Scott Brick

Alle Bücher von Scott Brick

Cover des Buches The Book of Fate (ISBN: 9781455519668)

The Book of Fate

 (0)
Erschienen am 25.09.2012
Cover des Buches A Long Way Down (ISBN: 014305760X)

A Long Way Down

 (3)
Erschienen am 15.07.2005
Cover des Buches You're Next (ISBN: 9781455876198)

You're Next

 (2)
Erschienen am 27.03.2012
Cover des Buches Heart of Darkness (ISBN: 9783865055170)

Heart of Darkness

 (2)
Erschienen am 26.06.2007
Cover des Buches Cryptonomicon (ISBN: 0787124494)

Cryptonomicon

 (3)
Erschienen am 01.01.2000
Cover des Buches The Graduate (ISBN: 143325543X)

The Graduate

 (1)
Erschienen am 01.12.2008
Cover des Buches Blade Runner (ISBN: 0739342754)

Blade Runner

 (1)
Erschienen am 27.11.2007

Neue Rezensionen zu Scott Brick

Cover des Buches Half the Blood of Brooklyn (ISBN: 9781441753205)W

Rezension zu "Half the Blood of Brooklyn" von Charlie Huston

Eine grenzüberschreitende Liebesgeschichte
Wortmagievor einem Jahr

Charlie Huston ist vor allem für zwei Werke bekannt: Seine „Joe Pitt“-Reihe und die „Hank Thompson“-Trilogie. Interessanterweise entstanden beide Serien parallel. Der erste Band von „Hank Thompson“, „Caught Stealing“, erschien 2004; der erste Band von „Joe Pitt“, „Already Dead“ (auf Deutsch „Stadt aus Blut“), 2005. Tatsächlich entwickelte Huston seinen Vampyr Joe Pitt, weil er zuvor Hank Thompson zum Leben erweckte. Er wollte über eine Figur schreiben, die nicht zufällig mit Ärger konfrontiert wird wie Hank, sondern gezielt nach Ärger sucht, einen knallharten Typen. Das ist ihm mit Joe definitiv gelungen – sollten noch Zweifel daran bestanden haben, räumt der dritte Band „Half the Blood of Brooklyn“ diese aus.

Manhattan ist eine kleine Insel. Zu klein, um alle Vampyre zu ernähren, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Die Clans wissen, dass Expansion notwendig ist: Mehr Territorium, mehr Leute, mehr Macht. Es werden bereits Gespräche mit Clans aus Brooklyn geführt. Vor einigen Monaten wäre Joe Pitt das noch egal gewesen. Jetzt ist er allerdings wieder Mitglied der Society. Sein Boss Terry versorgt ihn mit Geld und Blut – ein Privileg, das nicht alle Vampyre genießen. Viele sind auf andere Quellen angewiesen. Als Joe über die Leiche eines jüdischen Süßigkeitenverkäufers stolpert, der in seinem Hinterzimmer mit Blut handelte, ahnt er, dass etwas faul ist. Candy Man Solomon wurde brutal hingerichtet, sein Blutvorrat vergiftet. Er war nicht infiziert, also wieso sollte ihn jemand wie einen Vampyr ermorden? Während Joe über das Motiv grübelt, schickt ihn Terry nach Brooklyn, um dort einen Clanvertreter abzuholen. Es sollte ein schneller, unkomplizierter Auftrag werden. Aber jenseits der Brücke spielt man nach anderen Regeln und die einzig gültige Währung ist Blut …

