"Fenster zur Welt" von Sarah Winman erzählt die Geschichte von Ulysses, einem britischen Soldaten, der während des Zweiten Weltkriegs in Italien auf die ältere Kunsthistorikerin Evelyn trifft. Diese zufällige Begegnung prägt sein weiteres Leben. Jahre später kehrt er nach Florenz zurück und eröffnet eine Pension; so baut er sich mit seiner Stieftochter und seinen Freunden ein neues Leben auf.
Am Anfang war ich noch Feuer und Flamme: Historisches Setting, Italien (Sehnsuchtsort) und die Bezüge zur Kunstgeschichte (eines meiner Faible) haben bei mir große Hoffnungen geweckt. Allerdings wurden diese schon bereits ab dem ersten Drittel des Buches enttäuscht. Die Geschichte blieb trotz mehrfacher Zeit- und Location-Sprünge sehr flach. Die Handlung plätscherte so dahin, viele Ereignisse ergeben sich durch pure Zufälle und wirken unrealistisch und an den Haaren herbei gezogen. Die Figuren sind zwar nicht ohne Schwächen, haben aber nur wenig Charaktertiefe und wirken deshalb völlig stilisiert. Zu keiner von ihnen konnte ich deshalb einen richtigen Bezug aufbauen. Und auch Italien als Schauplatz wirkt wie ein Klischee aus der Werbung für Tiefkühlpizza. Was mich aber am meisten störte, waren die "phantastischen" Elemente im Buch, allem voran Claude, der sprechende Papagei, der in übernatürlicher Weise auf das Geschehen im Buch reagiert.
Der Roman verbindet Themen wie Freundschaft, Liebe, Kunst und Hoffnung. Zweifellos ist es eine warmherzige und liebevoll erzählte Geschichte, doch für mich war genau das das Problem: Sie war mit einfach zu glatt, zu penetrant positiv, zu sehr "Feel-Good". Die ernsthaften Konflikte, die im Buch angerissen werden, haben kaum Einfluss auf die Charaktere, alles wird ins Gute gekehrt und fügt sich, wie von selbst, zum Besseren.
FAZIT: Obwohl mir der Einstieg und die Prämisse des Buches durchaus gefallen haben, konnte mich die Geschichte überhaupt nicht überzeugen. Der Leitgedanke des Buches, dass Freundschaft, die Liebe zur Kunst und zu Italien jedwedes psychische und seelische Leid heilen können, war mir einfach zu gewollt positivistisch. Ich hätte mir hier weniger rosarote Zuckerwatte und mehr Tiefgang gewünscht.





















