Sasa Stanisic Fallensteller

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Inhaltsangabe zu „Fallensteller“ von Sasa Stanisic

Der neue Spiegel-Bestseller von Saša Stanišić: Acht Erzählungen, reich an „verspielter Komik, Traurigkeit und brillanten Sätzen“ (Zeit Online).
Ein vom Leben nicht sehr verwöhnter alter Mann hat eine Leidenschaft für die Magie. Er bittet um Ruhe für die Große Illusion. Aber die Gemeinde trinkt Kaffee und hält nicht still.
Ein geheimnisvoller schwarzgekleideter Mann taucht in unserem Dorf auf, er behauptet, Fallen herstellen zu können für jeden Zweck, nicht nur für das Tier. Mit dem Fallensteller kehrt Stanišić nach Fürstenfelde zurück, jenes uckermärkische Dorf, das den Lesern aus „Vor dem Fest“ bekannt ist, und in dem alles immer möglich ist, auch Magie.
„Ich finde Bäume nur als Schrank super“, ruft der naturabgeneigte Erzähler der Geschichte „Im Ferienlager im Wald“. Immerhin freundet er sich mit Hirschen an und spielt eine Runde Fifa auf der X-Box mit ihnen.
Ständig auf der Reise sind "der unterhaltsame Gesetzesbrechers Mo und seine wohlstandstrübsinnige Begleiterin“ (Hamburger Abendblatt). Zwei Freunde, die mit Karacho und Geschick ihren Sehnsüchten hinterher jagen, quer durch Europa: einer christlichen Menschenrechtsaktivistin, einer syrischen Surrealistin, einem bedrohten Vogel. Um nur ein paar zu nennen.
Dies sind Geschichten über Menschen, die Fallen stellen, Menschen, die sich locken lassen, Menschen die sich befreien - im Krieg und im Spiel, mit Trug und Tricks und Mut und Witz.

Auch wenn mich inhaltlich nicht jede der Erzählungen anspricht: Stanisic ist ein Sprachvirtuose, ein Magier des Wortes.

— Gulan

Großartig. Wie Stanisic schreibt, wie er erzählt, das ist die Magie. Er zerlegt die Sprache, er seziert die Gesellschaft ganz eigensinnig.

— franzzi

Sprachlich außergewöhnlich und lesenswert, inhaltlich mit Schwächen.

— shadow_dragon81

Skurril, surreal und manchmal sehr verwirrend. Der Schreibstil des Autors ist fantastisch.

— Noelli

Witzige Einzelgeschichten, großartige Sprachspiele, Gesamtkomposition aber leider nicht erkennbar.

— Julino

Stanišić ist ein großer Meister der Erzählkunst, wenn nicht einer der größten in der deutschsprachigen Literatur. Wieder sehr lesenswert.

— hannipalanni

Stanisic ist ein Fallensteller, der uns gerade noch gefehlt hat - ein Sprachzauberer mit messerscharfem Blick für Wortschätze!

— DieBuchkolumnistin

Dieser Autor hat definitiv eine ganz eigene Stimme! Sehr verspielt, mal lustig, mal tragisch. Große Erzählkunst!

— LaLeser

Großartige Erzählungen in fantastischen formalen und sprachlichen Stil.

— Maldoror

Geschichten vom Fremdsein, humorvoll, poetisch, sprachlich brillant!