Es wäre sehr einfach, „Half the Blood of Brooklyn“ auf die massiven Gewaltdarstellungen zu reduzieren. Wie bereits die beiden Vorgänger ist es ein Buch extremer Härte und Kompromisslosigkeit. Je nach Nervenkostüm ist dieser dritte Band wahrscheinlich noch einen Zacken heftiger, weil Charlie Huston darin wirklich Grenzen überschreitet. Meiner Meinung nach tut er das nicht leichtfertig oder aus pervers-sadistischer Freude heraus, sondern sehr bewusst und zielgerichtet, aber dadurch sind diese Szenen natürlich nicht verdaulicher. Wesen, die so schnell nichts umbringt, können eben sehr viel Schaden einstecken – das ist nicht schön anzusehen und ich kann nicht leugnen, dass sich die Reihe „Joe Pitt“ mittlerweile mühelos als Horrorliteratur qualifiziert. Der Trick besteht darin, während der Lektüre an diesen Exzessen vorbeizusehen. Es ist nicht leicht, all das Blut, all die Brutalität zu ignorieren, doch diese Fähigkeit zu selektiver Ignoranz ist entscheidend, um zu erkennen, was für eine faszinierende Geschichte Charlie Huston erzählt. „Half the Blood of Brooklyn“ ist ein Roman voller elektrisierender Widersprüche und Gegensätze. Die politische Situation zwischen den Vampyrclans in Manhattan spitzt sich stetig weiter zu. Terry prophezeit, dass Krieg bevorsteht und ich denke, damit hat er Recht. Die Lage ist so aufgeladen, dass die Clans bereits beginnen, ihre Kräfte zu sammeln und eine vorteilhafte Position zu forcieren. Daher auch die Idee, nach Brooklyn zu expandieren. Ich fand die Erweiterung des Settings höchst interessant, weil mir nie in den Sinn kam, wie die Vampyrpopulation außerhalb Manhattans lebt und Huston die Gelegenheit nutzt, um zu demonstrieren, wie zivilisiert es auf der Insel im Verhältnis zugeht. Ja, trotz der kaum verhohlenen Spannungen zwischen den Clans, was jenseits der Brooklyn Bridge abgeht, ist noch mal ein ganz anderes Kaliber. Wenige der munteren Gesell_innen, die Joe dort trifft, haben Lust, sich den Regeln und Gesetzen der Clans aus Manhattan zu beugen. Er selbst will das eigentlich auch nicht, allerdings konnte er einerseits als Unabhängiger kaum überleben und andererseits fühlt er sich für Evie verantwortlich. Evie ist Joes Freundin. Ha, nach meinen Beschreibungen dachtet ihr, Joe sei nicht fähig, zu lieben? Falsch. Joe liebt Evie sehr, doch leider ist sie schwerkrank und liegt im Sterben. Er könnte ihren Tod verhindern. Er könnte sie infizieren. Der komplexe, mehrstufige Gewissenskonflikt, der sich aus dieser Möglichkeit für Joe ableitet und ihn bis nach Brooklyn verfolgt, war der Grund dafür, dass ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, an seinen emotionalen Mauern vorbeizukommen. Obwohl Huston seinen Erzählstil möglicherweise noch spröder und abweisender inszenierte, hatte ich den Eindruck, dass Joes Gefühle so roh und drängend sind, dass er sie nicht mehr vor mir verbergen konnte. Das erste Mal hatte ich den Eindruck, hinter seine harte Schale zu schauen – und das nur, weil „Half the Blood of Brooklyn“ im Kern etwas gänzlich Unerwartetes ist: Es ist eine Liebesgeschichte.

Jeder Band der „Joe Pitt“-Reihe ist unbequem. Weder Schreib- oder Erzählstil noch der Inhalt laden dazu ein, zu entspannen. Wer Joe begleitet, darf nicht auf eine kuschlig-warme Wohlfühllektüre hoffen, sondern muss darauf gefasst sein, mit Extremen konfrontiert zu werden. Im dritten Band „Half the Blood of Brooklyn“ lotet Charlie Huston die Grenzen des Akzeptablen neu aus. Er geht noch einen Schritt weiter, tanzt am Abgrund entlang und bewahrt seine Geschichte allein durch die intensive Darstellung der Emotionen seines verschlossenen Protagonisten davor, zu tief in der Spirale der Gewalt zu versinken. Es imponiert mir sehr, dass ihm diese Balance gelingt und ich während der Lektüre nie das Gefühl hatte, dass er Brutalität um ihrer selbst willen einsetzt. Wären seine Bücher etwas zugänglicher, könnte ich sie höher bewerten. Doch ob zugänglich oder nicht, ich werde Joe bis zum Ende treu bleiben, weil mich Charlie Huston mit spannenden Gedanken wie dem folgenden belohnt: Angenommen, es gäbe ein Heilmittel für das Vyrus – würden die Clans eine Heilung überhaupt zulassen?

