Zertrennlich

von Saskia Sarginson 
3,7 Sterne bei89 Bewertungen
Zertrennlich
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (49):
Kiki_Summerss avatar

Tolles Buch, auch wenn man sich da erst einlesen muss. Ende finde ich etwas abrupt.

Kritisch (7):
Buecherfee82s avatar

Bleibt nur die Frage: Was war das?

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Inhaltsangabe zu "Zertrennlich"

Eine bewegende und fesselnde Reise zu den dunklen Geheimnissen einer Kindheit, die aus einem unzertrennlichen Ganzen zwei Schwestern machte, die einander wie Fremde erscheinen.

Ein flirrender Sommer an Englands Ostküste. Die Zwillingsschwestern Viola und Isolte sind durch duftende Kiefernwälder gestreift, haben auf nebelüberfluteten Lichtungen längst vergessene Sagengestalten beschworen und den scharfen, salzigen Wind des Meeres geatmet. Doch nun, fünfzehn Jahre später, scheinen die beiden nichts mehr gemein zu haben. Während Isolte sich mit verzweifelter Lebensfreude der Welt entgegenwirft, hungert Viola sich in den sicheren Tod. Während eine der Schwestern sich verbissen an ihre Ziele und Pläne klammert, wünscht die andere nichts sehnlicher, als sich aufzulösen und ihrer Vergangenheit zu entkommen.
Welcher unaussprechliche Schrecken ist geschehen in jenem Sommer, als alles möglich schien und der das Erwachsenwerden zweier Zwillingsschwestern so unerbittlich bestimmt?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783839001523
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:416 Seiten
Verlag:script5
Erscheinungsdatum:21.07.2014

Rezensionen und Bewertungen

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    ArizonaPhoenixs avatar
    ArizonaPhoenixvor 8 Tagen
    Un-zertrennlich

    Zwei junge Schwestern, Zwillinge, die als Kinder nahezu unzertrennlich sind. Bis zu diesem einen Sommer, in dem wir die zwei auf Abenteuer mit ihren besten Freunden, die ebenfalls Zwillinge sind, begleiten. Sie sind jung, wild, neugierig – kurz: Sie leben. Bis etwas Schreckliches passiert und die Schwestern bis in ihr Erwachsenaltern verfolgt und auseinanderreißt.
    Hierbei handelt es sich wirklich um ein außergewöhnliches Buch, was einem spätestens auf der letzten Seite klar wird.
    Der Schreibstil der Autorin ist leicht zu lesen und dabei trotzdem sehr poetisch; allein die wunderschönen Metaphern und Vergleiche haben mich begeistert. Die Autorin spielt geradezu mit den Worten, lässt deutliche klare Bilder vor einem entstehen und sorgt dafür, dass man zeitweise glaubt, das Meer tatsächlich auf der Zunge zu schmecken. Selten habe ich eine so tiefe, durchdachte und gefühlvolle Sprache gelesen.
    Dies macht es nur noch leichter eine enge Bindung zu den beiden Zwillingen aufzubauen, die wir beide auf unterschiedliche Art begleiten. Viola begleiten wir in Form einer Ich-Erzählerin, was den Leser noch viel mehr in den Bann zieht und mit dieser jungen Frau mitfühlen und mitleiden lässt. Isolte wird nicht nur als die Stärke beschrieben, auch die Distanz die dadurch entsteht, dass wir sie nur als Sie-Erzählerin erleben, verstärkt diesen Eindruck.
    Die Kapitel sind aus der Sicht beider Frauen geschrieben, wechseln zwischen Gegenwart und Vergangenheit und führen uns so geschickt und mit permanentem Spannungsaufbau zum großen Finale und zur Enthüllung des Moments, der die beiden Schwestern unweigerlich trennen sollte.
    Ein wirklich tolles Buch, starke Charaktere, gefühlvoll geschrieben – klare Leseempfehlung!

