Sayed Kashua Tanzende Araber

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Inhaltsangabe zu „Tanzende Araber“ von Sayed Kashua

Aufgewachsen ist er in dem arabischen Dorf Tira, mit der Legende seines 1948 ums Leben gekommenen Großvaters und einem ehrgeizigen Vater, der in seiner Jugend die Universitätscafeteria in die Luft gejagt und dafür zwei Jahre im Gefängnis gesessen hat und nun hofft, dass sein Sohn Pilot wird oder zumindest der erste Araber, der eine Atombombe baut. Der Sohn stellt sich allerdings als »Feigling« heraus, genau wie seine Brüder: »Mein Vater versteht nicht, warum ich und meine Brüder so geworden sind. Wir können nicht einmal eine Fahne zeichnen. Er sagt, dass andere Kinder — manche sind sogar jünger als wir — durch die Straße marschieren und dabei »PLO — Israel NO« singen, und dann wirft er mir vor, dass ich wahrscheinlich nicht einmal weiß, was PLO heißt.« Der Erzähler flüchtet sich hinter eine Vielzahl von Masken und muss doch verzweifeln an dem unauflösbaren Konflikt der Identitätsfindung — weder in der arabischen noch in der jüdischen Welt findet er eine innere Heimat. Ein mutiges und hellsichtiges Buch, dessen sanfte Selbstironie und melancholischer Witz überraschen.

Ein gutes Buch, ein wichtiges Buch. Ein Buch das viele Fragen aufwirft, über Israel, über seine eigene Identität und Herkunft.

— Orisha

Das Buch ist wirklich enttäuschend und deprimierend. Der Film "Mein Herz tanzt" ist allerdings hervorragend!

— Areti

Und das soll´s jetzt gewesen sein....??? Ernüchterung! Eines der Bücher, bei denen man sich unwillkürlich fragt, was sie einem bringen?!

— Maggi

Da ich sowohl Film als auch Buch bewertet habe, fließen beide in die Sterne ein, obwohl ich dem Buch einen weniger geben würde.

— Nicky_G

Interessantes Buch über den Alltag eines palästinensischen Israeli auf der Suche nach Identität...

— Line88

Ein Buch, das betroffen macht und die Augen öffnet.

— seschat

Eine Geschichte über eine gescheiterte Assimilation, der es leider an Substanz mangelt

— kruemelhino

Tanzende Araber, tanzende Juden: ein israelisches Volk, das endlich zusammen finden sollte. Weil es um die Heimat beider Völker geht.

— Buchstabenliebhaberin

Erschütternder Blick auf die Befindlichkeiten der arabischen Minderheit in Israel.

— alasca

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Leserunde zu "Tanzende Araber" von Sayed Kashua

    Tanzende Araber

    Berlin_Verlag

    Liebe LovelyBookers, diesmal wollen wir etwas Neues probieren: Wir verlosen 20 Exemplare von Sayed Kashuas Debütroman TANZENDE ARABER – und 20 FREIKARTEN für den Film MEIN HERZ TANZT, der auf Kashuas Roman beruht und am 21. Mai in die deutschen Kinos kommt. Dafür wollen wir von euch eine Doppelrezension, eine vom Buch, eine vom Film. In seinem mutigen ersten Roman erzählt Sayed Kashua von der schmerzhaften Erfahrung einer gescheiterten Assimilation: weder in der arabischen noch in der jüdischen Welt, in ihren Traditionen, ihrem Alltag, findet der Held — ein junger israelischer Palästinenser — eine Heimat. Von israelischen Kritikern, unter ihnen die Autorin Batya Gur, als große Entdeckung und »Shooting Star« der hebräischen Gegenwartsliteratur gefeiert. Aufgewachsen ist er in dem arabischen Dorf Tira, mit der Legende seines 1948 ums Leben gekommenen Großvaters und einem ehrgeizigen Vater, der in seiner Jugend die Universitätscafeteria in die Luft gejagt und dafür zwei Jahre im Gefängnis gesessen hat und nun hofft, dass sein Sohn Pilot wird oder zumindest der erste Araber, der eine Atombombe baut. Der Sohn stellt sich allerdings als »Feigling« heraus, genau wie seine Brüder: »Mein Vater versteht nicht, warum ich und meine Brüder so geworden sind. Wir können nicht einmal eine Fahne zeichnen. Er sagt, dass andere Kinder — manche sind sogar jünger als wir — durch die Straße marschieren und dabei »PLO — Israel NO« singen, und dann wirft er mir vor, dass ich wahrscheinlich nicht einmal weiß, was PLO heißt.« Der Erzähler flüchtet sich hinter eine Vielzahl von Masken und muss doch verzweifeln an dem unauflösbaren Konflikt der Identitätsfindung — weder in der arabischen noch in der jüdischen Welt findet er eine innere Heimat. Ein mutiges und hellsichtiges Buch, dessen sanfte Selbstironie und melancholischer Witz überraschen. Und das müsst ihr tun, wenn ihr dabei sein wollt: Guckt euch den Trailer zum Film an, lest die Leseprobe, und sagt uns dann, warum ihr dabei sein wollt.  Trailer: Leseprobe: www.berlinverlag.de Herzliche Grüße aus dem Berlin Verlag

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  • ein palästinensischer Junge, der in Israel lebt

    Tanzende Araber

    irismaria

    11. August 2015 um 18:06

     „Tanzende Araber“ von Sayed Kashua handelt von einem palästinensischen Jungen, der in Israel lebt. Die Geschichte ist aus seiner Sicht geschrieben und in seinen Erzählungen von Eltern und Großeltern erfährt man vieles über die Geschichte Israels und das schwierige Zusammenleben von Juden und Arabern. Nach der Lösung eines öffentlichen Rätsels, darf der Junge ein jüdisches Elite-Internat in Jerusalem besuchen. Als einziger Araber hat er es dort allerdings nicht leicht, erlebt aber die ganz andere Lebenswelt der jüdischen Mitschüler und verliebt sich auch in eine Jüdin. Die Thematik ist sehr spannend, doch leider konnte mich der Stil nicht überzeugen. Viele Gedanken und Handlungen der Hauptperson konnte ich nicht nachvollziehen. Nebensächlichkeiten nahmen einen großen Raum ein, während wichtige Aspekte (wie etwa die Geburt der Tochter) nur nebenbei erwähnt wurden.

