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vor 2 Wochen

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Ich bin sicherlich nicht der einzige Downton Abbey-Fan, der sich von Wainwood House aufgrund des Titels sowie des Covers angesprochen gefühlt hat. Und ich wurde nicht enttäuscht! Downton-Fans sowie geschichtlich interessierte Krimifreunde werden an diesem Buch sicher ihre Freude haben.
England im Jahre 1907. Jane, ein Waisenmädchen aus Ägypten, deren Eltern unter mysteriösen Umständen gestorben sind und das einiges hinter sich hat, kommt in Wainwood House an – und wird, dank einer indirekten Verknüpfung zum Earl of Derrington, dem männlichen Oberhaupt der dort lebenden und sehr wohlhabenden Familie Goodall, als Küchenhilfe angestellt. Während Jane mit ihrer Vergangenheit sowie ihrem neuen Leben hadert, haben die beiden Goodall-Töchter Claire und Penelope ganz andere Dinge im Kopf: nämlich ihre gesellschaftlichen Pflichten zu erfüllen und im besten Falle zu heiraten.
Schon die Aufmachung von Wainwood House ist ein einziger Mädchentraum. Das schöne Cover und die hübschen Details auf den Innenseiten steigern den Spaß am Lesen nur noch. Vorne im Buch ist ein Personenverzeichnis, das mir beim ersten Lesen erschreckend lang vorkam – allerdings sind viele der dort aufgezählten Charaktere kaum mehr als zwei Seiten lang wichtig. Im Endeffekt hat es sich als sehr nützlich herausgestellt, da ich im Laufe des Buches doch einige Personen nochmal nachschlagen musste. (Übrigens: Rachel, die sich wie ein geheimnisvoller, roter Faden durch das gesamte Buch zieht, ist dort natürlich nicht enthalten.)
Die schon erwähnten jungen Frauen Jane und Penelope, auch Penny genannt, werden recht schnell Verbündete, wenn nicht sogar Freundinnen, wenn es daran geht, das Rätsel um Rachel, von der man nur weiß, dass sie sowohl mit Jane als auch der Vergangenheit des Earls zu tun hat, zu lüften. Das plötzliche Interesse Pennys an Rachel, Ägypten und Jane war für mich nicht nachvollziehbar und ist es auch heute nicht, allerdings habe ich diese Tatsache beim Lesen erfolgreich ausgeblendet. Genauso unklar und etwas weit hergeholt ist, dass sie wie ein kleines Kind ständig irgendwo lauscht. Ganz klischeehaft ist ihre Schwester Claire, die mit Erinnerung an Lady Mary Crawley in meinem Kopf nicht blond, sondern dunkelhaarig und leichenblass war, im Gegensatz zu Penny kein Wildfang, sondern arrogant und sehr gewillt, einen reichen Mann zu heiraten. Penny hat also die Rolle des "Aschenputtels" inne. Nicht sonderlich einfallsreich, aber dennoch unterhaltsam zu lesen. Da ich selbst eine Schwester habe, kamen mir die Konkurrenz und der ständige Streit zwischen den beiden herrlich vertraut vor (und auch hier klingeln wieder die Downton Abbey-Glocken...). Lord und Lady Derrington wurden leider nur sehr oberflächlich beschrieben, was vor allem beim Earl schade war, denn er spielt eine nicht zu kleine Rolle, wenn es um Rachels Geheimnis geht. Zugegebenermaßen lässt die Spannung zu Beginn des Buches etwas zu wünschen übrig, aber der Spaß am Lesen hat es mich dennoch nur widerwillig aus der Hand legen lassen. Gegen Ende wird es aber immer spannender und ich habe die zweite Hälfte an einem Tag verschlungen.Teilweise hat die Autorin aber auch etwas dick aufgetragen – z. B. bei den Namen der Kapitel. Götterdämmerung? Bin ich nun in einem Fantasyroman? Nein, Penny treibt sich nur zu unschicklicher Uhrzeit herum. Achso, alles okay. Dennoch: Es hat wirklich unheimlich viel Spaß gemacht, Wainwood House zu lesen. Vielleicht liegt das unter anderem daran, dass ich mich allgemein sehr für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts interessiere, aber es hat für wenige Tage die durch das Ende von Downton Abbey entstandene Lücke in meinem Herzen gefüllt, mich endlich wieder ins alte England, auf einen adligen Familienlandsitz geführt. Obwohl mein Interesse an Ägypten sich in Grenzen hält, war die Mischung aus britischem Adel und gruseligen Grabkammern wirklich gelungen. Auch die Sichtweisen der verschiedenen Charaktere, aus denen das Buch geschrieben ist, haben mir alle gut gefallen – auch, wenn Penny zu meinem absoluten Lieblings geworden ist. Sie ist mir wirklich ans Herz gewachsen und ich finde es noch immer schade, dass das Buch so abrupt geendet und der Leser nicht mehr über ihr Schicksal erfahren hat.
In diesem Sinne: Eine ganz große Leseempfehlung von mir. Ich brauche eine Fortsetzung! Oder am liebsten gleich eine endlose Buchreihe über Wainwood House.

Autor: Sarah Stoffers
Buch: Wainwood House - Rachels Geheimnis
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