— TinaLiest

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    Fallensteller

    franzzi

    26. February 2017 um 14:00

    Was lässt sich groß sagen über dieses Buch außer: großartig?!  Wenig. Denn das trifft es. Sasa Stanisic, seines Zeichen völlig zurecht Preisträger des Preises der Leipziger Buchmesse für seinen Roman "Vor dem Fest", schreibt von Kleinigkeiten, Nichtigkeiten, Unerhörtheiten, vom Reisen, vom Suchen und vom Beisammensein. "Fallensteller" heißt die Sammlung aus Kurzgeschichten und Erzählungen, in denen Figuren und Erzählstränge wiederkehren - und die sogar im Ganzen irgendwie ein Bild ergeben, obwohl sie so unterschiedlich sind. Damit schafft Stanisic es, den Leser am Buch zu halten, als wäre es ein Page-Turner-Roman. Zu sehr will man wissen, welche Spielerei ihm als nächstes einfällt. Beim Lesen wandelt man zwischen Staunen (das einem so etwas einfallen und man es dann auch noch so ausdrücken kann) und Kichern (über die Komischkeit der Anekdoten). Vielmehr lässt sich nicht sagen. Man muss es selbst lesen, sich selbst mitnehmen lassen, entführen nach Brasilien, Stockholm und in die Brandenburger Provinz. Ich kann nicht einmal sagen, welche Geschichte ich am liebsten mochte. Sie sind alle großartig. Geschichten zum Lesen und Immerwiederlesen, zum Sichselbstertapptfühlen und zum Spracheanstaunen. Wunderbar. So klingt es zum Beispiel: "Schreiber, dröhnt der Russe auf mich nieder, dass ich zucke und nach vorn kippe, dem großen Mann in die Umarmung, mein Kinn an seiner Brusttasche, in der etwas Scharfes steckt: sein Herz." Oder: "Wir wollen den Steg nicht nehmen, weil uns Stege daran erinnern, dass wir nicht übers Wasser laufen können. Also ziehen wir Schuhe und Socken aus, krempeln die Hosenbeine hoch und waten durch den schönen tragischen blöden glückseligen Fluss und das erinnert uns daran, dass wir nicht übers Wasser laufen können." Oder: "Weil er entführt wurde. Verwechselt. Weil er sich so gern verwechseln und entführen ließ. Weil er als der, der er dann war, nicht mehr dorthin musste, wohin er als der, der er gewesen war, gemusst hätte."

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 20.10.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   259 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  691 Punkte Beust                                          ---   352 Punkte Bibliomania                               ---   233 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  444,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 285 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   154,5 Punkte Code-between-lines                ---  154 Punkte DieBerta                                    ---   ?  Punkteeilatan123                                 ---   80 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   216 Punkte Frenx51                                     ---  103 Punkte glanzente                                  ---   94 Punkte GrOtEsQuE                               ---   84 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   181 Punkte Hortensia13                             ---   148 Punkte Igelchen                                    ---   26 Punkte Igelmanu66                              ---  191 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   135 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte Kattii                                         ---   88 Punkte Katykate                                  ---   121 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   145 Punkte Kuhni77                                   ---   129 Punkte KymLuca                                  ---   110 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   285 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   257 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   94 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktemy_own_melody                     ---   18 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  148 Punkte Nelebooks                               ---  245 Punkte niknak                                       ----  313 Punkte nordfrau                                   ---   143 Punkte PMelittaM                                 ---   242 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   132 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 76 PunkteSandkuchen                              ---   241 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   195 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   315 Punkte SomeBody                                ---   189,5 Punkte Sommerleser                           ---   215 Punkte StefanieFreigericht                  ---   236,5 Punkte tlow                                            ---   165 Punkte Veritas666                                 ---   151 Punkteverruecktnachbuechern         ---   97 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   184 Punkte Yolande                                       --   189 Punkte

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  • Kurzgeschichten in unverwechselbarem Schreibstil

