Sasa Stanisic Wie der Soldat das Grammofon repariert

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Inhaltsangabe zu „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ von Sasa Stanisic

Geschenkausgabe im kleinen Format, bedrucktes Ganzleinen mit Lesebändchen.
Als der Bürgerkrieg in den 90er Jahren Bosnien heimsucht, flieht der junge Aleksandar mit seinen Eltern in den Westen. Rastlos neugierig erobert er sich das fremde Deutschland und erzählt mit unbändiger Lust die irrwitzigen Geschichten von damals, von der großen Familie und den kuriosen Begebenheiten im kleinen Višegrad. Aleksandar fabuliert sich die Angst weg und „Die Zeit, als alles gut war“ wieder herbei.

Im Debütroman ist schon viel schönes vom späteren Stanišic enthalten, aber so richtig überzeugt bin ich nicht.

— Marina_Nordbreze

Grandioser tragikkomischer Schelmenromen

— thesmallnoble

Vor und nach dem Bosnienkrieg, aber vor allem ein Buch über die Zeit, als noch alle Geschichten gut waren.

— TinaGer

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  • Saša Stanišić | WIE DER SOLDAT DAS GRAMMOFON REPARIERT

    Wie der Soldat das Grammofon repariert

    Bookster_HRO

    26. September 2017 um 15:12

    INHALT: Erzählt wird das Leben im Bosnien der 1980er und 90er Jahre aus der Sicht des jungen Aleksandar. Die ersten Kapitel beschreiben das Leben in der Kleinstadt Višegrad (bekannt aus Ivo Andrićs DIE BRÜCKE ÜBER DIE DRINA) und Umgebung, Aleksandars Familie, ihre Feste, ihre Eigenarten. Dann zieht mit brutaler Gewalt der Krieg in die Stadt und eine Flucht ist unumgänglich. Zehn Jahre später, er ist mittlerweile Anfang zwanzig, besucht Aleksandar seine Heimat und die, die dort geblieben sind. FORM: Nachdem Stanišićs VOR DEM FEST mein persönliches Buch des Jahres 2014 war, schlug ich WIE DER SOLDAT… mit großer Vorfreude auf und wurde nicht enttäuscht. Dieses Buch ist grandios! Stanišić schreibt humorvoll aber auch rührend, poetisch aber auch modern, vor allem aber innovativ. Am ehesten lässt sich sein Stil mit dem Jonathan Safran Foers vergleichen, dessen Bücher ich ebenso großartig finde. Ich hoffe, Stanišić lässt sich mit seinem nächsten Roman nicht wieder acht Jahre Zeit… FAZIT: Ich brauche mehr… fünf Sterne! *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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  • Grandioser tragikkomischer Schelmenroman

    Wie der Soldat das Grammofon repariert

    thesmallnoble

    09. September 2016 um 14:09

    Dieses Buch ist der schönste und beste Beweis dafür, dass exzellente Literatur manchmal mehr leisten kann als -zig Sachbücher und Nachrichtensendungen. Die Konflikte im ehemaligen Jugoslawien sind doch an den meisten von uns vorbei gerauscht - zu kompliziert, zu traurig, zu beängstigend.Mit seinem Aleksandar und seinen anderen Figuren hat Stanisic "Helden" geschaffen, die in der Lage sind, Herzen von Lesern weltweit zu bewegen - gerade, weil sie so in ihrer Heimat verwurzelt sind - im Guten wie im Bösen.Nun sind "gut" und "böse" simple Kategorien und simpel ist Stanisic Roman keinesfalls, auch wenn er Züge eines Schelmenromans à la "Simplicissimus" aufweist. Denn wie bei jenem grandiosen Epochengemälde aus dem 30-jährigen Krieg, liegen auch bei Stanisic das Heitere, das Groteske und das Schreckliche eng beieinander.Einige Szenen werden den Leser nie mehr verlassen, etwa das Fußballmatch, das sich Serben und Bosnier während einer Gefechtspause auf dem Schlachtfeld liefern.Meisterhaft beschreibt Stanisic wie Hass und Krieg in eine scheinbare Idylle eindringen. Eine erste Vorahnung gibt es schon bei einem fröhlichen Fest auf dem Lande, als einer der serbischen Gäste sich über den "türkischen Zigeunerdreck" ereifert, den die Musiker spielen.Ein Qualitätsmerkmal eines wunderbaren Buches ist, dass es nie, wie ein Schundroman, alle Fragen beantwortet, sondern die richtigen Fragen offen lässt. Mich hat dieses Buch so bewegt, dass ich nun zum Beispiel gerne mehr darüber wissen möchte, wie ein Arzt und Psychiater wie Radovan Karadzic sich zu einem Kriegsverbrecher entwickeln konnte.Ich wünsche Stanisic tragikomischen Roman noch viele Leser, die sich nicht von der Thematik abschrecken lassen sollten. Sie werden mit der Lektüre eines grandiosen Buches belohnt, das sie nicht mehr vergessen werden.

