Die Ladenhüterin

von Sayaka Murata 
4,3 Sterne bei72 Bewertungen
Die Ladenhüterin
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Positiv (60):
Erdbeerschorschs avatar

4,5 Sterne für diese schöne Außenseitergeschichte

Kritisch (2):
franzzis avatar

Eine interessante Hauptfigur die aber schnell nicht mehr vorwärts kommt&um sich&die einzige Botschaft des Buches kreist. Mir zu wenig.

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Inhaltsangabe zu "Die Ladenhüterin"

Die literarische Sensation aus Japan: Eine Außenseiterin findet als Angestellte eines 24-Stunden-Supermarktes ihre wahre Bestimmung. Beeindruckend leicht und elegant entfaltet Sayaka Murata das Panorama einer Gesellschaft, deren Werte und Normen unverrückbar scheinen. Ein Roman, der weit über die Grenzen Japans hinausweist.
Keiko Furukura ist anders. Gefühle sind ihr fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Uni auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen. Man bringt ihr den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Keikos Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Maß zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt. Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sichs versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783351037031
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:145 Seiten
Verlag:Aufbau Verlag
Erscheinungsdatum:09.03.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    killmonotonys avatar
    killmonotonyvor einem Monat
    Kurzmeinung: Eine wunderbare kleine Geschichte um eine seltsame junge Frau, die eigentlich nur ihrer Erfüllung nachgehen möchte.
    Rezension: Die Ladenhüterin

    Sayaka Muratas „Die Ladenhüterin“ lockte mich bereits mit dem ansprechenden Cover und wer mich kennt, wird auch wissen, dass der Klappentext nach einem Buch klingt, das quasi für mich geschrieben wurde.  Es geht um Keiko, ein junges Mädchen, das schon immer irgendwie anders ist. Empathie und Freundschaften sind ihr fremd und sie bleibt lieber für sich. Nach einer seltsamen Kindheit stößt sie in ihren Tagen als Studentin auf die Stellenanzeige eines Konbinis, eines japanisches Gemischtwarenladens, und ihr Leben beginnt für sie endlich besser zu werden. Im Konbini gelten klare Regeln und feste Willkommens- und Abschiedsformeln — kurz: Alles hat seine Ordnung. Keiko fühlt sich ab Tag 1 ihres neuen Jobs pudelwohl, nur mit den Kolleginnen scheint es nicht so zu klappen. Als sie jedoch beginnt, sich wie diese anzuziehen und sprachliche Eigenarten der anderen zu übernehmen, gehört sie plötzlich dazu — ein Gefühl, das ihr bisher völlig fremd war. Ihr ganzes Leben widmet sie fortan dem Konbini und alles könnte so friedlich sein, wenn nicht ihre Mutter, ihre Schwester und deren Freundinnen ständig nachhaken würden, wann sie sich denn einen Ehemann zulegt und endlich ein normales Leben führt.

    Zum ersten Mal war es mir gelungen, am normalen Leben teilzunehmen. Als wäre ich gerade erst geboren worden. Mein erster Tag im Konbini war mein Geburtstag als normales Mitglied der Gesellschaft.

    Durch dieses permantente Nachfragen gerät Keikos eigentlich erfülltes Leben, in dem sie nun einen Sinn gefunden zu haben scheint, gehörig aus dem Gleichgewicht und fortan beschäftigen sie Gedanken wie das „normale“ Leben einer japanischen Frau und woher sie einen Ehemann herbekommen soll. Doch dann gibt es einen neuen Kollegen, den maßlosen und undisziplinierten Shiraha, der in allem so gegensätzlich zu Keiko ist, und als dieser sich durch eine Reihe seltsamer Gegebenheiten in ihrer Wohnung einnistet, hat Keiko auf einmal eine Idee, wie sie die nervigen Fragen ein für alle Male loswird.