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  • Rezension: "Tanzende Araber" (Sayed Kashua)

    Tanzende Araber

    Anchesenamun

    21. June 2015 um 20:41

    2,5 Sterne Zum Inhalt Es ist nicht leicht, als Palästinenser in Israel zu leben. Denn Juden und Araber hassen sich, und die Konflikte am Gaza-Streifen spitzen sich immer mehr zu. Doch der aufgeweckte, intelligente Junge schafft es trotzdem, an einem Internat in Jerusalem angenommen zu werden. Die Familie jubelt, und sein Vater hofft, dass der Sohn eines Tages ein besseres Leben führen wird als er. Doch die Integration erweist sich als nahezu unmöglich. Auch die Liebe zu einer jüdischen Schulkameradin hat keine Zukunft. Er verfällt immer mehr in Depressionen und wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich dazuzugehören. Doch weder in der arabischen noch in der jüdischen Welt kommt er richtig an. Meine Meinung Es fällt mir wirklich sehr schwer, dieses Buch zu rezensieren. Ich frage mich immer noch: Liegt es an mir oder dem Buch, dass wir beide nicht miteinander warm wurden? Fehlen mir einfach zu viele Hintergrundinformationen über den Konflikt zwischen Palästina und Israel, über die Geschehnisse am Gaza-Streifen? Ich weiß es nicht. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ich kurz vor der Lektüre die Verfilmung zu „Tanzende Araber“ im Kino gesehen habe. Der Film „Mein Herz tanzt“ hat jedoch meiner Meinung nach so gar nichts mehr mit dem Buch gemeinsam bis auf ein paar grundsätzliche Dinge. Aber die große Liebesgeschichte zwischen Eyad und Noemi wird im Buch nur kurz und sehr lieblos erwähnt. Und die intensive Freundschaft zwischen Eyad und dem kranken Jonathan, die im Film so zentral ist, gibt es im Buch gar nicht. So dermaßen vorbelastet, war ich für das Buch vermutlich schon hoffnungslos versaut, um es noch richtig gut finden zu können... Dank des einfachen Schreibstils, der mir stellenweise ziemlich abgehakt vorkam, ist dieses Buch sehr schnell zu lesen. Der Protagonist bleibt – im Gegensatz zu allen anderen Auftretenden – namenlos. (Im Film heißt er Eyad.) Vielleicht ist dies ja Absicht des Autors, da es sich hier um jeden x-beliebigen Palästinenser handeln könnte, der das schwierige Los gezogen hat, in Israel zu leben, wo Araber einen schwierigen Stand haben, unbeliebt sind und es meist nur zum Tagelöhner schaffen. Die Geschichte umspannt die Lebensgeschichte des Jungen von seiner Kindheit an bis als junger Erwachsener, Ehemann und Vater eines kleinen Kindes. Die Erzählungen sind aus seiner Sicht, sie sind episodenhaft, es gibt viele zeitliche Sprünge, mal vor, mal zurück. Ich persönlich habe hier einen roten Faden, Zeit-/Altersangaben vermisst und kam teilweise nicht so richtig mit. Anfänglich kann man den Episoden aus der Kindheit noch einen gewissen feinen Humor abgewinnen. Doch je älter der Protagonist wird, desto verstörender wird sein Verhalten, und die Grundstimmung im Buch wird sehr trist und depressiv. Die im Klappentext versprochene Selbstironie und den melancholischen Witz habe ich leider vermisst. Der Erzählstil ist nüchtern, geradezu emotionslos, und mit fortschreitendem Alter wurde der Erzähler mir immer unsympathischer. Er entwickelt sich vom aufgeweckten, intelligenten Jungen zum jammernden, nichtsnutzigen Trinker und Fremdgeher. Auf der einen Seite wird seine Zerrissenheit deutlich. Er möchte als Araber letztendlich doch einfach nur dazugehören, angenommen werden ungeachtet seiner Herkunft. Er könnte einem ja leid tun, aber dafür ist er mir viel zu depressiv, gleichgültig und selbstzerstörerisch. Letzten Endes scheitert die versuchte Assmiliation nicht nur an der Gesellschaft, in der er lebt, sondern auch an ihm selbst. Das Ende bleibt offen und ließ mich ratlos und auch ein bisschen genervt zurück. Die politischen und geschichtlichen Hintergründe bleiben leider für meinen Geschmack zu oberflächlich. Ich musste mir stets ins Gedächtnis rufen, dass das Buch in Israel veröffentlicht wurde und die Leser dort natürlich mehr mit den Hinweisen anfangen können. Das ist dem Autor also nicht vorzuwerfen, dennoch empfand ich es beim Lesen anstrengend und war teilweise etwas planlos. Dieses Buch zeigt anhand eines Einzelschicksales vermutlich sehr realistisch die schwierige Situation von Arabern in Israel auf. Dies ist generell natürlich sehr interessant für mich gewesen. Allerdings konnte ich weder mit dem Schreibstil noch mit dem Protagonisten (und allen anderen Figuren) wirklich etwas anfangen. Ich empfehle wirklich, noch weitere, vor allem auch positive Rezensionen zu „Tanzende Araber“ zu lesen und selbst zu entscheiden, zu welchem Leserkreis man gehört. Ich denke nämlich, ich war einfach nicht die richtige Zielgruppe für dieses sicherlich anspruchsvolle Werk und hatte mir einfach etwas Anderes versprochen.

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  • Zwischen einer gescheiterten Assimilation und Depressionen