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  • Wie der Soldat das Grammofon repariert hat

    Wie der Soldat das Grammofon repariert

    TinaGer

    14. January 2015 um 22:25

    Sasa Stanisic schreibt aus Kinderperspektive und schreibt immer wieder autobiografisch von der eigenen Flucht aus der Heimat Visegrad an der Drina - dem schönen Fluss. Wie so oft sind Kinderperspektiven, vor allem in der süffig bildhaften Sprache Stanisics fesselnd, wie hemmend gleichermaßen. Stanisic bemüht Zeitsprünge und Kapriolen, wie die des durchgehenden Hengstes, der alle Zäune mit Leichtigkeit nimmt, um die Kinderperspektive zu halten, um das Märchenhafte, das Entrückte trotz Krieg und Schrecken im Kinderblick zu behalten. Sobald ihm die Worte ausgehen, sobald die Perspektive nicht mehr ausdrücken kann, was sein Herz vielleicht nicht hergeben mag, springt er davon und landet in Schulaufsätzen, in Geschichten von Welsen mit Nickelbrillen und Fußballspielen zwischen den Soldaten, die sich vor und nach der Waffenruhe noch die Köpfe zusammenschossen. Das hat Kraft, doch täuscht nicht über die Defizite im Gesamtbild hinweg. Das Buch kann vieles, doch eben nicht alles. Es ist immer wieder faszinierend, wie Stanisic die guten Geschichten auch in schlechten Zeiten zu erzählen vermag, doch es verbleiben Leerstellen, die er nicht füllen kann, die er überspringt. Als meine erste Lektüre über den Bosnienkrieg dennoch ein guter Start. Leseempfehlung für Einsteiger in das Thema - wie mich.

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  • Wie der Soldat das Grammofon repariert

