Sarah Spiekermann

 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Digitale Ethik.

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Cover des Buches Digitale Ethik (ISBN:9783426277362)

Digitale Ethik

 (2)
Erschienen am 01.04.2019

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Rezension zu "Digitale Ethik" von Sarah Spiekermann

Für eine aktive Gestaltung der „Macht“ in der digitalen Welt
michael_lehmann-papevor 3 Monaten

Für eine aktive Gestaltung der „Macht“ in der digitalen Welt

Die entscheidende Frage, nicht nur für Sarah Spiekermann, sondern was das Thema der Digitalisierung an sich angeht, ist am Ende jene, die Spiekermann treffend formuliert:

Eine Vision davon zu erhalten, „wie wir die Kräfte der Digitalisierung nutzen können, um uns zu stärken, statt zu schwächen“.

Denn unbestritten ist ja die Gefahr einer umfassenden Digitalisierung unter immer stärker sich entfaltender KI, die „Macht über Entscheidungen“ mehr und mehr Algorithmen anzuvertrauen, mit der dazu gehörenden Gefahr, dies gar in weiten Teilen unkontrolliert geschehen zu lassen. Mit dem ebenso klar formulierten Ziel der Autorin, keine „ethischen Feigenblätter“ pro forma zu diskutieren, sondern eindeutig und faktisch in Richtung einer „Eudamonias“, eines guten und „wertvolleren“ Lebens als aktuell absehbar entgegen zu gehen.

Wofür sich, in den Augen Spiekermanns, nicht nur wünschenswerter-, sondern notwendigerweise alle kulturellen, politischen, wirtschaftlichen und technischen Kräfte der Gesellschaften verbinden sollten. Denn noch wäre Zeit, all dies vorzudenken und damit vorzubereiten.

Anhand klarer und eingängiger praktischer Beispiele (z.B. eines Lieferdienstes oder auch der „Datenkraken“, die umfassend Daten erheben und sammeln, um Menschen (aktuell schon nicht nur im Marketing, sondern auch im Wahlverhalten und anderen wichtigen Momenten des Lebens zu lenken) dekliniert Spiekermann im Anschluss im Buch die zentralen Fragestellungen und Bedingungen durch, die Digitalisierung (nicht nur, was die Lieferung von Essen angeht natürlich), „im Griff“ zu halten.

Dass dazu als Ziel und Voraussetzung zugleich zentral eine „Wertebewusstsein“ vorhanden sein muss, dass auf möglichst breite Zustimmung stößt, dass klare Werte-Ziele definiert sein sollten und das hier vor allem und nicht zuletzt auch der Bereich der „privaten Gewohnheiten“ intensiv reflektiert und verändert werden müssen, das erschließt sich fundiert und überzeugend durchweg aus der Lektüre der einzelnen Schritte im Buch.

Was im Gesamten dann, im Buch selbst gar nicht als letztes genannt und doch das eigentliche Ziel sicherlich, in den Dienst einer „positiven Freiheit im digitalen Zeitalter“ tritt. Denn, und das ist wichtig bei der Lektüre, Spiekermann nimmt nicht allein die Rolle eines advocatus diaboli ein, sondern hat durchaus in positiver und konstruktiver Weise die immensen Möglichkeiten zur „Verbesserung des Lebens“ jederzeit im Blick, die sie im besten Sinne allerdings scharf abgrenzt von rein pekuniären Interessen weniger „Global Player“ und der Bequemlichkeit des „normalen Menschen“, sich eher weniger mit den Wogen zu beschäftigen, die digital auf die Gesellschaften zurollen.

Zu „sehen was ist“ im eigenen und im allgemeinen Leben ist dabei der analytische Schritt, den Spiekermann vorschlägt, anleitet und vor Augen führt, um dann in einem zweiten Schritt wichtige Werte zu klären und zu schärfen und das eigene, aber auch das gesellschaftliche Verhalten, in Richtung dieser Werte konsequent auszurichten.

So das am Ende das „menschliche bewahrt wird“ und die Technik „Diener des Menschen“ bleibt, statt sich in „transhumanen“ Gedankenspielen nicht nur einer Technik, sondern auch eines „Menschen 4.0“ voran zu bewegen.

Eine wichtige Lektüre für das eigene Denken, für eine reflektierte Prüfung dessen was man „meint zu wissen“ und eine konzentrierte Begegnung der vielfachen und sich rasant steigernden technischen Möglichkeiten der Gegenwart und der nahen Zukunft.

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Rezension zu "Digitale Ethik" von Sarah Spiekermann

Ein sehr lesenswertes Buch zu einem aktuellen Thema.
Wedmavor 4 Monaten

Ein ganz gutes Buch zum heute so wichtigen Thema, insb. für Einsteiger gut geeignet. Es ließ sich angenehm lesen. Aufschlussreiche Inhalte wurden anschaulich und verständlich präsentiert.

Zugegeben, am Anfang musste ich mich durchkämpfen. Aber spätestens ab 3. Kapitel machte es einen Klick und ich konnte gespannt wie vergnügt das Buch zu Ende lesen, der Autorin in weiten Strecken zustimmen, dankbar für die Punkte nicken, die man gewohnt ist, als Gegebenheit zu nehmen, die sie aber aufgezeigt und entspr. kritisiert hat. Es gibt auch viele gute Ideen, Einsichten wertvolle Denkanstöße, sehr gute Fragen etc.

Klappentext beschreibt den Inhalt sehr gut. Die Kritik an den gegenwärtig herrschenden Zuständen, bei denen die Menschen ausgenutzt und zu passiven Bedienern oder auch Marionetten der Technik herangezogen werden, las sich deutlich heraus.

