Sasa Stanisic Vor dem Fest

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Inhaltsangabe zu „Vor dem Fest“ von Sasa Stanisic

Fürstenfelde, Brandenburg. Einwohnerzahl: sinkend. Bei uns am Ortseingang steht ein Schild. Herzlich willkommen in der Uckermark: Jetzt wird’s schön. Anzahl der auf der aktuellen Wanderkarte als „sehenswerter Einzelbaum“ gekennzeichneten Bäume: zwei. Was auch immer du über uns gehört hast, das nicht von uns selbst kommt: es stimmt nicht. Es ist die Nacht vor dem Fest im uckermärkischen Fürstenfelde. Das Dorf schläft. Bis auf den Fährmann – der ist tot. Und Frau Kranz, die nachtblinde Malerin, die ihr Dorf zum ersten Mal bei Nacht malen will. Ein Glöckner und sein Lehrling wollen die Glocken läuten, das Problem ist bloß: die Glocken sind weg. Eine Füchsin sucht nach Eiern für ihre Jungen, und Herr Schramm, ein ehemaliger Oberst der NVA, findet mehr Gründe gegen das Leben als gegen das Rauchen. Keiner von ihnen will den Einbruch ins Haus der Heimat beobachtet haben. Das Dorfarchiv steht aber offen. Doch nicht das, was gestohlen wurde, sondern das, was entkommen ist, treibt die Schlaflosen um. Erinnerungen und alte Geschichten ziehen mit den Menschen um die Häuser. Sie fügen sich zum Roman einer langen Nacht, zu einem Mosaik des Dorflebens, in dem Alteingesessene und Zugezogene, Verstorbene und Lebende, Handwerker, Rentner und arbeitslose Mythenwesen in Fußballtrikots aufeinandertreffen. Sie alle möchten etwas zu Ende bringen, in der ewigen Nacht vor dem Fest.

Steigt gut ein (u.a. auch durch sprachliche Delikatesse), zerfasert dann aber für meine Begriffe zu sehr in Artifizialität

— schmives
schmives

Tolles historisches Geschichtenkaleidoskop über ein Dörfchen in der Uckermark. Bin entzückt und empfehle weiter: auf zum Annenfeste!

— Marapaya
Marapaya

Hat mich sehr an "Everything is illuminated" von Jonathan Safran Foer erinnert, das mir leider viel besser gefällt. Aber der Fuchs war toll!

— aylareadsbooks
aylareadsbooks

Ein ungewohnter und außergewöhnlicher Blick auf meine Heimat.

— Contresse
Contresse

Dieses Buch ist was ganz besonderes. Der Autor spielt hier mit der Sprache. Manchmal wunderschön und sehr oft zum schmunzeln!

— Meenama
Meenama

Stanisic bedient sich gekonnt der Fabulierkunst und was er aus der deutschen Sprache hervor zu zaubern vermag ist sehr schön.

— Nespavanje
Nespavanje

Meine Entdeckung des Jahres 2014. Wie Stanisic Sprache geradezu destillieren kann, lässt einen nicht mehr los.

— Klaus_Jaeger
Klaus_Jaeger

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  • Saša Stanišić | VOR DEM FEST

    Vor dem Fest
    Bookster_HRO

    Bookster_HRO

    26. September 2017 um 10:13

    Perfekt! Genau so muss moderne Literatur aussehen. VOR DEM FEST hat dieses Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen, und nach einer Leseprobe bei Amazon war ich schon hin und weg. Gekauft, gelesen, beeindruckt. INHALT: Das kleine Städtchen Fürstenfelde in der Uckermark feiert morgen das alljährliche Annenfest. Erzählt wird, wie die Bewohner die Nacht vor dem Fest verbringen. Herr Schramm zum Beispiel, der seines Lebens müde ist und vor seinem geplanten Abgang nur noch eine rauchen will, aber nicht dazu kommt. Oder die traurige Frau Schwermuth, die das Stadtarchiv auswendig kennt, aber kaum ihren Sohn. Oder Frau Kranz, die alle Winkel des Ortes schonmal gemalt hat, am Nachtbild aber scheitert. Oder Herr Dietz, früher bei der Stasi, heute Edelhuhnzüchter. Oder Johann, der morgen seine Glöcknerprüfung hat, aber die Glocken sind weg. Oder die Dorfprollos Lada und Suzi. Oder Anna, die asthmakranke Joggerin. Oder… FORM: Der Roman ist zum größten Teil in der Wir-Form geschrieben, quasi ein kollektives Dorfbewusstsein, das die Bewohner und ihr Leben und ihre Taten beobachtet. Zwischendurch gibt es Sagen, Märchen und Begebenheiten aus 500 Jahren Dorfgeschichte. Nach und nach schleichen sich auch einige historische Gestalten (oder ihre Reinkarnationen) in die heutige Zeit. Ein paar Kapitel sind auch einer Fuchsdame gewidmet, die auf der Suche nach Nahrung für ihre Jungen ihr Leben riskiert. Alles trifft sich irgendwo, alle haben miteinander zu tun irgendwie, alles hängt zusammen, nicht nur die Leute, auch die Zeiten. FAZIT: Poetisch, innovativ und großartig geschrieben – fünf Sterne!