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    coffee2gos avatar
    coffee2govor 2 Jahren
    verletzlich

    Kurze Inhaltszusammenfassung:

    Die Zwillinge Isolte und Viola haben ihre Kindheit inmitten von Wäldern in Suffolk mit ihrer Hippie-Mutter verbracht und waren dort mit Zwillingsbrüdern gerne im Freien unterwegs und recht glücklich, bis zu dem Tag, an dem ein Unglück geschah. Die Mutter von Isolte und Viola konnte das Geschehene nie verkraften und begann zu trinken bis sie sich selbst im Meer ertränkte und auch die beiden Mädchen Isolte und Viola gingen völlig unterschiedlich mit den tragischen Geschehnissen um. Während Isolte es geschafft hat, ein „normales“ Leben mit Wohnung und Partner, sowie erfolgreichem Beruf im Modebusiness zu führen, hat Viola als Erwachsene nahezu keinen Überlebenswillen und kämpft mal mehr mal weniger gegen ihre starke Magersucht und ihre psychischen Probleme und Schuldgefühle an. Doch plötzlich gibt es eine unerwartete Wende im Leben der erwachsenen Zwillinge und der Schluss ist unerwartet.

     

    Meine Meinung zum Buch:

    Die Idee des Romanes hat mir zu Beginn sehr gut gefallen und auch der Beginn des Buches, der von der Kindheit der Zwillinge handelt, war sehr spannend geschrieben. Es gibt immer wieder Zeitblenden als die Zwillinge klein waren, dazwischen Episoden vom Leben, das sie heute führen und auch über die Mutter der Zwillinge bekommt man einen guten Eindruck. Über das Unglück, das damals geschehen ist, wird nichts Konkretes verraten, sondern nur Andeutungen gemacht. Auch die gemeinsame Zeit, die die Zwillinge mit dem männlichen Zwillingspaar in den Wäldern verbringen wird ausführlich berichtet, wohingegen die Zeitspanne, in der die Mädchen bei ihrer Tante aufgewachsen sind, nur kurz angerissen wird. Meiner Meinung nach passt das Ende des Buches nicht zum restlichen Roman und die letzten Kapitel wirken sehr unrealistisch und an den Haaren herbeigezogen, sodass es mir die Freude am restlichen Roman, der mir bis dahin gut gefallen hat, verdorben hat. Für mich hatte es den Eindruck, als ob Geschehnisse, die man viel detaillierter beschreiben hätte können und die auch eine länger Zeitspanne bedürfen schnell auf wenigen Seiten abgehandelt wurden um zum Ende des Buches zu kommen. Hier hätte das Buch noch das Potenzial gehabt, in die Tiefe zu gehen, so ist es leider nur mittelmäßig geworden.

     

    Titel und Cover:

    Das Cover wirkt optisch sehr ansprechend aufgrund der harmonischen Farbgestaltung und auch der Titel hat mir sehr gut gefallen und passt perfekt.

     

    Mein Fazit:

    Die Geschichte hat das Potenzial, gefühlvoll und anspruchsvoll zu sein, aber leider wurde das Ende des Buches zu schnell herbeigeführt, sodass der Schluss nicht realistisch und die Handlung abgeschnitten wirkt und das Buch dadurch nur mittelmäßig geworden ist.

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    Nachteule94s avatar
    Nachteule94vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Anders aber interessant, sehr spontanes Ende
    Etwas andere Familiendrama

    Familiendrama interessant erzaehlt. Schreibstil ist ausbaufaehig
    Spontanes und offenes Ende

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    Laura126s avatar
    Laura126vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Eine dramatische Familiengeschichte, welche sehr spannend beginnt und ein offenes Ende hat.
    Was geschah an jenem Sommerabend wirklich?