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Cover des Buches Cryptonomicon (ISBN: 0787124494)S

Rezension zu "Cryptonomicon" von Neal Stephenson

Die Handlung lässt auf sich warten – stattdessen haufenweise technisches / unharmonisches Bla-bla
Soerenvor 3 Jahren

Ich habe viel Gutes über Neal Stephensons Buch „Cryptonomicon“ gehört. Viele verehren den Roman als das Kultbuch. Die Inhaltsangabe über den versunkene Goldschatz und mysteriöse Codes, die kein Kryptograph knacken kann, klingt auch wirklich interessant. Als ich sah, dass es von dem 900-Seiten-Wälzer eine von Detlev Bierstedt gelesene Hörbuchfassung gibt, beschloss ich, dass knapp 48 Stunden lange Mammutwerk in Angriff zu nehmen. Bis zum Ende von Track 7 und einen Ausflug zu Track 23 (in der Hoffnung, dass es irgendwann besser werden würde) habe ich durchgehalten. Das waren immerhin gut drei Stunden Hörbuch. Aber da ich danach noch immer nicht mit der Geschichte und den Charakteren warm wurde und ehrlich gesagt nicht mal einen Plan hatte, wer da was warum überhaupt tat, habe ich das ausufernde Epos abgebrochen. Ich mag komplexe Geschichten, die sich erst nach und nach entfalten. Doch wenn das Einsetzen der Handlung nach 3 Stunden immer noch auf sich warten lässt und es stattdessen bloß haufenweise technisches und/oder unharmonisches Blabla gibt, streiche ich einfach irgendwann die Segel. Selbst wenn Detlef Bierstedt hier liest! Schade um den vielleicht guten Plot. Ich habe es wirklich versucht, aber es ging einfach nicht ...

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Cover des Buches Cryptonomicon (ISBN: 0787124494)B

