Sebastian Barry

 4,2 Sterne bei 69 Bewertungen
Autor von Tage ohne Ende (Steidl Pocket), Ein verborgenes Leben und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Sebastian Barry

In allen Gattungen der Literatur zu Hause: Sebastian Barry ist 1955 in Dublin geboren und auch dort aufgewachsen. Er besuchte die Catholic University School und studierte am Trinity College. 1982 wurde sein erster Roman „Macker’s Garden“ veröffentlicht, wodurch seine schriftstellerische Karriere ins Laufen kam. Es folgten weitere Romane und auch im Bereich der Lyrik war Barry erfolgreich, bevor er 1986 erstmals die Dramatik für sich entdeckte und das Theater für ihn zur wichtigsten Form wurde. Am bekanntesten ist Barry dennoch für seinen Roman „Ein langer langer Weg“, der auf die Shortlist des Booker Prize 2005 kam und 2006 den Kerry Group Irish Fiction Award erhielt. Barrys Texte beschäftigen sich häufig mit der Politik und den Kriegen im 20. Jahrhundert, wie beispielsweise sein Roman „Tage ohne Ende“, der 2017 auf der Longlist des Man Booker Preises stand.

Alle Bücher von Sebastian Barry

Cover des Buches Tage ohne Ende (Steidl Pocket) (ISBN: 9783958297272)

Tage ohne Ende (Steidl Pocket)

 (19)
Erschienen am 19.03.2020
Cover des Buches Ein verborgenes Leben (ISBN: 9783423139946)

Ein verborgenes Leben

 (19)
Erschienen am 01.05.2011
Cover des Buches Tausend Monde (ISBN: 9783958297753)

Tausend Monde

 (9)
Erschienen am 09.09.2020
Cover des Buches Annie Dunne (ISBN: 9783958299344)

Annie Dunne

 (4)
Erschienen am 10.03.2021
Cover des Buches Tage ohne Ende (ISBN: B07NZQK2YV)

Tage ohne Ende

 (4)
Erschienen am 01.02.2019
Cover des Buches Ein langer, langer Weg (Steidl Pocket) (ISBN: 9783958297722)

Ein langer, langer Weg (Steidl Pocket)

 (1)
Erschienen am 27.05.2020
Cover des Buches Mein fernes, fremdes Land (ISBN: 9783423143127)

Mein fernes, fremdes Land

 (1)
Erschienen am 01.05.2014
Cover des Buches Ein verborgenes Leben (Steidl Pocket) (ISBN: 9783958299320)

Ein verborgenes Leben (Steidl Pocket)

 (1)
Erschienen am 10.03.2021

Neue Rezensionen zu Sebastian Barry

Cover des Buches Ein verborgenes Leben (Steidl Pocket) (ISBN: 9783958299320)Lia48s avatar

Rezension zu "Ein verborgenes Leben (Steidl Pocket)" von Sebastian Barry

Eigenwillig, düster, toller Schreibstil, aber einige Längen
Lia48vor 3 Monaten

„(...) darf sich ein Mensch (...) nicht, so gut es geht, selbst glücklich machen? Ich halte das für legitim. Schließlich ist die Welt ja wunderschön, und wenn wir keine Menschen wären, sondern andere Geschöpfe, so könnten wir sehr wohl dauerhaft glücklich in ihr sein.“

INHALT:
Irland, 1957: Roseanne ist um die 100 Jahre alt, genau weiß das niemand. Sie fristet ihr Dasein in einer psychiatrischen Klinik in Roscommon. Heimlich schreibt sie ihr Leben auf. Sie erinnert sich an früher und vertraut dem Papier mehr an, als ihrem Arzt, auch wenn sie ihn gerne hat.
Dr. Grene, knapp 65 Jahre alt und leitender Psychiater, steht vor einer herausfordernden Aufgabe: Das morsche Klinikgebäude soll abgerissen werden, die Patienten sollen in einen Neubau ziehen. Doch dort ist weniger Platz. Also muss er als Arzt entscheiden, welche Patienten entlassen werden können. Wurden sie aus medizinischen oder aus sozialen Gründen eingewiesen?
Roseanne war schon vor ihm hier, mindestens also seit 30 Jahren. Dr. Grene muss ihren Fall nun neu bewerten. Was ist damals im Bürgerkrieg geschehen? War ihr Vater, der Friedhofswärter, ein Verräter? Und hat Roseanne tatsächlich ein Kind umgebracht?