    Tanzende Araber

    kruemelhino

    Ein palästinensischer Junge – gefangen zwischen Juden und Arabern, richtig zugehörig fühlt er sich nirgends. Kashua beschreibt das Leben eines gewöhnlichen Jungen im Nahost-Konflikt, der mit den Vorurteilen seines persönlichen Umfelds und dem Kriegsgeschehen heranwächst. Die große Angst ist sein ständiger Begleiter. Die Angst, nicht angenommen zu werden, dem sozialen Elend nicht entkommen zu können. Auch als Heranwachsender muss er feststellen, dass er dieser Angst nicht einfach entkommen kann. Der Grundton von 'Tanzende Araber' ist insgesamt sehr trist. Es gibt nur wenige erheiternde Momente, die zudem oft sehr sachlich beschrieben werden. Ein großer Hoffnungsschimmer, der sich dem jungen Protagonisten unterbreitet, ist die Aufnahme an einem israelischen Internat. Die Eltern freuen sich. Endlich hat einer ihre Söhne die Chance dem Elend zu entkommen, einen guten Schulabschluss zu meistern. Die Freude währt nicht lange. Es folgt eine destruktive Liebesbeziehung, die den Protagonisten in Depressionen stürzen lässt. Ob die gescheiterte 'Liebe' allein auf seine ethnischen Wurzeln zurückzuführen ist, darüber lässt sich streiten. Von diesem Punkt an aber scheint der soziale Abstieg bereits besiegelt. Es ist leider nicht nur eine fehlende kulturelle Zugehörigkeit, die den Protagonisten scheitern lässt, sondern auch eine mangelnde Selbstliebe, ein fehlendes Selbstbewusstsein, kaum Empathievermögen. Diese Aspekte sind allerdings nicht allein auf eine gescheiterte Assimilation zurückzuführen so wie die Zusammenfassung im Klappentext zu suggerieren versucht. Der Alltag des Protagonisten wird realistisch beschrieben. Auch wenn der Einstieg in das Buch durch die vielen Zeitsprünge und Erzählvorgaben durch andere Familienmitglieder etwas erschwert wird, so kann sich der Leser durchaus in die Angst des Protagonisten hinein fühlen. Die Angst davor, entdeckt zu werden, seiner Familie genommen zu werden, keine Zugehörigkeit zu finden. Insgesamt aber bleiben viele Situationen/Begebenheiten zu oberflächlich beschrieben. Den depressiven und tristen Grundton habe ich als äußerst anstrengend empfunden. Hinzu fehlen mir die positiven Aspekte. Gerade in schweren Lebenslagen der Protagonisten sollten es zumindest die kleinen Dinge sein, die dem Leser etwas Lebensfreude übermitteln sollten. Hier muss ich dem Buchrückentext widersprechen. Von einem Buch voller Selbstironie und melancholischem Witz kann bei 'Tanzende Araber' nicht die Rede sein.

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    • 3
  • Sinnbild einer Krise

    Tanzende Araber

    Orisha

    "Ich stiere nicht nur in das Buch, um in meine Identität zu tarnen, sondern auch, um nicht den Blicken der anderen zu begegnen." (Kashua, S. 251f.) Yama ist Araber im jüdischen Israel. Er wächst in einer kleinen Stadt, Tira, heran und bekommt als Teenager die Chance eine jüdische Schule in Jerusalem zu besuchen, auf welche sein Vater ihn mit Stolz schickt. Schließlich könnte Yama der erste Araber werden, der eine Atomrakete baut. Im Internat sieht sich Yama mit den Tücken seiner arabischen Identität konfrontiert, die er immer mehr verflucht und im Laufe seiner Entwicklung abzulegen versucht. Doch dabei verliert er sich immer mehr. Kashua hat ein Buch geschrieben, das keine leichte Kost ist, da man in Yamas Identitätskrise geradezu hineingezogen wird. Als fröhlicher, leicht hyperaktiver Junge wächst er zunächst auf und sieht sich dann später als Jugendlicher immer wieder mit seiner arabischen Identität konfrontiert. Als er sich in Noemi, eine Jüdin verliebt, scheint sich diese Krise zunächst auch zu legen, doch als sie ihn letztlich - SPOILER - auch wegen seiner arabischen Herkunft verlässt, rutscht er immer mehr in eine Depression ab. Identität, was ist das eigentlich? Eine Frage, die mich über das gesamte Buch beschäftigt hat und eine Frage, die essentiell für jeden von uns ist. Man kann nur erahnen, was es bedeutet in einem Land aufzuwachsen, welches innerlich so zerrissen ist, wie Israel es bis heute ist. Yama bildet ein Sinnbild dieses zerrissenen Selbst und dieses krisenhaften Landes. Dabei schönt Kashua Yamas Krise nicht, im Gegenteil er schafft es den Leser (beinah) in diese Depression hineinzuziehen.  Fazit: Ein gutes Buch, ein wichtiges Buch. Ein Buch das viele Fragen aufwirft, über Israel, über seine eigene Identität und Herkunft und auch über die psychischen Auswirkung einer unterdrückten Identität. Lesen!

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    • 2
  • Identitätssuche eines Arabers in Israel

    Tanzende Araber

    Arizona

    Israel - ein geteiltes Land. Hier lebt neben den Juden auch eine Minderheit von Arabern, so auch unser Protagonist ohne Namen. Dieses Buch ist autobiographisch geprägt, so dass wir hier also die Geschichte des Autors dahinter vermuten können: Der Ich-Erzähler lebt als Araber in einem Dorf in Israel, und er bekommt die Chance auf ein gutes jüdisches Internat gehen zu können. Nun fangen seine Identitätsprobleme an, zu gerne würde er nicht als Araber auffallen. So versucht er sich vom Aussehen und Benehmen als Jude auszugeben. Auch verliebt er sich in ein jüdisches Mädchen, aber diese Liebe hat nach dem Abitur keine Chance. Später heiratet er eine arabische Frau, aber die Ehe scheint nicht besonders glücklich zu sein. Dies gilt wohl auch für sein ganzes Leben, alles ist sehr deprimierend. Auch sein Studium scheitert, er arbeitet als Barmann, und irgendwie stagniert alles. Mich hat dieses Buch zugegebenermassen sehr verstört. Der Inhalt hat sich mir nur sehr schwer erschlossen. Besonders geärgert hat mich, dass ich einige Passagen irgendwie vom Sinn her gar nicht so richtig verstanden habe. Das Buch ist irgendwie so oberflächlich erzählt, z.B. weiss ich nicht, was eigentlich mit dem Vater los ist. Auch die Liebe zwischen Noemi und ihm, irgendwie fehlt mir da so viel, er sieht sie, und dann liebt er sie und sagte es ihr. Nun ja ok, das nehme ich als Leser zur Kenntnis, aber woher kommt diese tiefe Verbundenheit zwischen ihnen? Was macht ihre Persönlichkeit aus? Irgendwie geht mir das alles so schnell und wird nur so knapp erzählt. Dann die Ehe mit seiner Frau, wieso läuft das alles so schlecht. Auch die Szene, als er seine Frau ins Krankenhaus gebracht hat, da habe ich nicht verstanden, ob sie dort ein zweites Kind bekommen hat oder nicht... so etwas ärgert mich irgendwie immer, wenn ich nicht so genau den Inhalt des Buches verstehen kann, einfach weil es so schwammig formuliert ist.  Auch die gesamte Handlung war mir zu episodenhaft, es werden eher einzelne Szenen aneinander gereiht, sehr sprunghaft erzählt, mit Rückblenden, die man nicht genau zuordnen kann. Für einen Roman fehlte mir der rote Faden. Die politischen Verhältnisse wurden mir zu wenig erklärt, aber ok das Buch ist ja auch eher für Leser in Israel gedacht. Punkt, ich konnte mit dem Buch so gar nicht warm werden, weder mit dem Inhalt noch mit der Erzählart.  