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  • Herzlich Willkommen in der Dorfwelt

    Vor dem Fest
    Duffy

    Duffy

    28. February 2017 um 16:31

    Fürstenfelde in der Uckermark. Ein ganz normales Dorf, Landleben pur und Idylle. Idylle? Das kommt auf den Betrachter an. Und Stanisic betrachtet alles ganz genau. Die Dorfbewohner von Fürstenfelde am Tag vor dem traditionellen Annenfest, bzw. in der Nacht davor. er beschreibt die verschiedenen Charaktere, lässt sie agieren, erzählen, fühlen, mal ganz weich, dann etwas bitterer, er erzählt Geschichten vom Dorf, über das Dorf, lässt auch das Dorf erzählen, seine Geschichte, seinen Stellenwert, sein Abstieg vom Stadtstatus in die Beliebigkeit.  Die Historie kommt genauso zu ihrem Recht wie die Entwicklung nach der Wende, der Bevölkerungsschwund, die Struktur. Alle spielen ihre Rolle, die Zugezogenen genauso wie die, die aus der Enge des Dorfes geflüchtet sind, die Daheimgebliebenen genauso wie die Gestorbenen. Zum Schluss haben wir keine Analyse sondern einen Lebensraum, der sich vermenschlicht hat und in dem die Menschen und ihre Schicksale doch tatsächlich ihre Hauptrollen behalten. Wir Leser können mit den Menschen etwas anfangen, sie wachsen uns ans Herz, sie sind uns nicht egal. Das ist der Verdienst des Erzählers, der uns mit knappem und manchmal überraschendem Stil durch das Dorf führt und immer da stehenbleibt, wo es etwas zu sehen oder zu berichten gibt. Oder eben einfach dort, wo die Dorfbewohner zu Worte kommen, denn manchmal schleicht sich der Autor als Erzähler einfach heimlich aus der Szenerie heraus und überlässt uns das Betrachten, das Fühlen und das Entdecken. Ein großartiges Buch, dem ein wenig Dramatik mehr auch gut getan hätte, aber so, wie es der Autor präsentiert, war es von vorne bis hinten gewollt und das ist sicher auch gut und vor allem richtig. Eintauchen, sich drin wohlfühlen, sich von der gelassenen Dorfatmosphäre einfangen lassen und doch die kleinen Aufreger bewusst miterleben, so sollte man an dieses Werk herangehen, das seine Auszeichnungen zu Recht erhalten hat. Und keine Angst vor dem augenblicklichen "Brandenburg-Boom", so oder so ähnlich gibt es sicher noch mehr Dörfer in diesem Land.

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  • Poetische Sprache mit feinem Humor

    Vor dem Fest
    anena

    anena

    02. January 2017 um 11:07

    Sasa Stanisic begeistert mich durch seine Sprache und seinem feinen Humor. Er beschreibt ein Dorf in der Uckermark mit seinen teils urigen Dorfbewohnern, z.T. erscheint alles etwas surreal. Der Roman ist anfangs sperrig und ich legte ihn beiseite. Nach einer Live-Lesung mit dem Autor, die mich sehr begeisterte - er las aus seinem Geschichtenband Fallensteller - nahm ich die Lektüre wieder auf und konnte mich besser hineinfinden. Allerdings habe ich extrem lange für den Roman gebraucht, was an der komplexen Sprache liegt. Ein Punkt Abzug, weil mir der Spannungsbogen fehlt und es mir zu viele Puzzleteile im Roman sind.

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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  • Besonders!

    Vor dem Fest
    Meenama

    Meenama

    13. November 2015 um 10:05

    Sasa Stanisic gewährt uns hier einen Einblick in das Leben und die Menschen eines Dorfes in der Uckermark mit dem Namen Fürstenfelde. Hier sind entweder alle schon weggezogen oder wollen wegziehen teilt der Autor uns schon am Anfang mit. Was danach kommt ist ein Porträt von einem Ort und seinen Menschen. Bilder von den Einwohnern die eben da geblieben sind. Das Buch besteht aus ganz vielen kleinen Geschichten und wer hier sich einen typischen Roman vorstellt, wird eventuell enttäuscht aber wer sich auf die teils verschrobenen und eigenwilligen aber sympathischen Anwohner von Fürstenfelde einlassen kann, ist hier genau richtig. Was mich beeindruckt hat ist die wunderschöne Sprache des Buches. Teilweise wird hier in Wir-Form erzählt, was dem ganzen eine ganze besondere Atmosphäre gibt. Empfehlenswert!