    Fallensteller

    JayTi

    01. November 2016 um 16:07

    Fallensteller ist eine Sammlung an Kurzgeschichten, die von Menschen handeln, die im wörtlichen oder im übertragenen Sinne Fallen stellen. Es sind Menschen, die sich Verlockungen hingeben und Menschen, die sich befreien – sei es im Krieg und Spiel, mit Trug und Tricks oder Mut und Witz. So geht ein alter Mann seiner Leidenschaft als Magier nach, wird vom Publikum aber nicht gehört. Anders zwei Freunde, die gemeinsam durch Europa ziehen und dabei lügend und stehlend geschickt ihren Sehnsüchten hinterherjagen. Nicht zuletzt schreibt der Autor über den Fallensteller, einem Fremden, der helfen will und dazu Lösungen anbietet, die auf den ersten Blick nicht immer welche sind. Stanišić weiß mit diesem Balanceakt aus Gegensätzen umzugehen. Seine Kurzgeschichten und Charaktere spiegeln dies wieder. Die Figuren sind genauestens ausgestaltet, aber wirken dennoch einfach. Vielleicht liegt das an der humorvollen Charakterisierung. Denn tatsächlich sind es oft die Charaktere und weniger die Ereignisse, die im Fokus stehen. Letztlich sind es gerade die Dinge, die leicht erscheinen, hinter denen sich großes Können verbirgt. Außerdem erlebt der Leser die Geschichten entsprechend aus Sicht der Protagonisten. Dass alle Charaktere sympathisch sind, heißt es jedoch noch lange nicht. Vielmehr hat man für die eine Figur verständnisloses Kopfschütteln übrig, für die andere Person schlicht Mitleid. Doch gerade das macht die Kurzgeschichten so besonders und die individuellen, teils anstrengenden Charaktere für die Dauer einer Kurzgeschichte erträglich. Einige Kurzgeschichten erfahren innerhalb des Buches eine Fortsetzung in einer nächsten Kurzgeschichte. Das hat mir gut gefallen, denn hatte man sich gerade an Handlung oder Charaktere gewöhnt, so muss man sich nicht gleich davon verabschieden. Mir haben nicht alle Kurzgeschichten zugesagt. Durch die einen habe ich mich durchgekämpft, die anderen regelrecht verschlungen. Aufgrund von Tiefgründigkeit und Moral hat mir die Kurzgeschichte, die zugleich Namensträger des Buches ist, am besten gefallen. Interessanterweise ist dies auch die mit Abstand längste Geschichte. Eine Übersicht über alle Kurzgeschichten findet sich auf den letzten Seiten. Nicht zuletzt zeichnet sich das Werk durch den unverwechselbaren Schreibstil des Autors aus. Stanišić weiß ganz klar Dinge anzusprechen, die sonst in Gedanken, wenn nicht gar im Unterbewusstsein, verborgen bleiben. Das erreicht er durch eine kreative und sehr bildhafte Ausdrucksweise wie es die folgenden Beispiele andeuten: „Thomas verstand nicht, der Applaus übersetzte es ihm.“ (15) oder „Ein Keiler übt an den Tomaten Rache für den Wildschweinbraten.“ (169). Ich habe lange gebraucht, bis ich das Buch beendet hatte. Da es sich aber um Kurgeschichten handelt, die bekanntermaßen in sich abgeschlossen sind, war das kein Problem. Eigentlich bin ich kein großer Fan von Kurzgeschichtenbänden. Trotzdem halte ich Fallensteller für lesenswert und kann das Buch jedem empfehlen, der sich für ein paar kurze Momente von einem einzigartigen Schreibstil gefangen nehmen lassen möchte. www.wortbildwerke.wordpress.com

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  • Wo ist der rote Faden?