    Die Zwillingsschwestern Isolte und Viola wachsen unkonventionell auf. Sie leben mit ihrer Mutter als Selbstversorger im Wald und müssen nicht selten mit knurrendem Magen ins Bett gehen. Ihren Vater haben die beiden Schwestern nie kennengelernt. Sie führen kein leichtes Leben und sind für die Anderen pure Außenseiter. Nach dem Tod der Mutter nimmt die Beiden eine Tante in London bei sich auf. Als Erwachsenen gehen die Zwillinge getrennte Wege. Während Isolte sich anpasst und ein erfolgreiches Leben in London führt, hungert sich Viola fast zu Tode. Was geschah an jenem Sommerabend wirklich? Und welche Schuldgefühle plagen Viola, dass sie sich selbst so hasst? Als Viola im Krankenhaus ist und Isolte ihren Job verliert, begreifen sie, dass sie sich mit der Vergangengeit auseinandersetzen müssen.
    Ich finde den Schreinstil der Autorin angenehm fesselnd. Jedoch wird die Geschichte nicht chronologisch erzählt, mal berichtet Viola, dann wieder ist es Isolte, die die Geschehnisse schildert. Die Handlung speilt sich sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Er war für mich nicht immer einfach, den Überblick zu behalten. Durch die vielen gleich zu Anfang dargestellten Charaktere, wirkt die Geschichte auf den Leser spannend und hektisch zugleich. Sehr interessant fand ich das Ganze, als die Autorin das Geheimnis der Zwillinge nur nach und nach enthüllt.
    Bei diesem Buch handelt es sich nicht um einen Thriller, wie ich aufgrund des Klappentextes zunächst angenommen hatte. Für mich ist es mehr eine dramatische Familiengeschichte, welche sehr spannend beginnt und ein offenes Ende hat.
    Ich finde das Buch absolut emfehlenswert und dafür gibt es fünf Sterne von mir.

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    Nachtfalter89s avatar
    Nachtfalter89vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Potential ist vorhanden, aber man hätte mehr rausholen können
    Zertrennlich

    Zertrennlich


    Der Schreibstil der Autorin ist recht einfach gehalten und lässt sich gut lesen.
    Geschildert wird das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven. Isoltes Sichtweise wird in der 3. Person erzählt während bei Viola die Ich-Perspektive genutzt wird. So hatte ich eher einen Draht zu Viola, konnte ihre Handlungen nachvollziehen. Isolte hingegen blieb mir eher fremd.
    Es gibt hier zwei Zeitebenen, einmal die Gegenwart und durch Rückblenden die Vergangenheit. Leider hat es die Autorin versäumt zu erwähnen wenn sie in den Zeiten umherspringt. Auch beim Wechsel der Perspektiven braucht man als Leser Zeit um sich zurecht zu finden. Somit ist der Einstieg ins Buch nicht gerade einfach, man muss sich eingewöhnen.
    Die Stimmung im Buch ist eher deprimierend und traurig. Es werden Themen wie Magersucht, Depressionen und auch Alkoholsucht angesprochen. Dies sind schon schwierige Themen, von der Autorin aber werden sie gut eingebracht.
    Das Verhältnis der Mädchen zueinander und auch zum Zwillingspaar John und Michael hat mir gut gefallen. Es wird nachvollziehbar und verständlich beschrieben.
    Das Ereignis, welches alles verändert und die Mädchen prägt, wird erst im letzten Drittel angesprochen. Bis zu diesem Punkt hatte ich doch mit dem Buch zu kämpfen. Es ging eher schleppend voran. Im letzten Drittel aber zieht die Spannung merklich an.

    Das Ende hat mir persönlich kaum zugesagt. Es hat mich deprimiert und eher unbefriedigt zurückgelassen. Ich hatte ganz ehrlich etwas anderes erwartet.