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  • Hommage an das Dorf

    Vor dem Fest
    Nespavanje

    Nespavanje

    15. October 2015 um 16:19

    Saša Stanišic; hat mit „Vor dem Fest“ einen guten und soliden Roman geschrieben. Ja die Fabulierkunst liegt ihm und was er aus der deutschen Sprache hervor zu zaubern vermag ist sehr schön. Bevor ich aber mit der Lobhudelei fortfahre, muss ich auch Kritikpunkte loswerden. Satz und Wortwiederholungen (=diese verwendet er zu genüge) wären in einem Aufsatz wohl mit Punktabzug bestraft worden. Zum Beispiel beginnt ein Satz mit den Worten: Wassersuppe und Brot, Wassersuppe und Brot. Nun hat man aber die Möglichkeit außerhalb der Schule und Ausbildungsstätten mit Wörtern und Sätzen so zu jonglieren wie es beliebt und gefällt, aber ob das auch ausreicht um seinen Erzählstil als brillant zu betiteln wage ich zu bezweifeln, auch wenn jener ganz eigen und speziell ist. Anspruchsvoll ist er nicht unbedingt, wenn er aus verschiedenen Zeiten und verschiedene Geschichten erzählt, deren Mittelpunkt immer Fürstenfelde ist. Durch die unterschiedlichen zeitabhängigen Handlungen wechselt er auch die Rechtschreibung und Grammatik passend dem Jahrhundert aus dem er eben gerade erzählt. Vielleicht könnte man durch den schnellen Wechsel der Sichtweise an der Erzählung Ansprüche stellen. Es ist ein bisschen ungewöhnlich wenn aus der Sicht einer Fähre den Abend vor dem Fest beschreibt, allerdings nicht unbedingt einzigartig. Es ist ein reiches Panoptikum der Charaktere: Herr Schramm der auf einen Zigarettenautomaten schießt, ein Fantasy-Rollenspiel-liebender Glöcknerlehrling, seine Mutter eine etwas schrullige Archivarin, und eine seltsame Künstlerin die das Dorfleben skizziert, sind nur ein Teil der Protagonisten die zu Wort kommen und ein Sammelsurium an Skurrilität aufzeigen. Dieser Roman lebt von diesen skurrilen und eigenartigen Charakteren. Was mir hier besonders gut gefallen hat ist, das Saša Stanišic  sie sehr sympathisch, eigentlich schon liebevoll beschreibt. Satz für Satz ist es eher eine Hommage an das Dorfleben schlechthin, an das Dorfleben in Ostdeutschland. Wenn gerade dieses Element überhaupt mit etwas vergleichbar ist, dann im weitesten Sinne mit Elizabeth T. Spiras Alltagsgeschichten. Ich wäre ja neugierig, wie seine literarische Handwerkskunst in seiner Muttersprache Bosnisch funktioniert. Über seine Heimat hat er bereits einen Roman verfasst, der unteranderem mit dem Ingeborg Bachmann Preis ausgezeichnet worden und 2006 auch auf die Shortlist des deutschen Buchpreises gerutscht ist. Mitunter ist das ein Grund mehr, weshalb „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ auf meiner „To Read List“ ein wenig höher gerutscht ist. Bleibt abzuwarten, was uns in Zukunft von diesem talentierten Schriftsteller noch blüht. Ich jedenfalls freue mich schon darauf.

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  • Ein Kosmos voller Geschichten

    Vor dem Fest
    Girl56

    Girl56

    Nachdem Sasa Stanisic für seinen ersten Roman „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ schon sehr viel Lob erhielt und damit damals auch auf der Liste für den deutschen Buchpreis war, hat er nun für seinen neuen Roman nicht nur den „Alfred-Döblin-Preis“ erhalten, sondern auch den Preis der Leipziger Buchmesse 2014. Waren in seinem ersten Roman noch der Verlust der bosnischen Heimat, die Schrecken des Bürgerkriegs und die fremde Welt in Deutschland die dominanten Themen, wählt er nun einen kleinen Ort in der Uckermark zum Schauplatz seiner Geschichten um Heimat, Veränderungen, Verlusten und Neubeginn. Ein allwissender Erzähler berichtet uns Lesern von den Stunden vor dem alljährlichen Annafest in Fürstenfelde. Dieses Fürstenfelde liegt an zwei Seen, hatte bis dahin immer einen Fährmann, der nun aber gerade gestorben ist. Auch  der Zimmermann, der beim Fest für das Feuer zuständig war, ist tot. Vieles ist also in Auflösung und Veränderung. Doch nicht nur in Bezug auf das jährliche Fest müssen sich die Bewohner von Fürstenfelde mit Veränderungen abfinden. Viele alte Bewohner sind weggegangen, ein Neubaugebiet ist entstanden, es herrscht eine merkwürdige Stimmung von einerseits Aufbruch und andererseits Resignation und Sehnsucht nach anderen, früheren Zeiten.   Sasa Stanisic erzählt uns diese Zeit „Vor dem Fest“ nicht stringent, sondern er mäandert durch Biografien , durch die uckermärkische  Landschaft, durch die Geschichte des Ortes. Liebevoll, aber auch mit klarem Blick für die charakterlichen Gegebenheiten, bringt er uns z. B.  die Person des Schweinezüchters Gölow, der alten Malerin Frau Kranz oder des pensionierten NVA-Offiziers Schramm nahe, verschränkt er menschliches Leben mit der Natur (auch eine Füchsin darf eine schöne Rolle spielen – sie ziert sogar den Buchtitel!), wandert er durch historische Belege (Sagen und Mythen der Region), um aber immer wieder in der Gegenwart, in der Zeit „Vor dem Fest“ anzugelangen.   Dieses Buch ist nicht gerade mal so runterzulesen, aber es ist eine lesenswerte Reise in ein fiktives Örtchen in der Uckermark, mit Schicksalen und Geschichten, die so stellvertretend für sicherlich viele Orte in (Ost-)Deutschland stehen, die mit den Veränderungen des 20. und 21. Jahrhunderts fertig werden müssen.

