Sasha Filipenko

 4,1 Sterne bei 334 Bewertungen
Autor von Rote Kreuze, Der ehemalige Sohn und weiteren Büchern.
Autorenbild von Sasha Filipenko (©Lukas Lienhard / © Diogenes Verlag)

Lebenslauf

Sasha Filipenko, 1984 in Minsk geboren, ist ein weißrussischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Comedian. "Rote Kreuze" ist der erste seiner Romane, der aus dem Russischen übersetzt wurde und auf Deutsch erscheint. Er lebt heute mit seiner Familie in St. Petersburg.

Neue Bücher

Cover des Buches Die Jagd (ISBN: 9783257247534)

Die Jagd

 (31)
Erscheint am 25.09.2024 als Taschenbuch bei Diogenes.
Cover des Buches Der Schatten einer offenen Tür (ISBN: 9783257071597)

Der Schatten einer offenen Tür

Erscheint am 25.09.2024 als Gebundenes Buch bei Diogenes.

Alle Bücher von Sasha Filipenko

Cover des Buches Rote Kreuze (ISBN: 9783257246131)

Rote Kreuze

 (183)
Erschienen am 24.11.2021
Cover des Buches Der ehemalige Sohn (ISBN: 9783257246551)

Der ehemalige Sohn

 (92)
Erschienen am 22.02.2023
Cover des Buches Die Jagd (ISBN: 9783257247534)

Die Jagd

 (31)
Erscheint am 25.09.2024
Cover des Buches Kremulator (ISBN: 9783257072396)

Kremulator

 (18)
Erschienen am 22.02.2023
Cover des Buches Der Schatten einer offenen Tür (ISBN: 9783257071597)

Der Schatten einer offenen Tür

 (0)
Erscheint am 25.09.2024
Cover des Buches Rote Kreuze (ISBN: 9783257804164)

Rote Kreuze

 (7)
Erschienen am 26.02.2020
Cover des Buches Kremulator (ISBN: B0BVZGJX2K)

Kremulator

 (2)
Erschienen am 22.02.2023
Cover des Buches Rote Kreuze (ISBN: B088F15DQX)

Rote Kreuze

 (1)
Erschienen am 11.05.2020

Neue Rezensionen zu Sasha Filipenko

Cover des Buches Rote Kreuze (ISBN: 9783257804164)
Tilman_Schneiders avatar

Rezension zu "Rote Kreuze" von Sasha Filipenko

toll gelesen
Tilman_Schneidervor einem Monat

Alexander fängt neu an und zieht mit seiner Tochter um. Die Vermieterin berichtet von der netten alten Dame, die nebenan wohnt. Leider hat sie Alzheimer. Alexander lernt Tatjana kennen und fast jedes mal neu. Sie aber erinnert sich an früher an die bewegte und auch schreckliche Geschichte Russlands. Sie erzählt ihm von ihrer Schuld un ihrem Leid. Aber auch Alexander hat ein Schicksal, dass nur sehr wenige mit ihm teilen. Die Beiden werden Vertraute, Erzähler und Zuhörer und entfalten somit ganz unbewusst die Geschichte Russlands und all ihre Facetten. Der Autor versteht es wunderbar Stimmungen zu Erzeugen und Geschichte lebendig werden zu lassen und er beschreibt wunderbar, was Gefühle und Angst mit einem machen und was ein Gespräch für einen Menschen bedeuten kann. Tolles Hörbuch und Robert Stadtlober ist eben nicht nur ein großartiger Schauspieler und Musiker, sondern eben auch ein toller Hörbuchsprecher.

Cover des Buches Kremulator (ISBN: 9783257072396)
Buecherseele79s avatar

Rezension zu "Kremulator" von Sasha Filipenko

Hochaktuell
Buecherseele79vor 3 Monaten

Pjotr Nesterenko arbeitet als Direktor des Moskauer Krematoriums. Der Tod ist ihm vertraut. Auch wer die Toten sind, wer sie oft getötet hat. Doch 1941 wird Pjotr selbst verhaftet und muss versuchen seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen....