    Fazit:
    Alles in Allem ist „Zertrennlich“ von Saskia Sarginson ein Jugendbuch das mich zweigeteilt zurücklässt.
    Der gut lesbare Stil und die beiden gut dargestellten Protagonistinnen stehen hier einem schwierigen Einstieg und einer erst zum Ende hin spannenden Handlung mit unbefriedigtem Ende gegenüber.
    Potential ist allemal vorhanden, man hätte mehr rausholen können

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    Darcys avatar
    Darcyvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Wunderschöne und rührende Geschichte über die einst unzertrennlichen Zwillinge Viola und Isolte, die einander völlig fremd geworden sind.
    Rezension zu "Zertrennlich" von Saskia Sarginson

    „Wir sind nicht immer Zwillinge gewesen. Früher waren wir ein einziger Mensch. […] dieses eine Ei hat sich geteilt, ist mittendurch in zwei Hälften gerissen und aus uns wurden zwei Babys. Zwei Hälften eines Ganzen.“


    Die eineiigen Zwillingsschwestern Viola und Isolte (Issy) leben mit ihrer Mutter Rose, die sich als Selbstversorgerin versucht, in Suffolk im Osten Englands in einem kleinen Haus im Wald. Die Zwillinge besuchen die örtliche Grundschule, verbringen ihre Freizeit aber immer nur zu zweit, da sich die anderen Kinder, unter anderem wegen ihrer selbstgenähten Kleidung, über sie lustig machen. Sie spielen meistens draußen, dabei lernen sie eines Tages durch einen Zufall die ebenfalls eineiigen und etwa gleichaltrigen Zwillinge John und Michael kennen und freunden sich schnell mit ihnen an. Fortan unternehmen die Vier viel gemeinsam. Die Jungen leben mit ihren Eltern und den älteren Geschwistern Judy und Ed in der Nähe. Ihr Vater ist ein äußerst brutaler und gewalttätiger Mensch, der seine Söhne oft schlägt. Auch John und Michael sind ziemlich „wild“. 

    „Die Katze sprang aufs Bett und brachte Gerüche von draußen herein: Flieder, Gras und Mäuseblut. Mit zuckendem Schwanz fing sie an, auf der Decke herumzutrampeln und dabei verzückt zu schnurren. Wir rückten näher zusammen; Issys Atem roch zuckersüß. Das Zähneputzen hatten wir vergessen und unsere Füße unter der Decke waren voller Grasflecken. Mummy beugte sich über uns und umarmte uns fest.“

    Rose besucht für einige Wochen einen Tischlerkurs an der Volkshochschule, als dieser vorbei ist, lädt sie ihren Lehrer Frank und seine siebenjährige Tochter Polly zu einem gemeinsamen Picknick ein. Schon bei diesem ersten Treffen sind die Zwillinge Frank alles andere als zugetan, sie finden ihn total langweilig und spießig und verstehen deshalb überhaupt nicht, was ihre Mutter an ihm findet. Tatsächlich scheinen Rose und Frank nicht allzu viel gemeinsam zu haben, dennoch liebt sie ihn, vor allem wegen der Sicherheit, die er ausstrahlt und ihr bietet. Auch die ein paar Jahre jüngere Polly können Viola und Isolte auf Anhieb nicht leiden und bezeichnen sie als nervtötend. 

    Als Frank ihrer Mutter einen Heiratsantrag macht sind sie entsetzt, alle anderen aber überglücklich. Dann kommt es unvermittelt zu einer schrecklichen Tragödie, auf die bald ein weiterer Unglücksfall folgt. 

    „Das Wasser kroch über den Strand, zog sich zurück. Das Gras flüsterte. Wir riefen abermals. „Sie muss eingeschlafen sein“, sagte Michael. Der schwarze Schlund des Eingangs klaffte.“

    Gezwungenermaßen ziehen die Zwillinge zu ihrer Tante Hettie, der Schwester ihrer Mutter, nach London. Beiden gelingt es nicht, das Geschehene und dazu noch den plötzlichen Verlust ihrer Heimat und von John und Michael, von denen sie sich nicht einmal verabschieden konnten, richtig zu verarbeiten, auch wenn es Isolte äußerlich gutzugehen scheint; ihr gefallen das Stadtleben, an das sie sich schnell anpasst, und die neue Schule, an der sie schnell Freundinnen findet. Viola dagegen zieht sich immer mehr zurück. Somit entfernen sich die einst unzertrennlichen Zwillinge immer weiter voneinander und sind einander am Ende völlig fremd. 

