Scott Kelly

 4,6 Sterne bei 7 Bewertungen

Lebenslauf

Scott Kelly war zunächst Militär- und Testpilot, bevor er viermal ins All flog, dreimal Kommandant von Flügen zur ISS und dann Mitglied der einjährigen Mission auf der ISS war. Er ist der NASA-Astronaut, der die meiste Zeit im All ohne Unterbrechung verbrachte.

Quelle: Verlag / vlb

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Cover des Buches Endurance (ISBN: 9783570103296)

Endurance

 (7)
Erschienen am 15.10.2018

Neue Rezensionen zu Scott Kelly

Cover des Buches Endurance (ISBN: 9783570103296)

Rezension zu "Endurance" von Scott Kelly

Zu viel testosterongeschwängertes Militär - zu wenig zivile Raumfahrt
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Monaten

520 Tage im All. Da kann man sein autobiografisches Buch ruhig mal Endurance nennen. Scott Kelly war amerikanischer Astronaut und hält seitens der NASA den Rekord für die längste Zeit im All. Vor allem sein einjähriger Daueraufenthalt auf der ISS hat ihn bekannt gemacht. Dabei war Kelly an den ISS-Expeditionen 43 bis 46 beteiligt. Damit folgte er knapp auf Alexander Gerst und teilte drei Monate mit Samantha Cristoforetti, die beide ebenfalls Bücher über ihre Zeit auf der ISS geschrieben haben. Und wie Gerst und Cristoforetti hat auch Kelly zahlreiche Bilder aus dem All geschossen. Knapp eine halbe Million Fotos sind in dem Jahr zusammengekommen. Einige davon gibt es wie immer bei der NASA kostenfrei in Hochauflösung im Netz zu finden.

Der Traum echter Männer

Mit Scott Kelly schließe ich quasi meine Astronaut*innen Trilogie auch vorerst ab. Während Cristoforetti inhaltlich dermaßen begeisterte und Gerst mit einem durchaus lesenswerten Bildband aufwartete, bleibt Endurance von Scott Kelly weit hinter den beiden zurück. Immerhin gibt es bei Kelly viel mehr über die ISS und das Astronautendasein als bei Gerst zu erfahren und insofern lohnt sich Endurance für Raumfahrtbegeisterte trotz alledem. Aber leider hat sich Kelly entschieden nicht nur über seinen einjährigen Aufenthalt auf der ISS zu schreiben, sondern gleich sein ganzes Leben auszubreiten. Das mag an der ein oder anderen Stelle als Hintergrund ganz interessant sein, ist an vielen Stellen aber eher zum Fremdschämen geeignet. Die testosterongeschwängerten Geschichten eines militärbegeisterten Teenagers möchte ich einfach nicht lesen.

Damit aber leider nicht genug folgen zahlreiche Seiten und Geschichten über die harten Jungs der Navy und vermeintlich spannende Geschichten über die Ausbildung zum Kampf- und Testpiloten. Das erschütternde Bild, das Kelly hier vom Leben amerikanischer Kampfpiloten zeichnet, zeigt vor allem, dass die USA seit dem Vietnamkrieg nur wenig dazu gelernt haben. Junge Männer werden indoktriniert und werden bar jeder kritischen Selbstreflektion zum Werkzeug von Politik und Militär. Und damit das ganze funktioniert, bekommen die „Helden der Nation“ nationalistische und chauvinistische Dauerberieselung und werden in ihrem jugendlichen Allmachts- und Größenfantasien bestärkt.

Astronaut oder Untertan?

„In den 1990er-Jahren war man als Angehöriger einer F-14-Staffel so eine Art Zwischending von Berufssportler und Mitglied einer Rck’n’Roll-Band. Im Film Top Gun kommen die Arroganz und Aufschneiderei nicht wirklich zum Ausdruck.“ Wait. What? Und schon schildert Kelly, worum es wirklich geht: „Fliegen, kämpfen, ficken.“ Wobei mit Kämpfen Kneipenschlägereien mit Zivilisten gemeint waren. Und das Saufen nicht zu vergessen. Ständig wird erwähnt wie großartig manch Pilot und Astronaut doch Alkohol verträgt und andere unter den Tisch trinken kann. Und zwar schon mal so, dass „ich meinem nackten Kollegen in der Badewanne beim Erbrechen zur Hand gehen“ musste.