    Wie der Soldat das Grammofon repariert

    Samtpfote

    22. September 2014 um 22:03

    Beschreibung: Als der Bürgerkrieg in den 90er Jahren Bosnien heimsucht, flieht der junge Aleksandar mit seinen Eltern in den Westen. Rastlos neugierig erobert er sich das fremde Deutschland und erzählt mit unbändiger Lust die irrwitzigen Geschichten von damals, von der großen Familie und den kuriosen Begebenheiten im kleinen Višegrad. Aleksandar fabuliert sich die Angst weg und "die Zeit, als alles gut war" wieder herbei. Aleksandar wächst in der kleinen bosnischen Stadt Višegrad auf. Sein größtes Talent ist das Erfinden von Geschichten: Er denkt gar nicht daran, sich an die Themen der Schulaufsätze zu halten, viel zu verrückt sind die Erntefeste bei seinen Urgroßeltern, viel zu packend die Amokläufe betrogener Ehemänner und viel zu unglaublich die Geständnisse des Flusses Drina. Als der Krieg mit grausamer Wucht über Višegrad hereinbricht, hält die Welt, wie Aleksandar sie kannte, der Gewalt nicht stand, und die Familie muss fliehen. In der Fremde eines westlichen Landes erweist sich Aleksandars Fabulierlust als lebenswichtig: Denn so gelingt es ihm, sich in diesem merkwürdigen Ort namens Deutschland zurechtzufinden und sich eine Heimat zu erzählen. Seinen Opa konnte er damals nicht wieder lebendig zaubern, jetzt hat er einen Zauberstab, der tatsächlich funktioniert: seine Phantasie holt das Verlorene wieder zurück. Als der erwachsene Aleksandar in die Stadt seiner Kindheit zurückkehrt, muss sich allerdings erst zeigen, ob seine Fabulierkunst auch der Nachkriegsrealität Bosniens standhält. Mit "Wie der Soldat das Grammofon repariert" hat Saša Stanišić einen überbordenden, verschwenderischen, burlesken und tragikomischen Roman über eine aussergewöhnliche Kindheit unter aussergewöhnlichen Umständen geschrieben, über den brutalen Verlust des Vertrauten und über das unzerstörbare Vertrauen in das Erzählen. Inhalt: Aleksandar erzählt seine Geschichten von Herzen, er beschreibt, was er sieht und er macht Listen von alltäglichen Dingen, die er nicht vergessen will. Das Erzählen hat er von seinem Grossvater Slavko gelernt, dessen Tod Aleksandar und die ganze Familie erschüttert hat. Und weil er versprochen hat, nie mit dem Erzählen aufzuhören, erzählt er immer weiter. Sein Lehrer bewertet seine Aufsätze als Ausgeburt kindlicher Fantasie, welche immer das Thema verfehlen und somit häufig nur sehr knapp genügend sind. Aber Aleksandar gibt nicht auf. Er erzählt von seiner Tante Taifun, die ihr Kind sicher drei Monate zu früh bekommen wird, weil sie in allem immer die Schnellste ist, von seiner Uroma, welche ein Comwboy ist und von der Einweihung der ersten Innentoilette in seinem Dorf. Dabei ist er immer an allem interessiert, was gerade passiert, was noch unvollkommen und unfertig ist, und was er sich wünscht. Also malt er unfertige Bilder und unterhält damit seine Familie. Das Malen hat er von seinem Vater, dieser ist schliesslich Künstler und malt täglich. Auch ein Fest beschreibt er, welches eskaliert, die Häuser, die Menschen und ihre Geschichten und die Drina. Seine Drina. Dieser Fluss, welcher stolz durch Višegrad fliesst und der ein Gesprächspartner für Aleksandar geworden ist. Die Drina spielt in dieser ganzen Geschichte eine grosse und wichtige Rolle. Schliesslich angelt Aleksandar fast täglich in der Drina, er spricht mit ihr und sie antwortet ihm. Die Drina darf aber nicht nur eine schöne Rolle spielen. Im Krieg werden die Leichen der Hingerichteten in ihr versenkt und auch wenn der Erzählton des jungen Mannes sehr pubertär scheint, so werden doch die Schrecken des Krieges klar und brutal ersichtlich. Auch wenn das Kind im Erzähler nicht alles begreifen kann, was vor sich geht, so versteht der