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  • Vor dem Fest

    Vor dem Fest
    TinaGer

    TinaGer

    11. March 2015 um 21:59

    Vor dem jährlichen Fest gilt es im uckermärkischen Fürstenfelde allerhand vorzubereiten. Nicht nur in der Gegenwart, im strukturschwachen Jetzt dieser Provinzgeschichte, liegt Geschichte verborgen, nein auch in der Vergangenheit gibt es viel zu erzählen. Sasa Stanisic springt durch die Anekdoten und Märchen, durch die Lokalnachrichten, dem Wirtshausklatsch und der historisch verbürgten Dorfchronik mit virtuoser Hand. Mehr noch als das jährliche Annenfest ist Stanisics stilsicherer Ausdruck ein grandioses Fest. Leichter Hand springt er durch die Erzählstimmen und erweckt die Bewohner des Dorfes zu leben. Wie Chorstimmen erheben sie sich, treten zurück, wieder zu Tage, mal lauter, mal leise, mal komisch, doch immer treffend, immer wieder trocken, aber auch beschwingt geschwätzig. So beleuchtet Stanisic das fiktive Dorf Fürstenfelde und lässt es in alle seinen Facetten wie ein Diamant funkeln. Wer Lust hat auf unterhaltsame Stunden mit beschaulichen Heimatgeschichten, der ist hier richtig. Tiefenschürfendes fehlt, doch auch damit macht Stanisic alles richtig. So erhält er den Schwung und die Freude am Text und seinen Figuren.

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  • Feines Sittengemälde aus der nordostdeutschen Provinz

    Vor dem Fest
    derlorenz

    derlorenz

    Dieses Buch will mehr sein, zum Beispiel ein Heldengesang. Stanisic gibt dazu auf Seite 211 eine Anleitung „SEI HELDISCH“. Auf ihre Art versuchen es die Einwohner einer kleinen Kleinstadt im nördlichen Brandenburg und  halten sich dabei an Rilke: „Was heißt schon siegen, überleben ist alles!“ Oder mit Stanisic‘ Worten: „Das Lied ist von jenen, die anders nicht können. Von Getriebenen, immer SO gebliebenen.“ Ein ganzes Tableau wunderlicher Gestalten zeichnet der Autor liebevoll und mit großem gestalterischen Geschick. Mich hat das Buch an ein holländisches Sittengemälde aus dem späten Mittelalter erinnert. Fein gearbeitet, mit vielen Details und verwobenen Handlungen. Dazu trägt auch bei, dass Stanisic immer wieder in der Chronik des Dorfes blättert, zeigt, wie die Gegenwart in der Vergangenheit wurzelt. Erwähnt sei, dass man einen langen Atem und feine Ohren braucht, um dem Roman gerecht zu werden. Er bietet wenig Handlung, die einen mitzieht. Mir wurde übrigens erzählt, Stanisic hätte nicht nur der nordostdeutschen Provinz ein Denkmal gesetzt, sondern auch ein Dorf aus seiner bosnischen Heimat nachgebildet. Kann das jemand bestätigen?

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    • 3
  • Die LovelyBooks Themenchallenge 2015