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    • 2
  • Interessantes Buch über den Alltag eines palästinensischen Israeli auf der Suche nach Identität...

    Tanzende Araber

    Line88

    Der Autor Sayed Kashua, selbst mit Wurzeln, schreibt aus der Ich-Perspektive über den Jungen Eyad, welcher in den 80er Jahren als einer von vier Brüdern in der arabisch geprägten Kleinstadt Tira in Israel aufwächst. Der Protagonist erzählt nicht nur von der politischen Situation zwischen Juden und Arabern, die er selbst als Kind nur schwer nachvollziehen kann, sondern vor allem von seinem persönlichen Umfeld. Er berichtet von seiner Beziehung zur Großmutter und dem schwierigen Verhältnis zum Vater, welcher sehr gebildet ist, aber durch seine politischen Aktivitäten seine eigene Universitätskarriere zerstört hat. Als Eyad als einziger Araber die Chance erhält an ein jüdisches Elite-Internat zu gehen, weckt er damit große Hoffnungen in seiner Familie, doch dem sensiblen Jungen machen die Entfernung zur Heimat und die Verachtung durch jüdische Mitschüler schwer zu schaffen. Eyad möchte ungern als Araber auffallen und bemüht sich daher immer, sich dem jüdischen Leben anzupassen. Seine erste große Liebe zu einem jüdischen Mädchen aus dem Internat hält den Feindseligkeiten der Mitmenschen allerdings nicht stand und zerbricht. Nur wenige Zeit vor dem Abitur verlässt er schließlich das Internat, woraufhin der Vater ihn verachtet. So erhält man als Leser schnell Einblick in die arabische Kultur, das palästinensische Familienleben und in das brutale Bildungssystem. Eyad sucht sich Arbeit in Jerusalem, holt das Abitur nach und schreibt sich halbherzig an der Universität ein, aber durch seine Despressionen lässt er sich immer mehr hängen, lebt ohne Freude und verliert den Mut an die Chancen seiner Zukunft zu glauben. Seine Frau, die Araberin Samia verachtet er, nicht zuletzt für ihre dunkle Hautfarbe – beide hassen sich. Eyad versucht schließlich zu seinem ursprünglichen Glauben zurückzufinden, aber er scheint so stark zwischen den Kulturen gefangen zu sein, dass es ihm nicht gelingt. Der Schluss des Buches spannt zwar einen Bogen zum Anfang, aber hat mir dennoch überhaupt nicht gefallen, da es mir viel zu trist erscheint. Insgesamt finde ich den Grundton des Buches viel zu depressiv. Außer der Aufnahme in das Internat sind kaum erheiternde Momente zu finden, sodass das Buch nur wenig Hoffnung und Lebensfreude vermittelt. Sicher war es das Anliegen des Autors, den Menschen die Problematik des Konflikts vor Augen zu führen, was ihm zweifelsfrei gelungen ist, dennoch hätten zumindest einige Charaktere sympathischere Züge haben können. Von dem auf dem Buchrücken erwähnten melancholischen Witz, kam bei nur sehr wenig an. Ich habe feststellen müssen, dass ich nicht viel über den Alltag in Israel weiß und bin daher froh, einen interessanten Einblick bekommen zu haben. Trotz der zeitlichen Sprünge und meines teilweise lückenhaften Wissen über den Nahost-Konflikt, habe ich das Buch gern gelesen. Der einfache Erzählstil und die lebhaft geschilderten kleinen Geschichten, haben mich sehr gut eintauchen lassen.

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    • 2
  • Buch enttäuschend, Film hervorragend

    Tanzende Araber

    Areti

    07. June 2015 um 22:06

    Inhalt (laut Klappentext): Ein palästinensischer Israeli, wird in ein jüdisches Internat gesteckt. Als hochbegabter Schüler hat er den begehrten Platz erhalten und sitzt nun als einziger Araber in einer Klasse mit jüdischen Kindern. Er flüchtet sich hinter eine Vielzahl von Masken und muss doch verzweifeln an dem unauflösbaren Konflikt der Identitätsfindung – weder in der arabischen noch in der jüdischen Welt findet er eine innere Heimat. Meine Meinung: Ich habe dieses Buch im Rahmen einer Lese- und Kinorunde gelesen, bei der ich mir allerdings den Film „Mein Herz tanzt“ zuerst angeschaut habe. Dies war vielleicht ein Fehler, denn nach dem berauschenden und wirklich guten Film konnte mich das Buch eher weniger überzeugen. Der Protagonist des Buches ist namenslos, was mich zwar zunächst ein wenig irritiert hat, aber eigentlich sehr sinnvoll ist: Denn so kann seine Geschichte auf jeden arabischen Jungen aus dieser Gegend bezogen werden. Zunächst beginnt das Buch noch relativ interessant. Der Protagonist erzählt von seinen Großeltern, seinem Vater und den Konflikten, die zu seiner Zeit zwischen Juden und Arabern herrschen, sodass man sein Umfeld gut kennenlernt, was auch nötig ist, um zu verstehen, was in ihm vorgeht. Es scheint ein Lichtblick in seinem Leben zu sein, dass er als einziger Araber an ein jüdisches Internat darf – eine einmalige Chance. Dort lernt er auch seine erste große Liebe, eine Jüdin, kennen und erlebt wie schwierig es eigentlich ist, diese Liebe in seiner Situation aufrecht zu erhalten. Der Junge bemüht sich immer, nicht als Araber aufzufallen und will sich möglichst weit  dem jüdischen Leben anpassen. Doch schon früh fällt er in Depressionen. Von da an hat das Buch einen deprimierenden Grundton. Alles geht schief, er lässt sich hängen und fasst auch keinen Mut mehr, etwas an seiner Situation zu ändern. Der Schluss des Buches spannt zwar einen Bogen zum Anfang, aber hat mir dennoch überhaupt nicht gefallen. Buch und Film haben bis auf wenige Szenen nicht viel gemeinsam. Im Film kommt noch eine Freundschaft zwischen dem arabischen Protagonisten und einem jüdischen Jungen hinzu, von der der Film sehr geprägt ist. Hier sind die Konflikte und Unterschiede zwischen Arabern und Juden witzig und zum Teil sarkastisch verpackt. Man kann viel besser mit dem Jungen mitfühlen und es ist nicht so deprimierend wie das Buch. „Mein Herz tanzt“ ist ein wirklich schöner, witziger, aber zugleich auch trauriger Film voller Gefühle, der zum Nachdenken anregt. Fazit: Das Buch „Tanzende Araber“ würde ich eher nicht empfehlen, dagegen kann ich den Film dazu „Mein Herz tanzt“ jedem ans Herz legen. Das Buch allein bekommt von mir nur 2-3 Sterne, der Film hingegen würde 5 bekommen.