    Sayaka Murata hat mit der „Ladenhüterin“ ein wunderbares kleines, aber auch gefühlskaltes Buch geschrieben. Letzteres ist allerdings keinesfalls negativ gemeint, sondern der Protagonistin geschuldet, die mir beim Lesen teilweise schon wie ein Roboter vorkam. Ihre Art, vielleicht auch Krankheit, wird im Detail beschrieben, wir erfahren, wie Keiko aufwächst, wie sie sich in eigentlich normalen Situationen seltsam und stellenweise auch makaber verhält: beispielsweise empfiehlt sie ihrer Mutter, ihre kleine Schwester, damals noch ein Baby, mit dem Messer ruhig zu stellen. Niemand versteht Keiko und Keiko versteht die Welt nicht. Nach ihrer „Geburt als normales Mitglied der Gesellschaft“ tut sie nur noch, was die anderen tun, folgt allen Anweisungen strikt und stellt außerhalb der Arbeitszeiten so gut wie jede Lebensäußerung ein. Und obwohl Keiko eigentlich mit der japanischen Lebensart nichts am Hut hat, wird sie immer wieder damit konfrontiert, dass eine Frau ohne einen Mann oder einen richtigen Job nichts wert ist. Deshalb entscheidet sie sich auch dazu, den schmarotzenden Shiraha in ihrer Wohnung zu belassen, damit sie ihrer Familie erzählen kann, sie hätte einen Mann. Denn ein Mann ohne Job (Shiraha bleibt, wie zu erwarten war, nicht lange Angestellter im Konbini) ist immer noch besser als kein Job, und Keiko möchte doch einfach nur in Ruhe gelassen werden und ihrer Erfüllung nachgehen.

    Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/sayaka-murata-die-ladenhueterin

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    czytelniczka73s avatar
    czytelniczka73vor 2 Monaten
    Skurril verpackte Gesellschaftkritik

    "Die sogenanten normalen Menschen haben eine Vorliebe dafür,die unormalen zu verurteilen"


    Inhalt:

    " Keiko Furukura ist anders. Gefühle sind ihr fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Uni auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen. Man bringt ihr den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Keikos Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Maß zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt. Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sichs versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht."


    Meinung:

    Schon als Kind hatte Keiko Probleme die Welt zu verstehen,irgendwie waren ihre Reaktionenimmer falsch und die Eltern ihrewegen betrübt,deswegen hat sie meistens geschwiegen und sich aus allem rausgehalten.Als Studentin bewirbt sich Keiko um einen Aushilftjob in Supermarkt und während der Anschulung für die Angestellte kommt für sie die Erleuchtung.Hier gibt es klare Verhaltsregel,3 kurze Sätze mit dem sie durch den Tag kommt,auf einmal ist auch Keiko ein funktionierendes Teil der Gesellschaft.Auch die Eltern und Bekannte freuen sich über Keikos "Heilung". 18 Jahre später ist das aber zu wenig und die Familie sieht für Keiko nur zwei Alternativen-Heirat oder Karierre.Keiko ist zwar mit ihren Leben zufrieden,aber sie verucht wieder sich anzupassen.
    Ich war bei diesem Buch bisschen skeptisch und bei der Inhaltsangabe wusste ich nich so recht was mich hier erwartet,aber die vorwiegen positive Meinungen haben mich überzeugt zu versuchen.Ich hab das Buch also gelesen und bin einfach nur begeistert.Diese Geschichte ist wie ein Überraschungsei,außen witzig,skurril und schräg,innen klug und gesellschatskritisch.Diese Mischung aus Leichtigkeit und Tiefgang ist sehr gelungen und macht das Lesen zu einem Erlebnis-leicht verständlich und sehr unterhaltsam,halt aber nach und macht nachdenklich-wo genau liegt die Grenze zwischen Anpassung und Sichselbstverlieren ?Meiner Meinung nach ist dieses Buch ein kleiner Schatz und wirklich lesenswert.

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    Bibliomaniavor 2 Monaten
    Was es bedeutet eine Konbini zu sein

    Keiko Furukawa ist schon in jungen Jahren ein eher seltsames Kind. Ihre emotionale Intelligenz ist etwas verkümmert und auch ihr Sinn für die Lösung von Problemen weicht von "der Norm" ab. Als sie während ihres Studiums anfängt in einem Konbini als Aushilfe zu arbeiten, ist das die Rettung ihres normalen Lebens. Sie bleibt dort, zum Verdruss ihrer Eltern, da sie sich dort endlich normal fühlt. Sie hat genaue Vorgaben, wann sie was wie machen muss und vor allem, welches Gesicht sie zeigen muss. Das hilft Keiko durch ihr Leben und macht sie zufrieden, sie hat ihren Lebenssinn gefunden. Bald wird ein Student eingestellt, der sich weder um den Laden bemüht noch darum ein guter Mitarbeiter zu sein, er sucht lediglich eine Frau. Da reift eine Idee in Keiko, wie sie endlich von anderen als "normal" angesehen werden kann.