Leser, was mit den Erzählungen und angedeuteten Situationen gemeint ist. Aleksandar muss schliesslich flüchten, seine Familie geht nach Deutschland. Wie er Deutschland erlebt und was er in Deutschland erlebt, erzählt er mit genau diesem Hunger auf Geschichten, den er schon vorher in sich trug und lässt den Leser so an dieser neuen Welt teilhaben. Doch seine Heimat hat er nicht vergessen.Während er noch in Bosnien war, hat er Listen gemacht. Listen von allen Menschen, die er kennt, Listen, in denen er alle Distanzen, die ihm wichtig waren, in Schritten gemessen hat, Listen von Dingen und Wörtern, die er nie vergessen wollte und Listen von Häusern und dem ganzen Dorf. Mitten in der Nacht beschliesst er, sich seiner Geschichte zu stellen und macht sich mit seinen Listen auf in seine Heimat Višegrad, wo er jetzt fast ein Fremder ist. Er besucht seine Verwandten, mit denen er nicht mehr vertraut ist und er trifft sich mit der Drina, welche immer so schöne Geschichten erzählen konnte und jetzt nur noch traurige Geschichten übrig hat. Meine Meinung: Wie der Soldat das Grammofon reapiert ist ein Buch, welches sich nicht mit wenigen Worten beschreiben und loben lässt. Mit einer uglaublichen Frische und einem brillanten Erzählstil zeigt uns der Autor Saša Stanišić seine Heimat und die Liebe zu Land und Leuten, welche er immer noch in seinem Herzen trägt. Er spielt mit den üblichen Balkan-Klischees und -Vorurteilen, er übertreibt und zwinkert dabei mit den Augen. Dieses Buch besteht aus vielen zusammen gefügten Geschichten, welche eigenständig eine Begebenheit aus Aleksandars Vergangenheit schildern und sich trotzdem aufeinander beziehen. Ausserdem findet sich ziemlich in der Mitte des Romanes ein Buch im Buch, welches der junge Protagonist in seiner Kindheit geschrieben hat und eine Sammlung von Ideen und Geschichten beinhaltet, die damals wichtig waren. Dieses Buch im Buch endet genau dort, wo der eigentliche Roman begonnen hat, nämlich beim Tod des Grossvaters Slavko und erklärt so, was vor diesem Todesfall geschehen ist und was früher im Leben des Jungen von Bedeutung war. Manchmal fühlt es sich an, als wäre man mitten im Geschehen, aber trotzdem sieht man nur durch ein Fernglas zu. Und manchmal wird man als Leser mit Informationen überflutet und überfordert mit dem, was man im Gegenteil zum kindlichen Aleksandar bereits verstehen und begreifen kann und was betroffen und traurig und hilflos macht. Am meisten hat mich diese Rückkehr des mittlerweile erwachsenen Mannes erschüttert. Was er in seiner Heimat vorfindet, erzählt bekommt und erleben muss, deckt sich mit so vielen Geschichten, welche ich von "Rückkehrern" gehört und gelesen habe. Diese Ohnmacht, nichts mehr ändern oder bewirken zu können und nur noch akzeptieren zu müssen, macht regungslos. Und dieses Wissen darum, dass man eine friedliche Heimat verlassen musste und nun als Fremder zurück kehrt, macht alles nicht einfacher. Indem Aleksandar aber seine Vergangenheit akzeptiert und es wagt, sich sowohl an die schönen, als auch an die schlimmen Dinge zu erinnern, kann er abschliessen und für sich einen Neubeginn wagen. Einen Neubeginn, welcher aus Wissen, Erfahrung und vielen schönen und auch traurigen Geschichten besteht. Fazit: Selten hat mich ein Buch so gefesselt und berührt und selten hat mich ein Buch zugleich auf so intelligente Art unterhalten und auf andere Gedanken gebracht. Dieser Roman ist ein Schatz, welcher alle nur menschenmögliche Gefühle vereint und tausende von Geschichten und Schicksalen zusammen fügt. Ich lege euch dieses Buch ans Herz mit dem Wissen, dass ich es selber wohl noch einige Mal lesen werde. Zusätzliche Infos: Autor: Saša Stanišić Taschenbuch: 313 Seiten  Verlag: btb Tb Sprache: Deutsch ISBN 978-3-442-73762-8