MEINUNG:
Auf dieses Buch aufmerksam geworden, bin ich durch „Annie Dunne“, ein anderes Buch von Sebastian Barry, von dem ich schwer begeistert war.
Auch wenn die Kulisse diesmal eine andere ist (psychiatrische Klinik & Friedhof statt auf dem Land), hat es doch wieder diesen düsteren, melancholischen Klang, den ich manchmal ganz gerne habe.

Ich fand die Handlung sehr ansprechend, auch wenn sie sehr langsam voranschreitet. Dies lädt zum Innehalten ein, was bei all der Hektik im Alltag, entschleunigend wirken kann, obwohl der Inhalt zum Teil sehr tragisch und nicht ganz ohne ist.

Die beiden Perspektiven von Roseanne und Dr. Grene haben mir ganz gut gefallen, wobei mir Roseanne emotional etwas zu fern blieb. Auf der anderen Seite ist dies vielleicht auch so vom Autor erwünscht, schließlich befindet sich die alte Dame seit so vielen Jahren allein in diesem Klinikzimmer und scheint nicht viel Kontakt zu Menschen gehabt zu haben. Außerdem ist vorher in ihrem Leben einiges geschehen, was sie vielleicht auf Abstand zu anderen hält. Daher wirkte dies auf mich authentisch. 

Auch in „Ein verborgenes Leben“ führten bereits die ersten Seiten dazu, dass ich mich in den Schreibstil Barrys verliebt habe. Wie findet man nur so wunderschöne Sätze?
Allerdings verlangt ein etwas ausufernder Schreibstil auch nach viel Konzentration und verleitet schnell dazu, dass man die Aufmerksamkeit verliert. So ging es mir zumindest, weshalb ich mit zahlreichen Längen zu kämpfen hatte und beim Lesen viele Pausen einlegen musste.
Trotzdem habe ich den Anschluss nie komplett verloren, da trotz des langsamen Fortschreitens der Handlung, jedes Mal wieder etwas Interessantes geschehen ist, das meine Aufmerksamkeit erneut auf sich zog.

Lediglich der Schluss wirkte auf mich zu konstruiert. Zufälle geschehen, aber manche wirken sich negativ auf die Authentizität einer Geschichte aus, was für mich hier der Fall war.

FAZIT: Insgesamt ist ein Buch, welches man nur schwer bewerten kann, da es so eigenwillig daherkommt. Nicht jeder wird den Schreibstil mögen, aber einige werden ihn lieben (ich zähle mich zu letzterer Gruppe, auch wenn ich mit vielen Längen zu kämpfen hatte und Pausen einlegen musste). Und so wird es auch mit dem Inhalt sein, welcher mir bis auf den Schluss sehr gut gefallen hat.
Wer langsam voranschreitende, leicht düstere Handlungen mag und sich von einem wunderschönen, ausgefallenen aber etwas ausufernden Schreibstil nicht einschüchtern lässt, der könnte sich das Buch definitiv mal anschauen! 3,5-4/5 Sterne

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Cover des Buches Annie Dunne (ISBN: 9783958299344)Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Annie Dunne" von Sebastian Barry

Eine kleine Farm im Irland der 1950er
Buecherschmausvor 4 Monaten

Annie Dunne ist keine wirklich sympathische Person. Schroff, abweisend und in allerlei Vorurteilen verfangen erscheint sie ihrer Umwelt. Sebastian Barry wäre aber nicht der großartige Menschenporträtist, der er ist, wenn es hinter der rauen Schale von Annie Dunne nicht ganz anders aussähe. Der Steidl-Verlag veröffentlicht den zweiten Roman des irischen Schriftstellers von 2002 in einer gewohnt schönen, nein, in einer ganz besonders schönen Leinenausgabe.

