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Littlemiss_lissie

vor 7 Monaten

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Als ich das erste Mal bei Instagram über das Buch gestolpert bin, war ich bereits sehr neugierig auf die Geschichte, zumal mich das Cover auch sehr angesprochen hat. Wer hat nicht irgendwo in der letzten Kiste im Keller eine alte Liebe vergraben, die manchmal still und heimlich zurück in den Alltag schleicht und die „Was wäre wenn“-Fragen im Köpfchen füttert?

Genau damit muss sich unsere Hauptprotagonistin Sandra aus „Vor, nach und zwischen dir“ von Saskia Hirschberg herumschlagen. Andrew, ihre Jugendliebe taucht alle Jahre wieder wie ein Geist aus der Vergangenheit in ihrem Leben und ihrem Herzchen auf, um ihr Leben gewaltig auf den Kopf zu stellen.

Saskia Hirschbergs Roman erzählt die Liebesgeschichte von Sandra und Andrew, die sich in ihren Jugendjahren in einem Club kennen lernen und das zu völlig falschen Zeitpunkten, denn Andrew ist ein nach Deutschland versetzter US-Soldat und Sandra eigentlich in festen Händen. Eigentlich. Denn langsam aber sicher verliebt sie sich in den liebevollen Amerikaner, der von Anfang an große Neugier in Sandra weckt. Er ist aufregend, lebensfroh und scheint die Tür zu einem riesigen Abenteuer zu öffnen. Doch ob Sandra dazu bereit ist oder jemals dazu bereit sein wird, wird sich im Laufe des Buches zeigen.

Ganze zwölf Jahre erleben wir mit Sandra, was sich vor, nach und zwischen Andrew ereignet und wie sie als Hauptperson mit ihm – ob anwesend oder nicht – erwachsen wird. Wir als Leser verfolgen die beiden also über mehrere Jahre, in denen sie sich lieben, streiten, Kontakt pflegen oder auch über mehrere Tausend Kilometer getrennt anschweigen. Doch immer bleibt etwas übrig, eine gewisse Verbindung, die vor allem Sandra nicht loszulassen scheint. Andrew ist der Eine – der, von dem Liebeslieder handeln, ja, der Eine, der ab und an in ihrem Herzen herum spuken und die Realität verdrängen wird. Denn er ist der Eine, der nicht geblieben ist.

Sandra war mir zu Beginn des Buches sehr sympathisch, sie wirkt jung, wild und lebenslustig – sie ist auf der Suche nach Leidenschaft und Aufregung. Gemeinsam mit ihren Freundinnen geht sie durch dick und dünn, auch was das Emotionale angeht. Sie leiden und lieben gemeinsam – und sind dabei sehr impulsiv. Insbesondere die tiefe Freundschaft der drei Mädels zueinander, die über all die Jahre andauert, hat mir sehr gut gefallen und mich an meine eigene Jugend erinnert. Im Laufe der Geschichte beobachtet man, wie Sandra heranwächst und sich wandelt. Sie wird ernster, zynischer und nimmt das Leben nicht mehr auf die leichte Schulter, wie das vielleicht noch mit 18 der Fall war. Diese Veränderung der Protagonistin hat mir sehr gut gefallen, da einige Ereignisse im Laufe der Geschichte sehr realitätsnah gewählt wurden und die Hauptperson umso realer und greifbarer für mich werden ließ. Zudem haben mir ihre Gedankengänge gefallen – oder viel mehr ihre inneren Monologe, die mich persönlich an Carries Kolumne aus Sex and the City erinnerten, da sich Sandra mit sehr vielen Themen auf sehr tiefgründige aber auch humorvolle Weise gedanklich auseinandersetzt.

Andrew hingegen scheint von Anfang an der ruhigere Part zu sein, der als Ausgleich zu Sandras impulsiver Art fungiert. Er hat viel Verständnis für Sandras Situation und scheint sich ernsthaft für sie zu interessieren. Im Gegensatz zu Sandra scheint Andrew von Beginn an bereit zu sein, alles für diese Beziehung, die zart und langsam entsteht, zu geben.