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  • Rezension zu "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Sasa Stanisic

    Wie der Soldat das Grammofon repariert

    pape

    03. February 2010 um 13:30

    Der 1. Dezember 2009 war ein besonderer Tag. Es war der Tag, an dem ich Saša Stanišić bei einer Lesung erleben durfte und noch nie habe ich so gelacht auf einer Lesung. Eines stand danach für mich fest, ich muss den Roman dieses Mannes lesen. In „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ erzählt Aleksandar von seiner Kindheit in Višegrad, Geschichten seiner Familie und seines Flusses, der Drina. Dies tut er mit unglaublicher Erzähllust, denn „die wertvollste Gabe ist die Erfindung, der größte Reichtum die Fantasie“ hat ihm sein Opa Slavko mit auf den Weg gegeben. Den 1992 ausbrechenden Bürgerkrieg schildert er ohne Hintergründe zu benennen oder Interpretationen, eben aus der Sicht eines Kindes beobachtet. Die Flucht mit seinen Eltern nach Deutschland lässt den Jungen Aleksandar erwachsener und seine Sprache nüchterner werden, seinen Humor verliert er dadurch allerdings nicht. Am Ende kehrt Aleksandar nach 10 Jahren wieder in seine vom Krieg zerstörte Heimat zurück, auf der Suche nach Freunden und Erinnerungen und ein wenig auch auf der Suche nach seiner kindlichen Sprache und Fantasie. „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ ist kein Roman, den man in einem Rutsch verschlingt, es ist ein Buch, bei dem man jeden Tag ein kleines Stück wunderbare Sprache und Erzählkunst genießt, was erklärt, warum ich ungewöhnlich lange zum Lesen gebraucht habe. Leider hat Saša Stanišić im Moment kaum Zeit, seinen zweiten Roman zu schreiben. Die Zeit bis dahin werde ich mir mit seinen Kolumnen in der Zeitschrift U-Mag und dem von ihm gesprochenen Hörbuch verkürzen.

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  • Rezension zu "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Sasa Stanisic

    Wie der Soldat das Grammofon repariert

    Pankraz

    10. October 2008 um 00:20

    "Oma möchte vorne fahren, Miki parkt aus, sie sagt: einmal hat Slavko für mich die Wohnung in Blumen gelegt, einmal hat er vor dem ZK, statt einer Rede, Rotkäppchen in einer eigenen Fassung vorgetragen, einmal hat er prophezeit, es kann nicht gut ausgehen, dass wir alle nur Ideale haben, aber keine Alternativen zu den Idealen, und einmal hat er darüber nachgedacht, mich zu betrügen, ich habe es an seinen Küssen geschmeckt." Sasa Stanisic erzählt Geschichten, erzählte Geschichten, Geschichten des Großvaters, eigene Geschichten, der durchs Leben stolpernde Aleksandar macht Listen und sucht seine Asija, seine Liebe in den Wirren des Krieges... "Ich nenne sie nicht Flüchtlinge, ich sage: Schützlinge. Sie haben ein Mädchen mit so hellem Haar beschützt, dass ich meinen Vater fragen muss, ob es für so ein Hell einen Farbnamen gibt. Er sagt: Schön. Ich sage: Schön ist keine Farbbezeichnung. Schön und ihr Onkel mit dem gezwirbelten Schnurrbart essen mit uns im Keller. Ibrahim wartet, bis Schön mit dem Kopf auf seinem Schoß eingeschlafen ist und erzählt leise von ihrer Flucht. (...) Wir sind die Letzten aus unserem Dorf, Ibrahim überlegt kurz, wir sind die Letzten aus unserem Nichts." Man erfährt, "wann etwas ein Ereignis ist, wann ein Erlebnis, wie Mister Hemingway und Genosse Marx zueinander stehen, was hinter Gottes Füßen gespielt wird und wofür sich Kiko die Zigarette aufhebt". Geschichten von Bildern, die nicht fertig gemalt werden, von der Großmutter, von der Tante Taifun, die gegen Carl Lewis läuft, Geschichten vom Fluss... "Cika Hasan und Cika Sead angeln nicht aus Vergnügen, sie angeln nicht aus Lust am Kampf mit dem Fisch, sie angeln nicht weil sie Ruhe suchen, sie angeln nicht, weil man nichts Schlechtes denken kann, während man in der Drina angelt. Hasan angelt, weil er mehr Fische fangen will als Sead, Sead angelt, weil er mehr Fische fangen will als Hasan. Ich bin es, der aus all den anderen Gründen angelt, und weil mir gebratener Fisch schmeckt, und ich fange trotzdem mehr als die beiden zusammen." Geschichten auch vom Fussballschiedsrichter, der im falschen Moment nach Hause kommt, Geschichten vom "Genossen Tito", Geschichten, wie richtig und falsch Geschichten sein können. All dies könnte verworren sein, chaotisch und wirr. All dies ist einfach nur das eindringlichste Buch gegen Gewalt und für Menschlichkeit, welches man seit langem gelesen hat. Man könnte endlos zitieren, lässt es aber gut sein. Nur einen noch... "Viele Geschichten kennt Zoran nicht. Das kommt daher, weil ihm im eigenen Leben etwas so Unglaubliches passiert ist, dass er nichts mehr erfinden muss." "Wie der Soldat das Grammofon repariert" - wie viele Sterne gibt es hier zu vergeben? - einfach noch ein paar dazuzählen.

