Sayed Kashua Eingeboren

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Inhaltsangabe zu „Eingeboren“ von Sayed Kashua

Es sind kleine Szenen, die Sayed Kashua einfängt, um eine zutiefst gespaltene Gesellschaft zu beschreiben und die absurde Situation auszuloten, in der Israelis heute leben. Etwa wenn der arabische Kolumnist der Tageszeitung Haaretz sich zum doppelten Preis beim Juden das Haar schneiden lässt, einen dezenten Citroën anschafft und das Auto von innen und außen wäscht, um Sicherheitskontrollen unbehelligt zu passieren. Oder wenn die kleine Tochter sich versehentlich auf Arabisch bedankt und der Wachmann im Einkaufscenter sofort auf Hebräisch den Ausweis verlangt. Selbstironisch, mitunter auch melancholisch erzählt Kashua vom Fremdsein im eigenen Land. »Ich habe versucht, die Realität mit Hilfe von Worten zu überleben.« Doch wo die Sprache nicht mehr trägt, wo die Hoffnung nicht mehr da ist, das Zusammenleben von Juden und Arabern durch Schreiben zu verändern, sieht Kashua keinen anderen Ausweg, als sein Land, »diesen verfluchten, geliebten Ort«, für immer zu verlassen. Am Ende steht dieses Buch, brisant und hochpolitisch. Und ein bewegender Abschied von Israel.

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    Eingeboren
    sabatayn76

    sabatayn76

    30. December 2016 um 22:28

    Inhalt: ‚Eingeboren‘ beinhaltet Kolumnen von Sayed Kashua, die von 2006 bis 2014 wöchentlich in der Haaretz erschienen sind. In diesen Kolumnen erzählt der Autor von sich und seiner Familie, von seinem Leben in Beit Safafa und im Westteil Jerusalems, von Israel und Palästina, von der Diskriminierung der Araber, die Fremde im eigenen Land sind, sowie von Nahostpolitik im Allgemeinen. Mein Eindruck: Ich habe bereits ‚Tanzende Araber‘ und ‚Da ward es Morgen‘ von Sayed Kashua mit großer Begeisterung gelesen, und auch ‚Eingeboren‘ hat mir sehr gut gefallen. Ich empfand Sayed Kashua als einen sehr unterhaltsamen und spritzigen Kolumnisten, der oft amüsant ist und mit einem Augenzwinkern von seinem Leben und von seiner Heimat spricht, der aber auch tragische Geschichten erzählt, die dem Leser vor Augen halten, was Leben in Jerusalem tagtäglich bedeutet und was die Araber im eigenen Land erleben und erdulden müssen.Dabei ist der Autor oft bitterböse und zynisch, spielt mit Vorurteilen gegenüber Juden und Arabern, Frauen und Männern, übertreibt schamlos und zeigt so die Skurrilität des Alltags in Israel/Palästina. Mein Resümee: Zynisch, amüsant und tragisch. Sehr gelungene Kolumnen aus Nahost.

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  • Israelisch-palästinensisches Leben

    Eingeboren
    serendipity3012

    serendipity3012

    08. October 2016 um 16:21

    Israelisch-palästinensisches Leben Sayed Kashua hat bereits einige Romane veröffentlicht, die stets arabische Protagonisten, die in Israel leben, in ihren Mittelpunkt stellen. Kashua weiß aus persönlicher Erfahrung, wovon er schreibt: Er wuchs im Grenzgebiet zum Westjordanland auf und lebte mit seiner Familie lange in einem jüdischen Viertel in Jerusalem, bevor er 2014 in die USA emigrierte. Im vorliegenden Band „Eingeboren“ sind Kolumnen aus den Jahren 2006 bis 2014 versammelt, die wöchentlich in der Zeitung „Haaretz“ erschienen. Kashua schrieb auch seine bisher erschienenen Romane auf hebräisch.Die Kolumnen sind chronologisch abgedruckt und in größere Kapitel zusammengefasst; auch private Ereignisse, wie die Geburt seines dritten Kindes, kann man miterleben. Teilweise werden so sehr persönliche Szenen erzählt und es ist unklar, wie viel sich tatsächlich so ereignet hat und was der Autor womöglich doch hinzuerfunden hat. Es sind oft kleine Begebenheiten, Alltäglichkeiten. Er erzählt von Familienfesten, gibt Gespräche mit seiner Frau wieder, mit Kindern, anderen Verwandten. Er reflektiert seine Arbeit, sein Leben als Schriftsteller. Nicht immer steht die Situation Kashuas und seiner Familie, das Leben als Araber in einem jüdischen Viertel, dabei im Vordergrund. Meist schwingt sie mit, manchmal sind Alltäglichkeiten nichts weiter als das: Geschichten, wie sie genauso auch anderswo passieren könnten. Kashua erzählt das alles in lockerem Ton, humorvoll und oft ironisch, jedoch sind es gerade diese Szenen, die manchmal in wenig belanglos sind, die Pointen, auf die sie hinauslaufen, sind zu erwarten, geraten weniger komisch als erhofft.Trotzdem ist es interessant zu lesen, wie sich das Leben Kashuas und seiner Familie entwickelt, und auch, wie die Situation, in der er sich befindet, immer wieder in kleinen Absurditäten in seinen Alltag Einzug erhält, etwa wenn der arabische Techniker bestellt wird und Kashua den Kindern eintrichtert, so lang der Handwerker da ist, doch bitte kein hebräisch zu sprechen. Vorurteile gibt es überall, auch bei Kashua selbst. Ein ganz alltäglicher Rassismus ist auch einer der Gründe, warum der Autor sich letztendlich dazu entschließt, in die USA zu emigrieren. So ist es auch der letzte Teil des Bandes, in dem die Kolumnen aus den Jahren 2012 bis 2014 versammelt sind, der der stärkste ist. Der nachdenklichste, vielleicht auch der ehrlichste, und der, in dem Kashua fast so etwas wie eine Niederlage eingesteht, vor allem aber die Aufgabe der Hoffnung. Im Vorwort schreibt er:„Ich glaube, ich versuchte vor allem, die Realität mit Hilfe von Wörtern zu überleben. Ordnung in das Durcheinander zu bringen und eine innere Logik in das Durcheinander zu bringen, die mich umgaben und die ich erlebte. Mit meinen Texten konnte ich mich entschuldigen, ich konnte schreien, Angst ausdrücken, flehen, lieben und hassen – doch vor allem konnte ich die Hoffnung nähren, mein Leben etwas erträglicher zu gestalten.“ S. 8Wenn auch nicht alle Kolumnen gleichermaßen stark, unterhaltsam, erhellend sind – vielleicht liegt das auch schlicht daran, dass die Perspektive des Außenstehenden eine andere ist als desjenigen, der im Umfeld des Konflikts lebt – so lohnt sich dieser Kolumnenband dennoch aufgrund einzelner Texte und vor allem des letzten Teils, in dem Kashua thematisiert, was in ihm vorging, als die Gedanken an eine Emigration in ihm Gestalt annahmen.