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  • Tanzende Araber - der Alltag in einem umkämpften Gebiet

    Tanzende Araber

    Nicky_G

    03. June 2015 um 13:53

    Der Leser verfolgt die Geschichte des Ich-Erzählers, der als Araber in Israel aufwächst und dort mit den gesellschaftlichen Konflikten zwischen Juden und Arabern konfrontiert wird. Er wächst im Dorf Tira auf, das arabisch geprägt ist, kommt aber als Hochbegabter in ein jüdisches Internat. Hier ist alles anders: die Menschen, die Gewohnheiten und Gepflogenheiten, die Sprache. Wird er es schaffen, sich selbst zu finden, eine eigene Identität zu finden? Jahre später findet sich die ernüchternde Antwort. Es ist verblüffend zu sehen, wie wenig man über den Alltag in Israel weiß und über die Geschichte des Landes und seine Bewohner. Die Konflikte zwischen Arabern und Juden sind zwar nicht neu, aber aus der Sicht eines Jungen sehr greifbar und ergreifend erzählt. Die Anekdoten sind teilweise erschütternd, teilweise erheiternd, wahrscheinlich wie sich das gesamte Leben in dem Gebiet darstellt. Da der Ich-Erzähler keinen Namen hat, wird dem Roman etwas Allgemeines gegeben, so dass es sich um jeden Jungen handeln könnte, der dort aufgewachsen ist und versucht seinen Weg zu gehen. Dieser ist voller Steine und Hindernisse, die nicht alle überwunden werden können. Mich hat ein wenig gestört, dass der Junge immerzu Angst hat. Dauernd wird diese Angst betont und ausführlich erläutert. Das ist nachvollziehbar, aber irgendwann hatte ich mir die Entwicklung des ängstlichen Jungen zu einem weniger ängstlichen Mann erhofft. Der Schluss des Buches hat mir gar nicht gefallen, wahrscheinlich weil man nicht mit einem positiven Ende aus dem Buch entlassen wird und mit seiner Traurigkeit und Fassungslosigkeit einfach stehen gelassen wird. Die negativen Gefühle, die sich immer mehr zum Ende des Buches hin zwischen den Protagonisten aufbauen, konnte ich teilweise nicht nachvollziehen. Ich hatte mir den Film angeschaut, bevor ich das Buch gelesen habe. Beide sind sehr verschieden und ich muss sagen, dass mir der Film besser gefallen hat, weil er die Konflikte zwischen Juden und Arabern witziger verpackt hat und nicht so deprimierend, wenn auch traurig, war. Ich sehe den Film mehr als Ergänzung zum Buch, weil sehr viele Szenen gar nicht im Buch vorkommen. Alles in allem also 4 Sterne, wobei ich dem Buch eher 3 Sterne gegeben hätte, aber aufgrund des Films wird es nun einer mehr.

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  • Ein Israeli auf der Suche nach der eigenen Identität

    Tanzende Araber

    seschat

    01. June 2015 um 16:14

    Der Roman "Tanzende Araber" hat mich begeistert, weil er ein sehr realistisches Bild des Nahostkonflikts zeichnet. INHALTEin palästinensischer Israeli wächst in den 80er-Jahren im Dorf Tira, nahe Jerusalem, auf. Er ist ein sensibles, hochintelligentes Kind und besucht als einziger Araber eine jüdische Schule. Ressentiments bleiben nicht aus. Schon früh bekommt er den schwelenden Konflikt zwischen arabischer und jüdischer Bevölkerung zu spüren. Sein Werdegang ist außergewöhnlich und gleichzeitig tragisch. Er entstammt einer Familie von Erntearbeitern und kann dank seiner Klugheit ein Internat in Jerusalem besuchen. Doch diese Zeit bricht ihn. Als Araber versucht er sich immer mehr den Juden anzupassen, um nicht aufzufallen und muss feststellen, dass sich diese Assimilation negativ auf seine Persönlichkeit auswirkt. Immer wieder beginnt er sich zu fragen, wer er eigentlich ist. Araber, Jude oder beides?Infolge beendet er das Internat nur mit Ach und Krach, wird depressiv und alkoholabhängig. Das Philisophiestudium bricht er ab und jobbt in einer Bar mit tanzenden Arabern (s. Titel). Er lässt sich gehen, heiratet eine arabisch stämmige Frau und muss schmerzlich erkennen, dass er nur ein winziges Puzzleteil im großen Nahostkonflikt ist. Bereits sein Vater hat vergebens für eine friedliche Einigung gekämpft und mittlerweile resigniert. Wird Eyad dies auch tun? MEINUNG Sayed Kashua ist ein sehr guter Erzähler, der gern mit Rückblenden arbeitet und tragikkomische Szenen liebt. Letztere sollen der in sich zerstrittenen Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Denn es kann ein besseres Morgen geben, wenn man nur bereit ist, den Anderen zu akzeptieren und zuzuhören. Aber alte Vorurteile gibt es allerhand. Kashua schildert die desolaten Zustände in Jerusalem nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern bindet sie in die Lebensgeschichte des arabischen Jungen gekonnt mit ein. Auf diese Weise bekommt der Leser häppchenweise einen Eindruck vom Alltag der einfachen Leute vor Ort. Mir hat diese Herangehensweise sehr gefallen. Der Hauptcharakter, im Kinofilm Eyad genannt, ist eine tragische Figur, ein Antiheld. Man kann mit ihm mitleiden, muss es sogar. Denn Eyad scheitert ein ums andere Mal grandios - an sich, den Erwartungen der Familie und am innerstaatlichen Kriegszustand. Am Ende ist er ein menschliches Wrack, gebrochen und jeglicher (Lebens-)Träume beraubt. So hart das auch sein mag, so beeindruckend authentisch liest sich dieses ungewöhnliche Buch. Es ist Eyads Geschichte, aber steht sie nicht auch beispielhaft für so viele andere persönliche Schicksale in Israels Vergangenheit und Gegenwart? Bleibt mir für die Zukunft nur zu wünschen, dass dieser unsinnige Israel-Konflikt, gewoben aus Unkenntnis und religiösem Fanatismus, bald beendet sein wird... FAZIT Ein überzeugender Coming-of-Age-Roman, der sich einer brisanten Thematik annimmt und dabei nichts beschönigt, sondern auf klare Worte setzt. Weiter so!