"Wir haben nur Macht über jene, die vor uns sterben, und sind jenen, die uns überleben, ohnmächtig ausgeliefert." (Seite 103)

Sasha Filipenko hat einen Roman über Russland seine Vergangenheit geschrieben, auf Grund historischer Dokumente die ihm von der Organisation "Memorial" zur Verfügung gestellt wurden.

Ich bewundere den Schreibstil und das Erzählen des Autors, denn dies liegt ihm zu 100 Prozent. Auch hier hat mich die Geschichte um die Vergangenheit Russlands und Pjotr gepackt.

Pjotr ist viel in der Welt herum gekommen. Am liebsten fliegt er und kann in der Luft wunderbar abschalten. Dich genau dieses Leben, sein Leben, wird ihm nun zum Verhängnis als er 1941 festgenommen wird.

Jedoch glaubt Pjotr weiterhin alles unter Kontrolle zu haben. Er weiss wie das System arbeitet und funktioniert und zusammen mit Pjotr war ich Recht lange guter Hoffnung.

Sein Leben ist spannend, natürlich erzählt Pjotr nicht alles so ganz genau, geht es doch um politische Situationen die ihn noch mehr in Bedrängnis bringen könnten.

Manchmal war es etwas schwer zu unterscheiden was Pjotr sich ausdenkt oder wünscht und was nun sich wahrlich zugetragen hatte. Jedoch wird dies am Ende aufgeklärt.

Dass sein Schicksal feststeht wird nicht nur Pjotr irgendwann bewusst sondern auch der Leserschaft. Ein perfides Spiel.

Durch seine Tätigkeit als Direktor des Moskauer Krematoriums weiss Pjotr wie das System von Stalin funktioniert, er weiss was auf dem Spiel steht, wie unsicher die Sicherheit des eigenen Lebens ist.

Sasha Filipenko schlägt gekonnt eine Brücke vom Russland damals zum Russland heute und wenn man sich für die politischen Belange interessiert dann werden die gleichen Stränge und Verfahren/Abläufe sofort ins Auge springen.

Ob Stalin oder Putin macht keinen Unterschied mehr.

Ob das Buch jedem liegen wird ist selbst zu entscheiden. Sasha Filipenko hat hier wieder den Finger auf eine offene Stelle gelegt und die Geschichte perfekt umgesetzt. 


Cover des Buches Rote Kreuze (ISBN: 9783257246131)
P

Rezension zu "Rote Kreuze" von Sasha Filipenko

Erinnern und Vergessen
petraellenvor 4 Monaten

Autor

Sasha Filipenko

 

Inhalt

Der junge Alexander ist gerade nach Minsk gezogen. Vor kurzem hat er seine Frau verloren und muss sein Leben mit seiner kleinen Tochter neu ordnen. 

Auf dem Stockwerk seiner Wohnung lebt noch eine neunzig Jahre alte Frau, alleinstehend und an Alzheimer erkrankt. Nach einer kleinen Stadterkundung kommt er zu seiner Wohnung zurück und stellt mit Erstaunen fest, dass jemand ein rotes Kreuz auf seine Wohnungstür gemalt hat. Es stellt sich heraus, dass seine Nachbarin Tatjana Alexejewna es war. Alexander hält es zunächst für einen Scherz, doch Tatjana Alexejewna erklärt ihm, dass sie das Rote Kreuz braucht, um den Weg nach Hause zu finden. Sie erklärt Alexander, dass bei ihr kürzlich Alzheimer diagnostiziert wurde. Sie weiß, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die Krankheit ihr Gedächtnis zerstört und ihre Erinnerungen ausgelöscht hat. Tatjana bittet Alexander in ihre Wohnung und will ihm ihre Geschichte erzählen. Eigentlich möchte er nicht auf einen Plausch zu ihr kommen, doch dann fesselt ihn die Lebensgeschichte. 