    „[…] die Distanz zwischen uns scheint so viel größer als der Streifen abgenutzten Teppichs. Warum kann ich nicht sein wie sie? Warum kann ich nicht auch ‚das Beste daraus machen‘, wie sie es nennt? […] Ich sehe keine Spur mehr von mir in meiner Mutter oder meiner Schwester. Nicht einmal in meiner Tante. Ich kauere mich auf dem Sofa zusammen, verliere mich in den Schatten, mein Magen zusammengekrampft, kalt und leer. Ich weiß nicht, wer ich bin.“

    Mittlerweile leben die Schwestern als junge Erwachsene noch immer in London. Isolte arbeitet bei einer Modezeitschrift und ist mit dem attraktiven und wohlsituierten Fotografen Ben zusammen. Viola liegt aufgrund ihrer akuten Magersucht im Krankenhaus und würde sich offenbar am liebsten einfach in Luft auflösen. Wegen ihres Berufs reist Isolte nach Suffolk. Die Rückkehr an den Ort ihrer Kindheit erfüllt sie von Anfang an mit Unbehagen. Auf einem Gestüt, das sie besucht, trifft sie zufällig auf John, der dort arbeitet. Von ihm erfährt Isolte schreckliche Neuigkeiten, die Entsetzen in ihr auslösen und sie dazu veranlassen, herauszufinden was damals, nachdem sie und ihre Schwester von den Jungen getrennt worden waren, mit diesen geschah. Zurück in London erzählt sie Viola nur ungern davon. John und Viola waren mehr als bloß Freunde gewesen, was sie allerdings stets geheim gehalten hatten. 

    „Aber es sind immer die Menschen, die wir lieben, denen wir am meisten wehtun. Ist das nicht so, Issy?“

    Das Buch wurde 2013 erstmals in England unter dem Titel „The Twins“ veröffentlicht. Die Autorin Saskia Sarginson wuchs selbst in Suffolk im Wald auf und meint, sie habe versucht, die Gegend so genau wie möglich wiederzugeben und nur einige Details abgeändert, damit diese besser zu der Geschichte passen. Tatsächliche waren die Landschaftsbeschreibungen in "Zertrennlich" sehr bildhaft, sodass ich mir die Gegend sehr gut vorstellen konnte.

    Die Geschichte besteht aus zahlreichen Episoden, die abwechselnd in der Vergangenheit, also der Kindheit der Zwillinge in Suffolk, und der Gegenwart stattfinden. Erzählt wird sie aus Violas Sicht in der Ich-Perspektive und aus Isoltes in der 3. Person. Meiner Meinung nach passt diese Erzählweise sehr gut zu den beiden Protagonistinnen. Der Leser erhält vor allem einen guten Einblick in die Gedanken und Gefühle der verwirrten und unsicheren Viola, während er zu Isolte, die immer die Stärkere der beiden war, etwas mehr Distanz behält. 

    Auch der Schreibstil der Autorin, der auf mich sehr poetisch und mystisch wirkte, hat mir außerordentlich gut gefallen. Er passt, wie ich finde, ebenfalls sehr gut zu den Figuren, besonders zu den Schwestern als Kinder, die im Wald aufwachsen und durch ihre Fantasie überall Magie und Monster vermuten.

