Sayaka Murata

 4.1 Sterne bei 102 Bewertungen
Autorin von Die Ladenhüterin, Convenience Store Woman und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Sayaka Murata

Eine neue Stimme aus Japan: Mit ihrem nicht mehr als 160 Seiten umfassenden Roman „Die Ladenhüterin“, der in der deutschen Übersetzung 2018 im Aufbau-Verlag erschien, gelang der japanischen Autorin Sayaka Murata der internationale Durchbruch. Die 1979 in der japanischen Präfektur Chiba geborene Sayaka Murata interessierte sich seit ihrer Kindheit für Mangas und für Romane und veröffentlichte während ihres Studiums die Kurzgeschichte „Junyu“, für die sie den renommierten Gunzô-Preis gewann. Es folgten mehrere weitere Erzählungen, unter anderem die mit dem Noma-Preis ausgezeichnete Novelle „Silver Song“ über das sexuelle Erwachen eines jungen Mädchens. Ihre persönlichen Erlebnisse als Verkäuferin in einem „Konbini“, einem japanischen Supermarkt, ließ Sayaka Murata in ihren erfolgreichen Roman „Die Ladenhüterin“ einfließen. In diesem Werk gerät das geordnete Leben ihrer Heldin, der 36-jährigen Keiko Furukura, einer Aushilfe in einem Konbini, aus den Fugen, als ihr der junge Shiraha als Kollege zur Seite gestellt wird. Mit diesem Roman zeichnete Sayaka Murata ein ebenso humorvolles wie tiefsinniges Porträt der modernen japanischen Gesellschaft, das ausländischen Lesern interessante Einblicke in diese zum Teil noch fremde Welt vermittelt.

Neue Bücher

Die Ladenhüterin

Erscheint am 13.09.2019 als Taschenbuch bei Aufbau TB.

Alle Bücher von Sayaka Murata

Die Ladenhüterin

Die Ladenhüterin

 (101)
Erschienen am 09.03.2018
Die Ladenhüterin

Die Ladenhüterin

 (0)
Erscheint am 13.09.2019
Convenience Store Woman

Convenience Store Woman

 (1)
Erschienen am 05.07.2018

Neue Rezensionen zu Sayaka Murata

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Rezension zu "Die Ladenhüterin" von Sayaka Murata

Frostige Satire ohne Hoffnung ...
Schmidt_Alexandravor 5 Monaten

Zur Optik:
Das eher ungewöhnliche Format des hohen, schmalen Buches hat einen optisch ansprechenden Charme, einschließlich seines unverkennbar asiatisch anmutenden und erfrischenden Covers in harmonischen Rot- und Weißtönen.

Zum Inhalt:
Bei "Die Ladenhüterin" von Sayaka Murata handelt es sich um ein literarisches Werk, das sich deutlich von der Masse abhebt. Zentrum des Plots ist eine ungewöhnliche Hauptfigur, die eine autistisch anmutende Persönlichkeit und Lebenseinstellung vorweist.

Für tiefergehende Gefühle eher unempfänglich, auf ihre Weise jedoch eigentlich mit sich selbst und der Welt im Reinen, eckt Keiko mit ihrer kalten, nüchternen Art immer wieder bei ihren Mitmenschen an. Humoristischer Höhepunkt einer solchen beispielhaften Situation ist eine Begebenheit in ihrer Kindheit. Auf dem Spielplatz beweinen mehrere Kinder einen toten Vogel und überlegen, was sie mit ihm tun sollen. Reichlich pragmatisch befindet Keiko, man könne ihn doch essen. Dieser Vorschlag stößt besonders bei ihrer Mutter auf Entsetzen,  was sich wie folgt liest:

"Tut Dir der kleine Vogel nicht leid?"
"Wieso? Der ist doch tot."  (...)  Letzendlich geschah es so (Sie begraben den Vogel), aber verstehen konnte ich es nicht. (...) Anschließend rissen sie überall Blumen aus, die dann auch tot waren (...) und ich fragte mich, ob sie vielleicht den Verstand verloren hatten." 
(Sayaka Murata "Die Ladenhüterin", 3. Auflage 2018, Copyright Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2018, Copyright 2016 Sayaka Murata, S. 10-11)

Ihre eigentliche Zufriedenheit wird erschüttert und Keiko zieht sich innerlich zurück, um weiteres Erregen allgemeinen Missfallens zu umgehen. 