 

„»… Ich würde Ihnen gern eine unglaubliche Geschichte erzählen. Eigentlich keine Geschichte, sondern eine Biographie der Angst. Ich möchte Ihnen erzählen, wie das Grauen den Menschen unvermittelt packt und sein ganzes Leben verändert.«“  (S. 15)

 

Sie erzählt von ihrer Vergangenheit, an die sie sich noch gut erinnern kann. Sie erzählt von dem Zweiten Weltkrieg, ihrer Arbeit im Außenministerium. Ihr Mann Ljoscha wurde vermisst und ihre Tochter Assja entriss man ihr, als sie wegen Volksverrat ins Lager kam.

Sie erzählt ein schockierendes Kapitel der russischen Geschichte, wie die Sowjetunion die russischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg im Stich ließ, wie ihre Familien als Verräter verfolgt wurden.

 

Sprache und Stil

Tatjana Alexejewna wird in London geboren. Anfang 1920 zieht sie mit ihrer Familie nach Moskau. Ihr Vater Alexej Alexejewitsch Bely sieht in dem Regierungswechsel „eine Revolution des Geistes! Petersburg und Moskau sind jetzt Städte des kleinen Mannes!“ (S. 23) 

Tatjana begeistert sich für den Kommunismus. Sie dient ihrem Land und wird doch verhaftet.

Sie arbeitet als Fremdsprachensekretärin im Außenministerium, als sie einen Brief bekommt, den sie übersetzen soll. Es ist eine Liste mit Namen russischer Kriegsgefangener in Rumänien, auf der sie den Namen ihres Mannes entdeckt. Sie weiß, dass Kriegsgefangene und ihre Familien als Verräter verfolgt und in den Gulag geschickt werden. Sie nimmt den Namen aus der Liste und setzt einen anderen Namen, der bereits schon auf der Liste steht, dazu.

Die gefährliche Einmischung zum Schutz ihres Mannes hat nicht die Wirkung, die sie sich vorstellt. Sie wird als Verräterin bestraft und verbringt fast zehn Jahre voller psychischer und körperlicher Misshandlungen in einem weit entfernten, entsetzlichen Lager, ohne zu wissen, was mit ihrem Mann und Kind geieht. Erst nach der Haftentlassung erfährt sie, dass beide nicht mehr leben. Zudem plagt sie das schlechte Gewissen, einen Betrug vorgenommen zu haben, von dem sie sich eine Rettung erhoffte. 

 

Sie ist am Ende ihres Lebens angekommen. Sechzig Jahre später erzählt sie ihre Lebensgeschichte ihrem jungen Nachbarn. Ihre Geschichte beginnt in Moskau 1941, als Russland schon im Krieg gegen das Nazideutschland steht. Sie erzählt von dem Wahnsinn der wütenden, stalinistischen Säuberungen.

 

Trotz alledem hat sie ihren Kampfgeist bewahrt und kämpft dafür, dass nichts vergessen wird. 

 

Das Band zwischen Tatjana und Alexander

Tatjana hat Mann und Tochter verloren.

Alexander musste eine schwierige Entscheidung treffen. Er konnte wenigstens seine Tochter retten. 

Beide sind verlassenen und beide werden mit dem Vergessen, Erinnern konfrontiert. Alexander hat kein Alzheimer und muss trotzdem gegen das Vergessen kämpfen.

Die Metapher „Alzheimer“ ist im Roman „Rote Kreuze“ allgegenwärtig.

 

Die Alzheimer-Krankheit als Schlüsselrolle 

Tatjana hat Alzheimerkrankheit. Alzheimer beginnt mit leichten Gedächtnisstörungen und dem Betroffenen fällt es zunehmend schwer, sich in fremder Umgebung zu orientieren.

Es folgen deutliche Ausfälle bis zum Kontrollverlust. Das weiß Tatjana und kokettiert damit. „Ihr fällt der Vatername nicht mehr ein“ (S. 12).

Der Autor setzt die Alzheimerkrankheit als Metapher ein. Als Mahnung der Erinnerung und gegen das Vergessen. Es ist ein Aufschrei gegen das Vergessen. Hier insbesondere gegen das kollektive gesellschaftliche Vergessen, der Repressionen in den sowjetischen Republiken.

