, während Gertrude, die Intellektuelle in der Literatur beheimatet ist und immer wieder aus den Schriften von J. P. Sartre zitiert. Gertrude, die "Alt 68erin" ist in ihrem Denken noch immer in diesem Zeitgeist verhaftet, was auf mich im weiteren Verlauf des Buches etwas antiquiert wirkt.

    So richtig sympatisch ist mir keine der beiden Frauen, dafür hecken sie mir zu perfide Rachepläne aus. Obwohl es sich dabei nur um Nebenschauplätze der eigentlichen Handlung handelt, gibt dies dem Buch eine gehörige Portion Spannung.

    Ruth kennt ihre jüdische Familie, der man zur Nazizeit alles nahm - sogar das Leben. Wogegen Gertrude zwar bei ihrer Mutter aufwuchs, doch über den Vater nur Nebulöses weiß. Ihre Mutter äußert sich nur vage über diesen Mann, einen französischen Zwangsarbeiter, den sie im Lazarett pflegte und betreute. Lediglich einen Namen und einen Hinweis auf seine Heimatstadt hat sie. Schon früh ist sich Gertrude sicher, etwas muss geschehen sein, dass ihre Mutter so einen Hass auf Männer hat.

    Erst nach dem Tode ihrer Mutter - sie ist nun im Ruhestand - beginnt sie mit der intensiven Suche nach ihrem Vater.

    Dann wecheselt die Erzählweise. Die Zeit wird wieder zurück gedreht. Von nun an lesen wir aus der Sicht des Juden Salomon Meir, der sich seiner Wirkung auf Frauen bewusst ist und dies ausnützend, sich in Louis Meyer verwandelt um den Einmarsch der Nazis in Frankreich zu überleben. Seine Zeit als Zwangsarbeiter verbringt er hauptsächlich in Wien. Die geschilderten Grausamkeiten sind für den Leser kaum erträglich. Aber Menschen taten dies anderen Menschen an.

    Irgendwie benützt in diesem Buch jeder jeden für ganz persönliche Pläne. Es ist ein sehr intellektueller Roman, der seine ganz eigenen Reize hat und nicht auf die breite Masse abzielt.

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    Vampir989s avatar
    Vampir989vor 5 Monaten
    Kurzmeinung: sehr lesenswerter Roman
    Sehr lesenswerter Roman

    Klapptext:


    Die Wiener Intellektuelle Gertrude Hellwig, eine schillernde Figur voller moralischer Ambiguitäten und sexueller Psychosen, gebrandmarkt vom Männerhass ihrer alleinerziehenden Mutter Emilia und von der Vergewaltigung durch ihren Dissertationsbetreuer, begibt sich auf eine beinahe lebenslange Vatersuche. Dabei stößt sie auf die packende Geschichte des französischen Juden Salomon Meir, der mit Geschick den Zweiten Weltkrieg überlebte …

    Ich hatte große Erwartungen an diesen Roman und wurde nicht enttäuscht.
    Die Autorin hat es geschafft mich mit diesem Roman in den Bann zu ziehen.
    Der Schreibstil ist sehr angenehm und ich bin mit dem Lesen sehr gut voran gekommen.Einmal angefangen wollte ich das Buch kaum noch aus den Händen legen.
    Die zwei unterschiedlichen Perspektivansichten in diesem Roman haben mir sehr gut gefallen.
    Die Protogsnisten wurden sehr gut beschrieben und ich konnte sie mir klar und deutlich vorstellen.Besonders Gertrude und Ruth fand ich sympatisch.Aber auch die anderen Charaktere waren interessant.
    Die Autorin befasst sich in diesem Buch auch mit dem  sehr aktuellen und brisanten Thema "Lesbische Liebe".Es ist nicht leicht darüber zu schreiben und ich bewundere sie dafür.
    Viele Szenen wurden sehr detailliert dargestellt.Besonders fasziniert haben mich die lesbischen Szenen,die ich so in noch keinem Buch gelesen habe.Aber auch die anderen Geschehnisse waren sehr spannend und aufregend.Die Suche nach Gertrudes Vater die mich in die Zeit der Nazis entführte war auch sehr aufregend.Der Autorin ist es  hervorragend gelungen zwei unterschiedliche Themen in einem Werk zu vereinen.Durch die sehr fesselnde und beeindruckende Erzählweise wurde ich förmlich in die Geschichte hinein gezogen.So hatte ich das Gefühl alles selbst mit zuerleben.
    Es gab immer wieder unvorhersehbare Wendungen und Ereignisse.Dadurch wurde es nie langweilig.
    Das Cover finde ich auch sehr ansprechend und interessant.Es passt perfekt zu dieser Geschichte,
    Ich hatte viele unterhaltsame und lesenswerte Momente mit diesem Buch.Ich vergebe glatte 5 Sterne.