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  • "Sorry ... we dared to dream"

    Tanzende Araber

    solveig

    01. June 2015 um 09:24

      Selten geht die Thematik eines Buches so unter die Haut: Mit „Tanzende Araber“  hat  Sayed Kashua einen tief beeindruckenden Roman über die Entwicklung eines israelischen Jungen arabischer Herkunft verfasst. Seine Kindheit verbringt dieser Junge in Tira, einem Dorf in der Nähe Jerusalems, das nur von arabischen Israelis bewohnt wird. Sie ist geprägt von seinem despotischen, politisch engagierten Vater und seiner sehr gläubigen, traditionsbewussten Großmutter, immer wieder sind Kriege und Verfolgungen Teil seines Alltags. Da er ein begabter Schüler ist, bekommt er die Möglichkeit, ein jüdisches Elite-Internat in Jerusalem zu besuchen. Als einziger Araber hat er es dort allerdings nicht leicht. Er verliebt sich in seine jüdische Mitschülerin Noemi und beginnt eine Beziehung zu ihr. In dieser Zeit spürt der junge Mann schmerzhaft deutlich, dass es keine Gleichberechtigung der Bevölkerungsgruppen im gemeinsamen Staat Israel gibt, und erkennt, welchen Diskriminierungen die arabische Minderheit ausgesetzt ist. Kashuas Schilderungen des Familien- und Schulalltags sind so empathisch und authentisch, dass der Leser sehr schnell erkennt: dieser Roman trägt eindeutig autobiografische Züge. Er erzählt eindringlich von seinen Bemühungen, sich der jüdischen Bevölkerung anzupassen, nicht aufzufallen, um als vollwertiger Bürger akzeptiert zu werden. Er fühlt den Druck, seinen Wurzeln und Traditionen verpflichtet zu sein; andererseits reift in ihm der Wunsch, sich von seiner Herkunft zu lösen und zu den Juden zu gehören: Er „tanzt auf zwei Hochzeiten“. Absolut ehrlich beschreibt er die Folgen seiner Desillusionierung: Selbstzweifel, Depressionen, Flucht in den Alkohol. „I hope my stories make my readers think a little bit, because I also talk about how holy we make identity seem and look like …“ sagt Kashua, der sich unermüdlich in seinen Büchern und Zeitungskolumnen für eine Gleichberechtigung der Araber und Juden in Israel einsetzt, in einem Interview. Doch eine Gleichstellung bleibt vorerst ein Traum, wie der Autor selbst erst vor wenigen Wochen in Richtung Netanjahus kommentierte: „Sorry … we dared to dream.“ Immerhin ist ihm sein Vorhaben, den Lesern die Problematik der israelischen Politik in Erinnerung zu rufen, mit diesem Roman eindrucksvoll gelungen.   P.S.: Inzwischen ist er nach wiederholten Morddrohungen gegen ihn und seine Familie nach Illinois ausgewandert.         und hier gleich anschließend die Filmkritik zu                                             „Mein Herz tanzt“   Regisseur Eran Riklis verfilmte den Roman „Tanzende Araber“  von Sayid Kashua  -  allerdings erst ca. zehn Jahre nach Erscheinen des Buches. Der Autor selbst hat das Drehbuch verfasst. Dabei ist die Romanvorlage sehr abgeändert und auch Teile eines anderen Buches mit verwendet worden. Anders als der Titel des Buches, nach dem dieser Film gedreht wurde, wirkt der Filmtitel einschränkend. Tatsächlich steht die Suche nach Identität, nach einem Platz in der israelischen Gesellschaft, im Mittelpunkt der Geschichte. Der Junge Eyad, Sprössling einer arabischen Familie im Ort Tira, hat das Glück ein jüdisches Elite-Internat in Jerusalem besuchen zu dürfen. Hier lernt er die Ashkenazin Noemi (gespielt von Danielle Kitzis) kennen und lieben; doch ihre Liebesbeziehung muss ein Geheimnis bleiben.  Eyad erfährt schmerzhaft  die alltägliche Ausgrenzung und Diskriminierungen arabischer Israelis. Im Rahmen eines Sozialprojektes betreut er den an Muskelschwund leidenden gleichaltrigen Juden Yonathan, der  aufgrund seiner Krankheit ebenfalls ein Außenseiter ist. Schon bald verbindet beide eine enge Freundschaft. Yonathans jüdischer Ausweis ermöglicht Eyad einen Nebenjob und ein eigenes Bankkonto. Der junge Schauspieler Tawfeek Barhom spielt seine Rolle als Eyad ruhig und überlegt und bringt seine innere Zerrissenheit glaubhaft zum Ausdruck: Er möchte sich der jüdischen Kultur und Gesellschaft anpassen, einer von ihnen sein, fühlt sich jedoch seinen Wurzeln verpflichtet. Seine arabische Herkunft verschließt ihm viele berufliche Zukunftsmöglichkeiten,  und auch Noemi muss sich entscheiden: Karriere oder Liebe …   Es ist ein schlichter, ruhiger, dennoch sehr eindrucksvoller Film mit starken Bildern, den Regisseur Riklis geschaffen hat. Bei aller Melancholie bleibt doch stets ein leiser Humor erhalten. Mit seinem beinahe absurden Ende wirbt der Film für mehr Toleranz und (endlich!) eine echte Gleichberechtigung der Völkergruppen Israels.