    Fallensteller

    Julino

    20. October 2016 um 13:19

    Mit Fallensteller legt Saša Stanišić seinen ersten Erzählungsband vor. Nur zwei Jahre nach dem hochdekorierten Vor dem Fest (Luchterhand, 2014) und ganze zehn Jahre nach seinem Debüt Wie der Soldat das Grammofon repariert (Luchterhand, 2006) ist dies sein drittes Buch. Wird es aus dem Schatten des überlebensgroßen Vorgängers treten können? Der Band versammelt zwölf Erzählungen, von denen einige für sich stehen und einige direkt zusammenhängen. Der Beginn ist eindrucksvoll: »Die große Illusion am Säge-, Holz- und Hobelwerk Klingenreiter Import Export«, eine der selbständigen Erzählungen, schildert mit feinem Humor und großer Sensibilität die Zaubervorführung Ferdinand Klingenreiters. Er ist lebenslanger Angestellter und Untergebener seines Bruders beim titelgebenden Familienbetrieb, und das weithin belächelte, nicht eben schwarze, aber doch zumindest dunkelgraue Schaf der Familie. In Rückblenden erfahren die Lesenden von seinem Leben im Schatten seines Bruders, seiner Zuneigung zu seinem pubertierenden Großneffen Felix und seiner Verehrung für die Zauberkünstlerin Halima, der er auf der Bühne nacheifert. Geschickt verbindet Stanišić Vergangenheit und Gegenwart zu einer stimmigen Charakterstudie voller Melancholie: Klingenreiter lächelte und hasste es, dass er lächelte. Dass er immer aus den Ecken lächeln musste, in die er gedrängt wurde. An der gefliesten Wand hing ein Wandteppich, der Tresen war aus Glas und Metall. Klingenreiter suchte Holz und fand keines. Der Junge wirkte entspannt, wie es Sieger sind. Als wäre er froh, dass ihnen die einfachste Unterhaltung nicht gelang. Die ebenso stimmig wie gefühlvoll, melancholisch wie heiter gezeichneten Personen, denen die Leser_innen in Fallensteller begegnen, sind die große Stärke des Autors. Großartig sind die drei Geschichten über Georg Horvath, dem mit seinem Leben unzufriedenen Contract Manager eines großen Brauereikonzerns. Er reist zu Vertragsverhandlungen nach Brasilien und entdeckt in der Ferne seine Lust am Abenteuer, am Kontrollverlust wieder. Toll auch die Schilderung der kosovarischen Hirten in »Die Fabrik«, deren Sprache deutlich an den lyrischen Ton von Vor dem Fest erinnert. Fast meint man die Eigenbrötler nicht nur vor sich zu sehen, sondern sie geradezu riechen zu können: Der Hirten Lebenslinien voller Erde und Schmutz. […]Der Hirten Bärte aus Tannennadeln. […]Der Hirten Augenbrauen aus Eiskristallen. […]Der Hirten Grinsen aus Karies. Drei Geschichten handeln von Mo und seiner obsessiven Suche nach dem Glück. Zumeist sucht er es bei Frauen unterschiedlichster Couleur – ob die Ich-Erzählerin auch zu diesem Kreis gehört, bleibt in lustvollem Dunkel verborgen. Gerade bei diesen Erzählungen zeigt sich aber auch immer wieder etwas unfertiges, sie erwecken oft den Eindruck, als hätten sie noch Zeit gebraucht. Auffällig oft holpern die Sätze dahin, gerade zu Beginn der Erzählungen wirkt vieles unausgereift. Verschwörungstheoretisch sind unsere Pizzen mit Albanerspucke gewürzt, munden dennoch auserlesen, was zentral an den Herzen liegt, die man den Artischocken entrissen hat, so Mo, der sofort nach der Diagnose schwört, nie wieder während der Nahrungsaufnahme Unterhaltungen über Nahrung zu forcieren. Der zumeist so charmante Stanišić-Sound, der die Dinge immer nur beim fast richtigen Namen nennt und ihnen damit oft näher rückt als die verfestigten, althergebrachten Redeweisen es noch vermögen, überschlägt sich hier und da und rutscht ins Kompliziert-Verklausolierte ab. Von jeglicher Kritik auszunehmen ist aber die titelgebende Erzählung, »Fallensteller«, die in einer kürzeren Fassung schon im ZEIT-Magazin veröffentlicht wurde. Sie wendet sich dem literarischen Uckermark-Tourismus zu, den Saša Stanišić mit dem großen Vorgänger, Vor dem Fest, ausgelöst hat. Im unnachahmlichen Sound des Romans schildert die Erzählung das Auftauchen eines liebenswerten Waldschrats, eben jenes Fallenstellers, in Fürstenwalde. Geschickt verflechtet Stanišić die Geschichte des Fallenstellers mit einer kleinen Revue der Nachwirkungen des Erfolgsromans auf die uckermärkischen Dörfer und den Autor. Fast alle der vielen so liebgewonnenen Charaktere treten noch einmal auf, vor allem steht der zum Literaten avancierte Lada im Mittelpunkt. Wir sind überrascht und froh: Das, was Lada die ganze Zeit aufgeschrieben hat, hat einen Preis bekommen. Einen Literaturpreis. Wir wussten nicht mal, dass man für Literatur noch andere Preise gewinnen kann als den Nobelpreis und den einen, den der Jugo gewonnen hat. »Der Jugo«, das ist Saša Stanišić, der für seine Recherchen lange Zeit in der Uckermark verbrachte. Immer wieder wird in den Reden und Gedanken der Figuren ein heiteres Bild seiner Zeit auf den Dörfern gezeichnet. Auch Bezüge auf neuere Ereignisse sind zahlreich vorhanden. Vor allem ist dies die Flüchtlingskrise, der ein komplettes Teilkapitel gewidmet ist. In einer klassischen Allegorie über die Rückkehr des Wolfs in die brandenburgischen Wälder zeigt Stanišić pointiert den Irrsinn von Rechtspopulismus bis -extremismus und dessen Entstehung im Kleinen. Das ist ja übrigens unser aller Problem, wenn wir uns an dieser Stelle einen kleinen Einwurf erlauben dürfen: dass wir unsere Schlüsse oft aus einer Überzeugung ziehen, statt aus Tatsachen. Was für eine gute Welt wäre unsere Welt, um jetzt mal etwas Idealistisches zu sagen, wenn wir auch bei sonstigen Zweifelsfällen immer erst einen Rissbegutachter bestellen würden, statt gleich Flinte und los, Wolfsjagd? Oder noch schlimmer, Wolfseisen? Oder gleich mehr als nur Wolf. Knapp einhundert Seiten umfasst die Erzählung und nimmt damit etwa ein Drittel des Bands ein. In der Erinnerung wird es bei den meisten Leser_innen wohl gerade sie sein, die heraussticht. Vollkommen zu Recht, wie ich finde, denn sie ist ein toller Nachklang zum Vorgänger. Sie ist ein Muss für ich alle begeisterten Leser_innen des Romans. Doch liegt hier auch die Crux an dem Band als ganzem: Er wirkt unrund, nicht durchkomponiert, vielleicht sogar opportunistisch. Es scheint, als ob die Titelgeschichte raus musste, um nicht zu lange nach dem Roman zu erscheinen. Allein war sie aber zu kurz für ein eigenes Buch, weshalb mit anderen, schon fertigen Erzählungen aufgefüllt wurde, und fertig war der Erzählungsband! Das steht dem durchkomponierten Vor dem Fest komplett entgegen und enttäuscht. Dies soll nicht die Qualität der meisten Erzählungen antasten; aber von einem Erzählungsband erwarte ich mehr.