Es ist das Jahr 1959. Annie, ein Abkömmling der Familie Dunne, der Sebastian Barry so wie der Familie McNulty schon einige Romane gewidmet hat, lebt seit ein paar Jahren bei ihrer Cousine Sarah auf dem kleinen Hof in Kelsha am Rande der Wicklower Berge. Hier hat Annie ein Unterkommen gefunden, nachdem sie von ihrem Schwager Matt quasi vor die Türe gesetzt wurde. Nach dem frühen Tod ihrer Schwester Maud, um deren drei Söhne sich Annie jahrelang wie eine Art Kinderfrau gegen Kost und Logis gekümmert hat, hat dieser eine neue Frau gefunden und für Annies „Dienste“ keine Verwendung mehr. Selbst hatte Annie nie eine Beziehung, das mag an ihrer schroffen Art liegen oder aber an den körperlichen Beeinträchtigungen nach einer Polioerkrankung in der Kindheit. Eine Ausbildung war für Mädchen in den 1950er Jahren keine Selbstverständlichkeit.

Annies große Angst war und ist, in dieser Situation unversorgt in der „Anstalt“ zu landen. Das war oft der einzige Ausweg für unverheiratete, unversorgte Frauen früherer Zeiten. Und Endstation auch für Annies eigenen Vater, der dort in geistiger Umnachtung und in einigem Elend starb. Ein Ende, für das sich die nun fast sechzig Jahre alte Frau immer noch Vorwürfe macht und das für sie den blanken Horror daarstellt. Umso dankbarer ist sie ihrer Cousine, der sie auch sehr zugetan ist. Ihr Zusammenleben mit einer Reihe von Hühnern, Kühen und einem störrischen Pony verläuft insgesamt sehr harmonisch, ruhig und beglückend.

Ein wenig Leben kommt zu Anfang des Sommers ins kleine Farmhaus, als die Kinder von Annies Neffen Trevor für einige Wochen zu Besuch sind. Der vierjährige Junge und das sechsjährige Mädchen halten die beiden älteren Damen ordentlich auf Trab, bringen aber auch viel Fröhlichkeit ins Haus. Leider gibt es aber auch Schatten, die auf die Tage fallen, da Sarah sich mit dem Gedanken trägt, dem Werben des Farmarbeiters Billy Kerr nachzugeben und auf ihre alten Tage noch einmal zu heiraten. Annie Dunne sieht dadurch ihren erhofften ruhigen Lebensabend bedroht.

Sebastian Barry vermag es wieder hervorragend, die ambivalenten Charaktere seiner Protagonisten zu durchleuchten. Genau, aber immer mit viel Wärme und Sympathie. Dabei gelingt es ihm vortrefflich in die Haut einer älteren Dame der letzten Jahrhundertmitte zu schlüpfen. Wie gut ihm diese Einfühlung in völlig verschiedene Figuren gelingt konnte man schon in seinem jüngstem Roman Tausend Monde von 2020 erfahren. Außerdem ist Sebastian Barry ein Meister im Aufbau von Atmosphäre. Das Leben im ländlichen Irland vor mehr als sechzig Jahren wird spürbar, erlebbar.

Annie Dunne ist ein früherer Roman des 1955 geborenen Sebastian Barry, zeigt ihn aber bereits auf der Höhe seiner Kunst.