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  • Auf der Suche nach Identität

    Tanzende Araber

    cyrana

    29. May 2015 um 11:23

    Eyad erzählt in diesem Buch seine Lebensgeschichte in Rückblicken. Er wächst in den 1980er Jahren Tira auf, einem arabischen Dorf. Nachdem er einen Dorfwettbewerb gewonnen hat, wechselt er nach Jerusalem auf ein jüdisches Internat. Diese Kultur fasziniert ihn von früher Kindheit an, und er versucht alles, um jüdisch auszusehen und verleugnet seine arabische Herkunft weitestgehend. Außer ihm scheint es nur einen weiteren arabischen Schüler auf der Schule zu geben, dem er sich jedoch nicht annähern möchte, um nicht unjüdisch zu erscheinen. So findet er weder in der arabischen, noch in der jüdischen Welt eine Heimat und ist innerlich zerrissen. Das Buch verläuft nicht streng chronologisch, manche Ereignisse werden erst später klar oder tauchen nicht wieder auf. Wichtige Person ist zu Beginn und am Ende die Großmutter, die für mich die Traditionen aufrecht erhält. Auch der Vater spielt eine wichtige Rolle, der sein Leben lang für die arabische Sache kämpft und sogar im Gefängnis war. Dieser Vater ist eine sehr unsympathische Person, die überzeichnet dargestellt wird. Für ihn ist – als Gegensatz zu seinem Sohn – alles Jüdische schlecht und die Juden sind an allen Problemen Schuld. Man erfährt viele Details über das Alltagsleben in Israel, über Grenzkontrollen und kulturelle Unterschiede. Wenn man keine Vorkenntnisse über den Nahostkonflikt hat, fällt die Lektüre sicherlich viel schwerer, da viel vorausgesetzt und oft nur angedeutet wird. Das Buch lässt sich nicht mal eben „nebenbei“ lesen, sondern erfordert eine aufmerksame Lektüre. Selbstironie spielt eine große Rolle und viele Ereignisse des Nahostkonfliktes werden oftmals nur angedeutet. Eine spannende Geschichte auf der Suche nach Identität und Assimilation, in der der Protagonist immer wieder an seine Grenzen stößt.

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  • Tanzende Araber - Mein Herz tanzt: der Vergleich

    Tanzende Araber

    Ginevra

    27. May 2015 um 21:51

    Buch "Tanzende Araber" und Film "Mein Herz tanzt" Ein palästinensischer Junge wächst in einem kleinen Dorf in der Nähe von Jerusalem auf – in einer verwirrenden, von politischen Querelen geprägten Welt. Sein Vater ist ein palästinensischer Freiheitskämfer: als junger Mann sprengte er eine jüdische Cafeteria in die Luft und verbrachte zwei Jahre im Gefängnis. In seiner Heimat wird er seitdem als Held verehrt, seine Wünsche sind Befehl, sein Wort die Wahrheit. Entsprechend herrscht zu Hause patriarchalische Strenge. Dass sein Sohn ausgesprochen ängstlich ist und oft bei der Großmutter Schutz sucht, passt dem Vater gar nicht. Doch eines Tages wendet sich das Blatt: ein Fernsehquiz hält die ganze Region in Atem, und der Vater will unbedingt gewinnen – doch all seine Lösungsvorschläge sind falsch. Der Sohn hingegen löst das Rätsel, gewinnt den Hauptpreis – und gilt fortan als das Genie der Familie. Wenig später erhält er einen der wenigen heißbegehrten Plätze an einem jüdischen Elite- Internat. Dort wird er zunächst als Araber verspottet und gedemütigt, doch er lernt sehr schnell, sich anzupassen, so dass keiner ihn von einem Juden unterscheiden kann. Er lebt zwischen den beiden Kulturen. Als er sich in ein jüdisches Mädchen verliebt, ist zunächst für beide klar: ihre Liebe darf nur eineinhalb Jahre dauern, solange bis zum Schulabschluß. Doch die Situation eskaliert, und beide müssen sich entscheiden… Sayed Kashua, geb. 1975, lebt als Filmkritiker und Kolumnist in der Nähe von Tel Aviv – im palästinensischen Teil des Vororts Beit Safafa, das auch im Buch eine tragende Rolle spielt. Er schreibt für mehrere Zeitungen und ist Autor einer erfolgreichen israelisch- arabischen Sitcom. Mich hat dieses Buch sehr bewegt, da es die Folgen dieses unglaublich tiefen und langanhaltenden Konflikts zwischen zwei Nationen zeigt: die Folgen für die Menschen, die zwischen den Kulturen mitten im Spannungsfeld leben, die versuchen, sich zu orientieren und einen Weg zu finden, um mit den Gegensätzen umzugehen. Es bleiben nur wenige Möglichkeiten: entweder der Kampf um die Freiheit, der in Terrorismus umkippen kann, die Aufgabe der eigenen Kultur – oder die Suche nach einem Mittelweg. Alle drei Wege sind nicht leicht, wie dieser Roman zeigt: - Der Vater entscheidet sich für den Weg des Kampfes und geht für seine Ideale sogar ins Gefängnis – und wird bitter enttäuscht, da immer noch kein panarabischer Staat in Sicht scheint; - So manche Dorfbewohner geben den Anspruch auf ihr Stück Land auf, verkaufen ihr Erbe an jüdische Siedler, um in der Stadt ein anderes Leben zu führen, verlieren dabei aber ein Stück ihrer kulturellen Identität; - Andere suchen einen Mittelweg, was aufgrund der Vorurteile in vielen Köpfen, der Sprachbarriere und den unterschiedlichen Werten sehr schwierig ist. Das Lesen dieses Romans war für mich anfangs etwas schwierig, da ich mich nicht mit Details des Nahost- Konflikts auskannte, und der Autor doch einiges Wissen voraussetzt. Aber auch ohne alles nachzulesen, habe ich die Handlung und die Botschaft des Buchs verstanden (glaube ich zumindest!). Der Erzählstil ist einfach, schnörkellos, mit vielen Rückblenden und kleinen überlieferten Geschichten gewürzt. Der Stil ist eher nüchtern- beschreibend – und geht direkt unter die Haut. Eine Lösungsmöglichkeit, die auch der Autor selbst gewählt hat, ist die intellektuelle Auseinandersetzung mit der gesellschaftspolitischen Situation – und eine Portion Humor, um die alten Feindseligkeiten und Rachegedanken zu überwinden. Fazit: ein äußerst lesenswertes Buch, das mich mit der verzwickten Lage in Israel um einiges vertrauter gemacht hat. 5 von 5 Sternen! Filmrezension zu "Mein Herz tanzt" (Dancing Arabs, Israel/ Deutschland/ Frankreich 2014); Prädikat: besonders wertvoll Schon der veränderte Titel weist darauf hin: hier wurde die Romanvorlage stark verändert - immerhin liegen zwischen dem Ersterscheinungsdatum von Buch und Film ca. 12 Jahre. Der Autor Sayed Kashua ist inzwischen über Israels Grenzen hinaus bekannt, Tanzende Araber war in Israel ein Bestseller, und der Autor ist Autor einer beliebten TV- Sitcom über das Zusammenleben einer jüdisch- arabisch- gemischten Familie. Im Film heißt der junge Araber Eyad. Er besucht eine arabische Schule, wird von seinen Eltern geliebt - ganz besonders aber von der Oma. Eyad ist sehr talentiert und sensibel. Eines Tages löst er ein kniffliges Rätsel und gewinnt bei einem Fernseh-Quiz den ersten Preis. Wenig später wird er in einer jüdischen Schule aufgenommen - und trifft dort auf eine andere Kultur. In einem Sozialprojekt lernt er Jonathan kennen, einen jüdischen Jungen mit Muskeldystrophie, der nicht mehr lange zu leben hat. Die beiden verbindet eine tiefe Freundschaft, gewürzt mit einer Portion Galgenhumor. Eyad verliebt sich in die aufgeweckte, selbstbewusste Naomi, die er durch seine zurückhaltende Art und Sensibilität beeindruckt. Doch Naomis Eltern verbieten ihrer Tochter die Beziehung, während Eyads Eltern sich nach anfänglicher Aufregung wesentlich toleranter verhalten. Eyad macht eine Entwicklung durch, die von der Suche nach einer eigenen Identität zwischen zwei (immer noch) verfeindeten Kulturen geprägt ist. Dabei nimmt sein Leben einige überraschende Wendungen... Mir hat auch der Film sehr gut gefallen - ich würde ihm ebenfalls 5 Sterne geben, auch wenn er ganz anders ist, als das Buch vermuten lässt. Der Film steckt voller Humor und Tragik, es gibt viele berührende Szenen, und die Handlung nimmt mehrfach einen überraschenden Verlauf. Die Schauspieler fand ich einfach großartig, besonders Eyad, Jonathan und Naomi. Das Ende des Films ist besonders symbolträchtig. Ganz nebenbei erfährt man (durch Szenen im Schulunterricht und TV-Nachrichten im Film) die jeweiligen politisch-historischen Hintergründe. Fazit: ein absolut empfehlenswertes Kino-Event - für alle, die sich emotional berühren lassen wollen! 5 von 5 Sternen.