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  • „Fallensteller“ von Saša Stanišić: Ein Zauberer der Worte

    Fallensteller

    storiesonpaper

    01. June 2016 um 16:33

     „Fallensteller“ war mein erstes Buch des aus Bosnien und Herzegowina stammenden deutschsprachigen Schriftstellers, umso gespannter war ich auf den Text des Bestsellerautors. Als erstes fiel mir der Sprachstil des Autors auf. Stanišić spielt mit den Worten und Sätzen und häufig muss man als Leser über den Einfallsreichtum schmunzeln. Er vermittelt damit eine hohe sprachliche Sicherheit und schafft es, die Sprache der Komik und Tragik gekonnt zu inszenieren und zu verbinden. Noch nie habe ich so viel intelligenten Wortwitz in einem Buch gelesen! Die Inhalte der verschiedenen Geschichten erinnern mich in ihrer Skurrilität an die von Franz Kafka oder Bruno Schulz. Man sollte nicht versuchen, die Intentionen der Protagonisten zu hinterfragen und sich darauf einlassen, dass alles ein bisschen „schief“ wirkt oder genau dann endet, wenn es in anderen Erzählungen erst richtig los geht. Diesen Stil muss man mögen, das ist klar. Die Kurzgeschichten versprechen trotz der Sachlichkeit immer ein wenig Magie und es würde nicht wundern, wenn wie in Harry Potter und Co. plötzlich gezaubert wird.  Der Autor hat es zumindest bei mir geschafft, Außergewöhnliches zu erwarten und dann doch mit der scheinbaren Normalität zufrieden zu sein. Fazit: „Fallensteller“ macht definitiv Lust auf mehr, für mich fühlte es sich dennoch leider ein wenig so an, als würde ich Stanisics Werke in der falschen Reihenfolge lesen, um wirklich in die Inhalte und die Sprache „reinzukommen“. Ich gebe der Kurzgeschichtensammlung daher 3-4 von 5 Sternen und freue mich sehr auf „Vor dem Fest“ , das meine Wertung sicher noch anheben wird. Eins ist für mich sicher: Stanišić ist ein großer Autor, von dem wir sicher noch viel lesen werden!

