Sayed Kashua

 4.1 Sterne bei 49 Bewertungen
Autor von Tanzende Araber, Da ward es Morgen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Sayed Kashua

Aus Erfahrung: Sayed Kashua, geboren am 31. Juli 1975 in Tira, ist ein israelischer Journalist und Schriftsteller arabischer Herkunft. Er lebte jahrelang in Palästina, bevor er in ein jüdisches Viertel in Jerusalem zog. Sein Debüt als Autor gab er in Israel. In diesem wie in den folgenden Romanen geht es um die sozialen und kulturellen Spannungen des Palästinakonflikts. Nebenbei schreibt er die Drehbücher außerdem für den Fernsehsender Arutz 2 und arbeitet für die renommierten Zeitungen Ha´ir und Haaretz als Kolumnist. 2014 emigrierte er schließlich in die USA, um der fortschreitenden Ungleichbehandlung zu entkommen. Seitdem lehrt er an der University of Illinois at Urbana-Campaign. Für seine Arbeiten erhielt er des Förderpreis der Lessing-Akademie und den Award oft the Israeli Television Academy for Best Script in a Comedy Series. 2016 lehnte er die Ehrendoktorwürde der Ben-Gurion-Universität als Protest gegen die Rektorin der Universität ab, die die Verleihung des Preises für die Jüdisch-Arabische Verständigung verhinderte.

Alle Bücher von Sayed Kashua

Cover des Buches Tanzende Araber (ISBN:9783833300950)

Tanzende Araber

 (24)
Erschienen am 01.08.2004
Cover des Buches Da ward es Morgen (ISBN:9783833304002)

Da ward es Morgen

 (9)
Erschienen am 20.11.2006
Cover des Buches Zweite Person Singular (ISBN:9783827074331)

Zweite Person Singular

 (8)
Erschienen am 15.01.2013
Cover des Buches Lügenleben (ISBN:9783827013170)

Lügenleben

 (5)
Erschienen am 02.04.2019
Cover des Buches Eingeboren (ISBN:9783827013163)

Eingeboren

 (3)
Erschienen am 01.08.2016
Cover des Buches Let it be Morning (ISBN:9781843545439)

Let it be Morning

 (0)
Erschienen am 11.01.2007

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Sayed Kashua

Neu

Rezension zu "Lügenleben" von Sayed Kashua

Sayed Kashua – Lügenleben
miss_mesmerizedvor 7 Monaten

Sein Vater liegt im Sterben. Eilig hastet der Ich-Erzähler aus Illinois zurück nach Israel, um ihn noch einmal zu sehen, vielleicht sogar endlich die Dinge auszusprechen, über die sie seit vierzehn Jahren geschwiegen haben. Die Mutter gibt ihm den Schlüssel zum elterlichen Haus, damit er in seinem alten Zimmer übernachten kann, doch er kann nicht zurück in das Dorf, aus dem man ihn verstoßen hat. Erst musste er mit seiner Frau Falestin nach Jerusalem fliehen, dann sind sie nach Amerika ausgewandert, wo man ihr eine Dozentenstelle angeboten hat. Mit der Rückkehr kommen auch die Erinnerungen wieder auf, an seine Zeit als arabischer Journalist für eine hebräische Zeitung, als Ghostwriter für Autobiografien und als Schriftsteller, der eine Kurzgeschichte in einer Studentenzeitung veröffentlichte. Und das Unheil, das es damit nahm.

Sayed Kashua lebt heute in den USA, nachdem er als Kolumnist für die „Haaretz“ gearbeitete hatte und sich einen Namen als Drehbuchautor und Filmkritiker gemacht hatte. „Lügenleben“ ist das fünfte Buch des arabischstämmigen Israelis und zugleich das letzte Übersetzungswerk von Mirjam Pressler, das sie kurz vor ihrem Tod im Januar 2019 noch beendete.

Wie auch andere seiner Romane trägt auch der aktuelle Roman autobiografische Züge und thematisiert nicht nur das schwierige Verhältnis von jüdischen und arabischen Israelis miteinander, sondern auch die Familienzwänge und Traditionen, aus denen es vor allem in ländlichen Gebieten kein Entkommen zu geben scheint. Die Kinder haben sich dem Diktat der Eltern, Dorfältesten und Scheichs zu fügen – egal, ob die Urteile gerecht und richtig sind oder nicht.