    Das Schloss der Träumenden Bücher
    Daniliesing

    Daniliesing

    Ihr lest gern Bücher aus den verschiedensten Genres? Ihr sucht nach einer Leseherausforderung für 2015? Dann seid ihr hier genau richtig! Der Ablauf ist ganz einfach: Bei der Themen-Challenge geht es darum, passend zu 40 vorgegebenen Themen mindestens 20, 30 oder 40 Bücher aus 20, 30 oder 40 unterschiedlichen Themen zu lesen. Ihr könnt euch selbst als Ziel stecken, ob es 20, 30 oder 40 Bücher werden sollen. Bitte gebt dieses Ziel bei der Anmeldung mit an. Bitte sammelt alle eure gelesenen Bücher mit den passenden Themen in einem einzelnen Beitrag, den ich oben in einer Teilnehmerliste bei eurem Namen verlinken werde. Schickt mir dazu eine Nachricht mit dem Link zu eurem Sammelbeitrag! Wenn ihr ein Thema erfüllt habt, schreibt in diesem Sammelbeitrag, mit welchem Buch ihr das geschafft habt und postet einen Link zu eurer Rezension oder aber verfasst eine Kurzmeinung auf der Buchseite und teilt dann den Link zur Lesestatus-Seite, auf der auch die Kurzmeinung zu finden ist, mit uns. Diese Challenge läuft vom 1.1.2015 bis 31.12.2015. Alle Bücher, die in diesem Zeitraum und passend zu den Themen gelesen wurden, zählen. Es zählen Bücher aus allen Genres und mit allen Erscheinungsjahren, sofern sie die Themen erfüllen. Sie dürfen gern vom SuB (= Stapel ungelesener Bücher) oder neu gekauft, geschenkt bekommen oder geliehen sein. Man kann jederzeit noch in die Challenge einsteigen und auch passende Bücher zählen, die man zuvor im Jahr 2015 gelesen hat. Zu diesen Themen wollen wir passende Bücher lesen: Für jedes Thema gibt es ein extra Unterthema, in dem ihr euch über eure gelesenen oder eventuell dazu geplanten Bücher austauschen könnt. Ein Buch, in dem es um Bücher, Literatur und / oder das Lesen geht. Ein Buch, dessen Cover hauptsächlich (am besten ausschließlich) Schwarz und Weiß ist. Ein Buch, dessen Titel aus genau 2 Wörtern besteht. Ein Buch mit einer durchschnittlichen Bewertung von 3 oder weniger Sternen auf LovelyBooks. (Das Buch muss mindestens 3 Bewertungen haben, es gilt der Zeitpunkt, zu dem du zu lesen beginnst.) Ein Buch von einem Bestsellerautor, von dem du selbst noch nie etwas gelesen hast. Ein Buch, das gedruckt bisher ausschließlich als Hardcover erschienen ist. Ein Buch, das in Asien, Südamerika oder Afrika spielt. Ein Buch mit mehr als 650 Seiten. Ein Buch mit einer jungen und einer älteren Hauptfigur, mindestens 40 Jahre Altersunterschied. Ein Buch, zu dem es auf LovelyBooks noch keine Rezension sowie keine Kurzmeinung gibt. (Es zählt der Zeitpunkt des Lesebeginns.) Ein Buch mit einen elektrischen Gegenstand auf dem Cover. Ein Buch, in dessen Buchtitel gegenteilige Wörter / Dinge genannt werden. Ein Buch von einem Autor, der bisher ausschließlich dieses eine Buch veröffentlicht hat. Ein Buch, das durch seinen Titel & sein Cover auf eine ganz bestimmte Jahreszeit hindeutet. Ein Buch, in dem mindestens 3 unterschiedliche fantastische Wesen vorkommen. Ein Buch das, egal ob im Original oder in der Übersetzung, einen Literaturpreis gewonnen hat. (Bitte den Namen des Preises mit angeben.) Ein kunterbuntes Buch. Ein Buch, dessen Buchtitel eine Aufforderung ist. Ein Buch, bei dem die Initialen des Autors 2 aufeinanderfolgenden Buchstaben im Alphabet entsprechen. Ein Buch, das erstmalig 2015 in dieser Sprache erschienen ist. Ein Buch, das du geschenkt bekommen hast. (Bitte verrate auch von wem und zu welchem Anlass.) Ein Buch, in dem ein Tier von großer Bedeutung ist. Ein Buch mit Streifen auf dem Cover. Ein Buch, das eine Buchreihe abschließt. Ein Buch, das kein Roman ist. Ein Buch, das in einem Verlag erschienen ist, dessen Verlagsname mit dem selben Buchstaben beginnt oder endet wie dein Vor- oder Nickname. Bitte den Vornamen ggf. mit angeben ;) Ein Buch, in dessen Titel das Wort "Liebe" vorkommt. Eines der 5 Bücher, die schon am längsten ungelesen in deinem Regal stehen. (Falls du es weißt, verrate doch, wie lange du es schon besitzt.) Ein Buch, das für dich ein außergewöhnlich schönes Buchcover hat. Ein Buch, das verfilmt wurde oder sicher verfilmt wird. Ein illustriertes Buch. Es sollten richtige Zeichnungen und nicht nur Verzierungen am Seitenrand sein. Ein Buch, das zuerst auf Deutsch erschienen ist und ins Englische übersetzt wurde. Ein Buch, dessen Autor bereits verstorben ist. Ein Buch, das einen Monat im Buchtitel hat. Bitte lies das Buch auch in dem Monat, der im Titel vorkommt. Ein Buch, in dem es um Musik geht. Ein Buch, von dem du dachtest, du würdest es niemals lesen, weil es z.B. nicht deinen Lieblingsgenres entspricht. Ein Buch mit Blumen / Blüten auf dem Cover. Ein Buch, das eine Krankheit oder Behinderung thematisiert. (Bitte gab auch an welche!) Ein blutiges Buch. Ein Buch, in dessen Titel mindestens ein Wort aus einer anderen Sprache vorkommt. (Es darf nicht im deutschen Duden stehen.) Ich wünsche uns allen ganz viel Spaß & ich bin gespannt, welche Themen sich am leichtesten und welche als am schwierigsten heraustellen! Wer ist dabei? Ein paar zusätzliche Informationen: * Bezieht euch bei der Zuordnung des Buches zu einem der Themen immer auf die Ausgabe des Buches, die ihr selbst besitzt! * Sprache, Format etc. sind egal - auch Hörbücher gelten, außer es ist für das Thema von Bedeutung * Man kann diese Challenge mit anderen kombinieren, also auch Bücher hierfür und gleichzeitig für andere Challenges zählen. * Die Zuordnung der Bücher zu bestimmten Themen kann auch nachträglich noch geändert werden. * Wichtig ist, dass man das Buch 2015 beendet. Wann man es angefangen hat, ist egal. * Falls Bücher, die eine ISBN haben, noch bei LovelyBooks fehlen, geht in eure Bibliothek und sucht es oben unter "Bücher hinzufügen". Dort wählt ihr für deutschsprachige Bücher die Suche bei Amazon.de aus, für fremdsprachige alternativ Amazon.co.uk oder .com Die Challenge wird im Januar 2016 ausgewertet! Wer vorher sein Jahresziel erreicht hat, kann mir eine kurze Nachricht schreiben. Teilnehmer: 0VELVETVOICE0 19angelika63 (1/40) 78sunny (40 / 40) AberRush (30 / 30) Aduja 1(2/20) Aglaya (40 / 40) Agnes13 (40/40) Ajana (14/20) Alchemilla (1/40) Aleida (30 / 30) allegra (20 / 20) Alondria (22 / 20) Amaryllion (13/20) Amelien (19/20) ANATAL (31/30) andymichihelli (40/40) angi_stumpf (40 / 40) Aniday (36 / 30) Annilane (0/30) Anniu (16/30) anra1993 (33/40) Anruba (33/40) anybody (13/40) apfel94 (0/40) Arachn0phobiA (40 / 40) Aria_Buecher (15/40) Arizona (22/20) Ascheflocken (12/40) AuroraBorealis (14/20) Ayda (3/20) baans (8/30) Backfish (7/20) Bambi-Nini (25/20) ban-aislingeach Belicha (2/20) Bella233 (40 / 40) Bellis-Perennis (40 / 40) BethDolores (0/40) BiancaWoe (8/20) Bibliomania (32 / 30) Birgit1985 (20 / 20) black_horse (40 / 40) blauerklaus (24/20) Bluebell2004 (35/20) BlueSunset (36/30) bookgirl (30/40) Bookling (0/20) bookscout (33/30) Bookwormy (3/20) Bosni (21/20) buchfeemelanie (18/30) Buchgeborene (1/40) Buchgespenst (30 / 30) 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    • 8480
  • Uckermark hautnah