    Keiko Furukawa ist eine wirklich besondere Person. Mir ist sie tatsächlich sympathisch, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass ein Leben als Soziopath ziemlich anstrengend sein kann. Zunächst dachte ich an autistische Züge, aber so stark ist es dann doch nicht ausgeprägt. Im Prinzip ist sie die perfekte Mitarbeiterin, wird jedoch in ihrem sozialen Umfeld eher skeptisch beäugt. Eine schöne Gesellschaftskritik liegt diesem Buch zugrunde: Man muss alles daran setzen, um normal zu wirken (Wohnung, Job, Familie). Wenn man diese gesellschaftlich anerkannte Normalsituation nicht präsentieren kann, ist man ein Sonderling und wird ausgegrenzt. So, wie Keiko Furukawa.
    Eine Geschichte, die sich schnell und flüssig lesen lässt und in der viel Gesellschaftskritik steckt, sowie das Problem von Personen nicht "normal" zu sein, was auch immer das bedeutet.
    Für Japan-Liebhaber (mich eingeschlossen) eine lesenswerte Geschichte!

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    YukBookvor 2 Monaten
    Handbuch für das Leben

    Seinen ersten Job anzutreten, kann ein einschneidendes Erlebnis sein. Für Keiko Furukura, Heldin dieses Romans ist es jedoch weitaus mehr. Für sie gibt es ein Leben vor und nach der Anstellung in einem sogenannten „Konbini“ (Convenience Store), einem 24-Stunden-Supermarkt.

    Schon als Kind war Keiko eine Außenseiterin, die sagte und tat, was ihr in den Sinn kam. Ihre Spontanität wurde ihr so lang ausgetrieben, bis sie sich völlig zurückzog und schwieg. In ihrer Stelle als Ladenhilfe weiß sie das erste Mal, wie sie sich zu verhalten hat ohne Anstoß zu erregen. In einer Schulung bekommt sie sogar eine genaue Anleitung – vom Morgenappell über das Tragen der Uniform bis hin zum Auffüllen der Tiefkühlregale.

    Das ist Keiko jedoch zu wenig. Um ganz sicher zu gehen, dass sie als vollwertiges Mitglied des Ladens akzeptiert wird, kopiert sie unauffällig das Verhalten und den Tonfall ihrer Kolleginnen. Sie perfektioniert immer mehr ihre Rolle im Supermarkt während sie sich draußen nach wie vor wie ein „Fremdkörper“ fühlt. Dafür sorgen vor allem ihre Eltern und Freundinnen, die sie zur Heirat und zu einem geordneten Leben drängen. Und was passiert, wenn ein weiterer Außenseiter in den Convenience Store und somit in ihr Leben tritt? Er sorgt auf jeden Fall für eine interessante Wende.

    Ich habe die Geschichte in einem Zug durchgelesen und musste noch öfter an die eine oder andere Szene denken. Originell finde ich die Idee, dass hie die Hauptfigur keineswegs aus dem Hamsterrad ausbrechen will, sondern in der genormten Welt regelrecht aufgeht. Hinter dem trockenen Humor, der Situationskomik und den skurrilen Figuren verbirgt sich eine Welt, die in Japan durchaus der Realität entspricht, sei es die extrem ausgeprägte Arbeitsethik, die Vorurteile gegen unverheiratete Frauen oder gegen Aushilfskräfte. Ich habe schon viele Bücher über Außenseiter/innen gelesen, doch die Figur der Keiko, die eine ganz ungewöhnliche Berufung gefunden hat, werde ich nicht so schnell vergessen.