Viel mehr muss man dann auch nicht mehr über das Militär der USA wissen. Oder doch: „Aber Mannschaften und Offiziere müssen gehorchen, ohne Rücksicht auf ihre Gefühle, denn das unverzügliche und bedingungslose Befolgen von Befehlen ist nicht nur das Herzblut von Armeen, sondern dient auch der Sicherheit des Staates; und die Lehre, dass unter irgendwelchen Umständen vorsätzlicher Ungehorsam gerechtfertigt sei, ist Verrat am Gemeinwesen.“ Schöner hätte man den faschistischen Befehlsnotstand oder den Kadavergehorsam nicht beschreiben können. Die Demokratie in den USA krankt nicht erst seit Trump. Dieses Ausspruch von Stonewall Jackson einem der größten Verbrecher des Bürgerkriegs der Vereinigten Staaten, Sklavereibefürworter und Vertreter der Taktik der verbrannten Erde prangt an einem Türbogen einer Militärschule Kellys und wird von diesem in Endurance klassenbewusst zitiert.

Der Sozialpsychologe Philip Zimbardo hatte vor genau diesem Mechanismus unter anderem im US-Militär in seinem Buch „Der Luzifer-Effekt“ gewarnt. Frappant, dass Scott Kelly diese Szenen mit Stolz geschwellter Brust auch heute noch schildert.

Ungewolltes Plädoyer für die zivile Raumfahrt

Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass sich das im Laufe des Buches etwas nivelliert. Endurance braucht also auch der*die geneigte Leser*in. Mit Beginn der Astronautenausbildung und seinen Raumfahrten mit dem Space Shuttle und seinen Aufenthalten auf der ISS kommt das Buch dann endlich auf den Punkt, wird interessanter und Scott geradezu erwachsener, ohne jedoch gänzlich seine Militärattituden ablegen zu können. Dennoch merkt man, dass sich die Prioritäten verändern. Waren es vorher Männergeschichten und selbstwertsteigernde Erzählungen, beginnt mit dem Astronautendasein ein kooperativerer, internationalerer Blick zu entstehen. Wissenschaft rückt in den Vordergrund. Interesse für die Raumfahrt und damit für Technik und Bildung bei Kindern zu wecken, nimmt plötzlich einen wesentlichen Teil seiner Motivation ein. Und spätestens hier merkt man dann, dass Kelly das Herz doch am rechten Fleck hat.

Nichtsdestotrotz bleibt einfach ein riesiger Unterschied zwischen den Wissenschaftsastronauten und Militärastronauten. Man kann nur hoffen, dass künftig die Raumfahrt von ersteren dominiert wird. Alexander Gersts Erzählungen sind da um Welten angenehmer als das was Kelly schreibt. Überraschenderweise kommt Cristoforetti auch aus dem Militär. Aber hier scheint sich der Unterschied zwischen USA und Europa zu manifestieren.

Wissenschaft oder Fortschrittsglaube?

Scott Kelly dürfte nicht zuletzt deshalb für dien einjährige Mission auf der ISS ausgewählt worden sein, weil er einen Zwillingsbruder hat, der ebenfalls für die NASA als Astronaut arbeitet und somit die einzigartige Chance auf eine Zwillingsstudie bestand. Scott und Mark Kelly werden bis an ihr Lebensende untersucht werden und haben sich somit zu Versuchskaninchen der NASA gemacht. Es ist nicht zuletzt dieser Punkt, der bei Scott Kelly ein ums andere Mal daran denken lässt, dass die NASA mit Kelly einen nützlichen Idioten gefunden hat. Die Entbehrungen die Kelly und seine Angehörigen während seiner über 500 Tage im All aushalten mussten, sind nicht gerade etwas, wofür man reichlich Kandidat*innenauswahl hat.

Am Ende steht für die NASA wie für viele Raumfahrtbegeisterte das unhinterfragbare Ziel der bemannten Raumfahrt zum Mars. Man scheint hier mit allen Mitteln im Zeitrahmen bleiben zu wollen. Koste es was es wolle. Die gleiche Einstellung hatte schon die Besatzungen von Columbia und Challenger das Leben gekostet.

Letztlich bleiben einige interessante Erkenntnisse über die Raumfahrt und die ISS. Wer sich nur ein Buch zu diesem Thema zulegen möchte, fährt mit Samantha Cristoforetti weitaus besser. Wer allerdings auch etwas über das Selbstverständnis amerikanischer Testpiloten, Militärs und Astronauten erfahren möchte, kann hier gerne zugreifen. Wer Fan von Scott Kelly ist, kommt um das Buch natürlich nicht drumherum.