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    NiniLoveBooksvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr interessanter und anspruchsvoller Inhalt!
    Sehr Interessant

    In "Das Lazarettkind" von Sarah Samuel, geht es um Gertrude, die während der Nachkriegszeit aufwächst und vom Männerhass ihrer Mutter, sowie von einer Vergewaltigung geprägt ist. Sie lernt Ruth kennen, die später ihren Männerhass teilt und beide erfahren, die Leidenschaft der lesbischen Liebe. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, bis sie sich auf di Suche begibt und versucht ihn zu finden.
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    Zu Beginn muss ich sagen, dass dieses Buch nichts für Menschen ist, die nichts mit Homosexualität anfangen können, da die lesbische Liebe, in diesem Buch eine zentrale Rolle spielt. Außerdem ist es von Vorteil, Grundkenntnisse in der französischen Sprache zu besitzen.
    Die Szenen, der lesbischen Liebe, sind gut erzählt und anspruchsvoll.
    Zudem gibt es viele solcher Szenen in diesem Buch, was mich aber nicht gestört hat.
    Im Allgemeinen ist diese Geschichte sehr anspruchsvoll und interessant erzählt. Der Schreibstil ist sehr fortgeschritten, was mich sehr beeindruckt hat. Das Buch ist in verschiedenen Perspektiven und Zeiten geschrieben. Zeitweise hat mir etwas Spannung gefehlt.
    Die Hauptprotagonistinnen: Gertrude und Ruth, waren mir symphatisch, trotzdem gab es auch Szenen, wo ich ihr Verhalten nicht nachvollziehen konnte. Aber von der Sympathie der Protagonisten, hängt dieses Buch ncht ab.

    Zusammenfassen, kann ich das Buch empfehlen und finde es sehr beeindrucken. Vorallem die Geschichte in soeiner Zeit spielen zu lassen, finde ich sehr gut, da vor allem dort die Homophobie stark aufgetreten ist und dieses Buch vielleicht eine ähnliche Geschichte erzählt, die Paar in dieser Zeit erleben mussten.


     

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    Annette126vor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ich finde das Buch sehr spannend und gut, da es von zwei unterschiedlichen Sichtweiten erzählt wird.
    Sehr gut und lesenswert

    Ich gebe für das Buch eine sehr deutliche Lese und Kaufempfehlung, weil es von der ersten bis zur letzten Minute sehr gut und lesenswert ist. Es geht um die junge Gertrude, die auf der langen Suche nach ihrem ursprünglichen Vater ist. Während sie sucht, erlebt sie dabei auch durchaus zwischendurch nicht einfache Zeiten. Doch es gibt auch glückliche mit ihrer weiblichen Liebe zwischendurch. Alle dort vorkommenden Personen sind mir sehr sympathisch und die meisten auch freundlich. Ob sie ihren Vater findet, das muss man selbst nachlesen.... 