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    reneevor 3 Monaten
    Japanische Außenseiter

    Ein Buch über zwei Außenseiter in Japan. Ein Land in dem die Gleichförmigkeit der Individuen ein wichtiger Aspekt der Kultur ist/war. Die Hauptpersonen, Keiko Furukara, 36-jährige Protagonistin, fiel ihrer Umgebung schon in jungen Jahren negativ durch fehlende Empathie auf, da sie selbst diese negativen Empfindungen der Umgebung nicht nachvollziehen kann, entschließt sie sich, sich in sich selbst zurückzuziehen, und versucht einfach Personen ihrer Umwelt nachzuahmen um nicht negativ aufzufallen. Genau aus diesem Grund sucht sie sich auch einen Aushilfsjob in einem Supermarkt und fängt diesen 18-jährig an. Und über die folgenden 18 Jahre verschmilzt sie förmlich mit diesem Job, er wird ihr Lebenszweck. Die zweite Person ist Herr Shiraha, kommt zur Aushilfe in die Supermarktfiliale, ein Kritiker des Systems an sich, aber eigentlich nur darauf aus, jemanden zu finden, der ihn aushält. Er unterbreitet Keiko seine Sichten darüber, was einen Menschen in der Gesellschaft zu einem wertvollen Mitglied macht, seine Arbeitskraft für die Gesellschaft und seine Zeugungskraft zum Erhalt der Gesellschaft. Alle anderen werden ausgegrenzt. Und Keiko überlegt und handelt … . Den Sarkasmus in diesem Buch finde ich schon hervorragend. Aber trotzdem finde ich solche Aussagen als sehr einfach, zu sehr Schwarz/Weißdenken. Jedes Individuum grenzt doch das aus, was es nicht verstehen kann bzw. will. Und Sichtweisen sind doch hoffentlich bei jedem Individuum verschieden. Sicherlich ist das in der japanischen Welt noch etwas Anderes. Aber ich denke doch das Menschen rein gefühlstechnisch überall auf der Welt ähnlich ticken/empfinden, die kulturellen Prägungen kommen nur zu den sozialen hinzu. Aber auf jeden Fall eine originelle Geschichte, die auch einen großen Sog besitzt.

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    Navi_M_Grays avatar
    Navi_M_Grayvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Wenn man "wirtschaftlich nicht tragbar" ist... ein wunderbares Portrait
    So können nur Japaner schreiben




    "Absurd, komisch, klug, mutig
    und präzise. Einfach überwältigend."
    – Hiromi Kawakami

    Als ich Fachbücher bei Exlibris bestellt hatte, erschien da eine Empfehlung für mich, basiernd auf meinen Interessen. Exlibris' Algorhytmus schlug mir dieses wunderbare Werk vor. Etwas misstrauisch habe ich es dann bestellt und heute in einem Zug durchgelesen.
    Keiko Furukas Kindheit brachte Erinnerungen an die meine an die Oberfläche. Sonderbar. Verstörend. Ich erinnere mich, wie ich damals in der Primarschule meine Kartonschreibunterlage mit einem Friedhof verziert hatte. Alle malten bunte Sachen. Ich zeichnete einen Friedhof, auf dem es für jedes Kind in der Klasse ein Grab mit hübschem Grabschmuck gab. Ich verstand damals nicht, wieso die Reaktionen von erschüttert bis hin zu völligem Unverständnis gingen. Weiter verstand ich auch nciht, wieso die Lehrerin meine Eltern anrief und zu einem Gespräch bat. Es war doch nur ein Friedhof - und er war gut gezeichnet.
    Weitere Eigenheiten von Keikos Person, gleichen meinen. Eine Figur mit der ich mich zum grossen Teil identifizieren kann.

    Eine kurze Geschichte über Selbsterkenntnis und die wichtigen Dinge des Lebens.

    In einem SatzKeiko Furuka arbeitet mit Leib und Seele als Konbini-Angestellte, schlitert aufgrund der Gesellschaft in eine Wesenskrise und gelangt letztendlich zur Erkenntnis ihrer Bestimmung.

