Scott Allan stellt eine simple, aber unbequeme These auf: Wer morgens zuerst die schwerste Aufgabe erledigt, gewinnt den Tag – und auf Dauer das Leben. In 22 Strategien zeigt er, wie sich Aufschieberitis als antrainiertes Verhalten Schritt für Schritt umlernen lässt. Es geht um Selbstdisziplin, Fokus, den Umgang mit innerem Widerstand und das Setzen klarer Prioritäten. Ohne esoterischen Überbau, dafür mit konkreten Übungen am Ende jedes Kapitels.
Allan schreibt direkt, klar und ohne unnötigen Schnörkel. Er schwurbelt nicht, predigt nicht und tut auch nicht so, als hätte er den heiligen Gral gefunden. Stattdessen erzählt er offen von seinen eigenen Phasen massiver Prokrastination – inklusive finanzieller Folgen – und genau das macht ihn glaubwürdig. Die deutsche Übersetzung von Bettina Spangler liest sich flüssig, auch wenn der amerikanische Coaching-Ton stellenweise durchschimmert.
Die größte Stärke des Buches liegt im Aufbau: 22 kurze, gut konsumierbare Kapitel, jedes mit einer konkreten Strategie und einer Implementation Task am Ende. Du liest nicht nur, du machst. Wer die Aufgaben tatsächlich umsetzt, merkt schon nach wenigen Tagen einen Unterschied. Wer nur drüberliest, nimmt deutlich weniger mit. Das Buch funktioniert als Workbook, nicht als Lesegenuss.
Inhaltlich kombiniert Allan bekannte Konzepte wie Eat the Frog, das Premack-Prinzip, Temptation Bundling und Time Blocking mit eigenen Frameworks. Bahnbrechend Neues gibt es hier nicht. Wer James Clear, Brian Tracy oder Cal Newport bereits kennt, wird vieles in neuer Verpackung wiederfinden. Stark ist das Buch dort, wo es ehrlich über Selbstsabotage spricht – das Kapitel zu den „Kosten der Prokrastination“ trifft einen Nerv.
Was mich gestört hat: die vielen Wiederholungen. Das Buch hätte locker 60 Seiten kürzer sein können, ohne an Substanz zu verlieren. Auch der spürbare Coach-Verkaufston und einige eingedeutschte englische Frameworks wirken zwischendurch etwas aufgesetzt.
Mein Fazit: „Do The Hard Things First“ ist kein revolutionäres Buch, aber ein ehrliches, brauchbares Arbeitsbuch gegen Aufschieberitis. Wer wirklich umsetzt, was Allan beschreibt, holt deutlich mehr raus als bei den meisten Ratgebern dieser Kategorie. Besonders empfehlenswert für Selbstständige, Studierende und alle, die sich beim Aufschieben selbst auf die Nerven gehen – vor allem, wenn man noch nicht viel im Bereich Produktivität gelesen hat. Eine schöne Ergänzung zu „Atomic Habits“. Vielleser im Genre werden hingegen wenig Neues entdecken.
Mein Tipp: ein Kapitel pro Tag, Aufgabe sofort umsetzen – dann fliegt das Buch.






