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Lizzy_Curse

vor 3 Jahren

(8)

Dunkle Geheimnisse und strenge Regeln herrschen auf dem alten Landsitz der Familie Goodall. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrscht der Adel. Der Alltag wird von strenger Sitte, Festen und Jagden bestimmt. Für die Dienerschaft gilt ein unbeugsames Protokoll. Dahinein stolpert ein ägyptisches Mädchen, Jane Swain, welches unter mysteriösen Umständen zu den Goodalls geschickt wurde. Sie wird als Hausmädchen eingestellt, doch bald schon geschehen auf Wainwood House seltsame Dinge. Penelope, die Tochter der Goodalls versucht zusammen mit Julian, dem Ziehsohn des Hauses, Licht ins Dunkel zu bringen. 

Das frühe 20. Jahrhundert kannte ich, bis zur Lektüre dieses Romanes, allerhöchstens aus Filmen oder aber dem höchst staubigen Geschichtsunterricht, der nun auch schon wieder einige Jahre zurück liegt. Ich lese gerne historische Romane, doch meist solche, die im Mittelalter, höchstens in der Renaissance angesiedelt sind. Umso mehr interessierte ich mich für das Leben der Zeit um die Jahrhundertwende, und wie es in Romanen geschildert und umgesetzt wird. 

Das Geschehen rund um Wainwood House wird von zwei unterschiedlichen Seiten beleuchtet: Einmal spielt die Dienerschaft eine große Rolle, dann wiederum die Familie Goodall. Das Wechselspiel zwischen beiden Ansichten hat mir sehr gut gefallen. Sarah Stoffers gelingt es mit einer intensiven Art zu schreiben die Bilder des alten Landsitzes, ebenso wie von London in der Ballsaison vor den Augen der Leser zum Leben zum Leben zu erwecken. Besonders eindrucksvoll empfand ich eine Szene am Anfang, als beschrieben wurde, wie das Haus langsam erwacht und der Butler durch die Räume schreitet und mit einer vornehmen, stillen Würde sein Tagwerk verrichtet. Diese intensiven Szenen ziehen sich durch den ganzen Roman, was mich persönlich mitzureissen vermochte. 

Dieser Schreibstil bedingte auch meine Sympathie zu den Protagonisten und Nebencharakteren gleichermaßen. Sei es nun Jane Swain, die sich mühsam versucht anzupassen, oder zu Penny oder Julian oder zum Hausdiener Samuel. Ich verspürte zwischenzeitlich sogar einmal den Wunsch, den fetten Hauskater zu streicheln. Die Autorin gab den Figuren Raum sich zu entfalten, was zum großen Teil den Charme ausgemacht hat, den das Buch auf mich ausübte. Die Atmosphäre der Geschichte hatte stets etwas geheimnisvolles an sich, immer wieder durchbrochen von Julians Witz oder den heimlichen konspirativen Treffen um Mitternacht. 

Die Autorin lässt jedoch die Spannung ebenfalls nicht zu kurz kommen. Der rote Handlungsfaden spinnt sich ganz subtil und allmählich, doch gleichzeitig ist er immer vorhanden. Nur hin und wieder verliert er sich ein wenig Zugunsten der Beschreibung des Lebens auf Wainwood. Erst zum Ende hin verflechten sich die Fäden zu einem festen Strang aus Politik, Wirtschaft und ägyptischen Legenden, was ich gut gelöst fand. 

„Wainwood House“ hat mich wirklich begeistert. Gerne bin ich den Schritten von Jane, Penny, Julian und Sam gefolgt und habe mit ihnen gelitten und gelacht. Dieses Buch erweckte in mir das Bedürfnis, mehr über die Zeit und das Leben Anfang des 20. Jahrhunderts zu Erfahren. Aus diesem Grund  vergebe ich für diesen Roman fünf Sterne. 

Autor: Sarah Stoffers
Buch: Wainwood House - Rachels Geheimnis
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