    Viola und Isolte waren mir als Figuren sehr sympathisch, ich konnte mich gut in sie hineinversetzen. Durch ihre negativen Eigenschaften sowie das Verhalten, das sie in einigen Situationen zeigen, erschienen sie mir vor allem sehr authentisch. Zum Beispiel sind sie von Anfang an fest dazu entschlossen, Frank und Polly nicht zu mögen und bringen beiden nichts als Misstrauen und offen gezeigte Ablehnung entgegen, da ihnen ihr Leben zu dritt mit ihrer Mutter gefällt, so wie es ist, und sie nicht wollen, dass es sich in irgendeiner Weise verändert. Vor allem Polly gegenüber, die seit dem Tod ihrer Mutter offenbar sehr einsam ist, zeigen sie sich meist grausam – aber so sind Kinder eben (oft). Die Kleine tat mir deshalb aber sehr Leid. Als Rose beginnt, sich ihrer anzunehmen und sie zu trösten, werden die Zwillinge außerdem ziemlich eifersüchtig. 

    Die Liebesbeziehung zwischen Isolte und Ben wirkte auf mich zunächst etwas distanziert, sodass ich jederzeit damit rechnete, dass Isolte erkennt, dass er nicht der Richtige für sie ist und sie sich von ihm trennt – eventuell um am Ende die wahre Liebe zu finden. Allerdings stellte sich nach und nach heraus, dass dieser erste Eindruck falsch war. Im Verlauf der Geschichte wächst Isoltes Vertrauen zu Ben und auch nachdem sie ihm ängstlich einige ihrer Fehler gestanden hat, hält er weiterhin zu ihr. Einmal rettet er ihr sogar, wenn auch indirekt und ohne jemals davon zu erfahren, das Leben. 

    In einer Szene relativ am Anfang gibt Isolte einer Obdachlosen auf der Straße Geld. Hierauf greift die Autorin später gekonnt zurück.
    Das Ende der Geschichte bleibt recht offen, was ich aber gar nicht schlecht fand. Kurz davor kommt es noch zu einem unerwartet spannenden Finale. 

    Kritisieren möchte ich lediglich die Liebesbeziehung zwischen Viola und John, die mir etwas unrealistisch erschien. Nachdem sie ihn im Alter von etwa zwölf Jahren zum letzten Mal gesehen hat, verzehrt sich Viola während ihres gesamten weiteren Lebens nach ihm. Sie schreibt Briefe an ihn, die sie jedoch niemals abschickt, was sie später bereut. Als ihre Schwester ihr von ihrem zufälligen Treffen mit John berichtet, will sie ihn auch unbedingt wiedersehen und wieder mit ihm zusammenkommen, ungeachtet der eigentlich ziemlich beunruhigenden Informationen, die sie, seine Entwicklung betreffend, erhält. Folglich entscheidet sie sich endlich, aber ziemlich plötzlich, ihre Magersucht „aufzugeben“, auch wenn es ihr anfänglich schwer fällt, diesen Entschluss wirklich in die Tat umzusetzen. 

    „Ich zittere und höre Johns Stimme in meinem Kopf. Fühle seine Wärme, die Berührung seiner weichen, abgetragenen Jeans und seines Pullovers mit den glatt geriebenen Stellen. Ich habe mir so oft ausgemalt, wie er mich küsst, dass die Fantasie den Stellenwert einer Erinnerung angenommen hat. […] Es kommt mir so real vor. ‚John‘, spreche ich seinen Namen laut aus.“


    Ich habe dieses Buch vor einiger Zeit an eine Freundin verschenkt, da mich das Cover und der Klappentext sofort angesprochen hatten. Vor kurzem habe ich es dann in der Bücherei wiederentdeckt. Ich fand die Geschichte von Viola und Isolte wunderschön, genauso wie den Schreibstil der Autorin. Das Schicksal der Zwillinge ging mir sehr nahe, da ich sie als Figuren sehr sympathisch und authentisch fand. Auch der häufige Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit in der Erzählung war interessant.