Doch natürlich kommt es, wie es kommen muss und Andrew wird in den Irak versetzt, was eine völlig neue Problematik mit in die noch frische Beziehung bringt. Er ist nicht nur in einem anderen Land, sondern tagtäglich einer großen Gefahr ausgesetzt, mit der Sandra nur schlecht als recht umzugehen weiß. Plötzlich ist sie sich nicht mehr sicher, ob sie sich auf jemanden wie Andrew voll und ganz einlassen kann, zu groß ist die Angst vor einem gebrochenen Herzen. Und aus diesem Grund und nicht zuletzt aufgrund von sprachlichen Missverständnissen stößt Sandra Andrew immer wieder von sich fort, aber nur, um ihn darauf wieder an sich zu ziehen. Ein ewiges Hin und Her beginnt, dass nicht nur Andrew völlig verwirrt, auch Sandra weiß nicht wirklich, wo ihr der Kopf steht und was sie eigentlich wirklich will.

Die Geschichte hat mir an sich sehr gut gefallen. Wirkt Sandra äußerst real und intensiv auf mich, so hatte ich allerdings meine Schwierigkeiten mit Andrew, da ich leider nicht direkt mit ihm warm wurde. Er ist als ein verständnisvoller Kerl beschrieben, der ebenfalls Ecken und Kanten aufweist wie Sandra, doch leider für mich nicht derart greifbar wurde. Sandras innerliche Monologe, die sie lebhaft und sympathisch werden ließen, fehlten mir bei Andrew ein wenig. Ich vermisste hier einfach einen gewissen Einblick in seine Gefühlswelt und in seine Sicht der Dinge, da es doch recht schwierig war ihn einzuschätzen, da selbst die Gespräche und Situationen mit Sandra nicht derart tiefe Einblicke in den Charakter von Andrew zuließen.

Die Beziehung der beiden und all die Geschehnisse rund herum wurden allerdings äußerst realistisch und glaubhaft von Saskia Hirschberg beschrieben, aber mir fehlte ein klein wenig die Leidenschaft, die Sandra zu Beginn der Geschichte suchte. Auch wenn sie glaubt, diese in Andrew gefunden zu haben, kam diese innige Liebe zu ihm leider nicht wirklich bei mir an, da mir einfach ein paar gewisse Szenen hierzu fehlten. Versteht mich nicht falsch, ich habe die Geschichte sehr genossen, da mich der Schreibstil der Autorin direkt begeistert hat. Ich habe auch sehr gut ins Buch gefunden und konnte mich sehr gut in die Hauptpersonen hineinversetzen. Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich mich im Buch und in den Gedankengängen von Sandra wiedergefunden habe. Besonders das letzte Drittel des Buches hat mir besonders gut gefallen und ich habe richtig mit den Hauptfiguren mitgelitten, da Saskia Hirschberg wirklich weiß, wie man gewisse Situationen realistisch und nüchtern rüberbringt, ohne zu viel Drama und zu viel Herzschmerz hinein zu packen, aber dennoch die emotionale Ebene des Leser erreicht. Ich hatte an manchen Stellen einen regelrechten Kloß im Hals, der sich erst beim Auflösen der Geschehnisse am Ende des Buches lösen konnte. Und ich möchte einmal erwähnen, dass der Epilog so wunderschön und vor allem so wahr geschrieben wurde, dass ich wirklich das ein oder andere Tränchen verdrücken musste.

„Vor, nach und zwischen dir“ ist ein wirklich schöner Roman über das Lieben und Lassen, sowie das Bauen von Traumschlössern, welche manchmal dem wahren Leben weichen müssen.

Liebe Saskia, du hast ein wunderschönes Werk geschaffen, dass mich vielleicht nicht direkt durch die Verbindung beider Hauptfiguren zueinander von sich begeistern konnte, da mir leider diese gewisse Leidenschaft zwischen Saskia und Andrew fehlte. Aber aufgrund des tollen Schreibstils und der wichtigen Botschaft, die der Geschichte zugrunde liegt, konnte mich das Buch nur begeistern.

Vielen lieben Dank, dass ich das Buch innerhalb der Leserunde lesen durfte. Ich habe es wirklich genossen!

Autor: Saskia Hirschberg
Buch: Vor, nach und zwischen dir
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