    Empfehle ich dieses Buch? Wieso?
    はい!勿論ですよ!
    Ja! Selbstverständlich!
    Ein Grund ist sicherlich, dass Ursula Gräfe dieses Werk übersetzt hat. Bislang habe ich keine adäquateren Übersetzungen gelesen denn die ihren. Gräfe versteht ihr Handwerk. Sie übersetzt nicht Wort für Wort, sondern fängt die ganze Stimmung Japans ein und macht diese dem deutschen Leser zugänglich.
    In diesem Buch geht es um eine Aussenseiterin. Eine introvertierte Frau, die mir in vielerlei Hinsicht gleicht. Schon als Kind war sie sonderbar. Hatte für Vieles, was für die Meisten selbstverständlich ist, kein Verständnis. Eine Frau, die ihrem Job in einem Convenience Store voller Hingabe und Leidenschaft nachgeht. Seit nunmehr 18 Jahren übt sie diese Arbeit unnachlässig aus. Sie war bei der Eröffnung schon anwesend und hat viel an Veränderung und viele Filialleiter miterlebt. Um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden verleugnet sie sich. Eine 36 Jahre alte Frau, die Teilzeit in einem Konbini arbeitet, keine Kinder hat und nicht verheiratet ist, ist in der Gesellschaft nicht angesehen. So erzählt sie kleine Notlügen, um Akzeptanz anzutreffen und lästige Fragen umgehen zu können.
    Eines Tages lernt sie Shihara kennen, der im Konibini anfängt. Shihara entpuppt sich als Stalker und doch lässt Keiko den Schnorrer, der dann arbeitslos ist, bei sich wohnen und nimmt es hin, von ihm herumkommandiert zu werden. Sie ist in einer Beziehung und somit wächst ihr Ansehen. Sie gilt als "normal".
    Während man Shihara unaufhörlich verprügeln möchte, weil er der Inbegriff eines Paschas ist, der Keiko gar als menschlichen Abfall bezeichnet, möchte man Keiko eine runterhauen und sie fragen, wieso sie sich das gefallen lässt.
    Shihara fordert, dass sie ihren Job kündigt und sich nach einer richtigen Arbeit umsieht, die besser bezahlt wird. Schliesslich muss sie ihn mitfinanzieren.
    Wunder geschehen und so bekommt sie einen Termin zu einem Vorstellungsgespräch, was Shihara organisiert hat. Auf dem Weg dahin machen sie einen Zwischenstopp in einem Konbini, in dem Keiko ein Schlüsselerlebnis hat und ihr Leben schlagartig ändert. Sie erkennt nun, wozu sie bestimmt ist.

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    naninkas avatar
    naninkavor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ich fand es langweilig und deprimierend, obwohl mir die Ladenhüterin als Person sehr gefällt! Und auch der Schluss stimmte mich versöhnlich.
    Die Ladenhüterin - ein Unikum

    Keiko ist anders. Und das macht sie authentisch und sympathisch. Sie versteht die Mechanismen des normalen Lebens nicht und tickt anders. Spontan würde ich sie auf dem autistischen Spektrum vermuten. Die sozialen, unausgesprochenen Verhaltensregeln sind ihr fremd. Fragt sie nach so erntet sie verdatterte Reaktionen und Unverständnis. Sie arbeitet seit nunmehr 16 Jahren als Hilfskraft im japanischen Convenience Store. Und macht ihren Job hervorragend. Der Job ist wie für sie geschaffen. Der Job kommt inklusive Handbuch und akribisch geschilderten Anweisungen, wie sie sich zu verhalten hat. Den Rest (Kleidungsstil, Stimmlage, Intonation der Sätze) ahmt sie bei ihren Kolleginnen nach. Meisterhaft, wie sie es schafft, alles goldrichtig zu machen. Und doch scheint sie damit in Japan nicht zu genügen. Wieso ist sie nur eine Aushilfe, wieso macht sie den Job schon so lange, wieso hat sie keinen Partner, ist unverheiratet und ohne Kinder, etc? Und dann passiert etwas, dass mir die Lektüre verdirbt. Nämlich ein Anpassungsversuch von Keiko, der so gar nicht authentisch ist und einfach nur deprimierend und langweilig ist. Zum Glück stimmt der Schluss einen wieder versöhnlich. Mehr sei hier nicht gespoilert. Mir ist jedenfalls die Ladenhüterin ans Herz gewachsen - einfach ohne ihre Entourage...

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    sursulapitschis avatar
    sursulapitschivor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ist Normalität das höchste aller Ziele? Dieses Buch kratzt sanft aber beharrlich an unserem Selbstverständnis und ist überaus lesenswert.
    Was ist normal?