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    0_Lavender_0s avatar
    0_Lavender_0vor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Sprachlich qualitativ hochwertig, thematisch teilweise spannend
    Lesbischer Sex und Vatersuche in Frankreich

    „Das Lazarettkind“ – Sarah Samuel


     Zum Cover:

     Es zeigt eine moderne Skulptur (dunkles Holz oder Metall?) von zwei stilisierten Menschen, die einander umschlungen halten. Die Plastik ist auf einem viereckigen weißen Steinsockel positioniert und vom Betrachter aus gut nach rechts ausgeleuchtet. Es vermittelt den Eindruck eines Ausstellungsstückes in einem modernen Museum. Wenn man das Buch gelesen hat, erkennt man, dass das Cover eine Zusammenfassung wesentlicher Inhalte darstellt.

     Zum Inhalt:

     Gertrude ist eine gebildete, frankophile Intellektuelle, die Menschen geschickt benützt, um ihre Ziele zu erreichen, nicht nur im Liebesleben oder aus Rache. Sie kennt ihren Vater nicht und macht sich mehr oder weniger intensiv auf die Suche nach ihm, doch das ist nicht der wesentliche Teil des Buches, vielmehr wird die Vorliebe der Protagonistin für Frauen etwas zu stark strapaziert und seitenfüllend dargelegt, sodass der weitaus spannendere Teil der Vatersuche im Umfeld der NS-Zeit zu kurz kommt. Die Beziehung von Gertrudes Mutter zu ihrem französischen Geliebten, den sie im Lazarett kennenlernt und pflegt tritt auf Kosten der Schilderung diverser Sexszenen in den Hintergrund, das ist schade.

    Gut verpackt geschieht in dieser Erzählung auch eine Auseinandersetzung mit bedeutenden Werken der Literatur, u.a. Sartres und auch kritische Anmerkungen zur österreichischen Kulturszene sind zu finden.

    Der letzte Teil des Buches ist aus der Sicht von Gertrudes Vater geschrieben, hierin werden auch die bedrückenden Zustände im Barackenlager geschildert.

    Sprachlich hochklassig schafft es die Autorin Authentizität zu vermitteln, die Vorkommnisse wirken erschreckend real.

    Der Schluss, wieder aus Gertrudes Sicht, versucht mühsam eine Erklärung für die Sex-Seiten des Buches zu finden, das tut dem Gesamtwerk nicht unbedingt gut, sondern lässt den Verdacht aufkommen, dass diese Seiten deswegen eingebaut wurden, um weniger intellektuelle Leser nicht sofort abzuschrecken.

     Fazit:

     Das Buch zeichnet sich durch seine Vielfalt aus. Wer Interesse an gehobener Literatur findet, dem ist dieses Buch zu empfehlen, vorausgesetzt, dass er auch Interesse an der Schilderung diverser Sexpraktiken findet.

     

    Leider bin ich mit anderen Erwartungshaltungen an das Buch herangegangen, die sich nur teilweise erfüllt haben.

    Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Sarah_Samuels avatar
    Liebe Lovelybooks Community,

    Wir möchten hiermit eine Einladung zur Leserunde unseres Romans "Das Lazarettkind" aussprechen. Wir verlosen insgesamt 15 Bücher.

    Wer sind wir!?

    Hinter dem Synonym Sarah Samuel stehen Gerlinde  und Harald Niederreiter, wir sind ein Autorenpaar aus dem schönen Salzburg und haben bereits zwei Romane herausgebracht, am dritten wird gerade fleissig gearbeitet. Harald ist Mathematik Wissenschaftler, Gerlinde Mitarbeiterin der UNO. 


    Um was geht es in Das Lazarettkind?

    Eine Wiener Intellektuelle begibt sich auf eine fast lebenslange Vatersuche. Dabei stößt sie auf die Geschichte des Juden Salomon Meir, der unter skurrilen Umständen in einem Lazarett mit der Krankenschwester Emilia ein Kind zeugte - das Lazarettkind Gertrude.