Jedes Kapitel führt sein eigenes Highlight, z. B.:

Im Kap. 3 findet man u.a. Kritik an sog. Dataisten, s. z.B. „Homo Deus“ von J.N. Harari, die der Meinung sind, dass sie über die Big-Data-Vermessungsmodelle die Welt erfassen, erklären und noch was damit machen könnten. Prof. Spiekermann schreibt, dass es ein ziemlicher Unsinn ist, da das wirklich Wichtige im Leben sich kaum digital erfassen lässt. Bei Dataisten erhält man das verzerrte Abbild der Realität, in welches dann die arglosen Konsumenten in voller Inbrunst der Überzeugung gepresst werden. Sie schreibt auch, dass Menschen, die stets online sind, die Gefahr laufen, die Fähigkeit verlieren, sich auf ihre natürliche Umgebung einzulassen und den realen Dingen Bedeutung beizumessen. Dazu schwindet auch das Gedächtnis. So wird das Leben bedeutungslos, was sich auch auf die Persönlichkeit auswirkt.

Im Kap. 4 räumt sie u.a. mit dem gewohnten Denkmuster „neu ist gut, alt ist schlecht“ auf. Sie erklärt auch, warum sie meint, dass das Modelldenken, das man seit dem 15 Jh. praktiziert, heute eher schädlich als nützlich ist. Sie schreibt kritisch auch über den Transhumanismus, dem das negative Menschenbild zugrunde liegt, als „… Ideologie der Lieblosigkeit, in der der Mensch schlichtweg als suboptimales Auslaufmodell angesehen wird.“ S. 166.

Nach der Kritik kommen die konstruktiven Vorschläge. Die Autorin plädiert für ein menschenfreundlicheres Wertesystem, das der neuen Technik zugrunde gelegt werden sollte. Im Kap. 5 nennt sie u.a. die Voraussetzungen für Gesundung im digitalen Sinn, darunter das Weglassen der heute als Selbstverständlichkeit empfundenen Überbewertung des finanziellen Gewinns, das Weglassen von Halbwahrheiten, Unausgereiftem uvm.

Zutreffend schreibt sie im Kap. 6 über das Wissen und seine Rolle im digitalen Zeitalter. „Wer aber nicht zu Ende liest und über das Gelesene nachdenkt, der stellt auch keine guten Fragen … Wenn wir keine Kultur der Aufmerksamkeit um unser Wissen herum neu aufbauen und bewahren, dann schwimmen wir irgendwann wie orientierungslose Fische in einem Meer von Informationen, deren Güte wir nicht mehr beurteilen können. Unsere Persönlichkeiten werden zu flach sein, um noch gute Fragen zu stellen, weil wir uns nicht die Zeit genommen haben, den dazu nötigen Gedächtnisapparat aufzubauen.“ S. 205. „In einer solchen Zukunft werden uns Künstliche Intelligenzen überholen, nicht weil sie intelligenter sind als wir Menschen, sondern weil wir Menschen verdummen und unsere Fähigkeit zum eigenständigen Denken und Entscheiden verlieren.“ S. 235.

Das Kap. 7 über die Freiheit ist auch sehr gut. Die Definition von Freiheit mit dem anschließenden Wie sie im digitalen Zeitalter beeinflusst wird, erwies sich als ein guter Lesestoff mit vielen tollen Denkanstößen. Es wurde u.a. von einer Gesellschaft gewarnt, die Freiheit für Geld tauscht, in der nur die Reichen frei sind, da sie genug Geld haben.

Im 8. Kapitel findet man Vorschläge zu „Wie schreite ich persönlich fort und trage so zum Fortschritt einer digital durchdrungenen Gesellschaft bei?“ S. 259. Es gibt drei Schritte, die im Verlauf des Kapitels ausführlich beschrieben werden. Diese liefern guten Stoff zum Nachdenken und noch besser, mit Freunden, Kollegen, Familie auszudiskutieren. Es wird z.B. im ersten Schritt u.a. geraten, die eigenen Werte in die Gemeinschaft einzubringen, die richtigen Vorbilder zu haben, sich selbst zu erkennen und Teleologie anzuwenden uvm.

Zum Schluss sagt Prof. Spiekermann: „Wichtig ist, dass unsere politischen Kräfte diese Notwendigkeit von ‚Ethics by Design‘ schnell erkennen und dass sie lernen zu verstehen, wie die Natur des Digitalen wirklich geartet ist und auf die Gesellschaft auswirkt.“ S. 277 mit anschließenden treffenden Sätzen zu der heutigen Situation, die das Wirken der Politiker, mangels besseren Wissens, von Einflüsterungen der Lobbyisten bestimmt ist.

Am Ende erklingt der Aufruf zur Umorientierung des Handelns in die ethischere Richtung.

Einiges hätte in diesem Werk besser sein können. Product placement hätte nicht sein müssen. Auch der eigene Werdegang in ersteren Kapiteln hätte gern kürzer ausfallen können.

Aber alles in allem ist es ein sehr lesenswertes Buch zu einem aktuellen Thema geworden. Ich vergebe gern vier Sterne und eine Leseempfehlung.

Das Buch ist hochwertig gemacht, eignet sich prima als Geschenk: Festeinband in Grün, passend zu den Buchstaben des Titels und dem Klappentext hinten, das Ganze macht einen harmonischen Eindruck. Der Zweig auf dem weißen Umschlag ist optisch hervorgehoben: Es leuchtet, wenn man das Buch gegen das Licht hält. Die Schrift hat angenehme Größe. Das Buch liegt gut in der Hand.


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