    Wie ist das Leben in Japan? Diese kleine Satire führt es uns vor. Es scheint einen standardisierten Lebensplan zu geben. Man sei brav, fleißig und gehorsam, ergreife einen Beruf und gründe eine Familie. Wer davon abweicht, ist kein wertvolles Mitglied der Gesellschaft.

    Keiko Furukura ist anders, schon immer. Sie folgt mehr der Vernunft als Emotionen, was sie schon als Kind zur Außenseiterin macht. Die Menschen verstehen sie nicht, sie versteht die Menschen nicht, würde aber viel lieber „normal“ sein, nicht mehr auffallen, dazugehören.

    „Normalität setzt sich gewaltsam durch, Fremdkörper werden einfach beseitigt. Menschen, die nicht richtig funktionieren, werden entsorgt. Deshalb musste ich mich verbessern.“

    Die Arbeit in einem Supermarkt scheint ihre Rettung zu sein. Man schlüpft in seine Uniform und befolgt die Regeln. Es gibt ein Handbuch, das festlegt, was man wie zu tun hat. Das ist perfekt für Keiko. Hier erklärt man ihr genau, was man tun muss, um normal zu sein. In kürzester Zeit wird sie die anerkannte Superaushilfe.

    Dieses Buch ist bitterböse und geht gnadenlos mit der japanischen Gesellschaft ins Gericht. Sayaka Murat hat keine Hemmungen und steigert Keikos schwierige Situation bis ins Absurde.
    Es liest sich leicht, erstaunt und amüsiert auch. Das ist Sarkasmus vom Feinsten und prangert dezent aber plastisch japanische Gesellschaftsnormen an. Ein eindrucksvolles Buch.
    Nur das Ende fand ich etwas hilflos. Es bricht ziemlich abrupt ab an einer Stelle, an der man auf einen fulminanten Showdown wartet. Unendliche Möglichkeiten bieten sich an, aber die Autorin lässt sie im Raum stehen. Ein klares Statement hätte hier wie ein Paukenschlag wirken können, 50 Seiten mehr hätten dem Buch nicht geschadet. Aber die Autorin lässt es offen und so lässt einen dieses Buch nachdenklich zurück, hätte aber durchaus Betroffenheit auslösen können.

    Was ist normal und ist Normalität das höchste aller Ziele? Das ist eine Frage, die nicht nur in Japan relevant ist. Dieses kleine Buch kratzt sanft aber beharrlich an unserem Selbstverständnis und ist überaus lesenswert. 

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    K
    Kellerkatzevor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Der Kampf um Anerkennung als Außenseiterin in der strengen, genormten Gesellschaft Japans - ein außergewöhnliches, aufrüttelndes Buch.
    Anpassung - um jeden Preis?

    Keiko Furukura passt nicht in die strenge, genormte japanische Gesellschaft. Bereits als Kind fällt sie durch merkwürdig erscheinende Verhaltensweisen auf. Ihr Unvermögen, Empathie gegenüber anderen Menschen zu empfinden, ihr strikt rationales Verhalten, bringen schon während ihrer Schulzeit ungewollt auch ihre Eltern in Erklärungsnotstand.

    Als Erwachsene lebt Keiko sehr zurückgezogen und bekommt trotz eines abgeschlossenen Studiums keine passende Arbeit. Schließlich findet sie einen Job als Aushilfe in einem der in Japan sehr zahlreichen Convinience-Stores, einem „Konbini“.

    Im Konbini sind alle Arbeitsabläufe normiert. Die ewig gleichen Höflichkeitsfloskeln für den Umgang mit der Kundschaft werden täglich trainiert – wie bei einem Schauspiel, in dem die Verkäuferinnen als Darstellerinnen agieren. Keiko jedoch findet gerade in dieser Routine die so dringend benötigte Sicherheit und mit den antrainierten Verhaltensweisen – zumindest vorübergehend – auch die ersehnte Akzeptanz ihrer Mitmenschen. Um sich immer besser anzupassen, beginnt sie ihre Kolleginnen zu kopieren, eignet sich deren Meinungen, deren Kleidungsstil und sogar deren Aussprache an.