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  • Zaubereien mit Worten und Wörtern und Geschichten.

    Fallensteller

    Marina_Nordbreze

    Vollkommen unverhofft sprang mein Herz vor einiger Zeit nach oben, als ich entdeckte, dass ein neues Buch von Saša Stanišić veröffentlicht wird. Erzählungen! "Vor dem Fest" gehört immer noch zu den großen fünf Lieblingsbüchern meinerseits (die anderen vier kann ich spontan nicht aufzählen). Daher sprang mein Herz nochmal ein bisschen höher, als ich "Fallensteller" im Briefkasten vorfand. Hinweis: Wer einmal mein Exemplar von "Fallensteller" in die Hände bekommen wird, wird sich wundern. Es enthält nämlich sehr viele Eselsohren. Zeitweise zwei auf einer Seite. Oben und unten. Im Mittelstück fehlen die Eselsohren aber. Weil ich dort beschlossen habe, dass es wohl einfacher wäre, wenn ich nur noch die Seiten markiere, die ich nicht gut fand. Aber irgendwann habe ich das nicht mehr durchgehalten. "Disclaimer: Ich weiß nicht, ob das tatsächlich Kunsthistoriker waren, aber sie zeichneten, wenn sie über das Gemälde sprachen, kleine geometrische Formen in die Luft, Dreiecke, Kreise, so was, und genau das stelle ich mir vor, wenn ich darüber nachdenke, was Kunsthistoriker eigentlich machen." (S. 68) Soll heißen: Meine Liebe zu Saša Stanišić ist ungebrochen groß. Denn Stanišić ist ein Zauberer. Ein Sprachdompteur, in dessen Sätze man einziehen möchte. Jedes Wort sitzt, kein Wort ist überflüssig. Die Bilder, die er erschafft und die Geschichten, die er erzählt sind so normal und doch außergewöhnlich. Schon allein die erste Geschichte! Ein Zauberkünstler tritt vor einem gelangweilten Publikum auf, die Gedanken des Mannes auf der Bühne schweifen immer wieder ab. Zu seiner Familie. Zu einer Zaubershow, die er gemeinsam mit seinem Großneffen besucht hat. Das größte Kunststück: Verschwinden. Unsichtbar für seine Mitmenschen sein. Das funktioniert auch ganz ohne Zauberei. Lieblingstitel: "Die immens schönen tragischen blöden glückseligen deutschen Flüsse". Und die Geschichte dahinter. Die sich in weiteren Erzählungen fortsetzt. Und natürlich. Meine Herzsprung-Geschichte (mein Herz leidet gar sehr, wenn es um Saša Stanišić geht. Kleine Offenbarung am Rande: Ich kopiere den Namen immer aus der Überschrift, weil ich mir die Tastenkürzel für die ganzen Sonderzeichen nicht merken kann): Fallensteller. Denn in "Fallensteller" besuchen wir Fürstenfelde nach dem Fest. "Fürstenfelde. Einwohnerzahl: gerade." (S. 172) Diese Geschichte fühlt sich an wie nach Hause kommen. Man kennt sich schließlich schon. Eines Tages werde ich auch in die Uckermark fahren und zum Literatur-Touristen, jawohl. Doch das wird noch eine Weile dauern.

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