 

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Cover des Buches Annie Dunne (ISBN: 9783958299344)Lia48s avatar

Rezension zu "Annie Dunne" von Sebastian Barry

Melancholische, wundervolle Lektüre, mit Sätzen, die auf der Zunge zergehen!
Lia48vor 4 Monaten

„Ist der Tag voller Mühsal, wird er uns lang; ist er voll schöner Momente, erscheint er uns kurz, und doch ist das Leben an sich nicht mehr als ein Wimpernschlag.“ 

INHALT:
Irland, 1959: Die 59-jährige Annie gehörte einst zu einer angesehenen Familie in Dublin und bewohnte dort ein wundervolles Haus. Doch nach dem Tod ihrer Schwester wurde sie vor die Tür gesetzt. Was für eine Schmach für eine alleinstehende Frau in ihrem Alter!
Seit mehreren Jahren ist Annie nun bei ihrer zwei Jahre älteren Cousine auf dem Hof im beschaulichen Kelsha untergekommen. Umgeben von Hühnern, Kühen, Hund und einem Pony hat sie dort ihr bescheidenes Glück gefunden. Doch der gesellschaftliche und wirtschaftliche Abstieg macht ihr nach wie vor zu schaffen.
Da sorgen die Kinder ihres Neffen für reichlich Abwechslung, die, wie jedes Jahr, den Sommer bei ihr auf der Farm verbringen. Zwei wahre Energiebündel!
Und dann ist da noch Billy Kerr, der in der Not plötzlich zur Stelle ist. Annie kann ihn eigentlich nicht leiden – hat sie sich etwa in ihm getäuscht?

MEINUNG:
Ursprünglich bin ich durch ein Zitat auf das Werk aufmerksam geworden, da mich der Schreibstil so beeindruckt hat.
Und auch beim Lesen bestätigte sich nach nur wenigen Seiten mein positiver Eindruck von der feinen Sprache, der sich Autor und Übersetzer hier bedient haben.
Ich liebe es, zwischendurch Bücher zu lesen, in denen einem die Sätze regelrecht auf der Zunge zergehen. So war mir die sprachliche Gestaltung wahrlich ein Genuss!


Es geht vor allem zu Beginn der Lektüre eher ruhig und beschaulich zu, was ich zwischendurch ganz gerne mag, da es sehr entschleunigend wirken kann.
Obwohl von der Handlung her eher wenig geschieht, war ich von der sprachlichen Gestaltung her so gebannt, dass ich das Buch nur ungern zur Seite gelegt und lieber die schönen Sätze bewundert habe.
Der Autor schreibt sehr bildlich, atmosphärisch, leicht poetisch (ohne, dass es zu kitschig wirkt), und gibt viele Sinneseindrücke wieder, sodass man sich die Umgebung und auch die Figuren sehr gut vorstellen kann.
Gleichzeitig habe ich viele Pausen beim Lesen gebraucht, da ich manche Sätze zum besseren Verständnis mehrmals lesen musste, aber auch, um den Worten Raum zum Nachklingen zu geben.
Zwar gab es für mich ab und zu Längen, doch die hielten glücklicherweise nie lange an, da immer wieder kleinere Spannungsmomente auftauchten.


Mit Annie befindet man sich als Leser*in an der Seite einer überwiegend liebenswerten Protagonistin, die ihr Herz am rechten Fleck trägt. Mit ihren Sorgen, Ängsten und Wünschen bekommt man einen guten Einblick in ihr Innenleben und ich konnte mit ihr mitfühlen. Es tat mir leid, wie sehr sie unter ihrem buckeligen Rücken zu leiden hatte oder wie sie vor die Tür gesetzt wurde. Ebenso konnte ich ihre Ängste vor der Zukunft gut nachvollziehen.


Das Buch hat anfangs etwas Leichtes, wirkt im Verlauf jedoch sehr melancholisch und schwermütig auf einen.
Besonders gefreut hat mich, dass die Geschichte nicht klischeehaft oder kitschig verläuft, was ich zu Beginn etwas befürchtet hatte. Stattdessen wirkte sie sehr authentisch auf mich.


FAZIT: Eine wunderbare Lektüre, die ich euch sehr ans Herz legen kann, wenn ihr gerne ruhigere Bücher lest und viel Wert auf eine besonders schöne sprachliche Gestaltung legt! 4,5/5 Sterne!

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Sebastian Barry wurde am 05. Juli 1955 in Dublin (Irland) geboren.

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