Die Erinnerungen des Erzählers folgen keiner chronologischen Struktur und so bleibt lange offen, was es genau war, das zu seiner Vertreibung geführt hat. Auch das seltsame Verhältnis zu seiner Frau Falestin ist eher mysteriös denn nachvollziehbar. Sie leben in zwei Wohnungen, ein echtes Familienleben scheint es nicht zu geben. Auch die drei Kinder erhalten keine Antworten auf ihre Fragen – alles, was die Familie und die Zeit vor der Flucht aus dem Dorf betrifft, bleibt nebulös. Dabei liebt er, bewundert Falestin, aber diese weist ihn ab, akzeptiert ihn jedoch als ihren Mann. Erst nach und nach fügt sich das Bild zusammen und offenbart ein trauriges Schicksal, das man so in der Gegenwart kaum mehr glauben mag.

Ein vielschichtiger Roman, der persönliches Leid, Familie und Tradition, die politische Lage in Israel und auch Emigration und Flucht thematisiert und vor allem die innere Zerrissenheit einer ganzen Generation offenbart, die doch nur glücklich und in Sicherheit leben möchte und auf der Suche hiernach getrieben ist und weder eine klare Vergangenheit noch eine Zukunft zu haben scheint. Und es ist vor allem die Frage danach, was Wahrheit ist und was sie ausmacht und inwieweit wir uns unsere eigene Wahrheit gestalten, um uns in unserem Leben zurechtzufinden. Ein großartiger Roman, ganz sicherlich auch wegen der hervorragenden Übersetzerin.

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Rezension zu "Lügenleben" von Sayed Kashua

Der Wert der Erinnerungen
yellowdogvor 9 Monaten

Sayed Kashua ist ein in Israel geborener Schriftsteller arabischer Herkunft, der 2014 in die USA emigrierte. Er hat mehrere Romane geschrieben, darunter das bekannte Tanzende Araber. Sein neuer Roman Lügenleben hat einige autobiografische Wurzeln.


Der Icherzähler Said ist ein ebenfalls ein israelischer Araber, der aus Tira in der Nähe von Jerusalem stammt. Er berichtet seine Geschichte, die ihn ins Exil nach Amerika führte.

Als junger Mann gab es einen entscheidenden Vorfall, der das Leben mehrerer Menschen veränderte und das ihn mit Schuld ausfüllt, die ihn jahrelange begleitet.

Das Buch nimmt seine Spannung daraus, das man erst allmählich erfährt, was damals geschehen ist, was den Protagonisten zum Exil zwang. Das bedeutete den Verlust der Heimat und eigentlich auch der Existenz.

Said ist Journalist und Schriftsteller, eigentlich Ghostwriter, doch in den USA bekommt er keine Aufträge. Nach 13 Jahren kehrt er kurzzeitig zurück nach Israel, weil sein Vater schwer erkrankt ist. Das ist der Ausgangspunkt der Geschichte, die in Form eines Berichts dient, indem er seine Erinnerungen zurückfließen lässt. Verlust, Trauer und Melancholie bestimmen den Erzählton.

Die Beziehungsprobleme der Figuren lassen sich nicht einfach lösen, sie sind erstarrt und oft sprachlos. Said und seine introvertierte Frau können nicht über die Vergangenheit sprechen, obwohl sie immer gegenwärtig ist und als innerer Konflikt ungelöst bleibt.


In diesem Buch erfährt man viel vom Leben palästinischer Familien in Israel. Die literarische Qualität ist stark.

Der aus dem Hebräischen übersetzte Roman war die letzte Übersetzungsarbeit von der großartigen Mirjam Pressler.

