Scholem Alejchem

 3.1 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Tewje, der Milchmann, Anatewka und weiteren Büchern.

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Tewje, der Milchmann

Tewje, der Milchmann

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Erschienen am 14.03.2016
Tewje, der Milchmann

Tewje, der Milchmann

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Erschienen am 21.04.2011
Menachem Mendel der Spekulant

Menachem Mendel der Spekulant

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Erschienen am 01.08.1992
Panik im Schtetl

Panik im Schtetl

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Erschienen am 26.04.2016
Eine Hochzeit ohne Musikanten

Eine Hochzeit ohne Musikanten

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Erschienen am 31.08.1999

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Rezension zu "Tewje, der Milchmann" von Scholem Alejchem

Ein Meisterwerk der jiddischen Literatur!
storiesonpapervor 2 Jahren

 Das Musical „Fiddler on the Roof/Anatevka“ ist weltbekannt, doch auch mir war nicht richtig bewusst, dass hinter diesem eine literarische Vorlage steckt, die von vielen längst vergessen ist. In Tewje, der Milchmann erzählt uns der Protagonist Tewje aus der Ich-Perspektive aus seinem Leben und den Problemen seiner Familie um die Jahrhundertwende in Osteuropa. Hier blitzt immer wieder der berühmte jiddische Humor auf, mit dem der Milchmann auch mit schwierigen Situationen umgehen kann.  Anfangs fiel es mir schwer, in die von Zitaten gespickte Sprache hineinzukommen, gleichzeitig erlaubt der Roman aber einen tollen Einblick in jüdische Sprichwörter und in die religiösen Verse, in denen das Leben abgebildet wird. So gibt es in Tewjes Leben keinen Moment, den er nicht mit einem Spruch begleiten kann.

Tewje, der Milchmann ist ein Roman, der gekonnt von den Höhen und Tiefen des Lebens erzählt. Oftmals war es schwer, beim Lesen zwischen Ironie, Tragik und Humor zu unterscheiden. Tewje ist ein Kämpfer und für mich gewinnt die Handlung gerade im letzten Drittel besonders an Stärke, wenn sich die Bewohner mit dem zunehmenden Judenhass in Osteuropa unschlüssig über ihr Tun beispielsweise dazu entschließen, Tewje zu bitten, doch selber die Scheiben seines Hauses einzuschlagen und Tewje, bedroht durch Pogrome, immer noch über das Leben sinniert.

Der Schriftsteller Scholem Alejchem musste Anfang des 20. Jahrhunderts selber seine Heimat in der Ukraine verlassen und in die USA emigrieren. Er hat die Situation der Juden selber miterlebt und erzählt gekonnt von dieser, wenn aus Nachbarn plötzlich Feinde werden sollen oder gar müssen und das Leben auf Grund der Religion bedroht wird. Tewje, der Milchmann ist damit ein wichtiges Werk nicht nur der jiddischen Literatur, zeigt es doch eine längst vergangene Zeit auf und gibt ein Portrait des Lebens der Ostjuden vor dem Zweiten Weltkrieg wieder.

Fazit: Tewje, der Milchmann erzeugte bei mir eine Ambivalenz bei dem Versuch, den Roman zu bewerten. Die Erzählweise war für mich etwas komplett neues und konnte mich nicht immer „mitnehmen“, dennoch ist Scholem Alejchems auch ein wichtiges Zeitdokument und ich finde es toll, dass der Manesse Verlag den Roman neu aufgelegt hat. Ich gebe dem Buch 3 von 5 Sternen und vergebe eine Leseempfehlung an alle, die sich für jiddische Literatur interessieren. An diesem Roman darf man nicht vorbeigehen!

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Rezension zu "Tewje, der Milchmann" von Scholem Alejchem

Der Mensch denkt, Gott lacht
JoBerlinvor 3 Jahren

Tewje, der Milchmann ist ein Klassiker der jiddischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Der Schweizer Manesse Verlag bringt diesen Roman – der in den 1960er Jahren weltweit durch die Musical-Adaption „Anatevka“ / Fiddler on the roof“ zu großer Beachtung gelangte - jetzt neu in der Übersetzung von Armin Eidherr heraus.

Angesiedelt im russischen Kaiserreich gibt das Buch Einblicke in das ostjüdische Leben um die Jahrhundertwende. Der Autor Scholem Aljechem (Scholem Rabinowitsch) zeigt ein karges Dasein, geprägt von Schikanen und Pogromen der zaristischen Regierung. Tewje, der Milchmann erzählt in lose zusammenhängenden Kapiteln aus seinem Leben; Armut und Bedrängnis werden dabei durch Zweckoptimismus und feine Ironie gemildert, ja überhaupt erst erträglich gemacht. Dabei vereinfacht er Bibelgeschichten und missinterpretiert Richtlinien des Talmud zu seinen Gunsten. „Der eine wird erhöht, der andere wird erniedrigt, das heißt: Der eine fährt, der andere geht zu Fuß. Aber die Hauptsache ist Gottvertrauen, ein Jude muss hoffen, nichts als hoffen“ , sinniert er während des Milchausfahrens .

Mit Pferd und Wagen und ein paar Kühen muss eine große Familie ernährt werden, dabei gilt es vor allem die sieben Töchter gut zu verheiraten -- jedoch „Der Mensch denkt, Gott lacht“ und so widersetzen sich die jungen Frauen eine nach der anderen seinen Wünschen, jede wählt einen Ehemann, den Tewje (zunächst) nicht akzeptieren kann. Doch findet er sich schließlich in sein Schicksal, erwirkt sogar die Zustimmung Goldas, der Ehefrau und Mutter - denn „gemeinsames Leid ist halber Trost“ und er ist ein zu guter Vater, um sich von den Töchtern abzuwenden . 

Die Darstellung jüdischen Alltagslebens in Osteuropa, vor allem aber die des Tewjes als Vater, ist Scholem Alejchem glänzend gelungen. Aus seinem Buch, aus seinem Tewje spricht so viel Herzensbildung, so viel Lebensklugheit, dass es als Trost und Inspiration immer wieder zur Hand genommen werden kann.

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