Die „Roten Kreuze“ stehen ebenfalls für „Alzheimer.“ Sie zeigen den Weg, dieses Vergessen zu verhindern. Die zahlreichen Dokumente geben Aufschluss darüber, was geschehen ist. Menschen, die davon betroffen waren, bekommen Namen, sie werden namentlich genannt. Die Schicksale werden sichtbar.

Denn nicht nur die Alzheimerkrankheit lässt vergessen, sondern auch eine Generation, die dies miterlebt hat, wird eines Tages nicht mehr da sein und darüber reden können. Und daher ist es wichtig, dass nichts in Vergessenheit gerät. 

 

„Aber jetzt, wo in meinem Leben alles vorbei ist…jetzt denkt sich Gott, dieser von mir erdachte Gott, für mich Alzheimer aus, weil er Angst hat! Er hat Angst, mir in die Augen zu schauen! Er will, dass ich alles vergesse.“ (S. 197)

 

Historische Fakten, die überprüfbar sind  

Sasha Flilipenko verwendet in seinem Roman „Rote Kreuze“ Dokumente, die er in Genf recherchiert hat, denn in Moskau werden diese Dokumente unter Verschluss gehalten. Das alleine ist schon sehr wertvoll, die Dokumente zu lesen. Sie bilden letztendlich auch die historische Grundlage für seinen Roman. Oftmals kann man aus den Dokumenten entnehmen, dass auf Briefe oder Telegramme keine Antwort kam „unbeantwortet geblieben“.

Jedes Dokument und jedes Telegramm stellt einen „Stolperstein" dar. Die Aussagen sind gewaltig. Wie wenig war man an Menschen interessiert, diese zurückzuholen. „Wir sind immer davon ausgegangen, dass sich in jeder Regierung und in jeder Organisation ein Mensch finden lässt, der sich zurückmeldet. Neun werden nicht antworten, aber der Zehnte wird das lesen und was unternehmen." (S. 266) 

Jedes Dokument hat eine eigene Aussagekraft, ein anderes Schicksal. Es geht um Reden des Volkskommissars, Erklärungen des deutschen Botschafters von Schulenburg, Amnestie-Erlass aus der Prada, Einlieferungsschein in die Krankenstation des Gulag, vieles mehr. Eindrucksvoller kann man diese Zeit 1941/42 in diesem Zusammenhang nicht wiedergeben.

 

Erzählstrategie

Sasha Filipenko baut seinen Roman auf zwei Erzählsträngen auf. Einmal erzählt Tatjana und dann wieder Alexander. Bei beiden wechselt er zwischendurch die Perspektive mit dem Effekt, dass der Leser direkt das Geschehen verfolgen kann. Diese Strategie erzeugt einen Sog in das Geschehen, dem man sich nicht entziehen kann. 

Der Text wird zudem durch Gedichte und Liedtexte aufgelockert.

 

Fazit 

Sasha Filipenko ist ein außerordentlicher Roman gegen das Vergessen der geschichtlichen Verbrechen gelungen. 

Tatjanas Schicksal wird in einem erschütternden, mitreißenden Lebensverlauf erzählt.

Dieser Lebenslauf steht stellvertretend für Millionen anderer Menschen, ist aber nicht fiktiv, sondern real. Genau das macht diesen Roman aus.

Gespräche aus der Community

LovelyBooks lädt auch im Jahr 2020 zu spannenden Challenges ein.

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Liest du gerne Bücher mit Niveau?
Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.


15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2020 bis 31.12.2020 lesen.

Es gelten nur Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.
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Die Regeln:

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Einstieg ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts.

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Es gelten nur Bücher (Achtung: keine Hörbücher, keine Bildergeschichten, keine Graphic Novels), die an diesem Beitrag angehängt sind!

Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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948 Beiträge
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Letzter Beitrag von  Dajobamavor 3 Jahren

Ertauscht.... Aber mach dir keinen Kopf, ist nicht so schlimm! Kann ich sicher tauschen!

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