Cover des Buches Endurance (ISBN: 9783570103296)

Rezension zu "Endurance" von Scott Kelly

Ein Meisterwerk, das einen an die eigenen Träume glauben lässt
Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren

Im Jahre 2012 erfuhr die NASA, dass die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos plant einen Kosmonauten für ein Jahr ins All zu schicken, worauf auch die Amerikaner einen solchen Einsatz ankündigten. Scott Kelly war schliesslich der NASA-Astronaut, den sie als geeignet hielten und offen war die Tür für ein einjähriges Abenteuer. Ein Jahr weg von der Familie. Ein Jahr ohne Dusche. Ohne ein richtiges Bett. Essen aus Plastiktüten. Ein Jahr 400km oberhalb der Erde, nicht nach Hause können, wenn da ein Notfall ist. Nie nach draussen gehen. Trotz all dieser Einschränkungen haben Scott und Michail Kornienko (meist genannt Mischa) sich für diese Mission, eine der wohl wichtigsten im biomedizinischen Bereich für zukünftige Marsmissionen, entschieden.

Scott Kelly ist kein sehr literarischer Mensch. Man merkt das auch ganz klar am Schreibstil, der sehr einfach und pragmatisch gehalten ist. Trotzdem fesselt er mit einer unglaublichen Menge an Details. Als ich den Prolog gelesen habe, über das erste Essen mit seiner Familie zurück auf der Erde, konnte ich auf eine Weise ganz genau nachvollziehen, wie Scott sich gefühlt hat. In diesem Buch erfahren wir vielleicht teilweise sogar mehr, als er seiner eigenen Familie erzählt hat, er nimmt kein Blatt vor den Mund, sagt was auch immer heute ansteht, egal wie unangenehm es auch ist. Wir lernen mehr über die Mission an sich, die Menschen, die er dort getroffen hat (um mal ein paar zu nennen, Samantha Cristoforetti, Gennadi Padalka, Kjell Lindgren und viele mehr), seine und deren Eigenheiten. Wir erfahren, was seine Ängste und Sorgen sind, aber auch was ihm Freude bereitet, was ihn glücklich macht.

Er sagt uns, dass alles möglich ist, wenn man es denn nur genug will und man dafür kämpft. In einem Interview hat er etwa gesagt: “if you want to be an astronaut, go for it and try. You can do it. Because I did it.” Normalerweise mag ich solche Aussagen überhaupt nicht, aber hier stimmt sie. Als Teenager war Scott wahrscheinlich der Schüler, dem man am wenigsten zugetraut hätte, einmal Astronaut zu werden, unmotiviert, faul, schlechte Noten und doch hat er es geschafft und seinen Traum verwirklicht.

Cover des Buches Endurance (ISBN: 9783570103296)
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Rezension zu "Endurance" von Scott Kelly

„Ein Jahr im All – eine Biographie“
losgelesenvor 5 Jahren

Nach seinen ersten drei Raumflügen verbringt der Amerikaner Scott Kelly seinen vierten Ausflug ins Weltall auf der Internationalen Raumstation (ISS) für ein ganzes Jahr. Seine Erfahrungen beschreibt der Astronaut in seiner sehr persönlichen Biographie und präsentiert sie dem interessierten Leser in voller Offenheit.

In dem 480 Seiten dicken Buch „Endurance – Mein Jahr im Weltall“ aus dem C. Bertelsmann Verlag erhält der Leser neben der Herausforderung eines Lebens in der Schwerelosigkeit und der Abgeschiedenheit, nicht nur von der Familie, sondern von nahezu der restlichen Menschheit, auch Einblicke in den normalen Arbeitsalltags eines Astronauten. Und dies beschreibt Scott Kelly sehr anschaulich und intensiv, so dass man sich beim Lesen ebenso schwerelos wie der Astronaut selber fühlt.

Da es sich aber um eine Biographie handelt, erzählt der Autor natürlich auch seine eigene Lebensgeschichte außerhalb des Astronautendaseins: seine Kindheit, seine Schulzeit, seine Ehe und die alltäglichen Probleme, die jeder hat. Leider wirken diese Szenen im Vergleich zu den Beschreibungen des Lebens auf der ISS eher langweilig, was sie für einen Außenstehenden nun einmal auch tatsächlich sind. Aber schließlich wird Scott Kelly aufgrund der vergangenen Begebenheiten und Vorkommnisse zu dem Menschen der er ist. Dem gegenüber steht aber nun der Erlebnisbericht eines Astronauten. Sorry, Scott Kelly, aber der Raumfahrtteil ist nun einmal deutlich spannender (geschrieben).

So ist „Endurance – Mein Jahr im Weltall“ mit kleinen Abstrichen ein empfehlenswertes Buch, das einen Eindruck vermittelt, wie das Leben im Weltall sich abspielt. Insbesondere von in der Zukunft geplanten Langzeitflügen zum Mars, ist dies ziemlich interesant.

Abgerundet wird das lesenswerte Buch übrigens durch zahlreiche Farbfotos.

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Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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