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  • Rezension zu "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Sasa Stanisic

    Wie der Soldat das Grammofon repariert

    ude

    19. September 2008 um 17:39

    Anfangs fand ich sehr originell und erheiternd, wenn auch der Schreib-Gestus von anderen Schelmenromanen bekannt ist. Aber dann wurde es mir etwas zu anstrengend: Weil der Tonfall immer gleich bleibt, immer ulkig und schweijkhaft. Vielleicht wäre weniger hier mehr gewesen.

  • Rezension zu "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Sasa Stanisic

    Wie der Soldat das Grammofon repariert

    ChiefC

    09. October 2007 um 13:50

    Dieses Buch ist der schönste und beste Beweis dafür, dass exzellente Literatur manchmal mehr leisten kann als -zig Sachbücher und Nachrichtensendungen. Die Konflikte im ehemaligen Jugoslawien sind doch an den meisten von uns vorbei gerauscht - zu kompliziert, zu traurig, zu beängstigend. Mit seinem Aleksandar und seinen anderen Figuren hat Stanisic "Helden" geschaffen, die in der Lage sind, Herzen von Lesern weltweit zu bewegen - gerade, weil sie so in ihrer Heimat verwurzelt sind - im Guten wie im Bösen. Nun sind "gut" und "böse" simple Kategorien und simpel ist Stanisic Roman keinesfalls, auch wenn er Züge eines Schelmenromans à la "Simplicissimus" aufweist. Denn wie bei jenem grandiosen Epochengemälde aus dem 30-jährigen Krieg, liegen auch bei Stanisic das Heitere, das Groteske und das Schreckliche eng beieinander. Einige Szenen werden den Leser nie mehr verlassen, etwa das Fußballmatch, das sich Serben und Bosnier während einer Gefechtspause auf dem Schlachtfeld liefern. Meisterhaft beschreibt Stanisic wie Hass und Krieg in eine scheinbare Idylle eindringen. Eine erste Vorahnung gibt es schon bei einem fröhlichen Fest auf dem Lande, als einer der serbischen Gäste sich über den "türkischen Zigeunerdreck" ereifert, den die Musiker spielen. Ein Qualitätsmerkmal eines wunderbaren Buches ist, dass es nie, wie ein Schundroman, alle Fragen beantwortet, sondern die richtigen Fragen offen lässt. Mich hat dieses Buch so bewegt, dass ich nun zum Beispiel gerne mehr darüber wissen möchte, wie ein Arzt und Psychiater wie Radovan Karadzic sich zu einem Kriegsverbrecher entwickeln konnte. Ich wünsche Stanisic tragikomischen Roman noch viele Leser, die sich nicht von der Thematik abschrecken lassen sollten. Sie werden mit der Lektüre eines grandiosen Buches belohnt, das sie nicht mehr vergessen werden.