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    badwomans avatar
    badwomanvor 3 Jahren
    Wild im Doppelpack

    Isolte und Viola sind Zwillinge, sie leben in England mit ihrer Mutter in einer ländlichen Gegend. Diese versucht sich als Selbstversorgerin, was aber nur bedingt gelingt. Die Mädchen schwänzen öfter mal die Schule und streifen durch die umliegenden Wälder. Hier lernen sie Michael und John, ebenfalls ein Zwillingspaar, kennen. Auch für diese beiden ist Schule zweitrangig und nun verbringen sie ihre Zeit zu viert mit abenteuerlichen Ausflügen in die Umgebung. Fünfzehn Jahre später leben die Mädchen in London und haben sich extrem verschieden entwickelt. Isolte ist erfolgreich im Modebusiness, während Viola magersüchtig ihre Zeit im Krankenhaus verbringt. Zu den Kameraden ihrer Kindheit haben sie keinen Kontakt mehr. Doch was ist geschehen, das die beiden so auseinandergebracht hat?
    Das Buch ist aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, meistens erzählt Viola, doch auch Isolte kommt zu Wort. So, in vielen Rückblenden, erfährt der Leser, was in diesem besonderen Sommer geschehen ist, das die Welt der beiden Zwillingspärchen aus der Bahn geworfen hat. Der Schreibstil ist flüssig und gut lesbar. Die Rückblenden sind manchmal etwas langatmig, was den Lesefluss etwas hemmt. Neben dem Thema "Zwillinge" wird auch das Thema "Magersucht" angesprochen, was mir gefällt, weil ich das für sehr aktuell und wichtig halte. Sehr gut gelungen ist die Beschreibung der Naturverbundenheit dieser Kinder, aber auch ihrer pragmatische Haltung zu toten Tieren, die ja wohl auch irgendwie zum Leben gehören. Die Mutter der Mädchen erscheint sehr sprunghaft, wirkt dadurch doch ziemlich unrealistisch.
    Das Cover gefällt mir, es lässt die freie Kindheit der Zwillinge erahnen. Der Titel ist sehr gut gewählt.

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    Sommermaedchen23s avatar
    Sommermaedchen23vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Die Autorin wagt sich an ein schwieriges Thema.
    Zertrennlich behandelt ein schwieriges Thema

    Isolte und Viola sind Zwillinge, eineiige Zwillinge. Nichts und niemand kann sie trennen. Glaubten sie, denn 1987 in London hätte ihr Leben nicht unterschiedlicher sein können. Isolte arbeitet für eine Modezeitschrift, während Viola in einem Krankenhaus liegt, um ihre Magersucht zu bekämpfen. Zwei unterschiedliche Arten, um der Vergangenheit zu entfliehen. 
    Denn 1972 lebten die Zwillinge mit ihrer Mutter in Suffolk, als Selbstversorger, nach dem ihre Mutter aus einer Hippie-Kommune davon gelaufen ist. Alles ist bestens. Viola und Isolte lieben ihr freies Leben mit ihrer Mutter zusammen. Als sie im Wald auf Michael und John stoßen. Mit den beiden verbringen sie sehr viel Zeit, bis etwas geschieht, das das Leben aller für immer ändert.
    In ihrer Jugend sind Issy und Viola unzertrennlich und der Leser erlebt, wie sie ihre Abenteuer mit Michael und John erleben. Doch in der Gegenwart 1987 hätten sie nicht unterschiedlicher sein können. Die erfolgreiche Issy hat einen Freund und ein eigenes Leben, wohingegen Viola die komplette Zeit in einem Krankenhaus liegt und mehr oder weniger gegen ihre Magersucht kämpft.
    Die Autorin wechselt immer wieder von der Gegenwart in die Vergangenheit. Lange wartet der Leser darauf endlich hinter das Geheimnis was den Schwestern zugestoßen ist zu kommen. Denn es ist immer wieder offensichtlich, dass etwas gesehen sein muss, was zu drastischen Änderungen auch in der Persönlichkeit der Zwillinge geführt hat und sie bis heute belastet. Auch merkt der Leser wer die stärkere, unbesiegbarere Persönlichkeit der Beiden ist.
    Durch die Ich-Perspektive von Viola fühlte ich mich ihr irgendwie immer etwas mehr verbunden, als der für mich manchmal kalten, unterkühlten Isolte. Was womöglich auch daran lag, dass Isoltes Geschichte/Seite nicht aus der Ich-Perspektive erzählt wurde. Durch Violas Ich-Perspektive rückt auch die Magersucht mehr in den Blick des Lesers und er muss sich auch mit diesem Thema auseinander setzen. 

