Scott Stossel Angst

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Inhaltsangabe zu „Angst“ von Scott Stossel

Angst ist in Deutschland die häufigste seelische Störung, noch vor Alkoholismus und Depression. Scott Stossel führt uns anhand seiner eigenen Leidensgeschichte durch das Universum der Ängste, Phobien und Panikattacken. Ein humorvolles, empathisches und inspirierendes Buch, das dem Leser tiefe Einsichten in die biologischen, kulturellen und gesellschaftlichen Faktoren der Angst vermittelt.
Schlotternd vor Angst, steht er vor dem Traualtar und möchte am liebsten im Erdboden versinken - eine so schreckliche wie komische Situation, die man seinem ärgsten Feind nicht wünscht! Indem er seinen eigenen Kampf mit der Angst schildert, gelingt Scott Stossel eine so authentische wie sachkundige Geschichte der Anstrengungen, Angst unter medizinischen, kulturellen, philosophischen und empirischen Gesichtspunkten zu verstehen. Das Spektrum reicht von den ersten medizinischen Berichten bis zur neurowissenschaftlichen und genetischen Forschung unserer Tage. Stossel erzählt von berühmten Menschen, die zeitlebens mit der Angst kämpften, und von den erkrankten Angehörigen der eigenen Familie. Seine Biographie einer Krankheit berücksichtigt nicht nur die vielfältigen Spielarten der Angst, sondern ebenso die unzähligen Therapien und Pillen, die zu ihrer Bekämpfung entwickelt wurden. Stossel schildert die lähmende Wirkung von Angst, ihre paralysierende Macht und beschreibt die mutmachende Suche nach Wegen, sie zu beherrschen und mit ihr umzugehen.

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  • Man kann dieses Buch nicht lesen ohne das eigene Leben und die eigenen Gefühle auszublenden

    Angst

    WinfriedStanzick

    01. November 2014 um 13:32

      Es ist kein wissenschaftliches Fachbuch, das  der amerikanische Journalist Scott Stossel hier vorlegt, sondern es ist ein Buch, in dem jemand von seinen persönlichen Erfahrungen spricht mit einem seelischen Zustand, der ihn  seit seiner Kindheit begleitet und von dem er in harter Arbeit an sich selbst gelernt, unabhängiger zu werden.   Die Rede ist von der Angst, einer seelischen Störung, die in Deutschland jedenfalls noch häufiger ist als die Depression. Oft unbenannt in das akzeptablere Wort Burnout, aber auch weil man in direkter Nachbarschaft mehrmals im Jahr von Menschen erfährt, die davon betroffen sind, beginnt seit einiger Zeit ein Prozess, in dem die Depression als eine auch in der Gesellschaft langsam anerkannt wird. Vielleicht auch deshalb, weil immer mehr bislang fitte und leistungsfähige Männer unterschiedlicher Altersstufen (sie werden immer jünger)  davon betroffen sind.   Mit der Angst verhält es sich anders. Sie ist weithin verdeckt, die Menschen suchen weniger die professionelle Behandlung. „Wie sie Seele lähmt und wie man sich befreien kann“, beschreibt Scott Stossel am Beispiel seiner eigenen Lebensgeschichte. Doch als bekannter Journalist bleibt er in seinem Buch nicht beim Biographischen stehen, sondern er bettet seine Reflexionen ein in einen kulturgeschichtlichen Rahmen und auch in einen medizin- und therapiegeschichtlichen.   Was passiert, wenn man zum ersten Mal spürt, dass die Angst nicht mehr ein kurzes Phänomen bleibt, wenn sie beginnt, die Herrschaft über das eigene Leben zu übernehmen? Die Beschreibungen dieser Entwicklung, wenn das eigene Ich keinerlei Möglichkeiten mehr zu haben scheint, sich dagegen zur Wehr zu setzen, wenn die Angst in alle Ritzen kriecht und noch in den kleinsten Lebensnischen die Hegemonie beansprucht, sind dicht und gehen unter die Haut.   Das sollen sie auch nach Stossels Verständnis. Denn die eigene Beschäftigung mit den oft in der Kindheit wurzelnden Ursachen der Angst ist wichtig. Aber genauso wichtig ist eine Haltung, die bereit ist, die eigene Angst zu tragen, denn sie will auch eine Botschaft vermitteln.   Man kann dieses Buch nicht lesen ohne das eigene Leben und die eigenen Gefühle auszublenden. Man spürt aber auch zunehmend, dass Angst nicht nur ein individuelles Gefühl ist, dessen hilfreiche Funktion für den Lebenserhalt bei immer mehr Menschen in eine seelische Störung umschlägt.  In den letzten Jahren kann man in der Gesellschaft so etwas wie eine generelle Angst feststellen, genährt durch katastrophale Nachrichten einerseits, anderseits aber auch durch deren tägliche Permanenz in den Medien, die vielen Menschen ihre normale Lebensgewissheit nimmt und ihre Fähigkeit zur Resilienz unterminiert.   Der eigene Widerstand gegen die Überflutung durch solche medial und gesellschaftlich vermittelte kulturelle Angst ist vielleicht die wichtigste Prophylaxe.