    Vor dem Fest
    Valilu

    Valilu

    26. December 2014 um 19:16

    Darum geht es.Das brandenburgische Dorf Fürstenfelde bereitet sich auf das anstehende Annenfest vor. Die Einwohner treten dabei auf unterschiedliche Weise in Erscheinung und werden vom Leser bei ihren Aktivitäten vor dem Fest begleitet... "Wir trinken in Ullis Garage, weil nirgends sonst Sitzgelegenheiten und Lügen und ein Kühlschrank so zusammenkommen, dass es für die Männer miteinander und mit Alkohol schön und gleichzeitig nicht zu schön ist." (Seite 14) ..., wobei der Leser mit einzelnen Einwohner und deren Eigenarten bekannt gemacht wird. Da gibt es zum Beispiel Herrn Schramm. "Herr Schramm ist ein Mann mit Haltung und Haltungsschaden. Herr Schramm legt dem Automaten die Pistole an die Schläfe." [...] Herr Schramm tritt drei Schritte zurück und erschießt den Zigarettenautomaten." (Seiten 36-39). "Herr Schramm pfeift, und Herr Schramm drückt die Pistole an seine Schläfe, hebt den Kopf aber vom Lenkrad, damit er als Toter ja nicht den Tatort-Toten auf dem Lenkrad entspricht." (Seite 128). Daneben wird die Geschichte des Dorfes in einzelnen Ausschnitten erzählt und mit der gegenwärtigen Handlung in Verbindung gebracht. Meine Meinung zum Buch. Auf den ersten 30 Seiten des Buches war ich begeistert von der Sprache, mit der die Dorfbewohner charakterisiert und der Dorfalltag beschrieben wird. Wenngleich die einzelnen Figuren auf ironische Weise dargestellt sind, konnte ich sie mir in ähnlicher Form gut als "echte" Personen vorstellen, die möglicherweise nur darauf warten, in einem Roman Erwähnung zu finden. Was mich am Anfang noch für das Buch und den weiteren Verlauf der Geschichte eingenommen hat, hat jedoch auf den folgenden Seiten immer mehr seinen Reiz verloren. Zwar werden dem Leser die Charaktere allmählich vertrauter und es kam die ein oder andere Zusatzinformation hinzu, aber ein echtes "Lesevergnügen" wollte sich nicht mehr so recht einstellen. Die Beschreibung der einen Nacht vor dem Fest beinhaltet ohne Zweifel einige kuriose Begebenheiten. Langatmig erschien mir das Ganze spätestens jedoch ab Seite 1xx - woran auch die eingestreuten historischen Dorfgeschichten nichts ändern konnten. Im Gegenteil. Am Ende habe ich mich dabei ertappt, dass ich diese nur noch halbherzig überflogen habe. Fazit. Während die Charakterzüge einiger Dorfbewohner toll herausgearbeitet und die Stimmung im Dorf glaubhaft eingefangen wurde, bin ich vom Buch insgesamt enttäuscht. Aufgrund der äußerst begrenzten Handlung, sowie der Aufteilung der Geschichte in sehr kurze Abschnitte, empfand ich das Buch zu weiten Teilen als langatmig und recht mühsam zu lesen. Nach Abschluss des Buches fühle ich mich, zugegeben, ein wenig ratlos zurückgelassen...

