Rezension zu "DC Comics Graphic Novel Collection 22: Robin - Das erste Jahr" von Chuck Dixon
Stefan83In "Batman präsentiert - Band 4: Robin" (auch bekannt als "Die Reifeprüfung") hatte der junge Richard "Dick" Grayson seinen ersten Test unter Batman bestanden und damit den Platz an der Seite des Dunklen Ritters eingenommen - aber die Zweifel, insbesondere bei Alfred und James Gordon, bleiben.
Gerade Gordon hält nicht viel von der Idee, mit einem Kind auf Verbrecherjagd zu gehen und wirft seinem maskierten Partner vor, dessen Leben fahrlässig aufs Spiel zu setzen und seine Aufsichtspflicht zu verletzten. Alfred wiederum befürchtet, dass Robin den anstehenden Herausforderungen nicht gewachsen ist und alles in einer Katastrophe enden wird, wenngleich er nicht abstreiten kann, dass der offenherzige Junge einen positiven Einfluss auf den sonst so düsteren Bruce Wayne bzw. sein Alter Ego ausübt.
Zuerst scheinen sich die Befürchtungen nicht zu bewahrheiten. Batman und Robin nehmen an einer Dinnerparty für Generalissimo Sing Manh Lee of Rheelasia teil, wo sie wiederum auf James Gordon treffen, der sie darüber informiert, dass es überall in der Stadt vermehrt zu Entführungen von jungen Mädchen kommt. Weitere Hinweise gibt es nicht, bis plötzlich eins der Mädchen von Robin's Schule ebenfalls verschwindet und er beschließt, den Fall auf eigene Faust zu lösen. Während Bruce sich den unliebsamen Pflichten als Multi-Millionär widmen muss, kommt Dick bald dem Kidnapper auf die Spur, bei dem es sich um niemand geringeren als den Mad Hatter handelt. Entgegen Alfreds Rat, entscheidet er diesen selbst zur Strecke zu bringen, was ihm auch gelingt. Batman ist verärgert, gleichzeitig jedoch beeindruckt von den Fähigkeiten des Jungen, was letzte Zweifel - vorerst- ausräumt.
In den Wochen nach Mad Hatter's werden mehrere Schurken wie Killer Moth, Blockbuster, Firefly und Cluemaster von dem dynamischen Duo dingfest gemacht, wodurch Dicks Selbstbewussstsein weiter steigt. Batman jedoch warnt: Mit den richtig großen Kalibern haben sie es bisher noch nicht zu tun bekommen. Und er soll bald Recht behalten, als Two-Face wieder auftaucht und Rache an denen nehmen will, die in seinen Augen am "Mord" von Harvey Dent Schuld tragen - darunter der ehemalige Richter Lawrence Watkins, den er kurzerhand entführt. Sein eigentliches Ziel ist jedoch Robin, den er als Schwachstelle Batmans ausgemacht hat.
Wie geplant, schnappt dessen' Falle zu. Batman und Robin geraten in Gefangenschaft und müssen hilflos mit ansehen, wie Two-Face ein Scheingericht abhält. Robin fleht um Watkins' Leben, muss aber am Ende nicht nur dessen Tod betrauern, sondern wird von Two-Face zudem brutal mit einem Baseball-Schläger verprügelt. Als Batman sich befreien und Dent stoppen kann, hängt Robins Leben am seidenen Faden. Er überlebt nur knapp und der Dunkle Ritter trifft schließlich die Entscheidung, das dynamische Duo aufzulösen. Ein verbitterter Dick verlässt daraufhin Wayne Manor, um auf eigene Faust für Recht und Ordnung zu sorgen - und rennt dabei direkt in die Arme eines gewissen Shrike ...
Besessenheit trifft auf Lebenslust. Das Konzept Batman und Robin hält doch in vielen Comics einem zweitem Blick selten stand, denn warum sollte jemand wie Batman eigentlich ein Kind an seiner Seite kämpfen lassen? Und wieso sollte sich dieses Kind dann wie ein Errol Flynn für Arme inklusive Elfenschuhen anziehen? In die nihilistisch-düstere Welt des Menschenfeinds Bruce Wayne scheint ein lebenslustiger Richard "Dick" Grayson so überhaupt nicht hineinzupassen und dass das hier dann doch der Fall ist, gehört zu den erwähnenswerten Leistungen des Duos Chuck Dixon und Scott Beatty.
Dixon hält sich in seine Erzählweise und -struktur eng an Frank Millers "Batman: Das erste Jahr" und macht recht schnell klar, dass ein Robin an seiner Seite vielleicht Bruce Wayne durchaus gut tut, es aber eben wenig an der Tatsache ändert, dass Gotham weiterhin eine vollkommen verlorene, korrupte und erbarmungslose Stadt ist, welche auch vor Kindern nicht halt macht. Wer hier Fehler macht, verliert im schlimmsten Fall sein Leben. Diese Lektion muss auch der talentierte Dick Grayson, dem fast dasselbe Schicksal zuteil wird, wie später einem gewissen Jason Todd, auch schmerzhafte Art und Weise lernen.
Die Tatsache, dass Dixon und Beatty ihren Robin mit seinen Fehlern hadern und ihn daraus lernen lassen, macht dann nicht nur die Figur an sich glaubhafter, sondern auch dessen spätere Karriere als Nightwing bzw. Aushilfs-Batman. Und es hebt gleichzeitig den Unterschied zum Dunklen Ritter hervor, der lieber mit dem Kopf durch die Wand rennt und (beinahe) alles für seine Mission opfert, als sich wie Dick zwischendurch in Selbstreflexion zu üben. Der will zwar wie sein Mentor das Verbrechen bekämpfen, ist aber nicht bereit, dafür auch sämtliches privates Glück zu opfern.
Ganz düster wird "Robin: Das erste Jahr" dann am Ende auch nicht, hellen doch ein paar witzige One-Liner des Jungen sowie der herrlich-trockene Humor Alfreds (für mich der heimliche Held dieses Comics) die Stimmung immer wieder auf. Wir erleben hier die Geburt der sogenannten Batman-Familie. Und auch wenn diese Geburt nicht immer glatt verläuft, könnten doch selbst Robin-Zweifler an dieser Coming-of-Age-Storyline durchaus Gefallen finden. Nicht zuletzt wegen Marcos Martins Zeichnungen, die visuell eine schöne Brücke zu den Animated Series schlagen. Und wer wissen will, wie es nach "Dark Victory" mit Harvey Dent alias Two-Face weitergeht, sollte sich diesen Comic ebenfalls nicht entgehen lassen.
88/100
Original: Robin: Year One # 1-4, 2000-2001