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  • Über den Umgang mit einem fundamentalen Gefühl

    Angst

    michael_lehmann-pape

    16. September 2014 um 12:32

    Über den Umgang mit einem fundamentalen Gefühl Harvard Absolvent, erfolgreicher Journalist, gesundes Privatleben, Anerkennung. Wenn einer als „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“ bezeichnet werden könnte, dann sicherlich Scott Stossel. Wenn da nicht die andere Seite wäre. Eine innere Seite. Ein immenser Berg der Angst. Oft irreal, teils fast surreal aber vorhanden und lange Zeit lebensbestimmend. Eine innere, bebende Verfassung, von der Stossel sich lange Zeit nicht frei machen könnte, die ihn bereits sein ganzes Leben von Kindheit an begleitet hat. Hier spricht jemand, der einerseits genügend Bildung und Distanz aufbringen kann, um sehr reflektiert und mit Wissen über dieses Grundgefühl der Angst zu sprechen und zugleich jemand, der aus Erfahrung heraus dem Leser die Folgen, Möglichkeiten, das Niederdrückende, aber auch die Chancen des Gefühls der Angst vor Augen führen kann. Was Stossel in bester Weise, gleichermaßen informativ wie atmosphärisch dicht im Buch vollzieht und durch die vielfachen persönlichen Illustrationen eben kein „Fachbuch“ auf abstrakter Ebene vorlegt, sondern einen fachlich reflektierten, persönlichen Bericht. Was sind die lähmenden Folgen, wenn die Angst die Oberhand gewinnt, wie fühlt sich das an und, vor allem, welche Wege sind möglich, der Angst in diesem überwältigen Maße Herr zu werden? Fragen, denen Stossel akribisch nachgeht und die er verständlich formuliert zu schildern versteht. Intensiv zunächst versteht Stossel es, das eigene Ausgeliefertsein aufzuzeigen. Jener Zustand, den sich niemand wünscht, den man nicht haben möchte, gegen den das eigene Ego jedoch völlig machtlos zu sein scheint, weil eine tiefere Ebene die Führung der eigenen Person übernommen hat. „….kämpfe ich gegen drei Symptome an: das Schlottern meiner Glieder, den Brechreiz und die drohende Ohnmacht. Und die ganz Zeit denke ich: Nur raus hier. Ich habe meinen Körper nicht mehr im Griff. Obwohl dieser Anlass einer der glücklichsten meines Lebens ist, bin ich ein Häuflein Elend“. Wie in Wellen kommt die Angst, oft auch in Momenten, die im eigentlichen Sinn nichts furchteinflößendes an sich haben und daher nichts fassbares dem Verstand in die Hand geben. Was Angst genau ist, welche Formen sie annehmen kann (vor allem in der „Leistungsangst“ jedweder Natur, oder auch der „Trennungsangst“), was die Genetik damit zu tun hat, welchen Schaden (und Nutzen) Medikamente hier auch anrichten könnten, wie ein ganzes „Zeitalter der Angst“ unmerklich auch die westliche Kultur in ihrer Breite langsam und unterschwellig bestimmt (und zu „ständigen Leistungen“ in ungesunder Weise „anspornt“), all das kann der Leser sehr persönlich illustriert und dennoch vor allem sachgerecht im Buch nachlesen. Allein schon die Rückblicke in die Kindheit des Autors und die Darstellung seiner massiven Trennungsangst (zunächst in Bezug auf seine Eltern) und das, was da alles an irrationalen Handlungen und Fantasien ablief, stößt auch im Leser alte Erinnerungen wieder an und erzeugt eine emotionale Nähe, die für das Verständnis Stossels wichtige Bedeutung hat. Nun trotz solcher „Erschütterungen“ voran zu schreiten, die Fähigkeit zu entwickeln, Angst zu tragen (nicht sie auszumerzen, das geht erstens nicht und würde auch die wichtigen Funktionen der Angst ausschalten mit Gefahren für das gesamte Leben), das ist die wohl wichtigste Basis für ein Leben, das sich selbst verwirklicht. Denn jeder Entwicklungsweg führt zunächst auf „noch unbekanntes Gebiet“ und damit ins Risiko. „Normale Angst“ hingegen ist eine Stimulation, die in reflektierter Weise das Leben voranbringen will und kann. Stossel erläutert ruhig jene Aspekte, die „für die Angst entschädigt) und erläutert seine Wege zu einer Reduzierung der Angstzustände. Das dies bei übermäßiger Angst nicht ohne professionelle Hilfe funktioniert, auch davon erzählt Stossel und erläutert den Rahmen einer „Hilfe, die wirklich hilft“. Mit dem Ziel, eine notwendige Resilienz durch das Versehen seiner selbst sich anzueignen. Ein spannendes, intensives Buch über ein existenzielles Grundgefühl, das jeden Leser in der ein oder anderen Weise anzusprechen versteht und über den persönlichen Rahmen hinaus in Teilen auch auf eine „kulturelle Angst“ verweist, die an manchen Stellen beginnt, kollektiven Einfluss auf die Lebens- und Weltgestaltung zu nehmen.

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