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  • Rezension zu "Vor dem Fest"

    Vor dem Fest
    littleowl

    littleowl

    17. December 2014 um 17:04

    Das Dorf Fürstenfelde in der Uckermark: Seit Jahrhunderten wird hier alljährlich das Annenfest gefeiert, so auch dieses Jahr. Doch in der Nacht vor dem Fest scheint das Dorf einfach nicht zur Ruhe zu kommen. Herr Schramm, ehemaliger Oberst der NVA, weiß nicht, ob er sich umbringen oder Zigaretten kaufen soll. Die Malerin Frau Kranz hat alles in ihrem Dorf bereits aus jeder Perspektive festgehalten, jetzt will sie endlich ihr erstes Nachtbild machen. Der Glöcknerlehrling Johann entdeckt einen Einbruch im Dorfarchiv und wird, als er der Sache nachgehen will, von seiner Mutter eingesperrt, die gerade einen psychotischen Schub hat. Und eine Füchsin will ihren Jungen, bevor diese erwachsen sind, ein letztes Mal ein Festmahl bieten. Dieser Roman stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2014 und ich kann absolut verstehen, warum. Wenn man eine Sprache von klein auf spricht, dann verliert man das Gefühl für ihre Schönheit. Dieses Buch ist eine Erinnerung daran, was für eine wunderbare, vielseitige, einzigartige Sprache Deutsch ist. Jedes Kapitel bebt vor Vergnügen am Spiel mit der Sprache. Die ganze Zeit experimentiert der Autor mit den unterschiedlichsten Ausdruckformen. Man könnte unzählige Beispiele finden: Die Imitation von mittelalterlichem Schreibstil bei Auszügen aus der Dorfchronik, reimende Amerikaner, das Spiel mit festen Ausdrücken wie "gemeinhin angenommen, "die Nacht" oder "die Garage" als Subjekt und und und. Auch der Umgang mit Perspektive ist oft experimentell. Ich fand es zum Beispiel sehr faszinierend, das Geschehen aus dem Blickwinkel einer Füchsin zu sehen. Außerdem verwendet der Autor manchmal die "Wir"-Perspektive, wobei nicht klar ist, wer "wir" ist. Das Dorf selbst? Seine Bewohner? Man erfährt es nicht. Wie schon erwähnt sind manche Kapitel Einträge aus der Dorfchronik, die Frau Wermuth in einem verschlossenen Kellerraum hütet wie einen Schatz. Dabei findet eine Vermischung von Vergangenheit und Gegenwart statt. Spuren von dem, was in der Dorfchronik erzählt wird, finden sich in der gegenwärtigen Handlung wieder. Zum Beispiel gibt es eine Sage über ein Ferkel mit Menschenkopf und bei der Auktion im Rahmen des Fests bietet ein Bewohner eine geschnitzte Version davon an. Zudem werden Parallelen zwischen damals und heute aufgezeigt, etwa beim Umgang mit Neuankömmlingen. Mir fällt es sehr schwer, das zentrale Thema des Romans zusammenzufassen. Die menschliche Natur an sich, das trifft es vielleicht am besten. Im Laufe der Handlung werden aber sehr viele unterschiedliche Aspekte beleuchtet. Diese Vielfalt von Themen kommt allein schon dadurch zustande, dass der Autor in seinem Roman von einer Vielzahl an Geschichten und Schicksalen erzählt. Auf die in der Inhaltsangabe erwähnten kommt er immer wieder zurück, aber es gibt noch unzählige weitere. Die Dorfbewohner werden im Laufe der Handlung aus vielen unterschiedlichen Perspektiven dargestellt. Dadurch erfährt man viel über sie, aber immer wieder wird so auch das Bild, das man sich von ihnen gemacht hatte, zerstört. In diesem Dorf ist eben nichts so, wie es scheint. Sprachkunst in Reinform! Lesen! 