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  • Rezension zu "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Sasa Stanisic

    Wie der Soldat das Grammofon repariert

    HeikeG

    18. April 2007 um 18:44

    Die wertvollste Gabe ist die Erfindung, der größte Reichtum die Fantasie. Diese Lebensweisheit gibt Opa Slavko seinem Enkel Aleksandar am Tag seines Todes mit auf den Weg. Und Aleksandar hält sich daran. Fortan findet er alles Abgeschlossene unnötig, unglücklich und unverdient und versucht sich als "Fähigkeitenzauberer". Er erzählt mit unbändiger Lust die irrwitzigen Geschichten seiner Kindheit, von der großen Familie und den kuriosen Begebenheiten im kleinen Višegrad, zuweilen brüllend komisch. Als 1992 der Bürgerkrieg ausbricht, lässt er uns in seiner naiv-altklugen Kindersicht daran teilnehmen. Angst spielt dabei eine geringe Rolle. Politische Hintergründe werden fast vollständig ausgeblendet, Kriegsereignisse lediglich beschrieben, ohne sie zu interpretieren. Es ist vielmehr die Ungläubigkeit der großen Kinderaugen, die lediglich die Fakten benennt, ohne sie in einen großen Zusammenhang zu stellen. Hier wird deutlich, wie kindliche Beobachtung funktioniert. Immer nüchterner wird der Erzählstil, als der junge Aleksandar mit seinen Eltern nach Deutschland flieht. Zu stark waren die traumatischen Erlebnisse, zu kühl die Atmosphäre in dem neuen Land und immer "erwachsener" wird er. Zwischenzeitlich flieht er in frühe Kindheitserinnerungen, "als alles noch gut war", was sich sogar in den Kapitelüberschriften widerspiegelt (sie sind jetzt wesentlich kleiner dargestellt) Erst bei einem Besuch seiner geliebten Heimat nach zehn Jahren Exil kommt die Fabulierfreude wieder zum Vorschein, obwohl ihn das immer noch traumatisierte Land und seine verbliebenen Bewohner stark erschüttern. "Wie der Soldat das Grammofon repariert" ist ein märchenhaft schönes und wahrlich beeindruckendes Meisterwerk. Gerade wegen des manchmal stark übertriebenen und daher schon fast verzweifelt anmutenden Erfindungsreichtums des Protagonisten Aleksandar, der sich mit aller Macht eine heile, idyllische Welt voller wundersamer Begebenheiten erschaffen möchte, spiegelt dieses Buch eindringlicher als so manche Kriegsberichterstattung die Gräuel des Krieges wider. Sicherlich trägt dieser Roman stark autobiografische Züge, denn es war 1992, als der 1978 in Bosnien geborene Autor mit seiner Familie im deutschen Exil Zuflucht suchte. Seit 2001 schreibt und publiziert er deutschsprachige Texte und das für jemand, für den Deutsch im Grunde immer noch eine Fremdsprache ist. Es ist schon faszinierend, wie der junge Bosnier den Deutschen zeigt, was man mit deutschen Worten so Feines zaubern kann. Es zeigt, wie intensiv Stanišic sich mit der deutschen Sprache auseinander gesetzt haben muss. Fazit: Wer ein wirklich gutes Buch lesen möchte, dem sei allerwärmstens und dringlichstens zu Saša Stanišic "Wie der Soldat das Grammofon repariert" geraten, aber eines sollte klar sein, es ist keine leichte Kost. Aber wenn man sich darauf einlässt, dann ist es ein wunderbar melancholischer Genuss. Ein Auszug aus dem Buch beschreibt für mich eigentlich alles zu diesem Roman: "Eine gute Geschichte... ist wie unsere Drina [der Fluss seiner Heimatstadt]: nie stilles Rinnsal, sie sickert nicht, sie ist ungestüm und breit, Zuflüsse... reichern sie an, sie... brodelt und braust, wird hier und da seichter, dann sind das aber... Ouvertüren zur Tiefe und kein Plätschern. Aber eines können weder die Drina noch die Geschichten: für beide gibt es keine Zurück." Für mich persönlich ist Stanišic der eigentliche Gewinner des Deutschen Buchpreises 2006.

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