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  • Psychogramm einer Minderheit

    Tanzende Araber

    alasca

    26. May 2015 um 23:55

    Psychogramm einer Minderheit „Der ungewöhnliche Roman eines palästinensischen Israeli über das Leben einer Minderheit im israelischen Staat, ein mutiges Buch voller Selbstironie und melancholischem Witz“, beschreibt der Verlagstext Sayed Kashuas Erstlingsroman. Kashua erzählt die Geschichte von Eyad, der im palästinensischen Dorf Tira aufwächst. Seine Großmutter, in deren Bett das von Nachtängsten geplagte Kind oft schläft, wurde noch zwangsverheiratet; seine Mutter hingegen ist Lehrerin, sein Vater ein radikaler Intellektueller, der wegen eines Anschlags im Gefängnis gesessen hat und von dem ängstlichen Sohn enttäuscht ist. Als Eyad die Chance bekommt, ein jüdisches Elite-Internat zu besuchen, ergreift er sie, gedrängt von seinen Eltern, die hoffen, er werde „die erste arabische Atombombe“ bauen. Abitur, Studium, ein guter Job – seine Zukunft scheint gesichert. Ein typischer Bildungsroman? Keineswegs. Der Anpassungsdruck im Internat ist grausam und der sensible Junge geht darunter in die Knie. Alles an ihm ist falsch; ein Urteil, das er internalisiert. Er wünscht sich nichts mehr, als ein Jude zu sein und ist bereit, dafür seine arabische Herkunft zu leugnen. Aber die ersehnte Integration wird ihm verweigert. „Mein Vater sagt: Ein Araber bleibt immer ein Araber. Und er hat Recht“, muss Eyad erkennen. Er gerät in eine Abwärtsspirale von Depressionen und Selbsthass, schmeißt die Schule, hält sich mit schlechtbezahlten Jobs über Wasser und beginnt, zu trinken. In der erzählerischen Gegenwart hat Eyad sein Philosophiestudium abgebrochen, ist mit einer Frau verheiratet, die ihm wegen ihres arabischen Aussehens peinlich ist und arbeitet in einem Vorort Jerusalems als Barkeeper in einer Bar, wo er „Tanzende Araber“ beobachtet: „Merken sie denn gar nicht, dass sie anders sind, wie wenig das zu ihnen passt, wie hässlich sie aussehen?“ Sein Versuch, Zuflucht in der Religion zu finden, misslingt. Aber auch sein Vater hat mittlerweile „den Glauben an die arabische Welt verloren“, und Eyads Desorientierung ist fundamental: „Zuweilen denke ich daran, zum Judentum überzutreten, und dann glaube ich wieder, ich müsste mich selbst in die Luft sprengen …“. Am Ende schläft er wieder im Zimmer seiner Großmutter, die im Sterben liegt. Ein Kreis schließt sich. Der Roman ist konsequent aus der Sicht Eyads geschrieben und erzählt in ungeordneter Zeitfolge eine Reihe von Lebensepisoden, denen der innere Zusammenhalt fehlt, ganz wie dem Protagonisten. Eine beabsichtigte Parallele? Um in Eyads Geschichte nicht die Orientierung zu verlieren, braucht es eine gute Faktenkenntnis des Nahost-Konfliktes. Hat man die nicht, ist die Lektüre trotz des gut lesbaren Stils Kashuas verwirrend, weil Bezüge fehlen. Kashuas Roman hat stark autobiographische Züge, aber die im Verlagstext erwähnte Selbstironie habe ich nicht finden können; den Witz ebenso wenig, melancholisch oder nicht. Selbsthass als Ergebnis rassistischer Ausgrenzung: das ist erschütternd. Eine solche Befindlichkeit konnte ich mir bislang nicht vorstellen. Trotzdem hielt sich mein Mitgefühl für den Protagonisten in Grenzen; er taugt in seiner passiven Frustration nicht als Identifikationsfigur. Wenn Eyad und seine Familie exemplarisch sind für die palästinensische Minderheit in Israel, kann es aus dieser Richtung keine positiven Impulse geben. Es ist was faul im Staate Israel. Auf der kognitiven Ebene dürfte das jedem klar sein – aber Kashuas Roman gelingt es, dies auch fühlbar zu machen. Er beschränkt sich jedoch auf die Darstellung der Situation - Hoffnung oder gar Mut macht er einem nicht.

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