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  • Die Magie der Sprache

    Vor dem Fest
    AnnaChi

    AnnaChi

    Was mag so besonderes sein an einem Buch über ein kleines, fiktives Dorf in der Uckermark an einem Abend vor einem Dorffest? Was lässt mich bei der Lektüre schmunzeln, die Stirn in Falten legen, einen wehmütigen Seufzer ausstoßen? Es ist die Sprache des Autors, der das Dorf und seine Bewohner so lebendig und plastisch macht als sei man als Leser dort. Es ist die Vielfalt und der schillernde Reichtum der Charaktere aus "Fürstenfelde". Es sind die (wahn)witzigen sprachlichen Spiele, die der Autor mit uns treibt. Fast wähnt man, beim nächtlichen Gang durch das eigene Dorf Lada und seinen stummen Kumpel Suzi an der Bushaltestelle herumlungern zu sehen und in der Tanke erworbenes "Unforgiven" zu süffeln. Und steht da nicht Herr Schramm mit gezogener Pistole vor dem letzten Zigarettenautomaten des Ortes? ... Aber mehr verrate ich jetzt nicht, um dem zukünftigen Leser nicht die Freude und Überraschung beim Entdecken aller dieser wunderbaren Gestalten zu nehmen. Es lebe die junge deutsche Literatur, die solche Autoren wie Sasa Stanisic hervorzubringen vermag! Viel Spaß beim Lesen!!!

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  • Hommage an das Doft

    Vor dem Fest
    Nespavanje

    Nespavanje

    02. December 2014 um 20:38

    Meine Meinung: Saša Stanišić hat mit „Vor dem Fest“ einen guten und soliden Roman geschrieben. Ja die Fabulierkunst liegt ihm und was er aus der deutschen Sprache hervor zu zaubern vermag ist sehr schön. Bevor ich aber mit der Lobhudelei fortfahre, will ich auch ein paar Kritikpunkte loswerden. Satz und Wortwiederholungen (=diese verwendet er zu genüge) wären in einem Aufsatz wohl mit Punktabzug bestraft worden. Zum Beispiel beginnt ein Satz mit den Worten: Wassersuppe und Brot, Wassersuppe und Brot. Nun hat man aber die Möglichkeit außerhalb der Schule und Ausbildungsstätten mit Wörtern und Sätzen so zu jonglieren wie es beliebt und gefällt, aber ob das auch ausreicht um seinen Erzählstil als brillant zu betiteln wage ich zu bezweifeln, auch wenn jener ganz eigen und speziell ist. Anspruchsvoll ist er nicht unbedingt, wenn er aus verschiedenen Zeiten und verschiedene Geschichten erzählt, deren Mittelpunkt immer Fürstenfelde ist. Durch die unterschiedlichen zeitabhängigen Handlungen wechselt er auch die Rechtschreibung und Grammatik passend dem Jahrhundert aus dem er eben gerade erzählt. Vielleicht könnte man durch den schnellen Wechsel der Sichtweise an der Erzählung Ansprüche stellen. Es ist schon ein bisschen ungewöhnlich wenn aus der Sicht einer Fähre den Abend vor dem Fest beschreibt, allerdings nicht unbedingt einzigartig. Vor dem Fest besitzt ein reiches Panoptikum der Charaktere: Herr Schramm der auf einen Zigarettenautomaten schießt, ein Fantasy-Rollenspiel-liebender Glöcknerlehrling, seine Mutter eine etwas schrullige Archivarin, und eine seltsame Künstlerin die das Dorfleben skizziert, sind nur ein Teil der Protagonisten die zu Wort kommen und ein Sammelsurium an Skurrilität aufzeigen. Dieser Roman lebt von diesen komischen und eigenartigen Charakteren. Was mir hier besonders gut gefallen hat ist, das Saša Stanišić  sie sehr sympathisch, eigentlich schon liebevoll beschreibt. Satz für Satz ist es eher eine Hommage an das Dorfleben schlechthin, wenn man es genau nimmt an das Dorfleben in Ostdeutschland.  Wenn gerade dieses Element überhaupt mit etwas vergleichbar ist, dann im weitesten Sinne mit Elizabeth T. Spiras Alltagsgeschichten. Ich wäre ja neugierig, wie seine literarische Handwerkskunst in seiner Muttersprache Bosnisch funktionieren würde. Über seine Heimat hat er bereits einen Roman verfasst, der unteranderem mit dem Ingeborg Bachmann Preis ausgezeichnet worden und 2006 auch auf die Shortlist des deutschen Buchpreises gerutscht ist. Mitunter ist das ein Grund mehr, weshalb „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ auf meiner „To Read List“ ein wenig höher rutscht. Bleibt abzuwarten, was uns in Zukunft von diesem talentierten Schriftsteller noch blüht. Ich jedenfalls freue mich schon darauf.

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  • Zum Weglegen!

    Vor dem Fest
    Delgado

    Delgado

    Ich habe lange überlegt, ob man eine Rezension zu einem Roman abgeben kann, von dem ich nur 50 Seiten gelesen habe, zumal als ich die ganzen positiven Meinungen hier gelesen hatte, die in mir den Verdacht weckten, mir wäre das falsche Buch in die Hände geraten. Ich bin zu dem Schluss gekommen: Ja, man darf auch seinen Standpunkt darlegen, wenn man nicht zu Ende gelesen hat. Weil auch das schon eine Rezension darstellt. Denn es war mir nicht möglich, diesen verschwurbelten Unsinn zu Ende zu lesen. Ich mag Irving, ich mag Tart, ich mag auch Tom Wolfe, aber das hier ist Langeweile pur, unlesbare Langeweile mit einer Sprache, die man in Deutschland wohl an den Tag legen muss, um einen Literaturpreis zu gewinnen.

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