Rezension zu "Cryptonomicon" von Neal Stephenson

Rezension zu "Cryptonomicon" von Neal Stephenson
BuechermonsterBlogvor 11 Jahren

Zum Hörbuch:
47 Stunden und 44 Minuten – „Cryptonomicon“ ist mit großem Abstand das längste Hörbuch, welches ich jemals gehört habe (Stephen Kings 52-Stunden-Blockbuster „Es“ wartet noch in meiner Bibliothek auf mich…). Ehrlich gesagt habe ich den Titel auch ungefähr ein Jahr lang vor mich hergeschoben, da mich die lange Spielzeit nach dem Kauf doch zunächst etwas abgeschreckt hat. Jetzt war es aber langsam an der Zeit, und ich habe mir das Technologie-Epos zu Gemüte geführt.
„Cryptonomicon“ spielt in zwei verschiedenen Zeitebenen. Ein Teil der Handlung ist zur Zeit des Zweiten Weltkriegs angesiedelt und dreht sich überwiegend um Corporal Bobby Shaftoe, Lawrence Pritchard Waterhouse und Enoch Root. Waterhouse ist dabei ein begabter Mathematik-Experte, der in Bletchley Park – einer militärischen Dienststelle – damit beschäftigt ist, den codierten Nachrichtenverkehr der Deutschen zu entschlüsseln. Dort trifft er u.a. auf den britischen Kryptoanalytiker Alan Turing, mit welchem er die Verschlüsselungssysteme der Wehrmacht zu knacken versucht. Nachdem das Prinzip der berühmten Enigma-Maschine entdeckt wurde, erhalten die Alliierten durch das Abfangen von deutschen Funksprüchen interessante Informationen, zum Beispiel über den Aufenthaltsort von versenkten U-Booten. Die streng geheime Abteilung 2702 wird gegründet, um vor den Deutschen die Tatsache zu verschleiern, dass Waterhouse und Co. über diese brisanten Details verfügen. Zu dieser Einheit gehören auch die oben genannten Bobby Shaftoe und Enoch Root. Diese sind kurz zuvor lebend aus der Schlacht um Guadalcanal herausgekommen und sollen nun für „2702″ auf Außendienst-Missionen gehen.
In der Gegenwarts-Handlung geht es vorrangig um Randy Waterhouse, den Enkel des Codeknackers Lawrence. Dieser betreibt mit seinem Geschäftspartner Avi ein Unternehmen, welches auf den Philippinen einen Datenhafen errichten möchte. In ihrem Business sehen sie sich jedoch mit einer Reihe von Schwierigkeiten konfrontiert, die ihre Planungen durcheinander bringen. Als das Unterfangen schließlich doch in Angriff genommen wird, stößt Douglas Shaftoe (Bobbys Sohn) beim Verlegen eines Seekabels auf eines der gesunkenen deutschen Wehrmacht-U-Boote…
Ich muss leider zugeben, dass ich bei dieser kurzen Inhaltsangabe auf die Wikipedia-Zusammenfassung angewiesen war, denn so richtig konnte ich der Haupthandlung nicht folgen. Denn wie man es bei einem Hörbuch dieser Länge erwarten (bzw. befürchten) kann, ist die Geschichte unheimlich komplex. So wird eine Unmenge an Personen eingeführt, die in mehreren Nebensträngen die Story voranbringen sollen. Leider wird dadurch jedoch das genaue Gegenteil erreicht: Durch die unzähligen Nebenhandlungen und Figuren geht die Haupthandlung fast völlig unter, und für den Hörer ist es unglaublich schwer, die für die Geschichte bedeutsamen Passagen herauszufiltern.
Neal Stephenson macht es einem bei „Cryptonomicon“ aber auch nicht gerade leicht. So beschreibt er Einzelheiten unheimlich detailliert, was natürlich den Vorteil hat, dass man sich Schauplätze, Personen und Gegenstände sehr gut bildlich vorstellen kann. Allerdings übertreibt es Stephenson auch gerne und dehnt seine Ausführungen oft auf ein unerträgliches Maß aus. Zudem beschreibt er nicht nur wichtige Dinge, sondern auch völlig nebensächliche Sachen, die nur dazu dienen, das Buch in die Länge zu ziehen.