    Leseprobe/Kapitel 1

    Kapitel 1
    Wie schön es wäre, mein geliebtes Paris einfach nur als Besucherin zu genießen, wenn nicht das Grab am Ende des Weges wartete!
    Paris, die Stadt der Leichtigkeit, die Stadt voller Träume. Anfang März und die Forsythien prangen bereits mit gleißendem Gold in den Gärten und Parkanlagen. Nur das schüchterne Azur des Himmels lässt ahnen, dass diese Blüten lediglich Vorboten sind, die einem farbentrunkenen Lenz freudig voraneilen. Eine tüchtige Brise treibt milde, herbsüße Luft aus den Fluren der Normandie mit sich her. Die Gesichter der Menschen beginnen, die grämliche Trübseligkeit des Winters wie zu lange getragene Trauerkleidung abzulegen. Junge Paare nehmen die neue Saison der Flirts und Liebschaften beflügelt in Besitz, Hand in Hand, flüchtige Küsse austauschend, die unfertig im Wind flattern.
    Vor Kurzem noch Wien. Ein tristes, harsches, winterliches Wien. Schmutzige Schneereste befleckten die Gehsteige wie Wundmale. Dürres Geäst im Milchschaum des Nebels. Dumpfe, morose, eingefrorene Mienen. Über den Wolkenbauschen auf Schwingen dann, metallisch und glatt. Starr im eisblauen Himmel schweben und doch schwerelos im Äther vorwärts gleiten. Nach wenigen Stunden ein beseligter Wechsel der Jahreszeiten. Der Duft des aufkeimenden Frühlings im Jardin du Luxembourg. Sonnenstrahlen tanzen ausgelassen auf den Straßen. Scharen munterer Gäste auf den endlich, nach den Monaten der beharrlichen Kälte, der triefenden Nässe, der schwermütigen Düsternis, in fröhlichem Glanze wiedereröffneten Caféterrassen im Quartier Latin und auf der Ile de la Cité.
    Welch einen heiteren Empfang hat Paris für meine Mission des Gedenkens vorbereitet! Eine Mission, die eher zu einem Allerseelentag passt als in eine Zeit der zu erneutem Wirken und Gestalten strebenden Natur. Eine Mission überdies, die mein Innerstes bewegen und aufwühlen wird wie keine andere meiner Unternehmungen zuvor.
    Unser erster Rundgang nach der Ankunft führt unverzichtbar auch auf den Boul´ Mich´, meinen mythischen Ort, den Boulevard der Rebellion, wo noch immer die Aschenglut meiner verlorenen Ideologien glost. Die erregenden Tage der Mairevolution 1968. Und ich als Studentin in Wien, die mit brennendem Sinn den Aufruhr aus der Ferne verfolgte. Ich bewunderte die Pariser Studenten, die ihren Marx, Bakunin, Kropotkin, Trotzki und Marcuse gelesen hatten und sich auf diese Propheten beriefen, um endlich den faschistischen und autoritären Stumpfsinn der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hinwegzufegen. Sie trachteten, voller Beherztheit und voller Ideale, den Geist der Aufklärung, den Geist des klaren Lichtes, nach einer langen Epoche der Unterdrückung unter den neuen Flaggen des humanistischen Existentialismus und des solidarischen Trotzkismus in Europa wiederzuerwecken. Der Hauch der Freiheit wehte durch die Welt. So wie die Rebellen erschauderte ich in ohnmächtigem Zorn vor der gewalttätigen Reaktion der Reaktionäre, mit ihren geballten paramilitärischen Sondertruppen der Polizei und ihren bezahlten Schlägerbanden auf dem Boulevard Saint-Michel, dem Hitzepol des Aufstandes.