    Doch bald genügt das nicht mehr - um in der Japanischen Gesellschaft auf Dauer zu bestehen und Anerkennung zu bekommen braucht man eine richtige, fixe Anstellung, macht Karriere oder …. heiratet und bekommt Kinder.

    Als eines Tages der junge, sehr unangepasste Shiraha als Aushilfe in Konbini beginnt, glaubt die rational denkende Keiko eine Lösung für ihre Probleme gefunden zu haben. Und dann gerät ihre Welt komplett aus den Fugen…

     

    **** Meine Meinung: ****

    „Die Ladenhüterin“ ist ein kurzes, jedoch außergewöhnliches Buch, das sicher nicht nur die japanischen Leser begeistern wird.

    Mit ihrem knappen, prägnanten Stil nimmt uns die Autorin auf eine faszinierende, spannende Reise in die marionettenhaft anmutende, japanische Gesellschaft mit, die nur wenig Spielraum für Menschen wie Keiko bietet. „Die Ladenhüterin“ ist ein sehr gesellschaftskritisches Buch, ein Appell an Toleranz und mehr Offenheit.

    Außenseiter haben es in jeder Gesellschaft schwer - in Japan sicher besonders-, aber auch bei uns hat Toleranz oft den bitteren Nachgeschmack einer gesellschaftlichen Scheinheiligkeit. Man präsentiert sicher gerne offen, jedoch nur solange die persönliche Komfortzone nicht gestört wird. In Wahrheit steht auch bei uns ein Außenseiter immer am Rande, sofern er sich nicht in einem gewissen Grad anzupassen bereit ist.

    Doch - wie weit kann und darf die Anpassung gehen – wo sind die eigenen Grenzen und wo stößt eine Gesellschaft an ihre Grenzen?

    Vielleicht findet ihr die Antwort in diesem wunderbaren, klugen Buch. Egal ob ihr gerne etwas mehr über die Japanische Gesellschaft erfahren wollt oder ob euch die Thematik anspricht, ihr werdet dieses Buch sicher genauso lieben und genießen wie ich.

     

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    ariadnes avatar
    ariadnevor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr einfühlsam geschrieben. Ein lesenswertes Buch, das auch kritisch auf unsere Leistungsgesellschaft und Toleranz blickt.
    Sehr berührend und absolut lesenswert

    Ich bin zufällig über dieses kleine Buch gestolpert und wollte mal was ganz anderes als meine üblichen Bücher lesen. Und was für eine super Überraschung.

    Die Autorin schreibt hier wunderbar einfühlsam über eine junge Frau namens Keiko, die sich überaus schwer tut, an die gesellschaftlichen Normen und Erwartungen, die man an sie stellt, anzuschließen. Ihre Anstrengungen, Befürchtungen und Hoffnungen haben mich auf eine ganz besondere Art und Weise berührt. Denn wer stellt sich nicht schon mal die Frage, bin ich etwa ganz "normal"? 

    Keikos Figur hat mir wieder ein mal bestätigt, dass wir in unserer Gesellschaft auch Platz haben müssen, für diejenigen, die sich eben nicht "einfügen" können oder wollen. 

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    aufbauverlags avatar
    Die literarische Sensation aus Japan: Eine Außenseiterin findet als Angestellte eines 24-Stunden-Supermarktes ihre wahre Bestimmung. Beeindruckend leicht und elegant entfaltet Sayaka Murata das Panorama einer Gesellschaft, deren Werte und Normen unverrückbar scheinen. Ein Roman, der weit über die Grenzen Japans hinausweist.
    Keiko Furukura ist anders. Gefühle sind ihr fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Uni auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen. Man bringt ihr den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Keikos Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Maß zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt. Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sichs versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht.

    Hier zur Leseprobe: http://www.aufbau-verlag.de/media/Upload/leseproben/9783351037031.pdf 

    Über Sayaka Murata 
    Sayaka Murata wurde 1979 in der Präfektur Chiba, Japan, geboren und arbeitet selbst in einem Konbini. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Noma-Literaturpreis für Nachwuchsschriftsteller und den Mishima-Yukio-Preis. Ihr Roman "Die Ladenhüterin" gewann 2016 mit dem Akutagawa-Preis den renommiertesten Literaturpreis Japans.

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