Eigentlich sind die Beschreibungen und Erläuterungen dabei gar nicht mal so uninteressant, wenn sie auch oft mathematische Grundkenntnisse voraussetzen. Trotzdem kann man Stephenson bei konzentriertem Zuhören recht gut folgen und erfährt auch das ein oder andere interessante Detail aus dem Bereich der Kryptografie und Computertechnik. Die ungeteilte Aufmerksamkeit des Hörers ist dabei aber absolut notwendig, denn wenn man die Geschichte nur so nebenbei laufen lässt, kann man dem Geschehn nicht wirklich folgen. Allerdings stellt es schon eine enorme Herausforderung an den Hörer dar, den Beschreibungen oft belangloser Dinge interessiert zuzuhören, denn wenn man 30 Minuten lang erzählt bekommt, wie die Hauptfigur eine Schüssel Cornflakes isst, werden die Nerven des Adressaten schon arg strapaziert.
Dabei treffen einen die ellenlangen Erklärungen oft völlig unvorbereitet. So springt zum Beispiel einer der Nebenfiguren bei einem Spaziergang die Kette vom Fahrrad. Dieses Ereignis könnte man normalerweise in einem Nebensatz erwähnen und dann vergessen, doch Stephenson nimmt es zum Anlass, minutenlang (ca. 20 Minuten) das Funktionsprinzip einer Fahrradkette zu erläutern. Doch damit nicht genug: Es wird genau berechnet, nach wievielen Radumdrehungen das defekte Kettenglied an die bestimmte Stelle des Rades gelangt, welche letztlich das Abspringen der Kette auslöst. Weiteres Beispiel: Im späteren Verlauf der Geschichte wird sogar detailliert berechnet, in welchen Abständen einer der Protagonisten ejakulieren muss, um dessen Geisteszustand auf einem konstant hohen Level zu halten. Berücksichtigt werden müsse dabei aber der Faktor, ob der Samenerguss nun selbst herbeigeführt wurde oder ob dieser auf eine Prostituierte zurückzuführen ist. Letzteres hätte dann nämlich eine deutlich höhere Wertigkeit und müsste dann auch mit einem anderen Stellenwert in die Berechnungen einfließen. Zugegebenermaßen sind solche Passagen durchaus amüsant, blähen die ohnehin schon superkomplizierte Handlung aber noch zusätzlich auf.
Als ich mir die Inhaltsbeschreibung zu „Cryptonomicon“ durchgelesen habe, erwartete ich von diesem Hörbuch eine muntere Abenteuergeschichte, mit ein bisschen Codeknackerei à la „Vermächtnis der Tempelritter“ und packenden Spionage-Thriller-Elementen. Auch die Aussicht auf einen sagenumwobenen Goldschatz feuerte diese Erwartungshaltung zusätzlich an. Die Realität sieht aber anders aus: Vielmehr ist „Cryptonomicon“ eine Art Historien-Drama mit Science Fiction/Fantasy-Elementen und einer großen Portion Computergeschichte und Kryptografie. Die in der Beschreibung beworbene Story ist in den ersten zwanzig Stunden nicht einmal ansatzweise zu erahnen und man fragt sich in dieser Zeit mehrmals, wo die Handlung nur hinführen soll. Der mysteriöse Schatz taucht erst in der zweiten Hälfte des Hörbuches ganz am Rande auf, und die oben erwähnte Geschichte betrifft hauptsächlich die letzten zehn Stunden. Diese sind dann aber auch durchaus unterhaltsam, aber nicht so spannend wie erhofft.
Ein weiteres Problem sind die handelnden Figuren. Zwar sind diese nicht unsympathisch und haben auch gerne mal einen lockeren Spruch auf den Lippen, durch die zwei Zeitebenen kommt es jedoch auch oft zu Verwechslungen. Durch die Tatsache, dass es sich immer um verschiedene Generationen einer Familie handelt, bringt man die Protagonisten oft durcheinander, da diese auch oft nur beim Nachnamen genannt werden. So weiß man bei „Waterhouse“ zum Beispiel des öfteren nicht, ob man nun im zweiten Weltkrieg unterwegs ist oder beim Computer-Nerd Randy. Erst wenn dann neuere Technologien wie zum Beispiel Handys zum Einsatz kommen, kann man die richtige Epoche entschlüsseln. Gerade in den ersten Stunden sorgt dies häufig für Verwirrung.
Trotz der vielen Kritikpunkte schafft es Stephenson aber irgendwie doch, dass man in die Geschichte eintaucht. Hat man sich erst einmal durch die ersten zwanzig mühsamen Stunden gekämpft, wird die zweite Hälfte zwar nicht wirklich spannender, aber man will trotzdem wissen, wie es nun weitergeht. Auch hat man die teils etwas skurrilen Charaktere mit ihren Eigenheiten (wie z.B. oben erwähnten Masturbations-Zyklen oder Cornflakes-Philosophien) nach geraumer Zeit ins Herz geschlossen. Leider wird man für das lange Durchhalten aber dann nicht richtig belohnt, denn nach 48 Stunden kommt das Ende doch recht abrupt. So braucht Stephenson unzählige Nebenstränge und Figuren, um seine Geschichte zu entwickeln, und dann wird man am Ende doch mit einem recht offenen Schluss abgespeist, der ziemlich unbefriedigend ist.