    Wie so oft übernachten wir in einem jener anheimelnden, im klassizistischen Stil erbauten Hotels im fünften Arrondissement, die meist von Vietnamesen geführt werden und den Charme einer Pariser Herberge des 19. Jahrhunderts wie ein Kleinod behütet haben. Vielleicht sind schon Figuren aus Romanen Balzacs oder Erzählungen Maupassants in solchen Etablissements abgestiegen, als sie in die Hauptstadt kamen, um Erbschaftsangelegenheiten zu regeln oder la vie parisienne kennenzulernen.
    Das Viertel um das Hotel besitzt Flair und Atmosphäre. Altmodische Buchläden, Antiquariate und Kunstgalerien. Coole Jazzlokale. Traditionsreiche Bäckereien und Kaffeehäuser. Chinesische, vietnamesische, indische und italienische Restaurants. Studentenvolk der nahen Universitäten belebt die schmalen Gassen. Es revitalisiert das historische quartier immer wieder aufs Neue mit jugendlichem Geist. Ruth und mich erfüllt es mit Erstaunen, wie das Viertel vergangene Zeitalter absorbiert und bewahrt hat und das Beste davon, mit Raffinesse und Geschmack ausgewählt, in die Zukunft projiziert.
    Wir wohnen in der Mansardenetage des Hotels. Das stellt sich zwar als etwas beschwerlich heraus, aber von dort aus kann man gewissermaßen als Entschädigung zumindest die obersten Abschnitte der Türme von Notre Dame erblicken, die wie zwei immerwährende Eckpfeiler des Christentums in den blassblauen Himmel ragen. Beschwerlich deswegen, weil der Aufzug seltsamerweise nur bis zur vierten Etage fährt und dieser Umstand die unangenehme Konsequenz hat, dass die Koffer über die letzte Wendeltreppe zwischen den hohen Stockwerken mit der Kraft der Arme hinaufzuschleppen sind. Und die Gäste müssen es mit ihren eigenen Armen tun, denn hilfreiche Pagen hat diese Preisklasse von Hotels schon seit Jahren nicht mehr zu bieten.
    Die Einrichtung des Zimmers kommt etwas zu sehr dem Geschmack der Touristen – oder was der Besitzer dafür hält – entgegen. Prunkstück ist das große, in hygienisch sauberem Weiß erstrahlende Badezimmer, das selbst den höchsten Ansprüchen gerecht wird. Die Ästhetik des Äußeren gilt eben in Frankreich immer noch als eine bestimmende Kategorie. Willkommen ist uns auch der kleine Tisch, Pseudo-Empire oder Pseudo-Louis-Seize, wer kann das schon wissen, den wir unter ein Dachfenster schieben, um von der durch die Frühlingssonne gespendeten Helligkeit zu profitieren. Wir haben immer etwas abzufassen, eilig hinzuwerfen oder schriftlich aufzuzeichnen und festzuhalten – Ansichtskarten, Briefe, Notizen, Gedankensplitter und Reisetagebücher. Il faut écrire comme tout le monde, so wie alle Welt muss man schreiben, wie es bei Voltaire heißt.
    Das breite, Wohlgefühl ausstrahlende Doppelbett gewährt uns, nach den Mühen der Reise, eine erholsame Nestgeborgenheit in der ersten Nacht in Paris. Am nächsten Morgen gehen wir durch unsere übliche Routine, mit einem zärtlichen Kuss nach dem Aufstehen und der gemeinsamen Toilette im Badezimmer. Ruth pflegt sich gerne nackt und genießt meine Blicke auf den Perlenschmelz ihres Körpers. Jede Pore ihrer Haut, jede Faser und jede Ader ihres Leibes sind mir wohlvertraut und doch auch etwas Fremdem zugehörig, bei mir beheimatet und entrückt zugleich. Ruth ist ein Teil von mir und dennoch die unergründliche Andere. Die anderen müssen nicht immer die Hölle sein, aber unfassbar und ferne bleiben sie allemal. Gut möglich, dass Sartre seinen Aphorismus gleichfalls so meinte.
    Auch die sinnende Philosophin des Seins mit ihren ontologischen Betrachtungen zum Tagesanbruch braucht Nahrung. 


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