DIE ELEFANTEN erzählt nicht nur eine absurde Geschichte erzählt, sondern eine politische und gesellschaftliche Metapher benutzt.
Die Elefanten stehen sinnbildlich für den Ausdruck „der Elefant im Raum“ – also für ein offensichtliches Problem, das jeder sieht, aber niemand anspricht. Die Elefanten sind einfach da, (fast) jeder nimmt sie war, aber niemand spricht darüber. Und wenn es jemand wagt außerhalb Regierungskreise davon zu reden wird er angefeindet. Das geht dann bis zur Entmenschlichung, was die Satire am Anfang gleichzeitig zu etwas Grausamen macht, bei dem man die eigene Menschlichkeit hinterfragen muss. Die Tiere selbst sind nur Mittel zum Zweck, sie sind da, spielen aber meist eine eher passive Rolle, beziehungsweise zeigen dem Leser, wie aus Angst geschwiegen wird, obwohl jeder die Wahrheit kennt und wie dieses Schweigen autoritäre Systeme begünstigen kann. Eine politische Parabel darüber, wie alltägliche Kompromisse und Wegsehen zur Entstehung autoritärer Strukturen beitragen können.
Ein ungewöhnliches Buch, dass durch seine Absurdität durchaus Realismus verbreitet und den Leser durch seinen ungewöhnlichen Stil in seinen Bann zieht. Da wird die Handlung oft durch Kommentare aus einem Literaturforum unterbrochen, die sich später … (selber lesen, ich sag nix).
Sprachlich überzeugt der Roman durch einen klaren, präzisen Stil mit trockenem Humor und viel Ironie. Trotz vieler absurder Momente bleibt stets ein bedrückendes Gefühl zurück, hinter der satirischen Oberfläche verbirgt sich eine ernste und erschreckend aktuelle Botschaft. Wer ein gesellschaftskritisches Buch erwartet wird eine skurrile Satire mit unglaublichen Szenen bekommen, genau das, was man erwarten kann. Wer ein Buch über/mit Elefanten erwartet, der wird eine skurrile Geschichte bekommen, in der Elefanten anwesend sind, die aber nur bedingt als Hauptcharaktere bezeichnet werden können. Irgendwie sind sie es schon, aber auf abstrakte Weise. Wenn man sich aber auf DIE ELEFANTEN einlassen will, dann bekommt man ein auf mehreren Ebenen fesselndes und nachdenkliches Buch.
Sasha Filipenko

Lebenslauf
Neue Bücher
Alle Bücher von Sasha Filipenko
Rote Kreuze
Der ehemalige Sohn
Die Jagd
Kremulator
Der Schatten einer offenen Tür
Die Elefanten
Rote Kreuze
Kremulator
Neue Rezensionen zu Sasha Filipenko
Auf einmal waren sie da, die Elefanten. Sie standen einfach so herum. In den Wohnungen, Büros, Straßen. Blockierten Teile des Lebens, machten alles etwas komplizierter und schwieriger. Niemand tat etwas dagegen, und bald waren sie eine Selbstverständlichkeit. Menschen, die dagegen aufbegehrten, wurden zu Außenseitern, ja Querulanten abgestempelt. Und schnell offenbart sich uns diese Allegorie, wofür die Dickhäuter stehen.
Schnell passt sich der Mensch an Bedrohungen und Einschränkungen durch den Staat an, frei nach dem Motto: wenn es nicht schlimmer wird und mich kaum betrifft, was soll's.
Natürlich gibt es Einzelne, wie zum Beispiel den Stand-up-Comedian Pawel, der dagegen aufbegehrt, der ausspricht, was Sache ist, das Problem beim Namen nennt. Er versucht es mit Humor – dennoch verblassen seine anfänglichen Witze darüber schnell. Auch privat leidet seine Beziehung mit Anna – denn wenn die äußeren Einflüsse Druck ausüben, gerät auch das innere Gefüge ins wanken, mit existenziellen Folgen.
Das ist aber in diesem Roman noch nicht alles, denn die Figur von Alexander (Annas Vater und Schriftsteller) besticht durch eine interessante literarische Idee: Er möchte einen Roman schreiben, der nur aus Leserkommentaren aus den Social-Media-Bubbles besteht. Und just finden wir dieses Experiment schwarz auf weiß vor uns, denn Filipenko bedient sich selbst dieses Stilmittels (genial, aber anstrengend).
Was mir jetzt nicht so behagte bei der Lektüre waren die angedeuteten Kreuzworträtsel. Denn ab und zu muss man sich dann ein Wort aus dem zu Beginn stehenden Kreuzworträtsel selbst raus suchen (was nicht besonders schwer ist, aber den Lesefluss unterbricht).
Der Roman ist eine Parabel, ein politischer Fingerzeig, der gezielt auf die offenen Wunden in der Gesellschaft drückt. Die Gefahr schleicht sich ein, Zensur und Diktatur werden schnell als Normal erachtet.