Erstmalige Erfüllung findet sie in einem Konbini, einem 24-Stunden-Shop, bei dem sie als Aushilfe zu arbeiten beginnt. Man bringt ihr Gebärden, Mimik und Tonfall bei und Keiko hat endlich das Gefühl, ein vollwertiges Mitglied der (japanischen) Gesellschaft zu sein. 

Bis hierhin ist der Roman sehr unterhaltsam. Leider stagniert er dann auch prompt. Die Geschichte kreist nur noch um die einzelnen Abläufe im Konbini und wird bloß kurzzeitig nochmal angehoben, als Keikos persönliches Umfeld sich erneut in ihre Zufriedenheit einmischt und diese wiederholt zerstört. Dem schließt sich die Begegnung und Verbrüderung Keikos mit dem schmarotzenden Taugenichts Shiraha an, was dem Leser kurzzeitige Hoffnung auf neue Spannungsbögen verschafft, jedoch anschließend wieder um denselben Punkt kreist, ohne sich von der Stelle zu bewegen.

Erneuten kurzzeitigen Aufschwung bietet eine Situation, in der Keikos Schwester zu Besuch erscheint und Keikos Schwindel, sie führe mit Shiraha eine richtige Beziehung, aufzufliegen droht. Der unsympathische Taugenichts jedoch rettet die Situation auf nicht ganz uncharmante Weise und der Roman bekommt einen Augenblick lang seinen Charme vom Anfang zurück, was sich wie folgt liest:

"Beinahe glücklich hackte Asami auf Shiraha herum. (...) Eine "normale" Schwester mit ein paar Problemen machte sie weitaus glücklicher als eine "unnormale" ohne Probleme." 
( Sayaka Murata "Die Ladenhüterin", 3. Auflage 2018, Copyright Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2018, Copyright 2016 Sayaka Murata, S. 119)

Leider mündet diese durchaus interessante Situation, bei der der Leser auf eine neue Kurve innerhalb des Plots hofft, umgehend wieder ins Nichts und plätschert nahezu aussagelos in ein unspektakuläres, abruptes Ende der Story.

Mein Fazit:
Ich habe das Buch gerne gelesen und es hat mich unterhalten, jedoch auch enttäuscht. Es hat vielversprechend begonnen, zeigte das eine oder andere mal durchaus kecke Handlungshöhepunkte, hielt jedoch diese kurzzeitigen Versprechen nicht ein.

Ich kann definitiv eine Leseempfehlung aussprechen, allerdings lässt mich der recht hohe Preis angesichts der aufgeführten Makel hörbar mit den Zähnen knirschen.

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Rezension zu "Die Ladenhüterin" von Sayaka Murata

Außenseitertum in der japanischen Gesellschaft
uli123vor 5 Monaten

Satireähnlich beleuchtet die Autorin die Gesellschaft ihrer japanischen Heimat, in der Arbeitseifer in einem ordentlichen Beruf und Gründung einer Familie in den 30ern „normal“ sind. Ihre Protagonistin Keiko läuft diesem Bild völlig zuwider. Bereits seit ihrer Kindheit ist sie, weil recht gefühllos, sozial gestört. Ihren Platz und ihre Erfüllung findet sie in einer streng reglementierten Aushilfstätigkeit in einem 24-Stunden-Supermarkt, der sie immerhin 18 Jahre lang mit Übereifer nachgeht. Um endlich Ruhe vor Familie und Freunden zu haben, die sie zur Aufnahme eines ordentlichen Berufes oder Gründung einer Familie drängen, nimmt sie den arbeitslosen Schmarotzer Shiraka bei sich auf, wodurch ihr Alltag ins Wanken gerät.