    Fazit
    Die Autorin wagt sich mit Zertrennlich an ein sehr schwieriges Thema. Durch das ganze Buch hinweg begleitete mich ein bedrückendes Gefühl, selbst die eigentliche Unbeschwertheit in den Rückblicken lässt dieses Gefühl nicht verschwinden. Zwischendurch hatte ich etwas zu kämpfen, deswegen gibt es 4 Sterne.

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    Tamarus avatar
    Tamaruvor 4 Jahren
    Zertrennlich

    Isolte und Viola sind Zwillingsschwestern die mit ihrer Mutter an der Ostküste Englands leben. Sie verbringen ihre Kindheit in den Wäldern, gemeinsam mit den Zwillingsbrüdern John und Michael. Die vier werden ein unzertrennliches Quartett das jede freie Minute miteinander teilt. Doch dann schlägt das Schicksal unerbittlich zu und reißt sie auseinander. Isolte und Viola ziehen mit ihrer Tante nach London und versuchen beide auf unterschiedliche Weise mit dem Erlebten fertig zu werden. Isolte stürzt sich ins Leben, wird Modejournalistin und freut sich, dass sie es geschafft hat die Armut und das Grauen hinter sich zu lassen. Viola dagegen rebelliert und fängt an zu hungern. Die Magersucht hat sie fest im Griff und sie hat nur noch einen Wunsch, einschlafen und alles erlebte hinter sich lassen. Was ist passiert in ihrem letzten Sommer an der Küste, dass das Leben der beiden Mädchen eine so unterschiedliche Wendung nahm und seither ihr Leben bestimmt? Diese Frage läßt einen nicht los je länger man der Geschichte folgt. Nach und nach erfährt man was den beiden widerfahren ist und was sie bewegt so zu handeln wie sie es tun. Die Geschichte wird abwechselnd aus unterschiedlichen Perspektiven und Zeiten von den Geschwistern erzählt. So erfährt man immer ein Stück mehr was auch die Spannung steigen läßt. Das Ende war für mich absolut überraschend. Isolte und Viola waren mir direkt sympathisch und so bin ich eingetaucht in das Leben der beiden, hab mit ihnen ihre Freude und ihren Kummer geteilt. Das Buch ist sehr flüssig und einfühlsam geschrieben und das macht es einem schwer das Buch aus der Hand zu legen. Es ist eine berührende und einfühlsame Geschichte über zwei Mädchen, die einen nicht mehr losläßt.

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    oberhuukeksis avatar
    oberhuukeksivor 4 Jahren
    A Hero Loses Everyday

    Dieses Drama um zwei eineiige Zwillingsschwestern fand ich sehr packend und fesselnd. Schon allein der Schreibstil und die Aufteilung in die zwei verschiedenen Perspektiven, gepaart mit den Zeitsprüngen in Vergangenheit und Gegenwart. Irgendwie passt alles zusammen. Auch die Atmosphäre, die hier vermittelt wird. Ich bin kein Experte, doch mir erweckt sich der Eindruck, als ob die Autorin genau weiß, von was sie im Bezug auf Violas Krankheit schreibt. Nur ein kleines Manko habe ich anzumerken: Das Ende aus Isoltes Sicht fand ich irgendwie ein wenig abgehakt und ist zu plötzlich fertig. Dort weckte sich in mir der Eindruck, dass etwas fehlt. Doch dieser Punkt ist so winzig, darüber kann ich durch den vorherigen, positiven, Gesamteindruck, hinwegsehen.

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