Zum Sprecher:
Gelesen wird „Cryptonomicon“ vom deutschen George Clooney, nämlich dessen Synchronstimme Detlef Bierstedt. Dieser liest gewohnt souverän, schafft es aber auch nicht, der Geschichte wirklich Leben einzuhauchen. Oft wirkt es fast so, als wäre Bierstedt von den ausschweifenden Beschreibungen selbst ein bisschen gelangweilt und lese seinen Text daher einfach nur herunter. Allerdings bietet Stephenson ihm aber auch kaum Gelegenheiten, sich besonders auszeichnen zu können. So muss er nur selten seine Stimme verstellen und alle Figuren klingen irgendwie gleich. Hier fehlt es eindeutig an Emotionen, was man Bierstedt selbst aber auch nur teilweise vorwerfen kann, denn viel mehr gibt die Vorlage leider auch nicht her – oder wie könnte man enthusiastisch das Abspringen einer Fahrradkette erzählen?
Mein Fazit:
Mit „Cryptonomicon“ ist das so eine Sache: Eigentlich hat der Autor einen wirklich tollen Schreibstil, dem man gut folgen kann und der auch die vielen wissenschaftlichen Details verständlich an den Mann bringt. Zudem muss man der Akribie, mit der Stephenson die Unmengen an historischen und mathematischen Details recherchiert hat, einfach den gebührenden Respekt zollen. Jeder Schauplatz, jede Rechnung strotzt nur so vor Detailwissen, sodass hinter dem Roman ein enormen Aufwand stecken muss. Zudem gefällt mir das Setting, welches zu großen Teilen auf den Philippinen spielt, recht gut. Außerdem bietet „Cryptonomicon“ eine Reihe von interessanten Einblicken in die Geschichte der Computertechnik, vor allem was die mühsamen Anfänge betrifft.
Doch nun zur negativen Seite: Denn trotz des guten Schreibstils schafft es Stephenson eigentlich zu keinem Zeitpunkt, ernsthaft Spannung aufzubauen. Die Story plätschert 48 Stunden so vor sich hin, und dann ist das Hörbuch plötzlich zuende. Viele Handlungsstränge und Personen sind völlig überflüssig und bringen die Geschichte mit keinem Stück vorwärts, sodass diese den Hörer nur unnötig verwirren und von der eigentlichen Story ablenken. Zudem fehlt es der Handlung an Überraschungen, welche den Hörer bei Laune halten könnten. Eigentlich quält man sich mehr oder weniger durch das Buch, was angesichts der Qualität der vermittelten Informationen fast ein bisschen schade ist. So hart es auch klingen mag, aber man kann ohne Probleme 30 Stunden des Hörbuches komplett streichen, ohne dass es der Geschichte zum Nachteil gerät. Im Gegenteil: Ich bin mir sicher, dass eine deutlich entschlackte Version um einiges spannender wäre und mehr Anhänger finden würde. Von daher ist es mir völlig unverständlich, warum von diesem Titel nicht auch eine gekürzte Fassung angeboten wird. So bleibt ein massiv überlanges, aber letztendlich doch auch gut geschriebenes und recherchiertes Buch, welches Technologie-Interessierte vielleicht zu begeistern weiß. Man sollte jedoch ein gewissen Grundwissen aus der Informatik, Mathematik und Physik mitbringen, um den Ausführen des Autors folgen und den Reiz der Geschichte erkennen zu können. Für den Durchschnittshörer ist „Cryptonomicon“ wohl eher die falsche Wahl, was auch die vielen Rezensionen von Personen zeigen, die das Hörbuch nach einigen Stunden entnervt aufgegeben haben. Ob geniales Historien-Epos oder langweiliger Technik-Kram – die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Somit komme ich auch letztendlich auf eine Wertung, die knapp über dem Durchschnitt liegt, da ich den enormen Rechercheaufwand des Autors auch irgendwie würdigen möchte.
Meine Wertung: 6/10

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