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  • Interessante Einblicke, leger erzählt

    Eingeboren
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    08. August 2016 um 13:58

    Interessante Einblicke, leger erzähltUnprätentiös wendet sich der Kashua, Palästinenser, der in Israel lebt und seine Romane in Hebräisch verfasst, in diesem Buch dem ganz normalen Alltag seines Lebens in Israel zu, inmitten all dieser jahrzehntelangen und jahrhundertealten Spannung zwischen dem jüdischen Israel und seinen arabischen Nachbarn (und Mitbürgern). So könnte man durchaus auch, folgt man einigen der Erzählungen Kashuas im Buch, vom „ganz normalen Wahnsinn“ sprechen, der den Alltag vor Ort mitgestaltet.„Ich fühlte mich nicht wohl bei dem Lärm und der bedrohlichen Enge. Trotzdem musste ich Zigaretten kaufen“.Eine Szene aus einem Einkaufszentrum, zu jenem Augenblick fast nur besucht von orthodoxen jüdischen Familien. Nicht einfach, da ganz alltäglich Zigaretten zu kaufen. Ein Gefühl des „Aufpassen Müssens“, des „auf den Moment immer Achtens“, den Kashua im Hintergrund in weiten Teilen der szenenhaften Erlebnisse, die er festhält, mitlaufen lässt.Ein „Interview“ mit seiner Frau bringt manche der Dinge locker und ironisch formuliert auf den Punkt:„Zur politischen Lage? Alles beschissen……ganz allgemein ist es schlecht, Araber zu sein“.„Und Jude“?„Das kommt mir auch nicht so toll vor“.„Hättest Du einen Juden geheiratet“?„Nein“.Und Punkt. Und natürlich ist die Frau der festen Überzeugung, dass auch die gemeinsame Tochter keinen Juden heiraten soll. Nicht aus fundamentalistischen Aspekten heraus, nicht aus ideologischen Haltungen, sondern, und das ist das interessant Herauszulesende, aus einem ganz natürlich wirkenden Gefühl heraus, einer einfachen, aber tief verankerten und gesetzten inneren Haltung.Es sind jeweils ins ich abgeschlossene Szenen, Kolumnen, die Kashua aneinanderreiht. Persönliche Erlebnisse, Geschichten mit seiner Familie und seinen Kindern. Die sich, auch das muss man sagen, im Lauf der Lektüre doch auch teilweise in die Länge ziehen, die oft eher durch den frischen Tonfall als durch ein tiefsinniges Fundament eher unterhaltsam wirken, als immer und durchgehend Denkanstöße zu bieten.Im Gesamten aber bildet Kashua aus erster Hand und sprachlich versiert einen treffenden und prägnanten Blick auf seine Welt ab, in der selbst das Leiden an einer Verstopfung noch von hm genutzt wird, kleine Seitenblicke auf die Verhältnisse im Land zu werfen. Wenn die Eltern zu ihrer Pilgerfahrt nach Mekka aufbrechen und heiliges Wasser versprechen, um sein „Problem“ zu lösen (was hebräischer Medizin wohl eher nicht zugetraut wird).Und wie gerade in dieser eher peinlichen Lage bei einer Podiumsdiskussion offene Wärme zwischen ihm und dem Publikum herzustellen.„Ihre Worte haben mich beschämt, die israelische Staatsbürgerschaft zu besitzen…..“Insgesamt lesenswert, mit legerem, ironischem Unterton locker plaudernd geschrieben, gibt Kashua einen interessanten Einblick in die Gegenwart des „gemischten“ Lebens in Israel.

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