 

Die Geschichte fasziniert durch ihre zwar der Norm nicht entsprechenden, aber dennoch sehr sympathischen Hauptfigur, die uns Europäern ein so reales Bild von der japanischen Gesellschaft und Arbeitswelt vermittelt und manches Klischee bestätigt. In der Vergangenheit habe ich schon einige Bücher japanischer Autoren gelesen und war oft enttäuscht ob der Distanziertheit der Geschichte. Erst dieses Buch lässt mich meine bislang negative Einstellung zu japanischer Literatur revidieren. Schade, dass es Buch so kurz ist.


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Rezension zu "Die Ladenhüterin" von Sayaka Murata

Schlicht, skurril und schnörkellos.
aprilnextvor 5 Monaten

Meine Vorfreude auf "Die Ladenhüterin" war immens. Ich lese gerade sehr viele japanische Autoren und der Klappentext klang schon äußerst vielversprechend.Von Beginn an hat mich das Buch in seinen Bann gezogen, der Anfang ist ganz fantastisch geschrieben und man hat Keiko richtig vor Augen. Sie kommt sehr sympathisch rüber, oft musste ich auf den ersten Seiten schmunzeln. Manche Dinge erscheinen einem auf den ersten Blick ungewöhnlich und man muss sich beim Lesen immer wieder vor Augen führen, in welchem Land die Handlung spielt (z. B., wenn sich die Mitarbeiter vor den Kunden verbeugen). Das hat aber durchaus seinen Reiz und den Lesefluss in keinster Weise gestört.Der perfekte Service sieht in Japan nunmal etwas anders aus als bei uns in Deutschland. Ungewöhnlich erscheint Keikos empathieloses Verhalten aber sicher in allen Ländern. Als der zweite Außenseiter auftaucht, hat für meinen Geschmack die Geschichte leider etwas gelitten - auch das Ende kam für mich etwas zu abrupt. Ich mag die schlichte, kühle, schnörkellose Sprache sehr, bei der jedes Wort an der richtigen Stelle sitzt und doch so viel ausgedrückt wird. Fasziniert blättert man Seite um Seite durch die skurrile und gleichzeitig gesellschaftskritische Geschichte.Erst nach und nach erschließt sich einem die Genialität des Titels.
Insgesamt hätte ich mir etwas mehr Inhalt gewünscht, gerade als die Geschichte richtig Fahrt aufnimmt, wird durch den Mann für mich wieder zu viel Schwung herausgenommen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich Keikos Verhalten ab diesem Punkt oft nicht mehr wirklich nachvollziehbar fand.
Das kurze Buch hat mich aber sehr gut unterhalten und ich habe es an einem Stück verschlungen, von daher gibt es von mir trotz kleiner Schwächen eine klare Leseempfehlung.

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Gespräche aus der Community

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Die literarische Sensation aus Japan: Eine Außenseiterin findet als Angestellte eines 24-Stunden-Supermarktes ihre wahre Bestimmung. Beeindruckend leicht und elegant entfaltet Sayaka Murata das Panorama einer Gesellschaft, deren Werte und Normen unverrückbar scheinen. Ein Roman, der weit über die Grenzen Japans hinausweist.
Keiko Furukura ist anders. Gefühle sind ihr fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Uni auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen. Man bringt ihr den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Keikos Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Maß zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt. Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sichs versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht.

Hier zur Leseprobe: http://www.aufbau-verlag.de/media/Upload/leseproben/9783351037031.pdf 

Über Sayaka Murata 
Sayaka Murata wurde 1979 in der Präfektur Chiba, Japan, geboren und arbeitet selbst in einem Konbini. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Noma-Literaturpreis für Nachwuchsschriftsteller und den Mishima-Yukio-Preis. Ihr Roman "Die Ladenhüterin" gewann 2016 mit dem Akutagawa-Preis den renommiertesten Literaturpreis Japans.

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Zusätzliche Informationen

Sayaka Murata wurde am 14. August 1979 in Chiba (Japan) geboren.

Community-Statistik

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auf 42 Wunschlisten

von 2 Lesern aktuell gelesen

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