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L

Rezension zu "Zweite Person Singular" von Sayed Kashua

Ab der ersten Zeile fesselnd
Loretellovor 9 Monaten

Man beginnt zu lesen und ist sofort von diesem Buch gefesselt.
Es erzählt in zwei unabhängigen Erzählsträngen die Geschichte zweier Araber, die in Jerusalem leben, beide aus palästinensischen Dörfern stammend, beide haben studiert. Tief eingegraben ist ihnen ein Minderwertigkeitsgefühl als Araber nur Menschen zweiter Klasse zu sein.
Der eine, Rechtsanwalt, hat es geschafft, erfolgreich und wohlhabend mit seiner Familie ein geordnetes und nach außen glückliches Leben zu führen. Im geheimen leidet er darunter, nicht die Bildung zu haben wie andere. Er versucht z.B. seine mangelnden literarischen Kenntnisse aufzuholen, indem er sich in einem Antiquariat Werke der Weltliteratur kauft und diese nachts zu lesen versucht. Dabei entdeckt er in einem Buch einen Zettel, der ihn völlig aus dem Gleichgewicht bringt und seine mühsam aufgebaute Existenz bedroht.
Der zweite, ein junger Sozialarbeiter, übernimmt als Zweitjob die Nachtpflege eines im Koma liegenden jungen Patienten. Während dieser nächtlichen Stunden taucht er immer mehr in das vergangene Leben seines Patienten ein, indem er sich mit dessen Musik, Büchern und Hobbys beschäftigt. Schließlich identifiziert er sich mehr und mehr mit ihm und übernimmt schließlich dessen Identität.
Wie es Kashua schließlich gelingt, die beiden Protagonisten in der Geschichte in Zusammenhang zu bringen, ist sehr gut gemacht. Kashua ist ein meisterhafter Erzähler, der seine Leser fesselt. Ich habe das Buch in drei Tagen ausgelesen und mich jedesmal aufs Weiterlesen gefreut. Leider findet man so gute Bücher, die einen lesenswerten und interessanten Inhalt mit großer Erzählkunst verbinden, nur selten!

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches Tanzende Araber (ISBN:undefined)

Liebe LovelyBookers,

diesmal wollen wir etwas Neues probieren:

Wir verlosen 20 Exemplare von Sayed Kashuas Debütroman TANZENDE ARABER – und 20 FREIKARTEN für den Film MEIN HERZ TANZT, der auf Kashuas Roman beruht und am 21. Mai in die deutschen Kinos kommt. Dafür wollen wir von euch eine Doppelrezension, eine vom Buch, eine vom Film.

In seinem mutigen ersten Roman erzählt Sayed Kashua von der schmerzhaften Erfahrung einer gescheiterten Assimilation: weder in der arabischen noch in der jüdischen Welt, in ihren Traditionen, ihrem Alltag, findet der Held — ein junger israelischer Palästinenser — eine Heimat. Von israelischen Kritikern, unter ihnen die Autorin Batya Gur, als große Entdeckung und »Shooting Star« der hebräischen Gegenwartsliteratur gefeiert.

Aufgewachsen ist er in dem arabischen Dorf Tira, mit der Legende seines 1948 ums Leben gekommenen Großvaters und einem ehrgeizigen Vater, der in seiner Jugend die Universitätscafeteria in die Luft gejagt und dafür zwei Jahre im Gefängnis gesessen hat und nun hofft, dass sein Sohn Pilot wird oder zumindest der erste Araber, der eine Atombombe baut. Der Sohn stellt sich allerdings als »Feigling« heraus, genau wie seine Brüder: »Mein Vater versteht nicht, warum ich und meine Brüder so geworden sind. Wir können nicht einmal eine Fahne zeichnen. Er sagt, dass andere Kinder — manche sind sogar jünger als wir — durch die Straße marschieren und dabei »PLO — Israel NO« singen, und dann wirft er mir vor, dass ich wahrscheinlich nicht einmal weiß, was PLO heißt.« Der Erzähler flüchtet sich hinter eine Vielzahl von Masken und muss doch verzweifeln an dem unauflösbaren Konflikt der Identitätsfindung — weder in der arabischen noch in der jüdischen Welt findet er eine innere Heimat. Ein mutiges und hellsichtiges Buch, dessen sanfte Selbstironie und melancholischer Witz überraschen.

Und das müsst ihr tun, wenn ihr dabei sein wollt:

Guckt euch den Trailer zum Film an, lest die Leseprobe, und sagt uns dann, warum ihr dabei sein wollt. 

Trailer:


###YOUTUBE-ID=IvVHnP4hYoc###

Leseprobe: www.berlinverlag.de

Herzliche Grüße aus dem Berlin Verlag

308 BeiträgeVerlosung beendet

Zusätzliche Informationen

Sayed Kashua wurde am 31. Juli 1975 in Tira geboren.

Community-Statistik

in 64 Bibliotheken

auf 14 Wunschlisten

von 1 Lesern aktuell gelesen

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