Und gerade in dieser Zeit ist dieses Buch aktueller denn je. Rund um den Globus brennt es, die Feuer geschürt von machtbesessenen Autokraten, denen das Wohl des eigenen Volkes völlig egal ist – man kann auf dem Globus hinschauen, wo man will, diese beißende Kritik trifft überall ins Schwarze.
Gerne gebe ich eine Leseempfehlung für diesen sehr speziellen Roman für alle, die sich auf ein literarisches Experiment einlassen möchten.
Pjotr Nesterenko ist Direktor des Moskauer Krematoriums zur Stalin-Zeit. Bei ihm werden nachts alle Andersdenkenden, angeblichen Spione, Revolutionshelden und sonstige vermeintliche Staatsfeinde kremiert. Als er selbst verhaftet wird, bleibt er optimistisch, denn mit dem Tod kennt er sich ja aus. Nicht nur, wegen seiner Arbeit, sondern auch, weil er dem Tod selbst schon oft knapp entkommen ist…
In diesem Buch befasst sich Filipenko mit den Verhaftungen und Verhören während der Stalin-Zeit. Exemplarisch anhand eines einzigen Verhörs. Erzählt wird im Wechsel durch die Unterhaltung während des Verhörs und durch Erinnerungen, die Nesterenko dann erinnert und erzählt. Obwohl dieses Buch sehr kurz ist, schafft Filipenko es, dieses schwere Thema dem Lesenden sehr persönlich und eindringlich näherzubringen. Der Verhörte „Pjotr“ ist dermaßen positiv eingestellt trotz der schrecklichen Situation, dass es immer wieder sehr bizarr wirkt und mich trotzdem schmunzeln ließ. Möglicherweise lernte man einfach damit zu leben, ständig denunziert werden zu können, vermutlich waren viele aber deutlich verzweifelter als Nesterenko. Filipenko hat sich für dieses Buch an Aufzeichnungen orientiert und diese für mein empfinden meisterhaft verarbeitet.
Ein kurzweiliger, hochinteressanter und sehr gelungener Einblick in eine schreckliche Zeit. Ich kann Filipenko nur jedem empfehlen!
Gespräche aus der Community
Normalerweise haben Menschen Angst vor Veränderungen. Aber als Zisk nach zehn Jahren aus dem Koma erwacht, hat sich zwar seine private Situation völlig verändert, die Situation im Land jedoch ist dieselbe. Zisk ist Belarusse und in seinem Land übt ein Diktator seine zerstörerische Macht aus. Sasha Filipenko ist mit "Der ehemalige Sohn" ein mutiger und fast prophetischer Roman gelungen, in dem er über Repression und Absolutismus im heutigen Belarus erzählt.
"Der ehemalige Sohn" ist unser nächster Roman im Literatursalon!
LovelyBooks lädt auch im Jahr 2020 zu spannenden Challenges ein.
Und auf euch warten tolle Gewinne.
Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist natürlich 2020 wieder dabei!
Liest du gerne Bücher mit Niveau?
Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.
15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2020 bis 31.12.2020 lesen.
Es gelten nur Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.
Auch Neuauflagen – 2020 erschienen - von Klassikern.
Die Regeln:
Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an.
Einstieg ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts.
Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein.
Es gelten nur Bücher (Achtung: keine Hörbücher, keine Bildergeschichten, keine Graphic Novels), die an diesem Beitrag angehängt sind!
Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Nimmst du die Herausforderung an?
Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2020 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.
Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.
Ich freue mich auf viele Anmeldungen!
Teilnehmer:
Ertauscht.... Aber mach dir keinen Kopf, ist nicht so schlimm! Kann ich sicher tauschen!
Mit "Rote Kreuze" vom weißrussischen Schriftsteller Sasha Filipenko eröffnen wir unseren Literatursalon 2020!
Darin berichtet die 90-jährige Tatjana Alexejewna dem jungen Alexander von ihrem Schicksal, woraufhin die beiden eine unerwartete Freundschaft und einen Pakt gegen das Vergessen schließen. Ein großer Roman, der brillant die russische Geschichte beginnend vom Stalin-Terror bis in die Gegenwart erzählt.
Hier gibt es endlich auch meine Rezension: https://www.lovelybooks.de/autor/Sasha-Filipenko/Rote-Kreuze-2374020787-w/rezension/2579762013/
Ich habe sie außerdem auf Amazon veröffentlicht, auf Thalia, Hugendubel, buecher.de und als Beitrag zur Lovelybooks-Themenchallenge 2020.
Ganz herzlichen Dank für diesen Roman, der bislang zu meinen Highlights in diesem Jahr zählt. Und nochmals Entschuldigung, dass ich so spät dran bin.
Welche Genres erwarten dich?
Community-Statistik
293 Bibliotheken
67 Merkzettel
6 Leser*innen





















